Radwettkampf – Welche Radrennen gibt es in der Halle?

Radwettkampf - Welche Hallenrennen gibt es?

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Die Winterzeit ist die Schreckenszeit für Freunde des gepflegten Radsports. An Straßenrennen ist in aller Regel spätestens ab Dezember nicht mehr zu denken, die Tour Wettbewerbe der UCI sind durch und die Fahrer nehmen sich ihre verdiente Auszeit. Eine Durststrecke für Radsport-Fans und die UCI World Tour startet erst Mitte Januar wieder! Doch gibt es gottlob noch andere Varianten des Radrennens – abseits der Straße. Und genau die haben Konjunktur, wenn die Straßenrennen ihre “Off-Season“ in Anspruch nehmen.

Vor allem Radbahnfahren ist als Indoor-Event eine Radsportart des Winters! So laufen für diese Rennen gegenwärtig die Weltmeisterschaften!

Radbahnrennen – Radsport Nachrichten bei Sport-90

Eine besonders dynamische, vielseitige und zuschauerfreundliche Variante des Radsports ist das Radbahnfahren. Dieses wird auf einem ovalen Rundkurs abgehalten, bei dem die Strecke jedoch der Breite nach in einem Gefälle angeordnet ist. So wie es Motorsportfreunde vom NASCAR kennen. Ein solcher Rundkurs wird als Velodrome bezeichnet. Eine Runde im Velodrome beträgt (auf der Ideallinie) genau 250 m. Bahnrennen werden überdies auf sehr speziellen Fahrrädern absolviert. Bei diesen steht die Stabilität im Mittelpunkt, nicht so sehr das Gewicht. Außerdem sind diese Räder von sehr reduzierter Ausstattung und Mechanik. Es gibt nur einen fixen Gang, keinen Freilauf und Bremsen sucht man auch vergebens.

Tatsächlich würden Bremsen an diesen Rädern, aufgrund der Streckeneigenschaften und der daraus typischerweise resultierenden Rennverläufe, eher ein Risiko darstellen. Stattdessen verlangsamen die Fahrer, indem sie nach rechts an die Oberkante der Strecke ausbrechen, wodurch sie längere Kurvenverläufe und eine Steigung in Kauf nehmen. Auf diese Weise können die Fahrer im Kollektiv auch die Geschwindigkeit hochhalten, indem im Wechsel immer ein anderer vorneweg fährt und dann nach rechts ausbricht und einen anderen innen vorbei lässt, der dann seinerseits Windschatten spendiert. Im Kern nicht dem Vorgang unähnlich, wie man ihn von den Straßenrennen kennt. Allerdings wird im Fall von Bahnrennen viel engmaschiger gewechselt, weil das mittlere Tempo höher ist. Meist ist ein Fahrer nur wenige Sekunden vorne.

An sich liegt der Fokus bei Bahnradfahren darauf, wo man ihn vermuten würde. Es geht darum, schneller zu sein als alle Anderen. Dennoch kann der Radsport für Laien bisweilen schwer zu durchschauen sein. Grund dafür sind die verschiedenen Rennarten, die innerhalb eines Wettbewerbs abgehalten werden. Derer gibt es so einige. Mit ihnen geht auch einiges an spezifischen Begriffen einher, deren Bedeutung ohne Erklärung ebenfalls nur schwer nachvollziehbar ist.

Oft werden Wettbewerbe (insbesondere Eintagesrennen) in Form eines Omnium (Omnium ist lateinisch für Mehrkampf) abgehalten. Ein Omnium kann aus vier oder sechs unterschiedlichen Renn-Varianten bestehen.

Die prominentesten Hallenrennen

 

  • Einzelzeitfahren – ein Fahrer fährt gegen die Uhr. Im Gegensatz zum Straßenrennen jedoch nur über sehr kurze Distanzen. Somit entspricht das Zeitfahren fast eher einem Sprint.
  • Fliegendes Zeitfahren – ein Zeitfahren, bei dem nur die letzten 200m gewertet werden. Die vorangegangene Distanz dient nur dem Geschwindigkeitsaufbau.
  • Einer-Verfolgung – zwei gegnerische Fahrer starten auf gegenüberliegenden Seiten des Velodroms. Das Rennen geht über acht Runden. Wer seine Ziellinie dabei in der kürzesten Zeit überquert oder aber den anderen Fahrer innerhalb der Distanz überholt, siegt!
  • Team-Verfolgung – dasselbe Prinzip wie bei der Einer-Verfolgung. Nur treten hier vierköpfige Teams gegeneinander an. Mindestens drei Fahrer müssen dabei die Ziellinie überqueren. Die Zeit wird festgehalten, sowie der dritte Fahrer eines Teams das Ziel überquert. Ein Überholen der gegnerischen Mannschaft führt auch hier zum vorzeitigen Sieg.
  • Ausscheidungsrennen – ein Rennen über 50 Runden, das im Gegensatz zu den meisten anderen Varianten nicht stehend startet. Es wird stattdessen eine nicht gewertete Runde gefahren, ehe das Rennen regulär losgeht. Der Hintergrund: Alle zwei Runden wird der letztplatzierte Fahrer an der Ziellinie eliminiert und scheidet aus dem Rennen aus. Dies geht solange, bis nur noch ein Fahrer, der Sieger, übrig bleibt. Je nachdem wie lange man durchhält, werden immer mehr Punkte vergeben. Ausscheidungsrennen sind meist Bestandteil eines Omniums.
  • Scratch Rennen – Trotz der exotischen Bezeichnung ist das Scratch Rennen eine relativ eindeutige Angelegenheit. Ein Fahrerfeld bestehend aus ausschließlich rivalisierenden Fahrern (keine Teams) tritt zu einem Rennen über die Halbdistanz an (15km/60 Runden bei den Herren). Es geht schlicht darum, wer Erster wird. Sprinter versuchen sich hierbei nahe der Spitze des Feldes möglichst im Windschatten ihrer Rivalen aufzuhalten, um spät im Rennen ihre Stärken auszuspielen. Ausdauer-Fahrer attackieren spätestens mehrere Runden vor Schluss, um dem zuvor zu kommen und selber zu gewinnen.
  • Keirin – ursprünglich eine Disziplin, die von japanischen Glücksspielern ersonnen wurde, um darauf zu wetten. Ein Motorrad fährt einem Feld von bis zu sieben Fahrern vorneweg und baut langsam Geschwindigkeit auf. Dieser motorisierte Pacemaker darf dabei für drei Runden nicht überholt werden. Dann verabschiedet sich das Motorrad aus dem Rennen und die letzten drei Runden gehen in das eigentliche Rennen über. Innerhalb der ersten drei Runden wird stattdessen um eine möglichst aussichtsreiche Position hinter dem “Derny“ (wie der Pacemaker genannt wird) gerungen.
  • Punktefahren – ein Rennen, das bis zu 40 km/160 Runden betragen kann. Es treten Einzelfahrer im großen Fahrerfeld gegeneinander an (keine Teamkollegen – jeder fährt für sich). Dabei werden in vorher definierten Abständen (meist alle 10 Runden) Punkte für die ersten vier Positionen vergeben. Solche gewerteten Runden werden stets mit einem Glockensignal eingeleitet. Eine Überrundung des Fahrerfelds wird ebenfalls mit 20 Punkten besonders honoriert. Die finale Runde bringt doppelt so viele Punkte wie die anderen gewerteten Runden. Der Fahrer mit den meisten Punkten nach Ablauf des Rennens siegt.
  • Zweier-Mannschaftsfahren – ein Punktefahren, in dem das Fahrerfeld jedoch aus zweiköpfigen Teams besteht. Es kann bis 50km/200 Runden betragen. Der Haken an der Sache: Nur einer der beiden Fahrer wird jeweils gewertet, wenn es um die Punkte geht. Die Fahrer müssen sich dazu im eigenen Ermessen während des Rennverlaufs abwechseln. Dieser Wechsel wird mit einem Antippen signalisiert, welches die Fahrer auch nutzen dürfen, um ihrem Kollegen etwas Schwung mitzugeben. Nicht aktive Fahrer fahren dabei im rechten, oberen Bereich der Strecke, bis sie wieder wechseln. Dies ist eines der längsten und besonders taktischen Rennen im Radbahnfahren.
  • Einzelsprint – die älteste Disziplin im Radbahnsport überhaupt! Im Einzelsprint treten zwei bis vier Fahrer gegeneinander an und spielen eine Art Katz‘ und Maus Spiel. Die Startrangfolge wird ausgelost, wobei der erste Fahrer zunächst nur langsam losfahren darf und Geschwindigkeit nach und nach aufgebaut wird. In dieser Phase geht es vor allem um positionsbezogene Geplänkel, ehe das Rennen wirklich losgeht. Es handelt sich um ein kurzes Rennen von zumeist nur drei Runden. Wichtig ist nur, wer Erster wird. Die Zeit ist unerheblich und wird allein festgehalten, um Rekorde im Auge zu behalten.
  • Teamsprint – ein Dreier-Team versucht eine möglichst gute Zeit einzufahren. Allerdings scheidet jede Runde ein Fahrer aus und der letzte der drei Fahrer bestimmt mit seiner Zielankunft die Zeit. Somit fungieren die ersten beiden Fahrer als Anfahrer, die Tempo gehen und Windschatten spenden, ehe sie nach rechts ausbrechen und sich aus dem Rennen zurückziehen. Es starten zwei gegeneinander antretende Teams gleichzeitig auf den gegenüberliegenden Ziellinien.
  • Tempofahren – eine noch junge aber von der UCI ins Omnium implementierte Disziplin. Ein Rennen von bis zu 10km/40 Runden-Distanz bringt dem Führenden beim Überqueren der Ziellinie jeweils einen Punkt. Punkte werden erst ab Runde fünf vergeben. Ein Überrunden des Fahrerfelds bringt auch hier 20 Punkte. Wird ein Fahrer jedoch selbst vom Feld überrundet, scheidet er umgehend aus (seine Punkte verfallen).
  • Stundenweltrekord – die Königsdisziplin im Einzelrennen! Ein Fahrer fährt alleine eine Stunde und versucht so viele Runden wie möglich zu absolvieren. Diese Disziplin entspricht am ehesten dem Zeitfahren, wie man es von den Straßenrennen kennt.

Welche Regeln müssen im Radsport weiterhin beachtet werden?

Das waren noch nicht mal alle Disziplinen, die es gibt. Jedoch die bei den internationalen Wettbewerben üblichen. Bei Frauen sind die Modalitäten bezüglich der Rundenanzahl sowie der Größen der Teams bisweilen etwas reduziert.

Ferner ist zu beachten, dass zwei Fehlstarts (unabhängig von der Rennart) zur sofortigen Disqualifikation führen. Außerdem sind auch die Überholvorgänge genau reglementiert. Sie orientieren sich an den Linien innerhalb des Velodroms, wobei immer nur rechts der roten Linie (die sogenannte Sprinter Linie) überholt werden darf. Der Überholende darf sich erst dann wieder links einordnen, wenn der Überholvorgang ganz abgeschlossen ist. Die ganz linke, schwarze Linie (innen im Kurvenverlauf) stellt die Ideallinie dar und wird von den meisten Fahrern angestrebt, da hier die Runden am kürzesten sind. In manchen Rennen können hier aber auch taktische Nachteile entstehen.

Wie überholt man beim Hallenrennen?

Zum Beispiel wenn man in einem Ausscheidungsrennen weit hinten liegt, ist die Ideallinie vor einem fast immer mit etlichen Fahrern besetzt, sodass man unter Umständen langsamer fahren muss, als man es eigentlich könnte und plötzlich ausscheidet. Dafür hat man dort wiederum den meisten Windschatten. Die Ideallinie ist, wie man sieht, klarer Gegenstand taktischer Überlegungen und kann (je nach Szenario) sowohl für als auch gegen einen Fahrer arbeiten.

Ganz rechts (außen im Kurvenverlauf) ist die blaue Linie. Auch in diesem Bereich sind Überholvorgänge erlaubt, jedoch extrem kraftaufwendig, da hier der Streckenverlauf am längsten ist. Vor allem aber dient der Bereich rechts der blauen Linie ausscheidenden Fahrern, um sich aus dem Rennen zu entfernen, indem sie verlangsamen und dann die Strecke verlassen. Außerdem ist dies der Bereich, in dem sich inaktive Fahrer eines Zweier-Mannschaftsfahrens aufhalten, bis sie wieder ins Rennen eingreifen.