Robert Baggio eine italienische Fußball-Legende

Porträt über Roberto Baggio

Bildquelle: Codice13 [CC BY-SA 0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

In Italien wird Roberto Baggio, der 2004 seine Karriere beendete, noch heute verehrt. Schließlich zählt er zu den besten Spielern, die der Stiefelstaat jemals hervorbrachten und die das Trikot der Azzurri trugen. Selbst sein tragischer Fehlschuss im WM-Finale 1994 tut seinem Legendstatus keinen Abbruch. Sport-90 wirft einen Blick auf die Karriere des Spielmachers zurück und verrät, was Roberto Baggio heute macht.

Roberto Baggio war ein begnadeter Techniker, ein echter Ballvirtuose. Er konnte nicht nur geschickt die Fäden im Offensivspiel ziehen, sondern war darüber hinaus für einen klassischen Spielmacher extrem torgefährlich. Besonders die Freistöße von Baggio, der während seiner ganzen Profikarriere stets in der Serie A kickte, waren gefürchtet.

Roberto Baggio: Tragischer Fehlschuss m WM-Finale 1994

Rückblickend ist es nahezu unbegreiflich, dass Roberto Baggio auf internationaler Bühne nur einen Titel abräumen konnte: 1992/93 gewann er mit Juventus Turin den UEFA-Pokal (dem Vorgängerwettbewerb der heutigen Europa League). Auch mit der italienischen Nationalmannschaft, für die der kleingewachsene Edeltechniker 56 Länderspiele bestritt (27 Tore), blieben große Erfolge aus. Obwohl er zu dieser Zeit gemeinsam mit klangvollen Namen wie Franco Baresi, Paolo Maldini oder Salvatore „Toto“ Schilacci für die Squadra Azzurra spielte.

Dabei hatte es Roberto Baggio bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA selbst auf den Fuß, Italien zum Weltmeister zu schießen und sich ein Denkmal setzen zu können. Doch im Finale gegen Brasilien war es das „goldene Zöpfchen“, wie Baggio aufgrund seiner Haarpracht genannt wurde, das den entscheidenden Elfmeter über den Querbalken jagte.

Serie-A-Debüt für den AC Florenz

Dieser Fehlschuss war zugleich das schwärzeste Kapitel in der Karriere des Italieners. Diese nahm auf Profiebene 1982 seinen Beginn, als er im zarten Alter von 15 Jahren beim damaligen Drittligisten Vicenza Calcio anheuerte. Geboren wurde der frühere Mittelfeldstar am 18. Februar 1967 als sechstes von insgesamt acht Kindern in Caldogno. Bei Vicenza blitzte das große fußballerische Talent des damaligen Youngsters schnell auf und er führte den Klub 1985 zum Aufstieg in die Serie B.

Der AC Florenz wurde auf Baggio aufmerksam und holte den Offensivakteur, der auch als hängende Spitze agierte, im selben Jahr in die Serie A. Dort feierte er mit 19 am 21. September 1986 sein Debüt, verletzte sich aber gleich und fiel monatelang mit einer Meniskusverletzung aus. Doch davon ließ er sich nicht aufhalten und konnte sich in den Fokus von Juventus Turin spielen.

1995: Robert Baggio für Rekordsumme zu Juventus Turin

1995 zahlte Juve umgerechnet 7,75 Millionen Euro Ablöse, womit Roberto Baggio zum bis dato teuersten Fußballer der Welt aufstieg. Für die Fiorentina hatte er in 136 Pflichtspielen 55 Tore erzielt, einen Titel gab es aber nicht. Das holte Baggio mit Juventus Turin nach, wo er den Aufstieg zum absoluten Superstar schaffte. Mit der Alten Dame, wo er zeitweise Teamkollege von Andreas Möller war, holte 1995 das nationale Double aus Meisterschaft und Pokal, bereits 1993 triumphierte er mit Juve im UEFA-Cup.

 

 

Insgesamt waren die fünf Jahre bei Juventus die erfolgreichste Zeit des frühere Fußball-Genies, zumal er auch 1993 Weltfußballer gewählt wurde. Im Jahr darauf ereignete sich die dramatischen Geschehnisse bei der Weltmeisterschaft, anschließend wurde der Ballvirtuose vom Verletzungspech heimgesucht und fiel fünf Monate. In dieser Zeit schwang sich in der italienischen Nationalelf Alessandro del Piero zum Baggio-Nachfolger auf.

Baggio gewinnt mit Milan 1996 den Scudetto

Auch seine Zeit bei Juventus Turin neigte sich dem Ende. 1995 wechselte der damals 30-Jährige zum Serie A-Rivalen AC Mailand, mit denen er an der Seite von George Weah oder Zvonimir Boban auf Anhieb Meister wurde. In 28 Ligaspielen steuerte Roberto Baggio in der Saison 1995/96 sieben Tore und zwölf Vorlagen bei. Der vierte Titel seiner Karriere sollte zugleich der letzte des „Goldenen Zöpfchen“ sein.

Nachdem der schussstarke Akteur bei Milan mehr oder weniger aussortiert wurde, wechselte Baggio 1997 zum FC Bologna. Zugleich schnitt er sich das Zöpfchen, was über viele Jahre sein Markenzeichen war. Bei Bologna fand der Offensivstar noch einmal zu alter Stärke und konnte mit 22 Toren in 30 Spielen eine herausragende Saison hinlegen. Diese brachte ihm ein Angebot von Inter Mailand ein, den er sich im Sommer 1998 anschloss.

 

 

Doch bei der Nerazzurri ging es mit Roberto Baggio langsam bergab. Der nur 1,74 Meter große Rechtsfuß konnte die hohen Erwartungen in seine Person nur selten erfüllen und zudem wurde er von Verletzungen geplagt. 2000 folgte sein letzter Vereinswechsel und für Roberto Baggio ging es von Inter zu Brescia Calcio, für die er noch vier Jahre aktiv war und dabei eine starke Bilanz von 46 Toren und 13 Vorlagen in 101 Spielen vorweisen konnte.

Am 16. Mai 2004 erklärte der damals 37 Jahre alte Baggio seinen Rücktritt vom Profifußball.

Was macht Roberto Baggio heute?

Um Roberto Baggio ist nach seiner Karriere ruhig geworden und auch dem Fußball ist er nicht mehr sonderlich verbunden. Zwar bekleidete er ab 2010 für 2,5 Jahre den Posten als technischer Direktor des italienischen Fußballverbandes mit Fokus auf den Jugendfußball, doch es sollte sein einziges Engagement in der Rolle eines Funktionärs bleiben. Auch als Trainer war Roberto Baggio nie tätig. Hin und wieder taucht als Experte im italienischen Fernsehen auf, aber insgesamt nimmt der frühere Weltstar nur selten öffentliche Termine war.

Ansonsten lebt Baggio, der drei Kinder hat, mit seiner Frau Andreina ruhig und zurückgezogen. Wohl in der Nähe seines Geburtsortes Caldogno. Nicht verschweigen werden darf, dass sich Baggio für humanitäre Großprojekte einsetzte und seit Jahren bekennender Buddhist ist. 2014 eröffnete er etwa in Mailand das größte buddhistische Zentrum Europas. Weiter ist bekannt, dass Roberto Baggio eine Ranch in Argentinien besitzt, wo er regelmäßig Zeit verbringt und seinem Hobby, der Entenjagd, nachgeht.


Werbung