Hertha BSC und das gefährliche Spiel mit den Millionen von Lars Windhorst

Hertha BSC auf dem Drahtseil mit den Windhorst-Millionen

Bildquelle: Pixel-Sepp [CC0] [CC BY-SA 0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Welch ein Segen, dass Lars Windhorst mit seinem Unternehmen der Tennor Holding bei Bundesligist Hertha BSC einstieg. Genau 49,9% der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA übernahm der Investor mit seiner Firma und pumpte dafür rund 225 Millionen Euro in den Verein. Was auf dem Papier schön aussieht, kann am Ende nach hinten losgehen, wenn sich die Dinge nicht so entwickeln, wie man sie sich in Berlin vorstellt.

Dass ein Umbruch an der Spree stattfindet, bemerkt im Grunde jeder, der sich mit dem Hauptstadtklub beschäftigt. Das Trainerteam hat ein komplett neues Gesicht bekommen, aber auch der Kader soll im Grunde komplett umgebaut werden.

Trainer Jürgen Klinsmann ohne Nachhaltigkeit installiert

Die Installierung von Trainer Jürgen Klinsmann, der eigentlich zunächst nur einen Sitz im Aufsichtsrat von Hertha BSC erhalten sollte zeigt, in welche Richtung es gehen soll. Trainer Ante Covic ist längst vergessen. Es gibt anscheinend kaum noch jemanden, der an das Hertha-Urgestein denkt! Warum auch? Weil Werte wichtiger sind als Millionen, illustre Namen oder gar Ergebnisse?

Wie mit dem altverdienten Herthaner Covic am Ende umgegangen wurde, ist sicherlich nicht die feine Art gewesen, aber so ist das Geschäft. Erfolg verbindet und Misserfolg führt oftmals zur Trennung. Erfolg möchte man bei Hertha BSC mit aller Macht erreichen und dabei helfen die Investments von Lars Windhorst ungemein. Dies ist unbestritten, aber die Frage ist, wie klug wird Hertha BSC um Manager Michael Preetz und Geschäftsführer Ingo Schiller, der bekanntlich auch für den Bereich Finanzen zuständig ist, Entscheidungen treffen, die nachhaltig sind?

Hat Hertha BSC aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt?

Genau das ist der Knackpunkt, denn bei Hertha BSC hat man sich in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig Luftschlösser gebaut und am Ende landete man wieder im Mittelmaß der Bundesliga. Oftmals klafft eine riesige Lücke zwischen Wunsch und Realität. Hat man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt oder eher nicht?

Ein Blick auf die Namen, die aktuell bei Hertha BSC gehandelt werden lässt einiges herleiten. Um das zu verstehen, muss man weiter in die Vergangenheit zurückblicken. Schon immer hat man von vermeintlich großen Spielernamen an der Spree geträumt und diese kamen zum Teil auch. Andreas Thom beispielsweise oder Ali Daei, Bryan Roy, Rob Maas, Sebastian Deisler und einige andere.

Große Namen oder Spieler mit Potenzial und Können verpflichten?

Einige Spieler wurden erst zu Stars, wenn man beispielsweise an Alex Alves, Marcelinho und Arne Friedrich zurückdenkt. Vermeintliche Stars wie Johnny Heitinga, der mit 31 Jahren den FC Fulham und somit auch die Premier League verließ, um sich der Alten Dame anzuschließen. Er blieb am Ende nur ein Jahr und die Verantwortlichen hatten sich vom 87-fachen niederländischen Nationalspieler einfach mehr erhofft.

 

 

Schon zu oft hatten die Hertha-Verantwortlichen große Träume entwickelt und setzten dabei auf große Namen. Dabei waren es regelmäßig Alt-Stars, die ihren Zenit längst überschritten hatten. Man kann mit den heutigen Namen, die in der Transfermarkt Gerüchteküche in Bezug auf Hertha BSC Parallelen ziehen, denn schaut man sich mal genauer an, welche Namen unter den Transfergerüchten gehandelt werden, dann ist nicht alles Gold, was glänzt.

Könnte Mario Götze Hertha BSC überhaupt weiterhelfen?

Der Verein läuft Gefahr, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Sicherlich hat uns Mario Götze zum WM-Titel 2014 in Brasilien geschossen und uns alle in Glückseligkeit taumeln lassen, aber wie ging seine Karriere danach weiter? Vom FC Bayern München aus Dortmund geholt, konnte er nie zu 100% sein Talent auf den Platz bringen.

Nun ist er 27 Jahre alt und eigentlich müsste man meinen, dass er sich im besten Fußballeralter befindet, aber seine Entwicklung stagniert bzw. bildet sich zurück. Der Mittelstürmer hatte vor rund sechs Jahre noch einen Marktwert von rund 55 Millionen Euro. Dieser ist aktuell auf 18 Millionen Euro abgesackt. Götze ist ein Guter, aber passt er auch zu den Zielen, die Hertha BSC bzw. Jürgen Klinsmann ausgerufen hat? Der Ex-Bundestrainer philosophiert über Namen, die auf seiner Shortlist stehen und er selbst wird aller Voraussicht nach Ende dieser Saison gar nicht mehr an der Seitenlinie stehen.

Was passiert mit dem Kader nachdem Klinsmann nicht mehr Trainer ist?

So lautet jedenfalls der aktuelle Plan. Ein neuer Trainer wird wahrscheinlich zum Sommer kommen und dieser sollte mit dem Kader in die neue Saison gehen, der zu seiner Idee, Fußball spielen zu lassen, auch passt! Natürlich hat man das Ziel „Europa League“ bzw. in drei bis fünf Jahren, um Titel mitspielen zu wollen, nicht ohne Grund ausgerufen. Das bedeutet aber auch, dass Hertha BSC sich für die Champions League qualifizieren müsste, um dauerhaft Chancen auf Titelgewinne zu haben.

Dies geht nur mit einem homogenen Kader, der klug zusammengestellt wurde, aber nicht durch Hauruck-Transfers, die auf die Schnelle eine namhafte Truppe auf den Platz zaubert. Schaut man sich weitere Namen an, die aktuell bei den Hertha BSC Transfergerüchten ihre Runde drehen, so muss man sagen, dass die Verantwortlichen des Bundesligisten mit dem Feuer spielen.

Das miese Spiel mit Hertha und Granit Xhaka

Natürlich spekuliert man bei den Transfergerüchten. Der eine hat dies gehört und der andere will erfahren haben, wo der nächste vermeintliche Superstar in der kommenden Saison spielen wird. Fängt man aber an, selbst Namen zu nennen, dann wird es gefährlich. Granit Xhaka ist solch ein Beispiel. Keine Frage, der Schweizer ist eine absolute Granate auf dem Platz, wenn er denn seine Leistung abruft.

Hertha BSC täte gut daran, ihn zu holen, aber zu welchem Preis? 225 Millionen Euro ist zwar viel, aber wenn man bedenkt, dass ein gewisser Teil bereits in die Schulden des Klubs floss, was bleibt dann noch übrig? Nun möchte der FC Arsenal doch keine 25 Millionen Euro Ablöse mehr, sondern angeblich schon 30 Millionen Euro, was auch seinen Marktwert widerspiegelt. Dennoch muss man auch erkennen, dass hier ein eigenartiges Spiel mit Hertha BSC und Xhaka gespielt wird. Der Spieler soll sich mit den Berlinern einig sein und plötzlich schmiert man dem Schweizer Honig ums Maul, packt ihn gegen Manchester United und Crystal Palace in die Startelf und lässt ihn über die volle Distanz spielen. Das war vor wenigen Wochen kaum denkbar, als er sogar seine Kapitänsbinde verlor.

Morgan Sanson ein Schnellschuss oder echte Verstärkung?

Morgan Sanson ist der nächste Kandidat, der an der Spree gehandelt wird. Er ist 25 Jahre alt, spielt seit drei Jahren für Olympique Marseille und hat mittlerweile einen Marktwert von rund 28 Millionen Euro. Die Verhandlungen mit dem Spieler sind weit fortgeschritten und mit Sanson soll man sich einig sein. Anders als mit dem FC Arsenal, wo der Transfer mit Xhaka zu platzen droht.

 

 

Sanson ist zweifelsfrei eine Verstärkung für Hertha BSC. Der 25-jährige kann im Mittelfeld die Fäden ziehen, aber auch auf der Sechs den Abräumer geben. Die Frage ist nur, kann er sein volles Potenzial ausschöpfen, wenn ihm die richtigen Mitspieler aktuell noch fehlen würden? Diese Frage muss man sich stellen!

Lucas Tousart ebenfalls in der Verlosung

Ebenfalls wird mit Lucas Tousart ein weiterer französischer Mittelfeldspieler an der Spree gehandelt. 20 Millionen Euro Marktwert, U19-Europameister, aber weitere Erfolge hat er noch nicht aufzuweisen. Das muss auch nichts heißen, dennoch ist er eine große Unbekannte, bei der man nicht weiß, wohin er sich am Ende entwickelt. Es könnte aber auch die Chance für Hertha BSC sein, einen eher unbekannteren Spieler, der jung ist, Einsatzzeiten zu geben und dem Team damit zu helfen. Wenn man sich denn auf einen Transfer einigen kann!

Mittlerweile weiß auch ganz Europa, dass Hertha BSC das nötige Kleingeld in der Kriegskasse hat, um neue Spieler zu verpflichten. Das bedeutet aber auch, dass die Spieler nun nicht günstiger zu haben sein werden. Ein völlig normales Geschäftsgebaren, denn wo Geld ist, möchte jeder etwas davon haben!

Angriff auf Europa oder nur graues Mittelmaß

Emre Can wurde indes auch schon gehandelt, ebenso wie Mahmoud Dahoud, den die BVB-Fans nur liebend gerne nicht mehr in Dortmund begrüßen möchte. Dahoud hat Talent und ist ein interessanter Spieler, aber wenn man schon das Ziel „Champions League“ bzw. in drei bis fünf Jahren, um Titel mitspielen zu wollen ausgibt, dann müssen junge, hungrige Spieler her, die jetzt schon einiges auf dem Kasten haben.

Es mag schön und gut sein, wenn Hertha BSC die Bundesliga in ein paar Jahren in der Champions League vertritt, aber was ist, wenn man wie in der Saison 1999/00 ausscheidet und sich nicht erneut für die Königsklasse qualifiziert? Dann fehlt das Geld, um einen erneuten Angriff zu starten. Spieler können nicht gehalten werden und der Klub spielt im grauen Mittelmaß der Liga oder gar gegen den Abstieg. Damals hatte man den Fehler begangen, indem man nicht nachhaltig gehandelt hat.

Preetz noch der richtige Mann bei Hertha BSC?

Heute könnte sich das Szenario wiederholen, wenn man satte Spieler holt, die von ihrem großen Namen leben und zehren, Erfolge feierten und eigentlich nur noch die Kohle abgreifen. Das hat man in Berlin schon oft genug erlebt. Lange Zeit hatte man genau solche Spieler verpflichtet. Die hatten einen großartigen Namen, waren aber über ihren Zenit hinaus und brachten ihre Leistungen nicht mehr auf den Platz!

Europäisch konnte man keine Erfolge feiern. Ändert sich das mit den Windhorst-Millionen? Hat man genügend Zeit, um eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen, die über Jahre reifen und sich einspielen kann? Was ist, wenn Lars Windhorst mit der Entwicklung des Klubs unzufrieden ist? Müsste man nicht in der Führungsetage ansetzen und Köpfe austauschen?

Hertha sprüht vor Euphorie - Preetz bremst diese aus

Wie kann es sein, dass fast alle bei Hertha BSC für Aufbruchstimmung sorgen, aber ein gewisser Michael Preetz auf die Euphorie-Bremse tritt? Gegenüber der „Bild“ meinte Preetz Folgendes: „Wir haben bewusst nach jemandem geschaut, mit dem wir größere Ambitionen formulieren können. Das ist völlig in Ordnung. Meine Aufgabe ist vielleicht, hier und da ein bisschen auf der Bremse zu stehen“.

 

 

Ist das die richtige Botschaft, um weitere Sponsoren zu akquirieren? Neue, hochkarätige Spieler zu verpflichten, die im besten Falle einige Jahre bleiben und für Erfolge sorgen, die Geld in die Kasse spülen, wodurch man sich etwas unabhängiger vom Windhorst-Deal machen kann? Es scheint so, als wäre Michael Preetz mit der neuen Situation etwas überfordert, auch wenn er sich nach außen cool gibt, so kann man den Eindruck gewinnen, dass er selbst nicht genau weiß, in welche Richtung es gehen wird.

Tolle Rückrunde oder doch nur Abstiegskampf?

Die Sorge, dass es einen kurzfristigen Erfolg gibt, das Investment aufgebraucht wurde und man wieder im Mittelmaß der Liga angelangt, ist groß. Zumal man sich aktuell im Abstiegskampf befindet und die Saison kann noch böse enden, wenn es unter Jürgen Klinsmann keinen nennenswerten Aufschwung zu erleben gibt. Man muss nun abwarten, welche Spieler kurzfristig auf dem Transfermarkt in diesem Winter verpflichtet werden können und wie sie am Ende einschlagen.

Fakt ist, Hertha BSC sollte aufpassen, sich keine Luftschlösser zu bauen, die später weggeblasen werden. Zudem sollte sich der Klub auf seine fantastische Jugendarbeit konzentrieren und das eine oder andere Talent integrieren, statt es zu vergraulen. Dahin gehend gibt es ein paar Beispiele, wie Sidney Friede, der ablösefrei zu Wehen Wiesbaden in die 2. Liga wechselte.

Nachwuchsarbeit für den kurzfristigen Erfolg nicht vernachlässigen

Aber auch Jordan Torunarigha, der als Abgang bereits so gut wie feststeht, hätte man schon viel früher wieder auflaufen lassen müssen. Eduard Löwen kam beispielsweise für 7 Millionen Euro und durfte lediglich zwei Spiele über die vollen 90 Minuten absolvieren. Hertha BSC muss lernen, wie Talente und namhafte Spieler in einer guten Mischung auf den Platz gestellt werden können. Nur so wird der Verein langfristig Erfolg haben, denn die Nachwuchsarbeit bei der Alten Dame ist bemerkenswert.

Was passiert aber, wenn der Erfolg ausbleibt? Wenn Spieler für viel Geld geholt wurden, aber nur keinen Erfolg erzielen? Dann kann die Blase schnell platzen, denn Hertha BSC ist spätestens nach einigen namhaften und kostspieligen Transfers verdammt, europäisch mitzuspielen und das dauerhaft. Ansonsten kann der Schuss ganz schnell nach hinten losgehen!


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