Kindergarten & Kleinkrieg zwischen Bayern München und dem Springer-Konzern

Kleinkrieg zwischen Bayern München und dem Springer-Konzern

Bildquelle: By Valentin Groß (Valentin Groß) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Nach der denkwürdigen Pressekonferenz des FC Bayern München fühlte man sich als Fußballfan an die legendäre PK von Giovanni Trapattoni zurückerinnert. 1998 war der italienische Star-Coach so entzürnt, dass er seinem Ärger Luft machen musste. Nun schlägt der FC Bayern München ein neues Kapitel in Sachen „Pressekonferenz“ auf und verteilt Klatschen gegenüber der „Springer-Presse“.

Die Bayern-Bosse verrieten, dass man zwei Unterlassungserklärungen gerichtlich erwirkt hat und sich somit gegen die vermeintliche falsche Berichterstattung aus dem Hause „Axel Springer“ wehren würde. Der Medien-Konzern bestätigte ziemlich zügig den Erhalt der beiden Unterlassungserklärungen, reagierte dabei aber recht cool. Karl-Heinz Rummenigge wirft der Presse nicht nur eine falsche Berichterstattung vor, sondern auch dass man neben Fakten zu verbreiten auch Politik betreiben würde.

Die Pressekonferenz des FC Bayern München sollte nach außen hin zeigen, dass der „wichtigste Klub Deutschlands“ sich nichts mehr gefallen lässt. Aus journalistischer Sicht muss man jedoch sagen, dass die Münchener über das Ziel hinausgeschossen sind mit ihren Äußerungen. Zudem wolle der Verein in Zukunft eine „hämische Berichterstattung“ unterbinden und notfalls auch klagen. Rummenigge schoss sich dabei gezielt auf die Journalisten von Axel Springer ein: „Fühlen sie sich besonders angesprochen. Polemik scheint keine Grenzen mehr zu haben. Das gilt auch für Experten, die bei diesem Club mal Fußball gespielt haben.“

Die Experten dürften in dem Falle Lothar Matthäus und Stefan Effenberg sein, die in den letzten Wochen als TV-Experten ihre Meinung zum Spiel des Deutschen Rekordmeisters zum Besten gaben. Wie dem auch sei, natürlich kann man verstehen, dass eine „faktische Berichterstattung“ erwünscht wird und auch gegeben sein sollte. Vergessen sollte man jedoch nicht, dass der Ton die Musik macht und die Musik seitens der Bayern-Bosse war alles andere als symphonisch ausgerichtet.

Selbst ein Großteil der Anhängerschaft des FC Bayern München war der einhelligen Meinung, dass diese Pressekonferenz an Peinlichkeit nicht zu überbieten war. Nun könnte man meinen, dass sich der erste Rauch verzogen hat und sowohl die Klubführung als auch die Springer-Journalisten das Thema auf sich beruhen lassen würden. Weit gefehlt, denn auch wenige Tage nach der spektakulären PK feuern die Springer-Medien aus allen Rohren zurück.

"BILD"-Sportchef Straten provoziert Bayern-Bosse

In der Nacht vom 20.10. zum 21.10. erschien ein Artikel von Walter M. Straten, seines Zeichens „BILD“-Sportchef ließ sich im besagten Artikel dazu hinreißen, weitere Spitzen in Richtung der Bayern-Führung zu schießen. Der Artikel „Lage der Liga – Noch zwei Tipps für Hoeneß und Rummenigge“ strotzt nur so vor Ironie, was auch völlig okay ist in dieser Situation. Allerdings muss man auch anmerken, dass der ganze Streit, wenn man es denn so nennen kann, in die Abteilung „Kindergarten“ und „Kleinkrieg“ wiederzufinden wäre.

Auszüge aus dem Artikel:

„Den Herrn ganz rechts auf dem Podium können Sie streichen. Der hat eh nichts zu sagen. Ich freue mich auf Ihre Leser-Reaktion. Gerne auch vom Anwalt.

„Sie, Herr Hoeneß und Herr Rummenigge, haben zwar von Experten und Medien auf sachliche Art („Trio der Ahnungslosen“) Respekt eingefordert. Doch eine Gruppe haben sie leider vergessen: die Schiedsrichter!“

„Hätten Sie denen auch so klare Worte mit auf den Weg gegeben, wäre Arjen Robben der Platzverweis in Wolfsburg erspart geblieben. Wie kann man einem so sympathisch lächelnden Bayern-Spieler Gelb-Rot zeigen. Diese Entscheidung war Fake News!“

Boulevardjournalismus in seiner ganzen Pracht

Ein entspanntes Miteinander dürfte es erst einmal nicht mehr geben. Die Stimmung zwischen beiden Parteien ist aktuell zu vergiftet und zu aufgeheizt, als dass man sich schnell wieder annähern könnte. Die Art und Weise wie nun die „BILD“ mitunter die Geschehnisse der Pressekonferenz aufs Korn nimmt, darüber lässt sich streiten. Da es sich bei diesem Pressemedium um Boulevardjournalismus handelt, muss man sich auch nicht über die Vorgehensweise wundern.

Spannend wird zu sehen sein, wie der FC Bayern München nun zukünftig reagiert! Bleibt man bei der eingeschlagenen Linie und geht zugleich auch rechtlich gegen solche Berichte vor oder war die Äußerung: „Es ist ein wichtiger Tag heute für den FC Bayern, weil wir Ihnen mitteilen wollen, dass wir uns das nicht mehr gefallen lassen. Wir werden mit dem heutigen Tag diese herabwürdigende, hämische Berichterstattung nicht mehr bieten lassen. Wir werden unsere Spieler, unseren Trainer und den Klub schützen.“ Man wolle eine Berichterstattung “faktischer Natur” haben.“ lediglich eine Warnung, die man nicht man nicht ernst nehmen muss?

Würde man sich nun selbst beim Wort nehmen, dann müsste nach diesem Artikel eine Reaktion aus München folgen. Als Außenstehender kann man nur noch mit dem Kopf schütteln, denn wenn man es nicht besser wüsste, dann könnte man zum Schluss kommen, dass sich hier Kleinkinder um ihre Förmchen und Schippchen streiten.

Keiner redet mehr über Kovac und der Mannschaft

Die Pressekonferenz war peinlich und unnötig und Hasan Salihamidžić wirkte nun auch nicht so, als würde seine Meinung, die er zum Besten gab, von ihm stammen. Viel mehr hatte man das Gefühl, dass der Sportdirektor des FC Bayern München lediglich ein „Gedicht“ auswendig gelernt hat und dieses kurz und knapp vortrug. Die Medienlandschaft wird sich auch nach dieser PK nicht großartig verändern, sodass man zum Schluss kommen kann, dass die „Abteilung Attacke“ gut gebrüllt hat und gleichzeitig ihr Ziel erreichte.

Nicht, dass man nun keine „hämische und faktisch falsche“ Berichterstattung erwirkt, sondern viel mehr, dass keiner mehr über Trainer Niko Kovac redet. Dass die Bayern gestern in der Bundesliga mit 1:3 beim VfL Wolfsburg gewannen, ist dabei nur eine Randnotiz. Man hat es geschafft, den Druck vom Trainer etwas wegzunehmen und die Aufmerksamkeit auf die Führungsriege zu lenken. Lange kann das aber nicht gut gehen, falls die erhofften Ergebnisse ausbleiben sollten.

In der Zwischenzeit werden sich Klub und der Springer-Konzern sicherlich noch das eine oder andere Scharmützel liefern, worüber man sich als Fan höchstwahrscheinlich köstlich amüsieren kann!


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