Alle Meister der DDR-Oberliga

Liste aller DDR-Oberliga Meister

Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 183-N0223-0041 / Häßler, Ulrich [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Zu Zeiten des geteilten Deutschlands bildete die Oberliga im DDR-Fußball die höchste Spielklasse. Die erste Meisterschaft wurde in der Saison 1949/50 ausgetragen. Bis zur Wiedervereinigung 1990 wurden insgesamt 41 Spielzeiten ausgetragen. Sport-90 blickt zurück, zeigt alle Meister der DDR-Oberliga und verrät einige Rekorde und Bestmarken.

Als erster DDR-Meister ging die ZSG Horch Zwickau in die Geschichtsbücher ein. Der Klub, der später BSG Motor Zwickau und BSG Sachsenring Zwickau hieß, ist heute alle Fußballfans als FSV Zwickau bekannt. Die Sachsen holten sich den Debüttitel und wurden in der DDR-Oberliga 1949/50 mit zwei Punkten Vorsprung vor der SG Dresden-Friedrichstadt Meister. Es sollte zugleich ihr einziger Meistertitel bleiben.

Liste der DDR-Fußballmeister: Drei Teams stechen heraus

Auch Hansa Rostock wurde in der DDR-Historie einmal Meister. Die Kogge gewann den Titel 1991 und ist somit der letzte Fußballmeister der DDR. Die höchste Spielklasse hieß in ihrer finalen Saison 1990/91 allerdings nicht mehr DDR-Oberliga, sondern Oberliga des Nordostdeutschen Fußballverbandes.

Auch wenn es insgesamt im DDR-Fußball zwölf verschiedene Meister gab, dominieren besonders drei Mannschaften die Liste aller Meister der DDR-Oberliga. Dabei handelt es sich um den Seriensieger BFC Dynamo (10 Meisterschaften), Dynamo Dresden (8) und der SC Wismut Karl-Marx-Stadt (3). Das Trio schnappte sich insgesamt 24 Mal den Meistertitel.

Übersicht der DDR-Meister – DDR-Oberliga Meister Liste

 

Saison Meister
1949/1950 ZSG Horch Zwickau
1950/1951 BSG Chemie Leipzig
1951/1952 BSG Turbine Halle
1952/1953 SG Deutsche Volkspolizei Dresden
1953/1954 BSG Turbine Erfurt
1954/1955 SC Turbine Erfurt
1955/1956 SC Wismut Karl-Marx-Stadt
1956/1957 SC Wismut Karl-Marx-Stadt
1957/1958 ASK Vorwärts Berlin
1958/1959 SC Wismut Karl-Marx-Stadt
1959/1960 ASK Vorwärts Berlin
1961/1962 ASK Vorwärts Berlin
1962/1963 SC Motor Jena
1963/1964 BSG Chemie Leipzig
1964/1965 ASK Vorwärts Berlin
1965/1966 ASK Vorwärts Berlin
1966/1967 FC Karl-Marx-Stadt
1967/1968 FC Carl Zeiss Jena
1968/1969 FC Vorwärts Berlin
1969/1970 FC Carl Zeiss Jena
1970/1971 SG Dynamo Dresden
1971/1972 1. FC Magdeburg
1972/1973 SG Dynamo Dresden
1973/1974 1. FC Magdeburg
1974/1975 1. FC Magdeburg
1975/1976 SG Dynamo Dresden
1976/1977 SG Dynamo Dresden
1977/1978 SG Dynamo Dresden
1978/1979 BFC Dynamo
1979/1980 BFC Dynamo
1980/1981 BFC Dynamo
1981/1982 BFC Dynamo
1982/1983 BFC Dynamo
1983/1984 BFC Dynamo
1984/1985 BFC Dynamo
1985/1986 BFC Dynamo
1986/1987 BFC Dynamo
1987/1988 BFC Dynamo
1988/1989 SG Dynamo Dresden
1989/1990 SG Dynamo Dresden
1990/1991 FC Hansa Rostock

 

 

FC Berlin bzw. BFC Dynamo: DDR-Rekordmeister mit Fragezeichen

Berühmt-berüchtigt ist vor allem die Serie vom BFC Dynamo. Die Ost-Berliner wurden zwischen 1979 und 1988 gleich zehnmal hintereinander DDR-Meister und sind mit dieser Ausbeute DDR-Rekordmeister! Doch die Erfolgsserie des BFC ist durchaus mit Vorsicht zu genießen. Erwähnen sollte man, dass der Klub zu jener Zeit als FC Berlin an den Start ging.

Denn der BFC Dynamo galt als Stasi-Klub und wurde nachweislich im Titelrennen bevorzugt. Wie sich im Nachgang herausstellte, sollen insbesondere Manipulationen der Schiedsrichter einen nicht unbedeutenden Beitrag zu dieser Rekordserie beigetragen haben. Somit lässt sich bis heute nicht eindeutig aussagen, wie viele der insgesamt zehn DDR-Meistertitel, der vom Ministerium für Staatssicherheit geförderte BFC Dynamo auch wirklich sportlich korrekt eingefahren hat.

Dynamo Dresden & 1. FC Magdeburg dominierten die 70er Jahre

Dynamo Dresden brachte es in der DDR-Oberliga auf insgesamt acht gewonnene Meisterschaften. Titel Nummer eins verbuchten die Schwarz-Gelben 1953, damals noch als SG Deutsche Volkspolizei Dresden. In den 1970er Jahren dominierte Dynamo Dresden dann zusammen mit dem 1. FC Magdeburg das Geschehen in der Oberliga. Zwischen 1971 bis 1978 stammte der Meister ausnahmslos aus Dresden oder Magdeburg. Bis sich der BFC Dynamo ab der Saison 1978/79 zum Abomeister aufschwang.

Dynamo Dresden entschied hingegen 1971, 1973, 1976, 1977 und 1978 das Titelrennen. Damit ist die SGD übrigens nach dem BFC der einzige DDR-Klub, der einen Titel-Hattrick bejubeln konnte. Der 1. FC Magdeburg war indes dreimal erfolgreich und wurde 1972, 1974 und 1975 Meister. Ihre letzten beiden Meisterschaften holten die Dresdner derweil 1989 und 1990, wobei 1988/89 und 1989/90 die letzten beiden regulären Spielzeiten in der DDR-Oberliga darstellten.

DDR-Fußballmacht der 60er Jahre: Sechsfach-Meister Vorwärts Berlin

Hinter dem BFC Dynamo und Dynamo Dresden reiht sich der ASK/FC Vorwärts Berlin als dritterfolgreichste Klub im DDR-Fußball ein und ist in der Liste aller DDR-Meister mit sechs Titeln vertreten. Der einstige Armeesportklub, der ursprünglich 1951 in Leipzig als Vorwärts Leipzig gegründet wurde und zwei Jahre später nach Ost-Berlin umgesiedelt wurde, erlebte seine sportliche Hochzeit in den 1960er Jahren.

 

 

Neben den gewonnen Meisterschaften 1958, 1960, 1962, 1965, 1966 und 1969 (als FC Vorwärts Berlin) wurde der Klub zudem noch viermal Vizemeister (1957, 1959, 1970, 1983) sowie einmal Dritter (1963) in der DDR-Oberliga. Anfang der 1970er Jahre zog der Klub nach Frankfurt um, wo man nach verschiedenen Namensgebungen seit 2012 als 1. FC Frankfurt agiert.

CZ Jena & Wismut Karl-Marx-Stadt mit erfolgreichen DDR-Zeiten

Auch der FC Carl Zeiss Jena und SC Wismut Karl-Marx-Stadt (heute FC Erzgegbirge Aue) zählten in der DDR-Oberliga zu den erfolgreichsten Klubs und errangen - genau wie der 1. FC Magdeburg - je dreimal den Meistertitel. Carl Zeiss Jena (auch als Motor Jena) triumphierte in den Spielzeiten 1962/63, 1967/68 und 1969/70. Darüber hinaus stehen gleich neun Vizemeisterschaften zu Buche.

Wismut Karl-Marx-Stadt war hingen in den Anfangsjahren der DDR-Oberliga sehr erfolgreich unterwegs. So wanderte der Meistertitel allein zwischen 1955 bis 1959 viermal in das heutige Chemnitz. Allerdings ist die erste gewonnene Meisterschaft 1955 nicht offiziell anerkannt, da es sich um eine Übergangssaison handelte, in der lediglich 13 Spieltage stattfanden.

Entscheidungsspiel & Torverhältnis: Die spannendsten Titelrennen

Vier Titelkämpfe der DDR-Oberliga waren besonders eng und hart umkämpft. So schnappten sich 1951 die BSG Chemie Leipzig und 1953 Dynamo Dresden den Titel in einem Entscheidungsspiel. Diese war aufgrund der Punktgleichheit in der Abschlusstabelle notwendig. Dynamo Dresden behielt in seinem Entscheidungsspiel gegen Wismut Aue mit 3:2 die Oberhand, während sich Chemie Leipzig mit 2:0 gegen Turbine Erfurt durchsetzte.

In der Spielzeit 1987/88 und 1989/90 entschied hingegen am Saisonende das Torverhältnis die Meisterfrage. 1988 lieferten sich der Titelverteidiger Berliner FC Dynamo und Pokalsieger 1. FC Lokomotive Leipzig ein packendes Duell. Am Ende hatte der BFC die um acht Treffer bessere Torbilanz und tütete denkbar knapp seinen 10. Titel ein.

1983: BFC Dynamo krönt sich zum „besten“ DDR-Meister

1990 hielt ein noch spannendes Saisonfinish parat, waren doch mit Dynamo Dresden, dem FC Karl-Marx-Stadt und 1. FC Magdeburg gleich drei Teams am letzten Spieltag punktgleich. Letztlich verwies Dresden Karl-Marx-Stadt in der DDR-Oberliga Abschlusstabelle 1989/90 aufgrund das um sechs Tore bessere Torverhältnis auf den 2. Platz.

Die Saison 1982/83 im DDR-Fußball-Oberhaus war dagegen die spannungsärmste. Der BFC Dynamo machte bereits am 22. von 26 Spieltage seine fünfte Meisterschaft in Folge perfekt. Der Rekordmeister, der eine beeindruckende Rückrunde spielte und 25 von möglichen 26 Punkten holte, hatte in der Endabrechnung zwölf Zähler Vorsprung vor Vizemeister FC Vorwärts Frankfurt. Nie war die DDR-Meisterschaft einseitiger als in jenem Jahr.


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