Diskussion zum Thema Rauchverbot in den Stadien - Gute oder schlechte Idee?

Diskussionen über Rauchverbote in deutschen Stadien

Bildquelle: Msgarak [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Der ewige Dialog zwischen Rauchern und Nichtrauchern wird wohl nie enden. Jedenfalls so lange nicht, wie das Rauchen in der Öffentlichkeit erlaubt ist. Im Fußball sieht das Ganze nun etwas anders aus, denn für viele Fans und Stadionbesucher gehört das Rauchen mit zum Spiel. Die Spannung des Spiels überträgt sich auf die Zuschauerränge und als Raucher „muss“ man ein Ventil finden, um seine Emotionen herauszulassen.

Über Jahrzehnte war es ein alltäglicher Anblick, dass in den Stadien zur Fluppe gegriffen wurde. Und noch heute hat sich daran vielerorts nicht sonderlich viel geändert. Die Meinungen, ob in den Bundesliga-Stadien zukünftig ein Rauchverbot herrschen sollte oder nicht, sind geteilt.

Gehört Rauchen in den Blöcken zum Fußball?

Kurioserweise sind es aber auch hier und da Nichtraucher, die den Rauchern ihren „Spaß“ nicht nehmen möchten und sagen, dass es zum Fußball dazugehört. Das sehen natürlich nicht alle so! Auf jeder Seite gibt es Befürworter und Gegner – wie in vielen Bereichen des Lebens! Rauchen im Stadion wird schon seit Jahren diskutiert.

Ist es denn eigentlich wirklich so schlimm und fatal, wenn im Stadion geraucht wird? Diese Frage stellen sich vor allem Raucher, die während des Spiels nicht auf eine Zigarette verzichten möchten, aber von Nichtrauchern argwöhnisch betrachtet werden. Für viele Raucher dürfte es schlimm sein, denn wie schon erwähnt, ist das Rauchen auch eine Art der Kanalisierung von Gefühlen und Empfindungen.

Dragoslav Stepanovic rauchte am Spielfeldrand - Sarri quarzt in RB-Katakomben

Gerade wenn es auf dem Platz spannend zugeht, wird das Verlangen nach einer Zigarette immer größer. Das kennen sogar einige Trainer selbst. Damals war es noch gang und gäbe, dass sogar Trainer wie Dragoslav Stepanovic an der Seitenlinie stand und qualmte. Auch Carlo Ancelotti würde nur zu gern am Spielfeldrand eine rauchen oder auch Maurizio Sarri, der als Kettenraucher gilt! Angeblich raucht er bis zu 60 Zigaretten am Tag weg, was natürlich völlig verrückt ist.

Wenn Sarri nicht rauchen darf, dann kann man ihn wunderbar dabei beobachten, wie er auf einem Zigarettenfilter herumkaut. So geschehen beim Spiel in der Europa League zwischen RB Leipzig und dem SSC Neapel 2018! Völlig verrückt ist es allerdings auch, dass die Leipziger angeblich extra für Signore Sarri den Gästebereich in den Katakomben umgebaut haben sollen, damit dieser rauchen kann.

Rauchverbote in englischen Stadien durchgesetzt

So hat man wohl eine drei Meter breite und fast ebenso hohe Gipsbetonwand mit eingelassener Tür im Kabinentrakt hochgezogen, damit Sarri nicht auf seine Zigaretten verzichten muss. Verrückte Welt, in der es eigentlich darum geht, ein Vorbild zu sein oder nicht?

 

 

Wie dem auch sei, ein klares Rauchverbot gibt es in der Bundesliga nicht. Vor rund 12 Jahren hat man sich seitens des DFB mit diesem Thema stark auseinandergesetzt und wollte eigentlich Regeln dazu aufstellen und umsetzen. Dazu ist es aber nicht gekommen. Viele rauchende Fans dürften darüber glücklich sein, denn während in der Bundesliga oder auch in der 2. Liga und in der 3. Liga das Rauchen erlaubt ist, ist dies in der englischen Premier League gar nicht möglich.

Vier Bundesligisten verbieten Rauchen im Stadion

Hier gilt seit einiger Zeit ein striktes Rauchverbot in den Stadien. Zum einen, weil man eine Vorbildfunktion besitzt und zum anderen, um Nichtraucher vor den Folgen des Passivrauchens zu schützen. Vor allem Kinder sollen geschützt werden. Die Folgen des Rauchens und des Passivrauchens dürfte jedem bewusst sein und dennoch gibt es Fans und Zuschauer, die dennoch kein Rauchverbot in deutschen Stadien unterstützen.

In vielen Stadien gibt es mittlerweile rauchfreie Bereiche, wie z.B. bei Borussia Dortmund im Signal Iduna Park, wo der Rewe Familienblock eigens dafür zu einem Nichtraucher-Block umfunktioniert wurde. Wirklich rauchfrei sind in dieser Saison allerdings nur vier Stadien. So darf man bei den Spielen vom FC Bayern München in der Allianz Arena keine rauchen und auch bei der TSG 1899 Hoffenheim ist dies ebenfalls nicht erlaubt. Der 1. FC Köln zog ebenfalls mit und gestattet seinen Gästen auch nicht, in den Genuss einer Zigarette zu kommen. Bayer 04 Leverkusen ist ebenfalls mit von der Partie. Auch in der BayArena ist das Rauchen im Stadion nicht erlaubt. Beim FC Bayern München geht man sogar so weit und verbietet auch die Nutzung sogenannter E-Zigaretten.

Stadion An der Alten Försterei die letzte Raucher-Oase der Bundesliga?

Aus Sicht der Raucher gibt es aber auch noch eine kleine Oase, die das Rauchen im Stadion gänzlich erlaubt und auch nicht einschränkt. Beim 1. FC Union Berlin ist das Rauchen im Stadion An der Alten Försterei erlaubt. Bisher ist auch nicht bekannt, ob dies eingeschränkt wird oder nicht. Damit ist der Aufsteiger aus Berlin-Köpenick in dieser Hinsicht auch ein Unikat. Sozusagen die letzte Bastion des Rauchers, der in Köpenick rauchend Profifußball sehen möchte!

In der 2. Liga sieht das ganz anders aus, denn dort gibt es noch einige Klubs, in deren Stadien das Qualmen komplett erlaubt ist. So zum Beispiel beim SV Darmstadt 98. Bei Erzgebirge Aue gibt sieht es anders aus, denn dort herrscht im Familienblock Rauchverbot. Blick hinunter in die 3. Liga, denn bei der SpVgg Unterhaching ist das Quarzen ohne Einschränkungen auch erlaubt.

Rauchfrei bis in die 3. Liga?

Preußen Münster hat seinen Zuschauern auch keine Einschränkungen oder Verbote auferlegt, ebenso wenig wie der Hallescher FC, Würzburger Kickers, TSV 1860 München, KFC Uerdingen, Chemnitzer FC, Viktoria Köln und bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern München.

Wer einen genauen Überblick wünscht, der sollte sich auf den Seiten des Vereines Pro Rauchfrei e.V. umschauen. Hier findet Ihr sämtliche Stadien der genannten Ligen, in denen der Umgang des Rauchens geregelt wurde! Nun kann man sich darüber streiten, ob ein komplettes Rauchverbot Sinn macht oder eben nicht, wenn in einigen Stadien der Ordnungsdienst gar nicht genau hinschaut, wenn trotz Verbots eine Zigarette angesteckt wird.

2010 erster Vorstoß beim FC Bayern des Vereins Pro Rauchfrei

Meldet man das den Ordnern oder lässt es und schaut darüber hinweg? Muss der Verein in solchen Situationen noch strenger die Regel auslegen? Oder müssen einfach beide Seiten aufeinander zugehen? Einen Konsens zu finden, dürfte ziemlich schwer werden. Das hat man auch beim FC Bayern München im Jahre 2010 erlebt.

Bei der Jahreshauptversammlung im Jahre 2010 hatte sich Rainer Nickel (Vorstandsmitglied Pro Rauchfrei e.V. und Bayern-Mitglied) für ein Rauchverbot in der Allianz Arena stark gemacht. Die Folge: Er wurde lautstark ausgebuht und förmlich für seinen Vorstoß ausgelacht. Einige Jahre später wollte man es erneut versuchen, beim FC Bayern München ein Rauchverbot durchzusetzen!

Uli Hoeneß haute dazwischen

Gegenüber der „Zeit“ gab Siegfried Ermer (Vorstandsvorsitzender von Pro Rauchfrei e.V.) September 2019 ein Interview, in dem auch der damalige Versuch auf der Jahreshauptversammlung Gehör für die Idee der Initiative zu erlangen, erneut erklärt wurde. Nachdem also der erste Versuch scheiterte, unternahm man ein paar Jahre später einen zweiten Anlauf.

 

 

Wieder hatte man die Befürchtung, dass der Vorschlag kein Gehör finden würde. Jedenfalls nicht bei den anderen Mitgliedern des deutschen Rekordmeisters. Genau das passierte, aber Uli Hoeneß ging dazwischen und setzte sich für ein Rauchverbot im eigenen Stadion ein. Am Ende kam es dann auch zu dieser Regelung, die nun seit dem Spätsommer 2018 gilt.

Zieht Zigarettenqualm im Stadion ab?

Damit soll aber nicht Schluss sein, wenn es nach dem Verein Pro Rauchfrei geht, denn man sucht auch das Gespräch mit weiteren Klubs, die ebenfalls für ein Rauchverbot offen wären. Nun müsste man meinen, dass die Stadien offen sind und eine Luftzirkulation den Abzug von Rauchschwaden zulassen würde.

Teils ist dies möglich, denn die VELTINS-Arena auf Schalke lässt sich komplett schließen, sodass die Luft steht. Und auch in Stadien, die sehr steil gebaut und an den Ecken nicht offen sind, steht die Luft quasi. Ein Abzug ist nur schwer möglich. Man sollte das Rauchen im Stadion jedoch nicht zu sehr verteufeln, denn für viele Fans gehört es dazu. Kritiker und Nichtraucher stellen die Frage, ob man denn nicht für 90 Minuten das Rauchen einstellen könnte. Wenn man in den Urlaub fliegt und einige Stunden im Flugzeug verbringt, dann darf man auch nicht rauchen. Natürlich kann man dieses Argument bringen, aber auch im Flugzeug war das Rauchen vor gefühlt unzähligen Jahren erlaubt.

Nichtraucherbereiche bei vielen Klubs vorhanden

Ein Stadionbesuch ist zudem nicht in 90 Minuten abgeschlossen. Wenn man bedenkt, dass man evtl. zwei Stunden vor Anpfiff im weiten Rund sitzt oder im Optimalfall steht (wer will auch beim Fußball sitzen?) dann noch das Spiel miterlebt, welches aus Nachspielzeiten und Halbzeit bis hin zur Verabschiedung der Mannschaft besteht, dann verbringt man locker vier Stunden im Stadion.

Sicherlich ist es möglich, in den Umläufen seine Zigarette anzustecken, um Nichtraucher möglichst aus dem Weg zu gehen und um ihnen Luft zum Atmen zu geben, aber während der Partie oder auch in der Halbzeit, ist dies für viele Zuschauer einfach keine Option. Im Stehplatzbereich ist dies eh für die meisten Fans undenkbar, denn anders als bei den Sitzplätzen bekommt man nach der Rückkehr seinen Stehplatz, wenn man Pech hat, nicht ohne Weiteres zurück. Einen Konsens zu finden, gestaltet sich also schwierig. Es gibt die Option eines Rauchverbots im Stadion oder entsprechende Nichtraucherblöcke einzurichten, in denen sich Nichtraucher aufhalten, um sich das Spiel rauchfrei anschauen zu können.

FC Barcelona erteilt Rauchverbot im Camp Nou

Beim FC Barcelona hat man sich im Übrigen ebenfalls für ein rauchfreies Camp Nou entschieden. Hier passen 99.354 Zuschauer ins Stadion und wenn man sich vorstellt, dass beim spanischen El Clásico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid jeder Fünfte Raucher ist, dann kann man sich vorstellen, wie hoch die Belastung für die Nichtraucher im Stadion sein muss. Zudem ist das Stadion sehr steil gebaut, sodass der Rauch auch nicht ohne Weiteres abziehen kann.

 

 

Die Entscheidung kann man also verstehen, auch wenn sie sehr radikal ist. Eigentlich müsste es einen Mittelweg geben, der es Rauchern und Nichtrauchern erlaubt, gemeinsam auch in den Blöcken die Spiele seiner Lieblingsmannschaft zu schauen. Wie könnte dieser Aussehen? Denkbar wäre es, dass der Raucher vielleicht nun nicht seinen Qualm dem Nachbarn direkt ins Gesicht bläst und sich nicht alle paar Minuten eine Zigarette ansteckt, sofern er denn Kettenraucher ist und zum anderen könnte man sich auch auf die Halbzeit beschränken.

Rücksichtnahme und Verständnis auf beiden Seiten erwünscht

So hätte man gleichzeitig während des Spiels die Hände frei, um seinen Klub ordentlich zu supporten. Als Nichtraucher müsste man sich damit abfinden, dass Raucher nicht gänzlich das Quarzen einstellen! Man muss sich damit arrangieren. Beide Seiten müssen Verständnis füreinander finden, wenn es im Stadion kein gänzliches Rauchverbot gibt.

Wie dem auch sei, es ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahren noch mehr Vereine das Rauchen in den Stadien untersagen werden. Schon jetzt gibt es immer mehr Bereiche, in denen das Rauchen nicht gestattet ist. Bayer Leverkusen, FC Bayern München, TSG 1899 Hoffenheim und der 1. FC Köln dürften die Vorreiter in Sachen „Rauchfreies Stadion“ sein. Weitere werden sicherlich folgen.

Tivoli Stadion Tirol seit 2020 rauchfrei

In Österreich hat man ebenfalls reagiert und das berühmte Tivoli Stadion Tirol zu einer rauchfreien Arena ernannt. Mit der Partie zwischen die WSG Swarovski Tirol gegen WAC Pellets Wolfsberg wurde das rauchfreie Tivoli Stadion Tirol in diesem Sinne eingeweiht.

Auch international darf bei den Spielen der EM und WM nicht geraucht werden. Ebenso sind die Champions League Finals davon betroffen. Die FIFA und die UEFA wollen das Rauchen immer mehr aus den Stadien verdrängen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis dieses Unterfangen komplett umgesetzt wird. Werder Bremen zum Beispiel plant ein rauchfreies Stadion!

Werder Bremen plant rauchfreies Stadion

Das hatte zumindest Werder-Präsident Hubertus Hess-Grundwald auf der Mitgliederversammlung im November 2018 verlauten lassen: „Unser Ziel ist ein rauchfreies Stadion. Wir werden das Schritt für Schritt angehen“. Fraglich ist halt, wie man das Rauchverbot im Stehplatzbereich untersagen möchte.

Es wird wie gesagt alles eine Weile dauern, aber das Rauchverbot lässt sich für die Zukunft prognostizieren. Ob der Stadionbesuch eines Rauchers darunter leidet? Das muss jeder für sich selbst entscheiden!


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