Ein offener Leserbrief an den Fußball - Ihr macht unseren Sport kaputt

Leserbrief an den Fußball - Ihr macht unseren Sport kaputt

Bildquelle: High Contrast [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Mein lieber Fußball, bereits in jungen Jahren hast Du mich in Deinen Bann gezogen. Ganz egal, ob auf dem Bolzplatz beim Kicken mit den Freunden und Kollegen oder beim Mitfiebern im Stadion oder vor dem Fernseher. Du hast mich, seit ich denken kann, stets fasziniert mit Deiner beispiellosen Schönheit, Deiner atemberaubenden Dynamik und den großen Emotionen, die Du bei mir und den zahllosen Fußballfans weltweit ausgelöst hast.

Gerade noch schien mein Team auf der Verliererstraße zu sein, da kommt aus dem Nichts ein Traumtor in den Winkel. Die Freude bei mir und den tosenden Fans um mich herum ist grenzenlos. Der Torjubel gleicht einem Donnerhall, der durch Mark und Bein geht. Adrenalin und Glückshormone ohne Ende! Keine Sportart konnte mich in meinem Leben bisher nur ansatzweise so elektrisieren, wie Du das über viele Jahre getan hast.

Du mein lieber Fußball hast dich verändert

Mit der Zeit hat sich unser Verhältnis, unsere Liebe, verändert. Wir sind beide erwachsener geworden. Deine Dynamik, Deine technischen Fertigkeiten und taktischen Finessen sind der Perfektion inzwischen äußerst nah gekommen. Dazu kamen technische Neuerungen, wie die Torlinientechnik oder der Video Assistant Referee (VAR), die das Spiel fairer machen sollen. Ich kann rückblickend nur staunen, welche Veränderungen und Entwicklungen Du innerhalb nur weniger Jahre in spielerischer und technischer Hinsicht hinter Dir hast.

Allerdings gibt es da auch die Schattenseiten Deiner Sportart. Einhergehend mit der weltweiten Euphorie und dem stetig zunehmenden Interesse an Dir, wurde mehr und mehr Geld in Deine wundervolle Sportart hineingepumpt. Mithilfe exorbitanter Summen, die insbesondere durch lukrative TV-Verträge gewonnen wurden, hast Du Dich von einem Volkssport – vor allem im europäischen und südamerikanischen Raum - zu einer globalen Gelddruckmaschinerie entwickelt.

Jeder hält die Hand auf und presst den Fußball aus

All die sogenannten Stakeholder wollen ein Stück des goldenen Kuchens abhaben. Nationale und internationale Verbände, Vereine und ihre Eigentümer, Fußball-Manager, Spieler und ihre Spielerberater, Trainer, Sponsoren, Partner, Fernsehanstalten und die Medien im Allgemeinen profitieren von Dir und Deiner Strahlkraft. Auf der ökonomischen Seite erlebst Du gerade die Blütezeit Deines Daseins. Noch nie zuvor warst Du präsenter über die verfügbaren Kommunikationskanäle weltweit. Und noch nie seit Deiner Erfindung hast Du mehr Geld in die Kassen von Verbänden, Vereinen und Spielerkonten gespült. Millionen an Fans auf der ganzen Welt verfolgen Dich Woche für Woche im Stadion, vorm Fernseher oder im Internet.

 

 

All dies hat jedoch leider auch eine Kehrseite der Medaille. Wie wir gerade dieser Tage immer wieder vor Gesicht geführt bekommen, reicht das jedoch bei weitem nicht, um als Vorbildfunktion für die Kinder dieser Welt dienen zu können. Denn die Mächtigen Deiner Sportart haben bei all der Euphorie und Erfolge um Dich leider eines aus den Augen verloren: die Ethik. Du standst einst für Werte wie Fairness, Respekt und Toleranz. Doch diese sind über die Jahre mehr und mehr verloren gegangen.

Schwalbenkönige, Aggressionen, Rassismus - Ein Krebsgeschwür

Sowohl auf dem Rasen als auch abseits hat sich hingegen eine Kultur des unfairen Spiels, der Gier, der Aggression und des respektlosen und rassistischen Umgangs miteinander breit gemacht. Wie ein Krebsgeschwür haben sich diese dunklen Werte im Laufe der Zeit immer stärker in den Stadien, den Gremien der Funktionäre und unter den Fußballanhängern eingenistet. Nicht erst seit gestern werden Schiedsrichter und Linienrichter sowohl auf Profi- als auch auf Amateurebene aufs Übelste beschimpft oder sogar angegriffen.

Spieler mutieren im Strafraum regelmäßig zu Schwalbenkönigen oder angesichts der (Fehl-)Entscheidung des Schiedsrichtergespanns zu unzähmbaren Gorillas. Trainer und Funktionäre schauen von außerhalb des Spielfeldes zu und fördern (und fordern?) zum Teil dieses unerträgliche Gehabe noch durch wildes Gestikulieren, lauthalse Wutausbrüche und einer aggressiven Körpersprache. Gerne wird dies dann im Anschluss als "die Emotionen, die zum Spiel gehören" abgetan. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

 

 

Fußball ist das Spiegelbild unserer Gesellschaft

Mein lieber Fußball, Du bist das Spiegelbild unserer Gesellschaft. Einige derer, die von Dir schon seit Langem profitieren, und Dich mehr und mehr wie eine Zitrone auspressen, haben den Schuss offenbar noch immer nicht gehört. Der wahre Sportfan und Fußballanhänger möchte keine Spieler auf dem Rasen sehen, die gelbe Karten für den Gegner fordern oder bei jeder Windböe im Strafraum straucheln und sich auf dem Rasen wälzen, als hätte ihr letztes Stündlein geschlagen.

Er will auch nicht ständig Rudelbildungen und das Gejammer und Geheule gegenüber dem Schiedsrichter mitansehen müssen. Ganz zu schweigen von dem unsäglichen Zeitspiel, wenn das eigene Team in Führung liegt, das einfach nur lächerlich erscheint und rein gar nichts mit Respekt und Fairplay zu tun hat, das dem Zuschauer Woche für Woche in den Stadien und am Fernseher mit unzähligen Werbebotschaften vorgegaukelt wird.

Geduldete Verschuldungen - Gierige Spielervermittler

Die exorbitante Verschuldung diverser Vereine – auch, und insbesondere in den größten Ligen dieser Welt, werden von den regulierenden Gremien scheinbar tatenlos mit angesehen und geduldet. Es ist ganz offensichtlich, dass der Turbokapitalismus auch nicht vor den Toren Deiner wunderbaren Sportart Halt gemacht hat, sondern Dich umklammert wie eine Würgeschlange. Diese drückt Dir nun nach und nach die Luft ab. Solange, bis der Kollaps und letztendlich der Herzstillstand eintritt.

Trainer arbeiten zumeist nur noch auf Zeit für einen Verein, da es grundsätzlich um den schnellen Erfolg geht. Spieler und deren Spielervermittler kokettieren in der Öffentlichkeit mit einem Vereinswechsel, sobald sie einmal nicht mehr der ersten Elf angehören. Und manch einer der Ballartisten verhält sich auf und neben dem Platz eher wie ein Popstar als ein professioneller Sportler und lässt seinen Privatfriseur vor dem nächsten Spiel einfliegen.

Hass & Beleidigungen - Thema Hopp

Sogenannte Fans beleidigen wiederum regelmäßig Spieler der gegnerischen Mannschaft. Einzelne rassistische Anfeindungen sind seit jeher gang und gäbe auf den Tribünen dieser Welt. In Ausnahmefällen werden sogar Spieler des eigenen Teams verbal angegriffen und schikaniert, wenn sie fehlerhaft spielen oder einen Vereinswechsel angekündigt haben. Ein Visionär und Gönner wie Dietmar Hopp, der im sozialen Bereich so viel für die Gesellschaft geleistet und unzählige Jobs geschaffen hat wie kaum ein anderer, wird seit Jahren von einigen Chaoten auf den Tribünen der Republik aufs Übelste diffamiert und niedergemacht. (Anm. d. Redaktion: Das Thema Hopp kann an dieser Stelle nicht eingehend diskutiert werden, ohne tiefgründig zu werden. Wir bitten um Verständnis).

 

 

Als Anhänger Deiner Sportart fragt man sich, wie lange Verbände, Vereine und all die anderen Beteiligten angesichts all dieser feindseligen und hasserfüllten Entwicklungen noch zuschauen werden, ehe auch noch der letzte zahlende Zuschauer im Stadion und am TV vergrault wird.

Financial Fairplay wird mit Füßen getreten - Manchester City als Exempel?

Der wahre Fußballfan beobachtet auch ganz genau, inwiefern das Urteil gegen das Branchen-Schwergewicht Manchester City tatsächlich durchgezogen wird; jenem Verein, der das Financial Fairplay massiv verletzt haben soll. Und als Außenstehender ist man fast schon bestürzt ob der offensichtlichen Gier und Rücksichtslosigkeit diverser Funktionäre in nationalen und internationalen Gremien, die Dich, lieber Fußball, schändlich ausgenutzt haben und es immer wieder tun, um nur noch mehr Geld zu scheffeln oder die eigenen Interessen durchsetzen zu können.

Hierbei sei nur an das sogenannte Sommermärchen in Deutschland erinnert, das sich posthum als peinlicher Alptraum entpuppt hat. Oder das Aufstocken der WM-Teilnehmer auf 48 Nationen sowie die Schnapsidee einer Klub-WM, die nur eines zum Ziel hätte - nämlich noch mehr Geld durch Deine Hilfe zu erwirtschaften, als es ohnehin bereits getan wird.

Wir sind satt - Besinnt Euch auf die Werte des Sports

Mein lieber Fußball, aus Sicht eines Fußballfans befindest Du Dich schon seit geraumer Zeit auf gefährlichen Abwegen. Und man kann nur hoffen, dass Du die Kurve kriegst, ehe Dir mehr und mehr Fußballanhänger den Rücken kehren, weil sie satt sind von den unzähligen Spielen, die schier täglich über irgendeinen Fernsehkanal zu sehen sind. Weil sie genug haben von dem intoleranten und respektlosen Verhalten auf und neben dem Spielfeld.

Weil sie sich nach echten Werten wie Fairness, Respekt und Genügsamkeit sehnen. Sowohl auf dem Rasen als auch auf Funktionärsebene. Es wird sich bereits in absehbarer Zeit zeigen, inwiefern Du, mein lieber Fußball, tatsächlich als Vorbild für die Kinder dieser Welt taugst oder doch eher als verlorene Seele und Spiegelbild einer verrohten Gesellschaft.

Den Fußball trifft keine Schuld - Schuld haben geldgierige Funktionäre - Ändert etwas!

Der aktuelle Status Quo ist nicht Deine Schuld, mein lieber Fußball. Es liegt in der Verantwortung der führenden Kräfte in Deiner Sportart, dass sich die Dinge zum Positiven wenden. Es ist elementar, dass auch die letzten der führenden Akteure endlich begreifen, dass es bereits fünf vor Zwölf ist. Denn wenn die Gesellschaft auf breiter Basis erst einmal realisiert hat, was sich schon seit Längerem in Deinem Umfeld abspielt, wird Dein Image massive Beulen davontragen. Zahlreiche Fußballanhänger, Sponsoren und Partner könnten sich von Dir abwenden und sich stattdessen anderen Sportarten zuwenden, die Werte wie Fairplay, Respekt und Toleranz wirklich verkörpern. Ich denke da beispielsweise an Handball oder Rugby.

Ich persönlich wünsche Dir und den mit Dir verbundenen Akteuren absolute Klarheit, Gradlinigkeit und großen Mut in diesen turbulenten Tagen. Ich hoffe von Herzen, dass ein neues, größeres Maß an Bewusstheit in Deinem Umfeld eintritt, damit Du Dich der aktuellen und zukünftigen Generation wieder von Deiner besten Seite zeigen kannst – geprägt von einer beispiellosen Schönheit, einer atemberaubenden Dynamik, großen Emotionen. Und untermauert mit Werten wie Fairness, Respekt, Toleranz und Bodenständigkeit, die sowohl für Dich als auch für eine Gesellschaft im Allgemeinen nachhaltigen Erfolg bedeuten.

In Zuneigung,

Steven

https://stevenschueller.ch/


Aktuelle Bundesliga News

Transfergerüchte: Bayern München und BVB weiter an Ferran Torres dran

Transfergerüchte Bayern München: Beim deutschen Rekordmeister scheint man sich nach ...

Saison 1968/69: Trainerentlassung von Michael Pfeiffer bei Alemannia Aachen

Wer kennt noch Michael Pfeiffer? Der ehemalige Regisseur von Alemannia Aachen und späterer ...

Transfergerüchte: Auch Hertha BSC buhlt um RSC-Torwart Van Crombrugge

Transfergerüchte Hertha BSC: Die Alte Dame aus Berlin befindet sich auf Torwartsuche. ...

RB Leipzig Transfergerüchte: Sarr als Upamecano-Ersatz? Auch Sow im Visier

Transfergerüchte RB Leipzig: In der Sommerpause könnte sich bei RB Leipzig einiges ...

Transfergerüchte: Schnappt sich FC Liverpool Schalke-Talent Malick Thiaw?

FC Schalke 04 Transfergerüchte: Dem FC Schalke 04 droht der nächste Verlust eines ...

Transfergerüchte: Verlässt N´Dicka Eintracht Frankfurt? - Top-Teams mit Interesse

Eintracht Frankfurt Transfergerüchte: Geht der Aderlass bei Eintracht Frankfurt in die ...


Werbung