Union Berlin Aufstieg gepackt – eine Bereicherung für die Bundesliga

Union Berlin packt den Aufstieg in die Bundesliga

Bildquelle: JVE [], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Als 56. Verein der Historie hat sich der 1. FC Union Berlin für die 1. Fußball-Bundesliga qualifiziert. Auch die in den vergangenen Jahren für Zweitligisten zur scheinbar unüberwindbaren Hürde gewordene Relegation ins Oberhaus gegen den 16. von „oben“ konnte die „Eisernen“ nicht aufhalten auf ihrem frenetisch umjubelten letzten Schritt zum Aufstieg An der Alten Försterei.

Gegen einen mit namhaften Spielern gespickten VfB Stuttgart, der sich beim 0:0 zwar deutlich verbessert zum Hinspiel-2:2 im eigenen Stadion gezeigt, aber insbesondere in der zweiten Halbzeit kaum noch ein Mittel gegen die beste Verteidigung der abgelaufenen Zweitliga-Saison gefunden hatte, profitierten die Köpenicker von der Auswärtstorregel, einer bemerkenswerten Leidenschaft und einem quasi pausenlos sie anpeitschenden Publikum.

 

 

Dabei brachten die Hauptstädter statistisch ein kleines Kunstwerk zustande: Nach den 15 Unentschieden in der Punktspielsaison – dem Rekordwert 2018/19, mit dem man in Epochen der Dreipunkteregel eigentlich eher gegen den Abstieg spielt – setzten die Hauptstädter fast wie selbstverständlich noch zwei Unentschieden obendrauf. Am Verdienst des Aufstiegs war insbesondere nach dem hauchdünn verpassten Direkten im letzten Punktspiel in Bochum sowie nach der starken Vorstellung in Stuttgart wenig auszusetzen. Zumal Berlin gegen den VfB noch zweimal den Pfosten traf.

Was dachte sich Gonzales?

Dennoch war es ein ganz hartes Stück Arbeit für das stärkste Heimteam der zweiten Liga, sich gegen das drittschwächste Auswärtsteam der Eliteliga (sechs Punkte aus 17 Partien) zu behaupten. Spät, letztlich zu spät, hatten sich die Schwaben entschlossen, in einer Auswärtspartie griffig vorzuchecken. Kompromisslos in der Zweikampfführung und oftmals die entscheidende Fußspitze eher am zweiten Ball, drängten sie den ostdeutschen Kultklub von Beginn an in dessen Hälfte. Kabak hatte nach einem Eckball den Rebound am langen Pfosten auf dem Fuß, scheiterte aber an Gikiewicz im Kasten der Eisernen (3.).

Dann kam die Sternstunde des Stuttgarters Aogo, nicht jedoch jene seines Teamgefährten Gonzales. Zunächst war Unions Rechtsverteidiger, dem Norweger Ryerson, der alle Mühe hatte, den gelbgesperrten Trimmel zu ersetzen, ein Foul am eigenen Strafraum unterlaufen. Technisch fein zirkelte Aogo das Spielgerät in die Nähe des Torwarteck-Winkels von Gikiewicz in die Maschen (9.). Woran jedoch Gonzales gedacht, als er sich vor Aogos Anlauf gleich um etliche Meter im Abseits direkt ins Sichtfeld Gikiewicz' gestellt hatte, bleibt dessen Geheimnis: Zwar brauchte es den Videobeweis, doch der lieferte die glasklare Antwort: strafbares Abseits, kein Tor.

Stuttgart bringt Gomez, Union findet Stabilität

Drei Minuten später hatte sich Gonzales auf der linken Seite durchgesetzt. Seine scharfe und flache Eingabe fand Donis am kurzen Pfosten, der die Kugel knapp links am Tor vorbei jagte. Nach einer knappen halben Stunde hätte Donis dann beinahe von einer der vielen Unstimmigkeiten im Union-Zentrum profitiert, doch setzte er seinen Kopfballheber gegen Gikiewicz etwas zu flach an. In der Defensive agierten die Stuttgarter sicher, Badstuber hatte den Berliner Andersson weit besser im Griff als noch im Hinspiel der jüngere Kempf.

 

 

Doch hielten die Berliner auch dank der Parade ihres Keepers gegen Zubers 23-Meter-Schuss von halb links (45.) dem Druck der Süddeutschen bis zur Halbzeit stand. Zeit, um Joker Gomez ins Sturmzentrum zu wechseln. Die personell prominenten Gäste (Zieler, Aogo, Badstuber, Pavard, später auch Castro, Gomez, Didavi) fanden gegen stabiler werdende und leidenschaftlich kämpfende Unioner immer seltener Mittel, sich zielstrebig bis zum Kasten zu kombinieren. Folglich war der Distanzschuss von Weltmeister Pavard, den Gikiewicz aus dem Eck fischte, noch eine der gefährlichsten Aktionen der Schwaben (88.) bis zum Abpfiff.

Abdullahi scheitert in drei Minuten zweimal am gleichen Pfosten

Auf der anderen Seite hatten die spielerisch meist vergeblich um Linie bemühten Berliner wenige, aber dafür umso größere Chancen, selbst den erlösenden Torerfolg zu bejubeln. Abdullahi scheiterte gleich zweimal am rechten Torpfosten; einmal mit links fast aus derselben Position, aus der er im Hinspiel das zwischenzeitliche 1:1 erzielt hatte (64.), dann im Fallen von der Strafraumgrenze nach einem Zweikampf mit Kabak (66.).

Wie so oft in dieser Saison jedoch avancierte mit zunehmender Spielzeit die Defensive der Hausherren zum Prunkstück. Sie war in dieser Partie auch ein Symbol für unbedingten Willen und Einsatz des gesamten Vereins mitsamt der unnachgiebig hinter ihnen stehenden Anhänger, den erstmaligen Sprung in die Beletage des deutschen Fußballs herbeizukämpfen.

Erstmals zwei Hauptstadtklubs der Bundesrepublik zeitgleich in Liga eins

Im 30. Jahr nach dem Mauerfall hat es der 1. FC Union geschafft, als erst fünfter ehemaliger DDR-Oberligist sich in dieses Haifischbecken vorzuschwimmen. Vor den Ostberlinern war das Hansa Rostock, Dynamo Dresden, Lok Leipzig (VfB) und Energie Cottbus gelungen.

Zudem spielen in der Saison 2019/20 erstmals seit der Spielzeit 1976/77 wieder zwei Berliner Mannschaften (damals Hertha und Tennis Borussia) zeitgleich in der 1. Bundesliga – und zum ersten Mal überhaupt zwei Hauptstadtklubs der Bundesrepublik. Dieser aus Köpenick jedoch dürfte aufgrund der besonderen Stimmung An der Alten Försterei und der im Profifußball eher seltenen Philosophie des Fußballs als bunter Begegnungsstätte eine Bereicherung zwischen den vielen Etablierten sein.


2. Liga, Bundesliga

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