Ex-Bundesligaspieler sollen Schiris beim Videobeweis helfen

Diskussionen um den Videobeweis in der Bundesliga

Bildquelle: SounderBruce [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Der Videobeweis sorgt dieser Tage mal wieder für reichlich Zündstoff und erhitzte Gemüter. Die Geschehnisse am vergangenen Spieltag in der Bundesliga, bei dem es gleich zwei gravierende Fehlentscheidungen gab, liefern den Beweis, dass das System längst noch nicht ausgereift ist. Nun bahnt sich eine Revolution im "Videoschiedsrichtertum". Eine tragende Rolle sollen Ex-Profis spielen. Zudem werfen wir einen Blick auf die größten Gewinner und Verlierer des Videobeweises.

Es ist die zweite Bundesligasaison, in der der Videobeweis eingesetzt wird. Aber noch immer beschleicht einen das Gefühl, dass sich das ganze System weiter in einer Testphase befindet. Auch in dieser Spielzeit schleichen sich immer mal wieder schwerwiegende Fehler ein, die das Ziel des Videobeweises, den Fußball gerechter zu machen, ad adsurdum führen.

 

An dieser Stelle sei an die Schwalbe des Mainzers Jean-Philippe Mateta vom Sonntag im Duell gegen Hannover 96 (1:1) kurz vor Spielende verwiesen, die weder der Video-Assistent noch der Schiedsrichter nach Sichtung der TV-Bilder erkannt haben wollen. Gar nicht erst zu Wort meldete sich der Videoassistent beim klaren Foul von Herthas Marko Grujic im Strafraum an Frankfurts Luka Jovic in der Schlussphase am Samstag - die Berliner siegten knapp mit 1:0.

SC Freiburg profitiert am meisten vom Videobeweis

Dabei wurde Hertha BSC im Saisonverlauf nicht gerade vom Video-Offiziellen aus dem Kölner Keller, die die Fehler ihrer Schiedsrichter-Kollegen auf dem Rasen ausbügeln, verwöhnt. Denn wie die „Bild“ ausrechnete, hätten die Hauptstädter ohne Video-Schiri drei Punkte mehr auf dem Konto und stünden auf dem 5. Platz. Gemeinsam mit dem FC Schalke, die durch den Videobeweis ebenfalls um drei Zähler 'gebracht wurden', sind die Berliner somit die größten Verlierer des Systems. Und der größte Profiteur? Das ist demnach der SC Freiburg - und zwar mit Abstand. In einer Tabelle ohne Videoschiedsrichter hätten die Breisgauer stolze vier Punkte weniger und wären der Abstiegszone gefährlich nahe.

An der Tabellenspitze würde sich übrigens auch ein leicht verändertes Bild ergeben. Der FC Bayern hätte ohne den Videobeweis 29 statt derzeit 27 Punkte mehr und wäre punktgleich mit Borussia Mönchengladbach Zweiter. Und der Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund würde um einen Punkt schmelzen, da der Revierklub ohne Video-Schiri nur einen Zähler mehr hätte.

Trotz Videobeweis: 23 Fehlentscheidungen in der letzten Saison

Der Videobeweis in der Bundesliga

Bildquelle: Steindy (talk) 11:44, 19 June 2011 (UTC) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Dass der Videobeweis nicht ohne Fehl und Tadel ist, beweist auch die Infografik von Betway Insider. Nach dieser Statistik wurden in der abgelaufenen Saison trotz des VAR (Video-Assistent Referee) immer noch 23 Fehler gezählt. Dem können aber 98,1 Prozent richtige Entscheidungen entgegengehalten werden, wenn der Videobeweis tatsächlich zum Einsatz kam. Nah dran an der 100-Prozentmarke, die natürlich das erklärte Ziel sind. Doch diese zu erreichen, ist schlichtweg nicht möglich.

Denn solange Menschen hinter dem Videobeweis stecken, müssen Fehler zwangsläufig einkalkuliert werden. Menschen machen halt Fehler. Die Fehlerquote will der DFB aber offenbar nun mit einem neuen Geheimplan weiter minimieren, durch den Einsatz von ehemaligen Fußballprofis. Diese sollen den Unparteiischen in strittigen Situationen mit Rat zur Seite stehen. „Ehemalige Profis mit ins Boot zu nehmen, ist ein total sinnvoller Vorschlag. Ich bin dafür sehr offen, das werden wir diskutieren. Ehemalige Spieler haben noch mal eine andere Sichtweise auf Situationen, das kann uns weiterhelfen. Wir haben die Weisheit ja nicht mit Löffeln gegessen, versperren uns keinen neuen Ideen“, wird der zuständige VAR-Projektleiter Jochen Drees vom DFB in der „Bild“ zitiert.

Wird Videobeweis durch Ex-Spieler besser?

Die ehemaligen Profis sollen zunächst von den Schiedsrichtern mittels Videos geschult werden, die schon Anfang Januar beginnen könnten. Allerdings ist der Einsatz der Ex-Kicker im Video-Keller mit den Assistenzen nicht vorgesehen, da der DFB Bedenken äußert, dass es bei kniffligen und streitbaren Situationen sonst zu viel Diskussionen und Chaos gibt. Prinzipiell handelt es sich um eine gute Idee, da jegliche Unterstützung für die Schiedsrichter zu begrüßen ist. Aber damit ließen sich keinesfalls aufkeimende Diskussionen endgültig verstummen und eine Garantie für richtige Entscheidungen kann durch das Mitwirken von ehemaligen Spielern auch nicht gegeben werden. Doch dafür steigt die Hoffnung, dass der Videobeweis in der Bundesliga künftig besser und am Ende noch gerechter wird.


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