Vorschau und Streckenverlauf der Tour de France 2019 - Radsport News zum Event

Streckenverlauf, Teams und Infos zur Tour de France 2019

Bildquelle: s.yuki [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Auch bei der diesjährigen Tour de France sucht man einen Prolog vergebens. Stattdessen steigt sie sogleich mit einer 194 Kilometer langen Etappe um Brüssel herum ins Renngeschehen ein. Dabei geht es über die berüchtigte Wand von Geraardsbergen. Allerdings in der Mitte der Etappe, sodass dies eher einen Sightseeing-Bonus darstellt und keinen Einfluss auf die Konstellationen an der Ziellinie nehmen dürfte.

Das Teamzeitfahren am zweiten Aktionstag wird in Brüssel vollzogen. In Etappe drei wird es dann jedoch erstmals hügelig. Die 215 Kilometer von Binche nach Épernay verlaufen lange Zeit flach, bieten ab Kilometer 173 dann aber eine Reihe von kleineren Bergwertungen auf. Glücksritter, die auf der Jagd nach frühen Etappenerfolgen und dem gepunkteten Trikot sind, könnten hier erstmals verstärkt auf den Plan treten!

Etappenverlauf bis zum ersten Ruhetag

Etappe vier von Reims nach Nancy ist mit etwas über 213 Kilometern genauso lang, aber dafür größtenteils flach, sodass dieser Tag den Sprintern kaum zu entreißen sein wird. Etappe fünf führt von Saint-Dié-des-Vosges nach Colmar. Auf rund 175 Kilometer verteilen sich vier Bergwertungen. Zwei davon bringen es auf die zweite Kategorie. Allerdings besteht das Finish auf den letzten 20 Kilometern aus einer Abfahrt und einem flachen Abschnitt, sodass Ausreißer mit genug Vorsprung über den letzten Hügel kommen müssen, um dem Feld bis zur Linie zu entgehen. Doch das Vorhandensein der beiden Bergwertungen der zweiten Kategorie inmitten der Etappe dürfte einige starke Spezialisten auf den Plan rufen, die sich die Punkte für das Bergtrikot und gegebenenfalls gleich die Etappe sichern wollen. Die wahren Kletterer werden sich ihre Körner aber für den sechsten Tag aufheben. An diesem setzt es die erste richtige Bergetappe einschließlich Bergankunft. Von Mulhouse nach La Planche des Belles Filles werden es sieben Anstiege auf rund 160 Kilometern. Der Schlussanstieg ist dabei stellenweise ungepflastert.

Tag sieben bringt wiederum eine Flachetappe von Belfort nach Chalon-sur-Saône. Mit 230 Kilometern wird es die längste Etappe bei der Tour de France 2019. Die achte Etappe führt von Mâcon nach Saint-Étienne. Ein kleines, verstecktes Juwel von einer knüppelharten Etappe! Denn auf 200 Kilometern erstrecken sich sieben Aufstiege (2. und 3. Kategorie). Dadurch ist das Streckenprofil bis zuletzt extrem unstet. Am Folgetag führt Etappe neun von Saint-Étienne zu einem technisch anspruchsvollen Finish in Brioude. Von den drei Bergwertungen bei dieser hügeligen Etappe ist die Erste gleich eine der ersten Kategorie, die große der folgenden Teile dieser Etappe auf über 1.000 Höhenmeter führt. Die zehnte Etappe vor dem ersten Ruhetag verläuft von Saint-Flour nach Albi. Eine Flachetappe auf überwiegend abschüssigem Terrain, bei der es flott zur Sache gehen sollte, falls sich einige Fahrer angriffslustig zeigen.

Die Pyrenäen schaffen erste Tatsachen

Nach dem Ruhetag kommt eine weitere rasche Flachetappe von Albi nach Toulouse, die mit 167 Kilometern und nur zwei minderen Bergwertungen den Sprintern gehören dürfte. Etappe zwölf führt dann in die Pyrenäen. Von Toulouse geht es zum lang gezogenen Abfahrts-Finish nach Bagnères-de-Bigorre. Doch davor lauern die beiden Berge der ersten Kategorie: Der Col de Peyresourde (13,2 km bei durchschnittlich 7%) und der Hourquette d’Ancizan (9,9 km bei 7,5%), sodass sich beträchtliche Lücken im Feld bilden dürften, die auch eine lange Abfahrt zum Ziel nicht ganz kitten kann.

Am 13. Aktionstag kommt es zum Einzelzeitfahren in Pau über rund 27 Kilometer. Dies übrigens das einzige individuelle Zeitfahren bei dieser Tour de France, sodass sich dieses Jahr vor allem die Kletterer die Hände reiben dürfen. Eben die werden sich an den Folgetagen beweisen müssen, wenn es in Etappe 14 zur Bergankunft am berühmten Col du Tourmalet (19 km bei durchschnittlich 7,4%) geht. Und auch Etappe Nummer 15 von Limoux nach Prat d'Albis bringt drei aufeinanderfolgende Anstiege der ersten Kategorie, die zu dieser erstmals im Tour-Programm enthaltenen Bergankunft führen!

 

 

Entscheidung in den Alpen

Nach dem zweiten und letzten Ruhetag geht es dann in die entscheidende Phase. Zwei Flachetappen werden noch einmal von den Sprintern geprägt sein, die gut über die Pyrenäen gekommen sind. Gut möglich, dass sich an diesen beiden Aktionstagen der Kampf um das grüne Trikot entscheidet. Etappe Nummer 18 von Embrun nach Valloire ist dann die Erste von drei Alpen-Etappen. Sie ist die einzige Bergetappe im diesjährigen Tour de France Programm, die gleich zwei Berge der Sonderkategorie beherbergt. Ein alter Bekannter dabei ist der Col du Galibier, nach dessen Gipfel eine ausgedehnte Abfahrt zum Finish in Valloire führt.

Etappe 19 steigt dann von Anbeginn bis zum Gipfel einer Sonderkategorie bei Kilometer 80 nahezu konstant an. Nach der Abfahrt geht es dann prompt wieder zu einer Bergankunft der ersten Kategorie in Tignes. Darauf folgt die Königsetappe bei der Tour de France 2019. Denn nachdem bereits zwei Berge (1. und 2. Kategorie) die gemarterten Fahrer testen, geht es zu einer gewaltigen Bergankunft am Val Thorrens, die sich über 33 Kilometer erstreckt. Ziel ist ein Skiort auf 2.365 Metern – der am höchsten gelegene Skiort in Europa! Pikanterweise sind die steilsten Abschnitte (bis 9,1 %) fünf Kilometer vor dem Ziel zu finden. Ein Rezept für einen dramatischen Showdown gäbe es also bereits. Die letzte Etappe führt dann wie gewohnt rasch und flach zum Champs-Élysées in Paris.

Teilnehmerfeld und Favoriten der Tour de France 2019

Alle Teams treten mit je acht Fahrern an. Neben den regulären 18 Teams der UCI World Tour sind auch vier Wildcard-Teams aus der Procontinental Tour dabei: Team Arkéa Samsic, Cofidis, Team Total Direct Energie und das belgische Wanty - Gobert Cycling Team. Dabei sind folgende deutsche Radrennfahrer am Start: Lennard Kämna und Nikias Arndt für Sunweb, Emanuel Buchmann, Max Schachmann und Marcus Burghardt für Bora-Hansgrohe, Roger Kluge für Lotto-Soudal, Tony Martin für Team Jumbo-Visma, Simon Geschke für das CCC Team, Rick Zabel und Nils Politt für Katusha-Alpecin sowie André Greipel für Team Arkéa Samsic.

Spannend dürfte auf jeden Fall der Kampf ums grüne Trikot bei der Tour de France 2019 werden: Peter Sagan (Bora-Hansgrohe), Elia Viviani (Deceunick QuickStep), Greg van Avermaet (CCC), Alexander Kristoff (UAE Team Emirates) und Michael Matthews (Sunweb) könnten dort alle eine Rolle spielen. Etwas schwerer zu fassen ist jedoch der Favoritenkreis mit Blick auf das gelbe Trikot. Die unverhoffte Verletzung von Chris Froome hat den größten Favoriten im Vorfeld ausgeschaltet. Natürlich muss man den Tour de France Sieger aus dem Vorjahr, Geraint Thomas, nominell auf der Rechnung haben. Jedoch ist schwer abzusehen, wo er von der Form her steht. Gut möglich, dass an seiner Stelle Egan Bernal, der Gewinner der Tour de Suisse 2019, bei Team INEOS in den Vordergrund tritt. Eine Doppelspitze fährt auch Team Mitchelton Scott auf, die mit Simon und Adam beide Gebrüder Yates ins Rennen schicken. Auch Thibaut Pinot (Groupama FDJ), Julian Alaphilippe (Deceunick QuickStep), Nairo Quintana (Movistar) und Jakob Fuglsang (Astana) sollte man nicht unterschätzen.


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