Robin Krasniqi besiegt Ronny Landaeta in Dessau klar nach Punkten

Robin Krasniqi besiegt Ronny Landaeta nach Punkten

Bildquelle: Sport Events Steinfort GmbH [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

SES Boxen veranstaltete am Samstagabend wieder eine Show in Dessau. Dort trat Robin Krasniqi zur Verteidigung seines EBU Titels im Super Mittelgewicht an. Der Herausforderer Stefan Härtel war jedoch acht Tage zuvor ausgefallen, sodass ein Ersatz her musste, den man in Form eines ungeschlagenen Spaniers organisieren konnte.

Das Ganze wieder vorgetragen mit der eigenwilligen ZDF Fernsehgarten Moderation, die man von dieser Show erwarten kann. Auch wenn es diesmal keine Gummibärchen gab. Wir verbuchen das Mal als Steigerung. Was wirkt das angestaubt im Vergleich zu dem, was drüben auf der Insel abgeht. Der Boxsport in Deutschland momentan abgehängt – auch bei der TV-Produktion. Aber wir wollen nicht zu laut klagen. Momentan kann man ja froh sein, wenn überhaupt noch was läuft.

Tom Schwarz bleibt ungeschlagen

Die Schwergewichte Christian Lewandowski (12-2) und Tom Schwarz (22-0) mit dem ersten von zwei übertragenen Kämpfen. Die erste Runde recht offen mit Vorteilen für Schwarz, der schön mit seiner linken Führhand arbeiten konnte. Der Favorit zeigte vom Start weg die Zähne. Aber auch Lewandowski nicht ohne Anteile. Das äußerte sich unter anderem darin, dass das rechte Auge von Schwarz nach der zweiten Runde anfing zuzuschwellen. In der Dritten wurde es ruppig, wovon Lewandowski eher profitierte. Schwarz insbesondere nach seinen Schlägen immer wieder offen für Konter. Ein paar Mal erwischte Lewandowski ihn auf dem Weg rein, was natürlich immer Eindruck schindet und Wirkung zeigt. Spätestens nach der vierten Runde war klar, dass Lewandowski hier nicht wirklich als klarer Außenseiter zu sehen war. Beide mit guten Treffern, doch Lewandowski schien so ein bisschen überlegter und selbstbewusster in dieser Phase. Bei Schwarz war von der starken Führhand aus der Ersten nicht mehr viel zu merken.

In der Fünften wurde viel von beiden geklammert. Zum Ende der Runde hin beide mit klaren Treffern. Es schien, als ob hier der Gastank so langsam aber sicher zum Faktor werden könnte. Ab dieser Runde agierte Schwarz auch fast nur noch von außen. Lewandowski in der Mitte. In der Sechsten dann Lewandowski mit linken Jabs zunächst erfolgreich. Doch dann einige klare Treffer für Schwarz, die Lewandowski wankend zurückließen. Tom Schwarz setzte wild nach, rannte ihm quasi im Ring hinterher. Zu wild, da Lewandowski sich dadurch in den Clinch retten konnte. Doch zögerte er damit das Ende nur hinaus. Als klar wurde, dass er hier angeknockt war und Schwarz ihn nicht mehr zurück in den Kampf ließ, flog das Handtuch aus Lewandowskis Ecke. Vertretbare Entscheidung. Bitter für Lewandowski, der hier bis dahin auf Augenhöhe geboxt hatte. Aber beide noch recht jung, insbesondere für Schwergewichte und mit Luft nach oben.

Landaeta springt für Härtel ein

Anschließend kam es zum Kampf um den europäischen EBU-Titel im Super Mittelgewicht. Ronny Landaeta aus Spanien (16-0) gegen den amtierenden Champion Robin Krasniqi (48-5). Krasniqi hatte sich eigentlich auf Stefan Härtel vorbereitet. Doch der fiel acht Tage vor dem Kampf wegen Krankheit aus. Landaeta sprang in die Bresche. Der Spanier ohnehin im Training, da er sich auf einen Kampf im Dezember vorbereitet hatte. Man konnte also davon ausgehen, dass er im Saft und nicht zu unterschätzen war. Der Kampf, auf 12 Runden angesetzt, startete mustergültig für Krasniqi. Trotz eines recht unorthodoxen und langarmigen Gegners in Landaeta (der ehedem im MMA und Kickboxen aktiv war), gelang ihm ein Niederschlag. Krasniqi mit den weit schnelleren Händen. Der Spanier überdies mit der Neigung, seine Ausfälle zu telegrafieren. Die Überlegenheit von Krasniqi spätestens dann auch für Nicht-Initiierte deutlich, als dessen Trainer in der Ecke anmerkte, man möge dem Mann aus Spanien noch „ein paar Runden“ lassen. Allerdings hatte man die Rechnung ohne dessen langen Atem gemacht.

Ronny Landaeta mit blinden Heumachern, die natürlich ordentlich was dahinter hatten, aber quasi vom Mond angeflogen kamen. Dadurch Landaeta zwar mit der Chance eines wilden Prüglers, doch boxerisch war ihm Krasniqi klar über, der seine Hände viel gezielter abfeuerte. Dessen war sich auch die spanische Ecke bewusst, die ihren Mann zwischen Runde drei und vier weiter anstachelte. In Runde vier wurden dem Spanier ein Punkt aberkannt, da er zum wiederholten Male auf den Hinterkopf schlug. Krasniqi führte zu diesem Zeitpunkt überdeutlich. In der Fünften erlitt Landaeta einen Cut nach einem Zusammenstoß der Köpfe. Danach wurde er etwas wilder und ging wie ein Duracell-Hase nach vorne.

Krasniqi mit erfolgreicher Titelverteidigung gegen einen hartnäckigen Gegner

Robin Krasniqi boxerisch nach wie vor überlegen, doch Landaeta durchaus jemand, der nun vermehrt Aufmerksamkeit abverlangte, da er einfach nicht langsamer wurde. Gerade zu Beginn der Sechsten landete er einige Treffer an den Seilen. Allerdings alles nach wie vor wilde Heumacher. Der Kampf jetzt doch recht unterhaltsam. Die Kondition von Landaeta auf jeden Fall sehr stark und die Sechste möglicherweise die bislang beste Runde des spanischen Prüglers. Anschließend klare taktische Anweisungen in der Ecke Krasniqis. Insbesondere dass er sich nicht in den Seilen stellen lassen sollte.

In der Siebten wieder klar mehr Treffer für Krasniqi, doch Landaeta nach wie vor mit hohem Output und im Nahbereich durchaus mit einigen Treffern seinerseits. Insbesondere in Form eines Auswärtshakens, den er zuletzt öfters ins Ziel bringen konnte. Ab der Achten verfestigte sich diese Konstellation. Landaeta immer noch über seien Kondition und seinen Volumen im Kampf. Doch die technischen Vorteile klar bei Krasniqi. In der Neunten schien Landaeta zunehmend unkonzentriert. So schlug er nur noch wenig Kapital daraus, wenn er Krasniqi stellte, da er sich zu nah an den Mann bewegte und so gleich der Clinch resultierte. Dadurch einige verstrichene Gelegenheiten für den Spanier mit venezolanischen Wurzeln. Runde elf! Es war nun über jeden Zweifel erhaben, dass Landaeta den KO brauchte. Eine starke Kombination von Geraden und Crosses von Krasniqi traf voll! Doch Landaeta, mit beeindruckenden Nehmerqualitäten, steckte das einfach weg. In der Zwölften wurde der Spanier noch mal wild. Doch Krasniqi ließ nichts mehr anbrennen und ließ sich kaum noch stellen. Ihm war der Sieg über die Distanz sicher. Der Pflichtsieg gegen einen technisch limitierten aber doch recht unangenehmen Gegner war gelungen!


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