Fritz Walter: Deutschlands erster Fußballstar im Porträt

Porträt über Fritz Walter

Bildquelle: Franck/OpitzBearbeitung: --Skipper Michael (talk) 09:15, 11 December 2010 (UTC) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Er war nicht weniger als ein Fußball-Heiliger: Fritz Walter, der in den 1950er Jahre zu Deutschlands erstem Superstar avancierte, mit der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 1954 das „Wunder von Bern“ schrieb und Weltmeister wurde. Fritz Walter war einer der ganz Großen, eine Legende im Fußball, die ausschließlich für den 1. FC Kaiserslautern spielte. Das ist seine Geschichte.

Das Fußball-Wunderkind, das eigentlich Friedrich Walter hieß, aber nur Fritz genannt wurde, erblickte am 31. Oktober 1920 in Kaiserslautern das Licht der Welt. Die Liebe zum Fußball entdeckte der schmächtige Fritz schnell, seine Fußballschule war zunächst die Straße. Das sollte sich erst 1937 ändern, als er sich dem 1. FC Kaiserslautern anschloss. Der Beginn einer ewigen Liebe.

Was zeichnete den Fußballer Fritz Walter aus?

Denn seine gesamte Karriere spielte Fritz Walter ausschließlich für die „Roten Teufel“. Durch den torgefährlichen Spielgestalter wurde der 1. FCK in den 1950er Jahren zu einer Spitzenmannschaft und der Betzenberg zu einer der gefürchtetsten Adressen im deutschen Fußball. Die Nummer 8 führte die Pfälzer 1951 und 1953 zur Deutschen Meisterschaft, insgesamt stand Walter mit Lautern fünfmal im Endspiel um den Titel.

Doch was zeichnete den Fußballer Fritz Walter aus? Auf dem Spielfeld glänzte er als genialer Spielmacher, der überall zu finden war. Er war ein extrem mannschaftsdienlicher Spieler, der sich immer in den Dienst der Mannschaft stellte. Walter war aber nicht nur ein großer Stratege, der das Spiel sehr gut lesen konnte, sondern auch ein echter Vollstrecker. Viele traumhafte Tore zierten seine Laufbahn.

Fritz Walter erzielt 1956 das Jahrhunderttor

Darunter das legendäre „Jahrhunderttor“ 1956, als er beim 5:3-Erfolg der Lauterer in Leipzig gegen den damaligen DDR-Meister Wismut Aue das Leder per Hechtflug mit der Hacke in die Maschen beförderte. Seine Torgefahr rührte nicht zuletzt von einer technischen Brillanz und Beidfüßigkeit.

Außerdem liebte Walter den Regen und auf nassen Rasen zu spielen. Auf dem schnellen Geläuf konnte er noch mehr von seinen technischen Qualitäten profitieren. Daher ist im Fußball auch vom sogenannten Fritz-Walter-Wetter mit Regen die Rede.

Trotz lukrativer Angebote: Walter blieb 1. FC Kaiserslautern immer treu

Für seinen 1. FC Kaiserslautern bestritt der offensive Mittelfeldspieler zwischen 1938 bis 1959 384 Spiele, in denen er 327 Tore erzielte. Seine unsägliche Vereinsliebe zum FCK wurde durchaus auf die Probe gestellt, denn Fritz Walter hatte in den 50er-Jahren auch extrem lukrative anderer Klubs vorliegen.

 

 

Vor allem Spaniens Top-Klub Atlético Madrid oder die AS Nancy aus Frankreich buhlten um den Ausnahmefußballer. Doch Walter schlug alle Offerten aus, die ihm dem Vernehmen nach Unmengen von Geld garantiert hätten. Von einem Handgeld von 225.000 bis 500.000 D-Mark ist zu lesen. Zur damaligen Zeit irrsinnige Summen. Doch Walter lehnte dankend ab und hielt dem 1. FC Kaiserslautern über 30 Jahre lang die Treue, bis zu seinem Karriereende 1959.

WM 1954: Wunder von Bern macht Fritz Walter unsterblich

Neben dieser Vereinstreue ließen den Jahrhundert-Fußballer gerade seine Bodenständigkeit so beliebt werden. Fritz Walter blieb frei von Skandalen und Allüren, war ein bescheidener, fleißiger, disziplinierter und geradliniger Ehrenmann, der mit seiner Persönlichkeit und Strahlkraft alle in den Bann zog.

Den Nimbus der Unsterblichkeit sollte Fritz Walter aber am 4. Juli 1954 bei der Fußball-Weltmeisterschaft erreichen. Der damals schon 33-jährige Kapitän führte die deutsche Nationalmannschaft zum „Wunder von Bern“. Im denkwürdigen Endspiel gegen das hochfavorisierte und scheinbar übermächtige Ungarn um Fußballlegende Ferenc Puskas behielt die DFB-Auswahl sensationell mit 3:2 die Oberhand. Deutschland wurde erstmals Weltmeister!

Herberger als Trauzeuge: Walter mit tiefer Freundschaft zum Alt-Bundestrainer

Für die DFB-Auswahl bestritt Fritz Walter insgesamt 61 Länderspiele, in denen er 33 Treffer markierte und bei zwei Weltmeisterschaften (1954, 1958) im Einsatz war. Bei seiner zweiten WM-Teilnahme in Schweden führte der filigrane Techniker die deutsche Elf bis ins Halbfinale. Trotz seiner schon 37 Jahre war der Routinier Fritz Walter bei diesem Turnier absoluter Stammspieler.

 

 

Kein Wunder, denn Alt-Bundestrainer Sepp Herberger, unter dem Walter all seine Länderspiele bestritt, und der technisch versierte Mittefeldregisseur pflegten eine besonders enge Beziehung. Der Lauterer Ausnahmekicker war für Herberger der verlängerte Arm auf dem Spielfeld und ein wichtiger und kluger Ansprechpartner. Zwischen den beiden entstand eine tiefe Freundschaft, die darin gipfelte, dass Sepp Herberger später sogar Trauzeuge bei der Hochzeit seines Kapitäns mit seiner langjährigen Ehefrau Italia wurde. Neben der Pfalz und dem 1. FC Kaiserslautern war sie die dritte große Liebe im Leben von Fritz Walter.

2. Weltkrieg: Beinah-Tod, Malaria, Gefangenschaft - schwarzes Kapitel von Walter

Dieser hätte in seiner Fußballer-Karriere noch weit mehr Glanzpunkte und Erfolge verbuchen können, wenn der Zweite Weltkrieg Fritz Walter nicht um die wichtigsten Jahre als Fußballer beraubt hätte. 1940 wurde er im Alter von 19 Jahren in die Wehrmacht einberufen, wo er einem Jagdgeschwader angehörte.

1944 entging er bei einem Flugzeugabsturz in Frankreich nur ganz knapp dem sicheren Tod, erkrankte an schwer an Malaria und wurde Ende Oktober aus russischer Gefangenschaft entlassen. So konnte Fritz Walter, der beteuerte, im Krieg nicht einen Schuss abgegeben zu haben, erst mit über 30 Jahren seine größten Erfolge feiern. Mit fast 40 beendete der Jahrhundert-Fußballer 1959 seine Karriere und trat als tugendhaftes Vorbild ab.

SV Alsenborn: Fritz Walter sorgt als Trainer für Aufsehen

Dem Fußball und seinem 1. FC Kaiserslautern blieb Fritz Walter aber auch nach seiner aktiven Zeit treu. Für Aufsehen sorgte er aber als Trainer des Dorfvereins SV Alsenborn, den er in den 1960er Jahren fast in die Bundesliga führte. Zudem war Walter auch auf anderen Ebenen sehr geschäftstüchtig.

So eröffnete er ein Kino, betrieb eine Wäscherei, veröffentlichte mehrere Fußballbücher oder schlüpfte bei Rundfunksendern in die Rolle des Fußballkommentators. Darüber hinaus ein sehr gefragtes Werbegesicht und Repräsentant für aufstrebende Firme wie Adidas, Neckermann, Hipp, Saba und viele andere. Der skandalfreie und überaus beliebte Erfolgsheld Walter verstand es, sich gut zu vermarkten.

Haufenweise Ehrungen für Deutschlands populärsten Sportler

Außerdem erhielt Fritz Walter für seine fußballerischen und sozialen Verdienste haufenweise Ehrungen aller erdenklichen Institute. Beispielsweise wurde er 1954, zwei Tage nach dem WM-Triumph, zum ersten DFB-Ehrenspielführer der Nationalelf ernannt oder erhielt das Bundesverdienstkreuz. Zudem wurde 1985 das Betzenbergstadion, die Heimstätte des 1. FC Kaiserslautern, in das Fritz-Walter-Stadion umbenannt.

Am 17. Juni 2002 verstarb die Ikone des deutschen Fußballs im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in Enkenbach-Alsenborn. Es bleiben viele unvergessene Erinnerungen an den Pfälzer Jung, der sich aufmachte, Deutschlands erster Fußballstar zu werden und für viele zusammen mit Max Schmeling der populärste Sportler aller Zeiten in Deutschland ist.


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