Transfer Klassiker: Pavel Nedved - 2001 als Zidane-Erbe von Lazio zu Juventus Turin

Ex-Star Pavel Nedved trat 2001 bei Juve das Zidane-Erbe an

Bildquelle: Pavel Lebeda [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Pavel Nedved gilt bis heute als einer der besten Spielgestalter in der Fußball-Historie. Nachdem er mit Tschechien bei der EM 1996 mit dem Finaleinzug für Furore sorgte und er seinen großen Durchbruch feierte, sicherte sich Lazio Rom die Dienste des Offensivstars von Sparta Prag für rund 4,5 Millionen Euro. Nedved wechselte nach Italien, das bis zu seinem Karriereende seine sportliche Heimat bleiben sollte. Doch nicht bei Lazio, sondern bei Juventus Turin. Die griffen im Sommer 2001 tief in die Tasche, um Nedved vom italienischen Hauptstadt-Klub loszueisen. Ein Transfer Klassiker, denn wir etwas genauer unter die Lupe nehmen wollen.

Juventus Turin verkaufte 2001 Superstar Zinedine Zidane für die damalige Rekordsumme von 77,5 Millionen Euro an Real Madrid.

 

Der Geldregen wurde direkt in neues Personal reinvestiert und mit Gianluigi Buffon, Lilian Thuram, Marcelo Salas und eben Pavel Nedved neue Kräfte geholt.

Nedved als Juves Wunschspieler für Zidane-Nachfolge

Lazio Rom stand zu jener Zeit kurz vor dem Ruin und war nahezu bankrott. Somit hatte die Biancocelesti keine andere Wahl, seinen Leistungsträger Nedved ziehen zu lassen. Schließlich kassierte Lazio von Juve knapp 42 Millionen Euro für den damals 28-Jährigen. Mit Nedved, der sich mit 33 Toren in 133 Serie A-Spielen aus Rom verabschiedete, bekam Juve-Manager Luciano Moggi seinen absoluten Wunschspieler für das gewaltige Zidane-Erbe.

Und der tschechische Strippenzieher sollte sich als kluge Investition der Turiner erweisen. Denn der filigrane Linksfuß avancierte bei der Alten Dame schnell zum Publikumsliebling und absoluten Weltklasse-Spieler. Nedved zeichnete sich auf dem Platz mit seinen tödlichen und überraschenden Pässe aus, zudem war er mit einer enormen und präzisen Schusskraft ausgestattet und hatte einen guten Zug zum Tor. Aber es war auch sein großes Kämpferherz, was Nedved zu einem anderen, besseren Spieler machte. Er schuftete wie ein Ackergaul, war verbissen im Zweikampf und unermüdlich in seiner Spielweise. Das brachte Pavel Nedved schnell den Spitznamen „Furia Ceca“ ein, was soviel wie tschechische Furie bedeutet.

Lippi machte Nedved zum Spielmacher

Dass es mit dem Blondschopf bei Juventus Turin weiter bergauf gehen sollte, war auch dem Erfolgstrainer Marcello Lippi zu verdanken. Der Italiener war von der Vielseitigkeit Nedveds so angetan, dass er ihn vom linken, offensiven Mittelfeld als Regisseur ins Zentrum versetzte. Das weiß der einstige Mittelfeldstar auch heute noch zu schätzen und erklärte auf „fifa.com“: „Derjenige, der mir etwas mehr als die anderen gegeben hat, ist zweifellos Marcello Lippi, weil er mich hinter den Spitzen eingesetzt und mir auf dem Feld mehr Freiheiten gegeben hat.“

In seiner ersten Saison (2001/02) im Dress der Schwarz-Weißen verbuchte Nedved in 43 Pflichtspielen vier Tore und neun Vorlagen und wurde mit Juve auf Anhieb Meister. Auch in der Folgesaison schnappte sich der Rekordmeister den Scudetto, wobei Nedved mit neun Toren  maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Titelverteidigung hatte. Zudem erreichte er mit Juventus Turin in der Spielzeit 2002/03 das Finale der Champions League und schaltete auf dem Weg dorthin die spanischen Giganten FC Barcelona (Viertelfinale) und Real Madrid (Halbfinale) aus. Doch im italienischen Finale gegen den AC Mailand konnte Nedved tragischerweise nicht mitwirken, da er eine Gelbsperre verbüßte. Vielleicht hätte Juve mit seiner Hilfe den Henkelpott gewonnen, den sich letztlich aber Milan im Elfmeterschießen sicherte.

Nedved ging mit Juve in die 2. Liga

Dennoch war Pavel Nedved zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner Karriere und wurde 2003 als erster Tscheche zu Europas Fußballer des Jahres gekürt. Dabei ließ er Stars wie Zidane, Luis Figo oder Thierry Henry hinter sich.

Zudem erwies sich Pavel Nedved als äußerst loyaler Spieler, als Juventus Turin 2006 nach dem Zwangsabstieg die Treue hielt und den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit mit antrat. Und obwohl er sich mit damals 34 Jahren im Herbst seiner aktiven Karriere befand, war ein Wechsel für den Spielmacher kein Thema. „Das war sehr hart... Aber angesichts dessen, was dieser Klub mir gegeben hat, fühlte ich mich ihm verpflichtet. Seitdem war es für mich ganz klar, dass ich bleibe. Wir sind für diese zwei Jahre sehr harter Arbeit mit dem Aufstieg in die Serie A und dem Wiedersehen mit der Champions League belohnt worden.“

Nedved blieb Juve nach Karriereende treu

Nachdem direkten Wiederaufstieg, der auch Nedved mit elf Toren zu verdanken war, kehrten die Bianconeri 2007 in die Serie A zurück. Er schnürte noch zwei weitere Jahre bis zum Ende der Saison 2008/09 die Schuhe für Juventus Turin, ehe er diese kurz vor seinem 37. Geburtstag an den Nagel hing. Für Juve bestritt der 91-fache Nationalspieler wettbewerbsübergreifend insgesamt 327 Pflichtspiele in denen er 65 Tore und 34 Assists beisteuerte.

Dem Klub ist Pavel Nedved weiter treu geblieben und bekleidet seit 2015 den Posten des Vizepräsidenten bei Juve, nachdem er zuvor bereits im Management des italienischen Rekordmeister tätig war.


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