Bill Goldberg heute

Was macht Bill Goldberg heute?

Bildquelle: Adam Rickert [Public domain] [CC BY-SA 0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Bill Goldberg oder einfach nur "Goldberg" wie er im Laufe seiner Wrestling-Karriere genannt werden sollte, war eines der wenigen WCW-Eigengewächse, das zu Zeiten des Monday Night Wars bis in den Main Event hinaufschießen sollte. Man kann wohl mit Fug und Recht davon ausgehen, dass Goldberg neben dem NWO Angle, Diamond Dallas Page sowie Stings Neuerfindung seines Gimmicks zu den größten Erfolgsgeschichten der WCW gehört. Dabei wurde Goldberg auf dem Höhepunkt seines WCW-Runs so bekannt, dass er bei späteren Runs problemlos bei der WWE in den Main Event einsteigen und auch Engagements außerhalb des Wrestling-Rings wahrnehmen konnte. Unter anderem als Schauspieler und MMA-Kommentator.

Goldberg hatte nicht allzu viele Titel-Regentschaften, was eingedenk seiner weitgehenden Dominanz und gemessen daran, wie oft der WCW-Gürtel gerade im letzten Jahr der WCW wechselte, verblüffend erscheinen mag. Dennoch ist Goldberg der historisch einzige Wrestler, der die WCW World Heavyweight Championship, die WWE World Heavyweight Championship und die WWE Universal Championship halten konnte! Ein historisches Alleinstellungsmerkmal! Dabei wurde Goldberg nur auf Abwegen Wrestler und startete als extremes Greenhorn. Dafür aber mit großen athletischen Anlagen und der Aura einer Kampfmaschine.

Auf Abwegen zum Wrestling

Dass William Scott Goldberg, wie Goldberg mit bürgerlichem Namen heißt, gute athletische Anlagen hat, kann man seinem Werdegang entnehmen. So verhalfen ihm seine Fähigkeiten als Footballspieler (Defensive Tackle) nicht nur zu einem Stipendium, sondern auch zu einer Profikarriere bei mehreren NFL Teams. Auch wenn er dort eher selten in der ersten Reihe stand. Überdies jobbte er schon im zarten Alter von 16 Jahren als Türsteher!

Bis Mitte der 90er war Goldberg bei verschiedenen NFL Teams unter Vertrag. Darunter die Los Angeles Rams und die Atlanta Falcons. Doch eine Verletzung machte eine Neuorientierung für Goldberg notwendig. So verließ Goldberg, nach eigener Aussage die NFL mit gemischten Gefühlen. Einerseits hatte er das Ziel erreicht, dort zu spielen, konnte sich aber nie wirklich durchsetzen.

Danach sattelte Goldberg auf Power Lifting um und trainierte überdies MMA. Dabei kam er Lex Luger und Sting unter die Augen, die ihm einen Einstieg ins Wrestling nahelegten. Dies sollte sich als echter Glücksgriff für die WCW erweisen, bei der Luger und Sting unter Vertrag waren. Goldberg ging ins WCW Power Plant, der Talentschmiede der WCW und kam bereits im September 1997 bei einer Ausgabe von Monday Nitro zum ersten TV-Einsatz.

Von Anfang wurde Goldberg stark dargestellt. In etlichen Squash Matches besiegte er Jobber und Undercarder. Oftmals in zwei Minuten oder weniger. So krude dieses Mittel war, so effektiv war es auch. Denn es half, Goldbergs Schwächen zu kaschieren. Er war immer noch sehr grün und sollte auch nie wirklich eine gute Ringpsychologie entwickeln. Doch was er hatte, waren Intensität und eine raue Ausstrahlung, bei der seine Aktionen lauter sprachen als Wörter.

Mit Siegesserie in den Main Event

Als Goldberg schließlich vermehrt Midcarder zum Fraß vorgeworfen wurden, sicherte er sich in einer Fehde gegen Raven den ersten WCW US Heavyweight Titel. Im Vorfeld wurde erstmalig die Siegesserie von Goldberg thematisiert, die Woche für Woche auf dem Laufenden gehalten wurde. Dabei mischte die WCW allerdings kräftig Salat bei, weil manchmal im Laufe einer Woche locker sieben Siege dazukamen, was natürlich nicht sein konnte. Die inflationär aufgepumpte Siegesserie sollte letztlich bei 173 : 0 liegen, ehe Goldberg seine erste Niederlage in der WCW und somit als Wrestler überhaupt erlitt. Auf die Zeit dieser Siegesserie sollte auch die Catchphrase von Goldberg zurückgehen: Who‘s next? (Wer ist der Nächste?).

 

 

Doch diese Niederlage sollte nicht kommen, bevor Goldberg Hollywood Hulk Hogan besiegte und ihm den WCW World Heavyweight Titel entriss. Dies war eine der ganz wenigen Gelegenheiten, bei welcher der Hulkster sich sogar clean besiegen ließ! Danach hatte Goldberg noch einen Klassiker bei Halloween Havoc gegen Diamond Dallas Page, der Goldberg (auch nach dessen eigener Auffassung) sein bestes Match entlockte. Hierbei verteidigte Goldberg seinen Titel erfolgreich.

Die Siegesserie riss schließlich ab, als er von Kevin Nash besiegt wurde, nachdem Scott Hall zu dessen Gunsten mit einem Taser ins Match eingriff. Bis heute wird dieses relativ wenig zeremonielle Ende der Siegesserie von vielen Fans eher als unsinnig befinden, da im Grunde genommen niemand davon profitierte. Insbesondere nicht, weil Kevin Nash Hulk Hogan den Titel tags darauf mit dem berüchtigten “Fingerpoke of Doom“ überließ.

Weitere Meriten, aber wenige Glanzlichter

Mit dem Abreißen der Siegesserie schwand die Bedeutung Goldbergs in der WCW doch sichtbar. Zwar war er immer noch stets in prominente Programme verwickelt und blieb eine feste Größe im Main Event. Doch Titel konnte er sich nur noch selten sichern und es kamen alsbald weitere Niederlagen hinzu. Es wurde immer klarer, dass Goldberg ohne den Nimbus der Siegesserie nicht allzu viel zu bieten hatte, woran die Fans sich nicht schon sattgesehen hatten. Insofern war es gutes Timing, dass er in dieser Phase einige Filmprojekte verfolgte und somit nicht gar zu präsent war. Sowohl an Kevin Nash als auch an Scott Hall konnte er sich rächen. Ferner konnte er sich in einer Fehde mit Sid Vicious (in der WWF als Sid Justice oder Psycho Sid bekannt) ein zweites Mal das US-Gold sichern.

Kurz darauf konnte Goldberg sogar Sting um den WCW World Heavyweight Titel besiegen. Da dieser jedoch selber die Herausforderung angeboten hatte, war das Match nicht sanktioniert und der Titel wurde vakantiert. Es wurde ein 32-Mann-Turnier um diesen Haupttitel der WCW angesetzt, wobei Goldberg jedoch in der ersten Runde an Bret Hart scheiterte, der das Turnier auch letztlich gewinnen konnte und somit zum Champion wurde.

In einer kurzen Allianz konnten Goldberg und hart sich die Tag Team Titel sichern, was sich gleichzeitig zu Triple Crown Champions in der WCW machte. Jedoch wendeten die beiden ihre Aufmerksamkeit alsbald aufeinander, was dann tragischerweise zu eben jenem Match führen sollte, indem ein schlecht getimter Kick von Goldberg den Grundstein für Bret Harts Karriereende kurz darauf legen sollte.

Bill Goldberg hilft im WWE Main Event aus

Goldberg konnte in der WCW anschließend keinen einzigen Titel mehr gewinnen und litt, wie viele andere, im zunehmenden Booking Chaos in der WCW, das diese in den letzten Jahren ihres Bestehens ausmachte. Schlussendlich führte eine Verletzung dazu, dass Goldberg dann auch noch lange Zeit ausfiel. Diese hatte er sich selbst eingebrockt, als in einem Backstage-Segment die Scheiben einer Limousine durchschlug und sich dabei einen tiefen Schnitt am Arm zuzog. Zwar kam er danach noch mal zurück, um in einigen Fehden eingesetzt zu werden. Doch als die WCW ihrem unrühmlichem Ende entgegentaumelte, war Goldberg zu Hause um eine Schulterverletzung auszukurieren. Die WWE (damals noch WWF) kaufte den Vertrag von Goldberg jedoch nicht auf, sodass ihm das Unglück erspart blieb, Teil des missglückten WCW Invasion Angle zu werden.

Umso lauter waren die Pauken und Trompeten, als Bill Goldberg 2003 in der WWE debütierte und keinen Geringen als Dwayne "The Rock" Johnson in einer Fehde besiegen konnte. Da The Rock auf dem Absprung war und "Stone Cold" Steve Austin bei der WrestleMania kurz zuvor sein letztes Match gehabt hatte, war die WWE nun wild bestrebt, neue Stars aufzubauen. Doch Goldberg schien dabei von Anfang, eher eine Notlösung gewesen zu sein. Denn er hatte nur einen Vertrag für ein Jahr. Und gleichwohl er gerade zu Beginn sehr stark dargestellt wurde, ging er bald den Weg aller WCW-Wrestler in der WWE …. er wurde von Triple H besiegt. Dadurch ging ihm gehörig Momentum flöten. Zu allem Überfluss verabschiedete er sich dann noch mit einem Riesen-Stinker von einem Match bei WrestleMania XX, als er und der ebenfalls scheidende Brock Lesnar gemeinsam das teilnahmslose Publikum zu Tode langweilten.

Erneute Rückkehr zu WWE

Es sollte bis 2015 dauern, ehe Goldberg zum Wrestling zurückkehrte. Und bis 2016, eher er wieder bei der WWE antrat. Dort konnte er sich dann einen Blitz-Sieg über Brock Lesnar und später gegen Kevin Owens den WWE Universal Titel sichern und so den eingangs erwähnten, historischen Rekord aufstellen. Doch was auf dem Papier unfassbar spektakulär klang, erzeugte abseits davon leider nur wenig Aufsehenerregendes. Zwar freuten sich die Fans, ihn nach so langer Zeit wieder auf großer Bühne zusehen. Insbesondere weil er noch sehr in Form schien. Doch trat er nur sehr selten auf und hatte abseits des Altbekannten nicht Neues zu bieten.

 

 

Beim Royal Rumble 2017 wurde er dann vom Undertaker eliminiert, was den Grundstein für ein späteres Match legen sollte. Später unterlag er Brock Lesnar bei der folgenden WrestleMania. Goldberg kam anno 2018 in die WWE Hall of Fame. 2019 folgte dann das angedeutete Match gegen den Undertaker. Und zwar bei einer umstrittenen Show in Saudi-Arabien (Crown Jewel). Hierbei fing sich Goldberg früh im Matchverlauf eine Gehirnerschütterung ein, sodass das Match früher enden musste und es die Show in äußerst glanzloser Weise abschloss. Daran hatten allerdings beide, der Undertaker und Goldberg, wenig ruhmreichen Anteil. Seither ist Goldberg nicht mehr in den Ring gestiegen.

Der ungeschliffene Rohdiamant

In der Nachbetrachtung kann man davon ausgehen, dass Goldberg als unverhoffter Quereinsteiger in diesem Sport wohl weiter kam und beständiger Erfolg hatte als irgendeinen anderer Wrestler Widerwillen. Der Gründungsmythos war dabei selbstverständlich seine inflationäre Siegesserie in der WCW. Die oft kurzen und so gut wie nie wirklich langen Matches kaschierten seine Schwächen und gestatteten ihm einen Rahmen, wo er seine athletischen Stärken und seine Ausstrahlung als unaufhaltsame Kampfmaschine ausspielen konnte. Allerdings muss sich Goldberg auch den Vorwurf gefallen lassen, dass man ihm sehr anmerkt, im Grunde genommen wenig Passion für das Wrestling zu haben. Denn einer Weiterentwicklung jedweder Art hat er sich konsequent verweigert.

Auch nach Jahren im Rampenlicht des Main Events blieb Goldberg immer ein extrem unsauberer Wrestler, dessen körperliche Intensität im Ring nicht selten daher rührte, dass er wirklich eine Gefahr für sich und Andere darstellte. Der tragische Höhepunkt dessen war, wie das Karriereende von Bret Hart einleitete. Und erst jüngst stellte er sich abermals als Klotz unter Beweis, als er sich gegen den Undertaker quasi selbst ausknockte.

Etwas, was ihm übrigens nicht zum ersten Mal in seiner Karriere passiert ist. Schon gegen Diamond Dallas Page hatte sich Goldberg bei WCW Halloween Havoc 1998 in eben der gleichen Manier wie später gegen den Undertaker die Lichter ausgeschossen, als er mit dem Kopf voran in den Ringpfosten rauschte. Dass dabei dennoch Goldbergs bestes Match herumkam, ist vor allem ein Nachweis für die Klasse DDPs.


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