Julian Alaphilippe weiterhin in Gelb - Thibaut Pinot lauert hinter ihm

Alaphilippe in Gelb - Pinot in Lauerstellung bei der Tour de France 2019

Bildquelle: Lynn Rainard from Virginia Beach, USA [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Etappe 11 hielt den Ball noch flach, ehe es in die Pyrenäen gehen sollte. Das grüne Trikot, zu diesem Zeitpunkt fest am Leib von Bora-Hansgrohes Peter Sagan, sollte hier planmäßig der taktische Aspekt werden. Nichtsdestotrotz fanden sich selbstverständlich wieder einige Ausreißer, die andere Pläne hatten. Ein Quartett bestehend aus Lilian Calmejane, Aimé De Gendt, Anthony Perez und dem bei dieser Tour de France 2019 stets angriffsfreudige Stéphane Rossetto versuchte sein Glück. Doch vier Kilometer vor dem Ziel wurde mit De Gendt der letzte Angreifer gestellt. Im Sprint setzte sich Caleb Ewan durch. Peter Sagan wurde Vierter.

Etappe Zwölf führte erstmals in die Pyrenäen. Und hier fanden sich viele Freiwillige für den Etappensieg. 45 Fahrer formten nach rund 40 Kilometern eine gewaltige Ausreißergruppe. Eher schon ein Ausreißer-Feld! Das Feld ließ sich jedoch gewähren. Auch dabei – der deutsche Radrennfahrer Max Schachmann, der in diesem Jahr für einige Achtungserfolge gesorgt hatte. Ebenso der gegenwärtige Träger des Bergtrikots, Tim Wellens, der sich nicht lumpen ließ und eine vierte sowie eine erste Kategorie als Erster überquerte, um sich dort jeweils die maximale Punktzahl zu sichern. Am letzten Aufstieg setzten sich dann Simon Yates und Gregor Mühlberger ab. Der Spanier Pello Bilbao schloss noch in der Abfahrt zu ihnen auf. An der Ziellinie setzte sich Simon Yates durch und gewann seine erste Tour de France Etappe.

Wout Van Aert stürzt schwer

Die 13. Etappe stellte ein Einzelzeitfahren über 27 Kilometer dar und war somit taktisch eine wichtige Angelegenheit für die Klassement-Fahrer. Hier tat sich so einiges. Bitter ging es aus für den jungen Wout Van Aert, der in voller Fahrt in den Barrikaden hängen blieb. Er musste abtransportiert werden und die Tour de France 2019 war für ihn vorbei. Klarheit kristallisierte sich indes in der Kapitänsfrage bei Team Ineos heraus. Geraint Thomas fuhr die zweitbeste Zeit des Tages, während Egan Bernal über 90 Sekunden verlor. Erster wurde jedoch tatsächlich Julian Alaphilippe, der eindrucksvoll sein gelbes Trikot verteidigte. Mit 86 Sekunden auf Geraint Thomas ging er in die nächste Bergetappe.

Etappe 14 führte zu einer Bergankunft der Sonderkategorie, dem legendären Tourmalet! Wieder fanden sich etliche Ausreißer (darunter auch Peter Sagan und Lennard Kämna) und wieder war Tim Wellens mit dabei, um sein Bergtrikot mit Haken und Ösen zu verteidigen. Am Tourmalet trennte sich die Spreu vom Weizen. Unter den Klassement-Fahrern waren Adam Yates und Dan Martin zuerst mit Problemen. Sie mussten abreißen lassen. Als schließlich der letzte Ausreißer eingesackt wurde, versuchte Warren Barguil eine Attacke, während Nairo Quintana ebenfalls an Boden verlor. Team Inoes schaffte es noch, Ordnung herzustellen. Doch einen Kilometer vor dem Ziel wurden dann die Toten gezählt. Geraint Thomas ließ abreißen!

Thibaut Pinot in Bestform!

Auf den letzten 600 Metern waren nur noch Thibaut Pinot, Julian Alaphilippe, Steven Kruijswijk, Emanuel Buchmann, Egan Bernal und Mikel Landa unter sich. In eben dieser Reihenfolge gingen sie über die Ziellinie, wobei sich im Schlussspurt bergauf noch einige Lücken auftaten und Thibaut Pinot ein starkes Finish lieferte. Auch eine starke Vorstellung von Emanuel Buchmann, der acht Sekunden nach Pinot ankam. Julian Alaphilippe machte Zeit auf etliche seiner ärgsten Rivalen gut und Team Ineos war nun in einer ungleich schlechteren Position, die Titelverteidigung zu vollbringen. Könnte es sein, dass die Tour de France 2019 die Erste seit über 30 Jahren wird, die von einem Franzosen gewonnen wird?

In der 15. Etappe forderten die Bergetappen der vergangen Tage Tribut. Bereits früh in dieser letzten Pyrenäen-Etappe fielen hinten erste Fahrer ab und hatten sichtbar Probleme. Darunter Caleb Ewan. Die Ausreißergruppe des Tages enthielt durchaus einige starke Fahrer. Darunter Nairo Quintana, den ehemaligen Tour de France Sieger Vincenzo Nibali, Simon Yates, Michael Woods, Romain Bardet und Dan Martin. Die Gruppe an der Spitze dünnte sich im Verlauf weiter aus. Der deutsche Radrennfahrer Simon Geschke attackierte als Erster solo. Simon Yates ging mit ihm und die beiden konnten einen Vorsprung herausarbeiten. Mit 90 Sekunden Vorsprung gingen sie an den letzten Anstieg.

 

 

Im Verlauf dieser Bergankunft attackierte Simon Yates und setzte sich erfolgreich ab. Für ihn sollte es Etappensieg Nummer zwei bei dieser Tour de France werden. Unter den Klassement-Fahrern war es wider Thibaut Pinot, der mit zwei Attacken als starker Aggressor am Berg in Erscheinung trat. Er konnte Zeit auf all seine Rivalen gut machen und wird in dieser Verfassung noch ein echter Faktor in den Alpen sein! Emanuel Buchmann war abermals unter den ersten zehn. Überraschend auch Lennard Kämna! Eine tolle Leistung des deutschen Jungfahrers, der gar noch vor Titelverteidiger Geraint Thomas ins Ziel kam. Julian Alaphilippe blieb in Gelb, verlor aber Zeit auf all seine wichtigen Verfolger.

Ausfälle und Ranglisten der Tour de France 2019

Eingedenk der Pyrenäen rollten zwischen den beiden Ruhetagen natürlich einige Köpfe. Leider sind aus deutscher Sicht Rick Zabel und Max Schachmann nicht mehr dabei. Auch Rohan Dennis und Wilco Keldermann mussten abklopfen. Wout Van Aert, durch seinen Sturz im Zeitfahren, leider auch nicht mehr dabei. Er hatte sich bei besagtem Sturz eine schwere Fleischwunde am Oberschenkel zugezogen. Insgesamt sind bislang 13 Fahrer ausgeschieden.

Das Team-Ranking wird nach wie vor von Movistar angeführt, die kollektiv bislang am schnellsten waren und über 30 Minuten auf Trek-Segafredo haben. Beim grünen Trikot hat sich nicht viel getan und Peter Sagan hat mit knapp 100 Punkten Führung beste Aussichten, den Tour de France Rekord zu knacken! Tim Wellens konnte soweit ebenfalls sein Bergtrikot verteidigen, bekommt nun aber langsam von Thibaut Pinot Konkurrenz, der schon des Gesamt-Klassements wegen bei Bergankünften und Co. angreifen wird. Im besagten Gesamt-Klassement hat Julian Alaphilippe immer noch die Nase vorne, aber es ist eng! Hier die Top 10 zum jetzigen Zeitpunkt:

1. Julian Alaphilippe (Frankreich)

2. Geraint Thomas (England) + 1.35

3. Steven Kruijswijk (Niederlande) + 1.47

4. Thibaut Pinot (Frankreich) + 1.50

5. Egan Bernal (Kolumbien) + 2.02

6. Emanuel Buchmann (Deutschland) + 2.14

7. Mikel Landa (Spanien) + 4.54

8. Alejandro Valverde (Spanien) + 5.00

9. Jakob Fuglsang (Dämenark) + 5.27

10. Rigoberto Uran (Kolumbien) + 5.33

Im letzten Abschnitt kommen die Alpen, die mit drei knüppelharten Bergetappen vertreten sind. Rang eins und sechs trennen nur 134 Sekunden. Emanuel Buchmann als Sechster auch noch durchaus mit Aussichten, etwas zu wagen! Gemessen am jüngsten Rennverlauf könnte jedoch Thibaut Pinot derjenige sein, den man im Auge behalten muss! Er für mich persönlich der große Favorit, wenn er seine Form halten kann. Aber auch Team Ineos (Egan Bernal/Geraint Thomas) darf man noch nicht abschreiben.


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