Tyron Zeuge, Jack Culcay und Jürgen Brähmer feiern wichtige Pflichtsiege in Schwerin

Culcay, Zeuge und Brähmer feiern Pflichtsiege

Bildquelle: Pasi T [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Von gestern Abend bis heute Nacht gaben sich gleich vier der prominenteren deutschen Boxer die Klinke in die Hand. Das Ganze natürlich unter dem Stern des nächtlichen Kampfes im Boxen Schwergewicht: Tom Schwarz gegen den linearen Schwergewichtsweltmeister Tyson Fury. Wurden schwarz von Anfang an nur marginale Außenseiterchancen eingeräumt, so versuchte man das wohl zu kompensieren, indem man die anderen namhaften Boxer, die zuvor in der Sport- und Kongresshalle in Schwerin zu Kämpfen kommen sollten (Schwarz selbst musste in Las Vegas antreten), butterweich zu betten.

Mit Jack Culcay, Jürgen Brähmer und Tyron Zeuge traten drei ehemaligen Boxen Weltmeister aus Deutschland an. Sie bekamen es alle mit ausgewählten Kontrahenten zu tun. Alles Gegner, deren Kampfbilanzen unhinterfragt stattlich aussahen, bei einer kleinen Boxrec Recherche jedoch viel Glanz verloren. Im Fall von allen drei Gegnern waren die Siege nahezu ausschließlich gegen notorische Verlierer zustande gekommen. Schade! Denn eigentlich sollten Brähmer, Culcay und auch Zeuge gut genug sein, sich anspruchsvolleren Aufgaben zu stellen. So muss man sich nicht wundern, dass Deutschland in der Box-Welt momentan extrem wenig gilt.

Zeuge überlegen, aber auch überheblich

Tyron Zeuge (23-1-1) bekam es mit dem Spanier Adan Silvera (11-1) zu tun. Ein Kampf um die EBU-Europameisterschaft im Supermittelgewicht. Doch konnten weder die Kampfbilanz noch dieser Titel darüber hinwegtäuschen, dass Zeuge hier einen Aufwärmkampf spendiert bekam. Und dabei hatte er gegenüber Brähmer und Culcay sogar noch die anspruchsvollste Aufgabe. Schon in Runde eins wurde der Spanier durch die Glocke gerettet. Silvera bot in Runde eins offensiv nicht viel an. Fast nur Führhände, für die er immer nach vorne sprang. Zeuge mit klaren Treffern oben wie unten. Am Ende der Runde schlug dann eine Hand von Zeuge schwer hinter dem Kopf des Spaniers ein, der zu Boden ging. Hierbei sah der Ringrichter nicht gut aus! Denn das wäre eigentlich einer Verwarnung würdig gewesen! In Runde zwei ging der Spanier wieder früh zu Boden. Allerdings konnte er sich danach ins Match zurückkrallen.

Zeuge war dennoch der sichtbar schnellere, technisch sauberere Kämpfer der beiden. Allerdings ließ er sich nun ohne Not auf wilde Schlagabtausche ein. Silvera jedoch zäh! Er konnte die zwei Niederschläge scheinbar vorerst wegstecken und konnte bei den wilden Schlagabtauschen sogar mitgehen. Allerdings bot Zeuge diese auch an. Dabei zeigte sich Tyron Zeuge beratungsresistent. Denn seine Ecke wollte ihn eigentlich von außen boxen sehen, ohne sofort den KO zu suchen. So kam der Spanier, der sich hier konditionell stark präsentierte, in der Fünften plötzlich zu Anteilen! Auch weil Zeuge sichtbar müde wirkte und es nicht verstand, die Distanz im eigenen Sinne zu verwalten. Er ließ zu, dass dieser Kampf eine Abnutzungsschlacht wurde! Auch in Runde sechs kam der Spanier besser ran. Zeuge kontinuierlich ohne Not in den In-Fight entwickelt!

Tyron Zeuge siegt klar, aber holprig

In Runde sieben konnte Zeuge wieder etwas zulegen. In der Achten traf er den Spanier jedoch abermals klar am Hinterkopf, sodass diesem Zeit zur Erholung zugestanden wurde. Überdies wurde Zeuge ein Punkt aberkannt. Zeuge nun endlich etwas bestrebter, die taktischen Anweisungen seiner Ecke umzusetzen. Wann immer er es lang machte, war Zeuge KLAR besser. Doch währte dies nie lange, da er sich alsbald Stirn an Stirn mit Silvera wieder fand, wobei er auch immer wieder selber getroffen wurde. Allein die Schlagkraft beim Spanier war nicht groß genug, um dies in die Waagschale zu schmeißen. In Runde zehn war es dann ein Körpertreffer (und nicht der Erste) der Silvera zu Boden schickte, woraufhin der Ringrichter genug gesehen hatte. Der Spanier zwar noch willig. Aber außer Kondition und Kampfwillen hatte er nicht mehr viel anzubieten, sodass dieser TKO vertretbar war.

Dennoch eine denkwürdige Standortbestimmung. Denn wenn Zeuge so gegen jemanden von der Spitze der Division kämpft – und das muss er, wenn er wieder Richtung Titel will – dann darf er nicht so treffbar sein. Schon gar nicht gepaart mit einer solchen Willigkeit, sich auf Hockey Fights einzulassen. Denn da gibt es ganz andere Kaliber, als einen unbesungenen Kämpfer aus Spanien, der überhaupt erst mit 27 Jahren zum Boxen gekommen ist!

Jürgen Brähmer macht es kurz und bündig

Ein ähnliches Schon-Programm gab es für Jürgen Brähmer (50-3). Sein Gegner hieß Erdogan Kadrija (11-1) und all dessen Siege kamen gegen mindere Journeyman und Totalausfälle. Ein Kampf im Supermittelgewicht über acht Runden. Kadrija ein Hamburger mit bosnischem Hintergrund. Muntere erste Runde, aber Brähmer zweifelsohne überlegen. Klasse Meidbewegungen von ihm, auch als Kadrija druckvoll nach vorne ging. Ansonsten punktete Brähmer mit den Führhänden und nahm diese Runde deutlich. In Runde zwei ließ sich Kadrija in die Ecke drängen und nahm die Hände vors Gesicht. Einen linken Leberhaken später war der Bart dann ab, da er nicht mehr schnell genug hochkam. Jürgen Brähmer wird nun den EBU-Titel von Stefan Härtel ins Auge fassen, was wohl ein interessantes, deutsches Box-Duell ergeben dürfte!

Danach gab es Beschäftigungstherapie für Jack Culcay (25-4). Er traf auf Stefano Casellucci (32-8), einen Dosen-Quetscher aus Italien, der nahezu immer dann verliert, wenn er auf jemanden mit einer positiven Kampfbilanz trifft. Entsprechend alt sah er hier gegen einen technisch starken Boxer wie Jack Culcay aus. Der Italiener verlor jede der acht Runden. Immer wieder konnte Culcay die rechte Gerade quasi aus der Hüfte ins Ziel bringen. Auf Distanz war Culcay klar überlegen. Der Italiener nicht mit den Mitteln, diesen Kampf in seinem Sinne zu führen. Jack Culcay mit guten Meidbewegungen, allerdings auch oft etwas zu defensiv, da er immer nach hinten auswich und so nach jedem Angriff des Italieners die Distanz neu finden musste. Dadurch nicht wirklich viele Konter von Culcay. Allerdings war die defensive Beinarbeit von Casellucci gut genug, um sich nicht überwältigen zu lassen. Auch als er zweimal wirklich unter Druck kam.

Danach wurde noch einmal anteilig ein interessanter Kampf um die deutsche Meisterschaft (BDB) im Boxen Mittelgewicht gezeigt: Björn Schicke (14-0) traf auf Hector Hernandez (6-0). Ein intensiver Kampf, den der junge kubanisch-deutsche Hernandez zunächst besser starten konnte. Doch ein früher, unbeabsichtigter Kopfstoß sorgte für einen Cut am Haaransatz von Hernandez. Zwar konnte der den Kampf mit viel Herz noch zu Ende bringen. Doch war Schicke raffiniert und wach genug, dem sichtbar gehemmten Hernandez kein Oberwasser mehr zuzugestehen. So konnte Schicke mit seinen 37 Lenzen noch einmal die deutsche Meisterschaft im Boxen erobern.


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