Länderspiel: DFB-Team verliert WM-Test gegen Brasilien - Kroos übt heftige Kritik

Besorgte den Siegtreffer für Brasilien: Gabriel Jesus

Bildquelle: By Andre Borges/Agência Brasília [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Deutschland hat den WM-Test gegen Brasilien in Berlin mit 0:1 verloren. Eine vollkommen verdiente Pleite für den Weltmeister, der über weite Strecken eine schläfrige und enttäuschende Vorstellung im Olympiastadion gegen einen deutlich motivierteren Rekord-Weltmeister zeigte. Das Siegtor besorgte Gabriel Jesus im ersten Durchgang, der damit der Selecao eine gelungene Revanche für die 1:7-Schmach im WM-Halbfinale vor vier Jahren bescherte. Toni Kroos fand nach der Partie deutliche Worte und ging mit den Spielern aus der zweiten Reihe hart ins Gericht.

Die Erfolgsserie ist gerissen: Nachdem die deutsche Nationalmannschaft 22 Spiele ungeschlagen blieb, erwischte es die DFB-Auswahl am Dienstag mal wieder. Mit 0:1 ging der zweite WM-Härtetest während der Länderspielpause gegen Brasilien verloren.

Die erste Pleite seit dem verlorenen EM-Halbfinale 2016 gegen Frankreich. Dabei schmiss Bundestrainer Joachim Löw im Vergleich zum jüngsten 1:1 gegen Spanien ordentlich die Rotationsmannschaft an und veränderte die Startelf gleich auf sieben Positionen.

In der besseren B-Elf rutschten Kevin Trapp, Antonio Rüdiger, Marvin Plattenhardt, Leon Goretzka, İlkay Gündogan, Leroy Sane und Mario Gomez für die vermeintlichen Stammkräfte Marc-Andre ter Stegen, Mats Hummels, Jonas Hector, Sami Khedira, Mesut Özil, Thomas Müller und Timo Werner in die Startelf. Lediglich Joshua Kimmich, Jerome Boateng, Kroos und Julian Draxler blieben im Team. Die Brasilianer mussten zwar ohne ihren verletzten Superstar Neymar auskommen, ansonsten schickte Nationalcoach Tite hochdekorierte Akteure wie unter anderem Dani Alves, Thiago Silva, Casemiro, Willian, Coutinho und Gabriel Jesus auf den Rasen.

Deutschland enttäuscht – Gabriel Jesus köpft ein

Auch wenn Deutschland nur mit seinem zweiten Anzug spielte, hatte man sich doch mehr vom Spiel der Adlerträger erwünscht, die bei weitem nicht an die starken Leistung von Freitag gegen Spanien herankam. Zwar gestalteten sich die Anfangsminuten noch ausgeglichen, doch dann erspielte sich die giftigere und willensstärkere Selecao ein Übergewicht. Ein zwingenden Abschluss konnte Brasilien aber vorerst nicht verbuchen, sodass auch für Trapp keine Gefahr herrschte. Deutschland fand nach rund 15 Minuten besser in die Partie und das Aufbau- und Kombinationsspiel wurde flüssiger.

Aber die Offensivbemühungen waren aufgrund der mangelnden Kreativität und Durchschlagskraft weite harmlos. Während die Löw-Truppe ein optisches Übergewicht hatte, blieb Brasilien bei Kontern gefährlich. Aus einem schnellen Gegenstoß resultierten auch die ersten große Chancen für die Gäste, doch Gabriel Jesus jagte das Leder freistehend über das Gehäuse (36.). Besser machte es der Torjäger von Manchester City in der 37. Minute, als völlig freistehend eine Willian-Flanke wuchtig per Kopf über die Linie drückte. Trapp war zwar noch mit einem starken Reflex dran, konnte aber die Überquerung der Linie nicht verhindern. Mit der knappen, aber verdienten Führung für Brasilien ging es in die Kabine.

Selecao auch in 2. Halbzeit klar besser

Nach der Pause legte Deutschland einen recht dominanten Start hin, der aber nach einer Behandlungspause von Boateng schnell wieder verpuffte. Während die Ballkünstler vom Zuckerhut durch Willian und Paulinho (55.) sowie Coutinho (57.) weitere Möglichkeiten hatten, lief für die DFB-Elf nicht viel zusammen. Phasenweise verlor der Weltmeister völlig den Faden, leistete sich viele Abspielfehler und konnte der Partie nicht mehr ihren Stempel aufdrücken. Zumal auch die vielen Wechsel auf deutscher Seite den Spielfluss hemmten. Trotz viel Ballbesitz vermochte es Deutschland nicht, sich Chancen herauszuspielen und die Selecao war dem zweiten Treffer deutlich näher als das DFB-Team dem Ausgleich. Gabriel Jesus (68.) bot sich noch die Gelegenheit für einen Doppelpack, aber der Stürme vergab leichtfertig.

In der Schlussphase bäumte sich Deutschland gegen die drohende Pleite auf und wäre in der Nachspielzeit durch einen Schuss von Draxler von der Strafraumkante fast (90.+2), den Alisson stark parierte, fast noch zum glücklichen Ausgleich gekommen. Doch letztlich blieb es beim verdienten 1:0-Sieg Brasiliens. Die Niederlage hat deutlich gemacht, dass vor allem die zweite Reihe der deutschen Auswahl nicht an das hohe Niveau der vermeintlichen Stammelf herankommt.

Kroos kritisiert Mitspieler scharf

Das monierte auch Kroos nach der Spiel im „ZDF“ mit kritischen Worten: „Mannschaftlich überwiegt klar das Negative. Wir haben gesehen, dass wir nicht so gut sind, wie wir gemacht werden und wie es einige Spieler glauben. Wir haben uns viel zu leicht abkochen lassen. Dabei standen heute einige Spieler auf dem Platz die sich zeigen konnten, das haben sie aber nicht getan. Das ist ärgerlich. Wir haben noch viel Luft nach oben.“

In die gleiche Kerbe schlug Bundestrainer Löw, der zugegeben musste: „Das war heute nicht unser Tag. Wir haben uns viele Abspielfehler, viele leichte Fehler erlaubt und damit die Brasilianer stark gemacht. Heute waren ein paar junge Spieler auf dem Platz, die ihre Erfahrungen gemacht haben und daraus ihre Lehren ziehen werden. Zudem hat bei vielen Spielern die Körpersprache nicht gestimmt.

Am 15. Mai muss Löw seinen vorläufigen 30-Mann-Kader für die WM 2018 in Russland benennen, mit dem es vom 23. Mai bis 9. Juni zum Trainingslager nach Südtirol geht. In dieser Zeit stehen auch die beiden letzten Testspiele vor dem WM-Start auf dem Programm. Am 2. Juni geht es in Klagenfurt gegen Österreich, am 8. Juni steigt die Generalprobe gegen Saudi-Arabien in Leverkusen.


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