Alle Bundestrainer der Nationalmannschaft

Alle deutschen Bundestrainer in der Übersicht

Bildquelle: Bert Verhoeff / Anefo / CC0 [CC BY-SA 0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Sie ist des Deutschen liebstes Kind: Die Fußball-Nationalmannschaft der Herren! Viel Druck und Verantwortung lasten auf den Schultern des Nationaltrainers, der zudem stets im Rampenlicht steht. Doch wer waren die DFB-Trainer bis heute? Wer war besonders erfolgreich und wer weniger? Die Liste aller Bundestrainer der Nationalmannschaft liefert die Antwort.

Bislang gibt es in der deutschen Fußballhistorie zehn Nationaltrainer (Stand Mai 2020)! Eine geringe Anzahl, wenn man bedenkt, dass die DFB-Auswahl seit 1926 einen hauptverantwortlichen Trainer beschäftigt. Der niedrigen Fluktuation steht eine eindrucksvolle Anzahl an Titeln gegenüber. Schließlich wurde Deutschland viermal Weltmeister, dreimal Europameister und erreichte bei großen Turnieren insgesamt 13 Mal ein Endspiel! Sport-90 stellt alle deutschen Bundestrainer der DFB-Historie genauer vor!

Dr. Nerz als erster Trainer der deutschen Nationalmannschaft

Den Anfang macht Dr. Otto Nerz. Der promovierte Mediziner und studierte Pädagoge war von 1926 bis 1936 der erste Fußball Bundestrainer Deutschlands. Damals und bis 1945 wurde der Bundestrainer noch Reichstrainer genannt. Zwar bestritt Deutschland bereits 1908 sein erstes Länderspiel, aber bis zur Inthronisierung eines hauptverantwortlichen Trainers dauerte es fast 20 Jahre! Bis dahin waren ein Spielausschuss und der Kapitän für die Aufstellung und Taktik verantwortlich.

Nerz war für sein strenges Regiment bekannt, konnte aber mit der Nationalmannschaft nichtsdestotrotz beachtliche Erfolge einfahren. Bei der WM 1934 wurde Deutschland schließlich überraschend Dritter. 1936 und nach dem Ausscheiden bei den Olympischen Sommerspielen endete die Amtszeit von Nerz nach insgesamt 70 Länderspielen, von denen 42 gewonnen wurden. Zudem gab es zehn Remis und 18 Niederlagen.

Bundestrainer der Nationalmannschaft in der Übersicht

Amtszeit Bundestrainer Spiele - S-U-N Tore
31.10.1926 bis 17.10.1936 Dr. Otto Nerz (Reichstrainer) 75 - 44-11-20 204:124
15.11.1936 bis 22.11.1942 Sepp Herberger (Reichstrainer) 65 - 40-12-13 204:93
22.11.1950 bis 07.06.1964 Sepp Herberger (Bundestrainer) 97 - 52-14-31 219:146
04.111964 bis 21.06.1978 Helmut Schön 139 - 87-31-21 292:107
11.10.1978 bis 20.06.1984 Jupp Derwall 67 - 44-12-11 144:60
12.09.1984 bis 08.07.1990 Franz Beckenbauer (Teamchef) 66 - 34-20-12 107:61
29.08.1990 bis 05.09.1998 Berti Vogts 102 - 66-24-12 206:86
10.10.1998 bis 20.06.2000 Erich Ribbeck 24 - 10-6-8 42:31
16.08.2000 bis 24.06.2004 Rudi Völler (Teamchef) 53 - 29-11-13 109:57
26.07.2004 bis 08.07.2006 Jürgen Klinsmann 34 - 20-8-6 81:43
16.08.2006- Jogi Löw 181 - 117-34-30 434:173

 

Sepp Herberger führt Deutschland zum ersten WM-Triumph

Nachfolger von Nerz wurde Josef „Sepp“ Herberger, der von 1936 bis 1942 und nach dem 2. Weltkrieg von 1950 bis 1964 Übungsleiter der deutschen Nationalelf war. Somit ist Herberger auch der erste Nationalcoach der gegründeten Bundesrepublik Deutschland. Unter Herbergers Leitung feierte Deutschland das unvergessene „Wunder von Bern“, als das Team um Kapitän Fritz Walter bei der WM 1954 in der Schweiz einen sensationellen 3:2-Sieg im Finale gegen das hochfavorisierte Ungarn feierte. Es war der erste WM-Titel für Deutschland.

Im November 1964 endete die Ära Sepp Herberger, der von den Nationalspielern respektvoll „Chef“ genannt wurde. In der Rolle des Reichs- und Bundestrainers der deutschen Fußballnationalmannschaft bestritt er 162 Länderspiele, von denen 92 Spiele siegreich gestaltet wurden (26 Unentschieden, 44 Niederlagen).

Erfolgstrainer Helmut Schön - Jupp Derwall mit Rekordserie

Herberger wurde durch Helmut Schön abgelöst, der zwischen 1964 bis 1978 das Zepter als DFB-Trainer in den Händen hielt. Und das durchaus erfolgreich. Denn der Wiesbadener ist bis heute der einzige Bundestrainer, der mit der deutschen Nationalelf sowohl bei einer Weltmeisterschaft (1974 in Deutschland) als auch bei einer Europameisterschaft (1972 in Belgien) den Titel abräumen konnte. Zudem gab es unter seiner Regie noch je zwei Vizetitel bei der WM 1966 und EM 1976! Helmut Schön betreute die Bundesrepublik Deutschland insgesamt in 139 Länderspielen. Dabei glückten 87 Siege sowie 31 Unentschieden, zudem kassierte man nur 21 Pleiten.

 

 

Jupp Derwall trat 1978 das schwere Erbe von Schön an und saß bis 1984 im Sattel. Auch unter ihm konnte Deutschland ein großes Turnier gewinnen: 1980 die EM in Italien! Zugleich der größte Erfolg von Derwall, der schon als Spieler eine erfolgreiche Karriere hinlegte. Und das gleich bei seinem ersten Turnier als Nationaltrainer. Zwei Jahre später erreichte Derwall mit den Adlerträgern das WM-Finale in Spanien, wo man sich allerdings Italien geschlagen geben musste. Danach ging es bergab und nach dem frühen Vorrunden-Aus bei der EM 1984 erklärte Derwall seinen Rücktritt. Seine Bilanz nach 67 Spielen: 44 Siege, zwölf Unentschieden, elf Niederlagen.

Bemerkenswert: Unter Derwall blieb Deutschland 23 Spiele in Folge ungeschlagen - ein Rekord, der bis heute Bestand hat.

Teamchef Franz Beckenbauer: WM-Titel 1990 & bemerkenswerter Rekord

Nächster Bundestrainer wurde Franz Beckenbauer, der von 1984 bis 1990 tätig war. Besser gesagt Teamchef, denn der „Kaiser“ besaß keine Trainerlizenz. Somit waren seine Assistenzen (Horst Köppel bis 1987, Holger Osieck bis 1990) eigentlich die Bundestrainer. Aber auch ohne Trainerschein glückte Beckenbauer Außergewöhnliches: Denn nachdem der frühere Libero 1974 als Spieler Weltmeister wurde, führte er Deutschland bei der WM 1990 in Italien auf den Fußball-Thron und zum dritten WM-Titel! Darüber hinaus wurde Beckenbauer als Spieler und Nationaltrainer auch jeweils Vizeweltmeister.

Nach der WM 1990 verabschiedete sich Franz Beckenbauer, der als Teamchef 34 seiner 66 Länderspiele gewann (20 Remis, 12 Niederlagen).

Vogts und Ribbeck: Bundestrainer von 1990 bis 2000

Nächster Bundestrainer wurde Berti Vogts, der zwar längst nicht so beliebt wie seine Vorgänger war, aber dennoch mit Deutschland einen großen Erfolg verbuchen konnte. Bei der EM 1996 in England führte die Gladbach-Legende Deutschland zum Sieg. Zudem wurde die DFB-Auswahl 1992 Vize-Europameister. Auch seine Bilanz ist absolut vorzeigbar. Denn in 102 Spielen konnte Vogts mit Deutschland 66 Siege feiern, denen lediglich zwölf Niederlagen gegenüberstehen (24 Unentschieden).

 

 

Vogts-Nachfolger wurde Erich Ribbeck, der das Amt aber nur zwei Jahre von 1998 bis 2000 bekleidete. Kein Wunder, denn er als deutscher Nationaltrainer blieb Ribbeck erfolglos. Bei der EM 2000 scheiterte die DFB-Truppe bereits in der Vorrunde, was das Ribbeck-Aus besiegelte. Lediglich 24 Spiele und damit die wenigsten aller Bundestrainer bestritt Ribbeck, wobei die Bilanz mit zehn Siegen, sechs Unentschieden und acht Niederlagen enttäuschend ist. Somit ist Erich Ribbeck der einzige Bundestrainer, der weniger als die Hälfte aller Länderspiele gewinnen konnte.

Teamchef Rudi Völler: Platz 2 bei WM 2002 als großer Erfolg

Mit Rudi Völler wurde ein absoluter Publikumsliebling zum neuen Bundestrainer berufen. Ursprünglich als Übergangslösung für Wunschkandidat Christoph Daum vorgesehen, konnte sich die ehemalige Stürmer-Legende aber als Teamchef behaupten. Insgesamt vier Jahre und bis 2004 war Völler als Übungsleiter der deutschen Auswahl tätig.

Bei der WM 2002 konnte Völler mit Deutschland überraschend den Vize-Titel holen, jedoch reichte „Tante Käthe“ nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der EM 2004 seinen Rücktritt ein. Rudi Völler verabschiedete sich nach 53 Partien mit einer Bilanz von 29 Siegen, elf Remis und 13 Niederlagen.

Jürgen Klinsmann: Große Wirkung, trotz kurzer Amtszeit

Nach Völler wurde 2004 mit Jürgen Klinsmann ein weiterer ehemaliger DFB-Stürmer zum Nationaltrainer auserkoren. Zwar endete die Amtszeit von Klinsmann bereits nach zwei Jahren, aber in der kurzen Zeit legte er die Basis für eine erfolgreiche Epoche der DFB-Elf. Denn Klinsmann setzte verstärkt auf junge Spieler und verpasste der Mannschaft einen offensiveren Spielstil. Das Ergebnis war eine junge Truppe, die beim legendären Sommermärchen 2006 mit ihrer erfrischenden Spielweise die Herzen der deutschen Fans im Sturm eroberte und am Ende einen starken 3. Platz bei der Heim-WM holte.

 

 

Der DFB wollte mit Jürgen Klinsmann liebend gern verlängern, doch der ehemalige Bayern-Stürmer erklärte kurz nach der WM 2006 seinen Rücktritt. Insgesamt saß Klinsmann, der anschließend die USA als Nationaltrainer erfolgreich betreute, in 34 Spielen als Bundestrainer auf der Bank, von denen 20 siegreich gestaltet wurden (8 Unentschieden, 6 Niederlagen).

Joachim Löw: Statistisch der erfolgreichste Bundestrainer

Am 1. August 2006 wurde Joachim Löw als neuer Bundestrainer berufen, der zuvor schon in der Rolle des Co-Trainers von Klinsmann eng mit der Nationalmannschaft verbunden war. Löw ist auch aktuell noch Nationaltrainer und konnte mit der DFB-Elf 2014 die Weltmeisterschaft in Brasilien gewinnen. Zudem stehen noch eine Vizeeuropameisterschaft (2008) sowie das zweimalige Erreichen eines EM-Halbfinals (2012, 2016) in der Statistik.

Löw ist statistisch gesehen der erfolgreichste aller bisherigen zehn Bundestrainer. So liegt sein Punkteschnitt pro Spiel bei 2,11 und die Siegquote bei 64,24 Prozent (Stand November 2019). Bislang hat Löw 179 Länderspiele als Nationaltrainer der DFB-Elf absolviert, wobei 115 Siege heraussprangen (34 Unentschieden, 30 Niederlagen).


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