Gerhard Delling: ARD-Ikone mit Kultstatus - auch dank Günter Netzer

Gerjhard Delling Fußballkommentator im Porträt

Bildquelle: Michael Kranewitter [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Die „ARD Sportschau“ und Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft waren lange Zeit ganz eng mit einem Moderator verknüpft: Gerhard Delling! Über viele Jahre war Delling eine der prägenden Figuren im deutschen Sportfernsehen und erlangte insbesondere durch seine Co-Moderation mit Günter Netzer absoluten Kultstatus. 2019 beendete der Sportjournalist seine Karriere und damit eine Ära. Sport-90 stellt den blonden Norddeutschen in einem Gerhard Delling Portrait genauer vor.

Gerhard Delling wurde am 21. April 1959 im schleswig-holsteinischen Rendsburg geboren. Der Sohn eines Kaufmanns verbrachte seine Kindheit im hohen Norden und machte auf dem Gymnasium Herderschule sein Abitur. Sein Interesse für den Journalismus zeigte sich schon während seiner Schulzeit ab.

Gerhard Delling: VWL-Studium & Anstellung beim NDR

So schrieb der sportbegeisterte Gerhard Delling bereits als 17-jähriger für die lokale „Schleswig-Holsteinische Landeszeitung“. Doch nach seinem Abitur entschied er sich für ein Studium der Volkswirtschaftslehre, welches er 1980 an der Christian-Albrecht-Universität in Kiel begann und fünf Jahre später erfolgreich mit dem Diplom abschloss.

Allerdings fuhr Gerhard Delling während der Studienzeit zweigleisig und ging zunächst als freier Mitarbeiter für den NDR in Kiel und das „Deutsche Leichtathletik Magazin“ seiner Leidenschaft nach. Noch während seines Studiums wurde Delling vom NDR als Sportreporter fest angestellt und machte dabei erste Bekanntschaft mit dem Medium Fernsehen. Denn er moderierte nicht nur Sportsendungen im Hörfunk, sondern verfasste außerdem auch TV-Beiträge aus Sport und Wirtschaft für das „Schleswig-Holstein Magazin“.

Delling: Exkurs zum SWR, dann Reporter bei Olympia, WM & Co.

In der Folge zog es Gerhard Delling in den Süden Deutschlands, wo er zwischen 1987 und 1991 in Baden-Baden für den Südwestfunk tätig war und die Karriereleiter schnell hinaufkletterte. Denn Delling war als Reporter für die Sportformate „Sportschau“ und „Sport Extra“ als Reporter tätig und somit regelmäßig im Fernsehen zu sehen.

Im Jahr 1991 ging es für Delling im Alter von 32 Jahren zurück zum NDR und arbeite bis 1999 in Hamburg für den Programmbereich Sport. In den 90er Jahren gewann Delling immer mehr an Bekanntheit und Popularität, durfte er doch von vielen großen Sportevents berichten. Angefangen von den Olympischen Spielen in Barcelona, Sydney und Salt Lake City über Grand Slam Turniere im Tennis bis hin zu Welt- und Europameisterschaften im Fußball.

Delling & Netzer: ARD-Traumgespann mit Kultstatus

Ab 1990 gehörte Delling zum ARD-Stammpersonal bei Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft und sowie der "Sportschau" im Ersten, wo er über die Bundesliga berichtete. Der vielseitige Sportjournalist wirkte darüber hinaus aber auch in anderen Sendungen mit. So moderierte er etwa 1993 die NDR-Talkshow, 1996 die Talksendung „Mensch! Leute!“ oder die "ARD-Sportgala" zwischen 1994 bis 1996.

 

 

Der wohl prägendste Zeit des erfolgreichen und sympathischen TV-Manns, der sehr wortgewandt und fachkundig moderierte, war die Spanne zwischen 1998 und 2010. Mit dem einstigen Fußballstar Günter Netzer bildete Delling ein Traumgespann, welches schnell absoluten Kultstatus erlang. Zusammen analysierte die beiden die Spiele der DFB-Auswahl.

Best of Delling vs. Netzer:

Der frühere Fußball-Playboy und der kühle Norddeutsche mit seinem Baby-Face waren eines der kongenialen Duos, welches die TV-Landschaft in Deutschland jemals zum Vorschein brachte, denn Delling und Netzer boten mit ihrem ironischen bis hin zum sarkastischen Zusammenspiel einen sehr hohen Unterhaltungswert.

Wobei sich Delling und Netzer ähnlich wie Brüder verhielten. Delling in der Rolle des kleineren Bruders, der seinen älteren Bruder gerne provozierte und ihm das Leben schwermachte. Aber auch Erinnerungen an ein altes Ehepaar wurden schnell wach, wenn sich Delling und Netzer immer wieder gegenseitig neckten. Beispiel gefällig?

Delling: „Sie haben die WM doch sicher auch genossen?

Die kühle Antwort von Netzer: „Oh ja! Und wenn Sie nicht dabei gewesen wären, noch mehr.

Trotz Freundschaft und Trauzeuge: Delling und Netzer nie per Du

Das „TV-Ehepaar“ von der ARD wird Millionen von Fans für immer in Erinnerung bleiben. Ihre amüsanten Zwiegespräche sorgten letztlich für eine etwas andere, erfrischende Art der Sportberichterstattung. Delling und Netzer kamen nicht nur beim Publikum super an, sondern wurden darüber hinaus auch mit Preisen geehrt. 2000 erhielten sie gemeinsam den Grimme-Preis, 2008 wurden Delling und Netzer für ihr „hohes sprachliches Niveau“ mit dem Medienpreis für Sprachkultur ausgezeichnet.

 

 

Auch, wenn es zwischen den beiden immer mal wieder kleinere Reiberein und Verbal-Scharmützel gab, verstanden sich Gerhard Delling und Günter Netzer hinter der Kamera prächtig und harmonierten. „Er war das perfekte Glück, das ich beruflich gefunden habe“, sagte Netzer einst in der „Bild“ über seinen langjährigen Weggefährten. „Es war Freundschaft und er hat mich professionell durch jede Sendung geführt“, wird der der Ex-Nationalspieler dagegen von „t-online“ zitiert. Wie eng und freundschaftlich die Verbindung zwischen Delling und seinem Co-Moderator Netzer, die sich bis heute auch privat siezen, ist, beweist nicht zuletzt die Tatsache, dass Günter Netzer bei Dellings zweiter Hochzeit dessen Trauzeuge war.

Delling 2019 letztmals am ARD-Mikrofon: Pläne für die Zukunft

2010 gingen Delling und Netzer getrennte Wege, wenngleich der Sportmoderator in den nächsten neun Jahren weiterhin seiner Leidenschaft nachging und für die ARD und den NDR in diversen Sportsendungen aktiv war. 2019 zog auch Gerhard Delling im Alter von 60 Jahren einen Schlussstrich. Nach mehr als 30 Berufsjahren für die ARD sollte das DFB-Pokalfinale von 2019 zwischen Bayern München und RB Leipzig sein letzter Einsatz am ARD-Mikrofon sein.

Doch Gerhard Delling hatte längst andere Pläne in der Schublade. „Ich will noch ein Buch schreiben – vielleicht sogar einen Roman. Darauf freue ich mich sehr“, erklärte der diplomierte Volkswirt. Darüber hinaus will der TV-Moderator wohl auch eine eigene Fußball-App auf den Markt bringen.


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