Ehemalige & aktuelle „Ostvereine“ in der 2. Liga

Tradition aus der ehemaligen DDR in der 2. Bundesliga

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Die Zeit kurz nach der Wende brachte dem deutschen Fußball einige Klubs, die vorher nur in der ehemaligen DDR verfolgt werden konnte. Mit dem Serienmeister BFC Dynamo hatte die DDR einen Klub ganz besonders stark unterstützt, was viele Fußballfans in der ehemaligen Republik zur Weißglut brachte. Der Klub spielt mittlerweile in der Regionalliga und erlebte zwischendurch auch schon eine Insolvenz.

Andere Vereine, die nach dem Zusammenbruch der DDR in der Bundesliga und in der 2. Bundesliga auftauchten, konnten sich teils über Jahre in den beiden Profiligen etablieren. Lange Zeit war es Energie Cottbus, der sich in der Bundesliga halten konnte, dann sich in der 2. Liga wiederfand und schlussendlich aktuell in der 3. Liga antritt. Zwischenzeitlich stieg man sogar in die Regionalliga ab.

 

So erging es auch Hansa Rostock. Der Verein aus Mecklenburg-Vorpommern schaffte nach der Wende die Qualifikation zur Teilnahme in der Bundesliga in der Saison 1991/1992. Mit einem furiosen 4:0-Sieg über den 1. FC Nürnberg griff man sogar nach der Tabellenführung. Es folgte ein 2:1-Auswärtssieg über den FC Bayern München (Sedlacek und Wahl mit den Toren der Rostocker), worüber man sich in München nicht erfreut war.

Vor allem Trainer Jupp Heynckes dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben. Und auch Borussia Dortmund wurde mit 5:1 am darauffolgenden Spieltag nach Hause geschickt. Es sah gut aus für den F.C. Hansa Rostock, aber am Ende stand der Abstieg in die 2. Liga fest. Neben den Rostockern startete auch Dynamo Dresden in der Bundesliga und konnte sich bis zum Ende der Saison 1994/1995 in der Belletage halten, ehe der Abstieg in die 2. Bundesliga erfolgte.

1. FC Union Berlin mehr als nur Kult aus dem "Osten"

Dort tummelten sich in den vergangenen Jahrzehnten einige Mannschaften, die trotz der damaligen schwierigen finanziellen Lage, die sie immer wieder erleiden mussten, einige Traditionsklubs. Der 1. FC Union Berlin, also der Erzrivale des einstigen Serienmeisters der DDR, gehört mittlerweile zu den Klubs, die am Längsten in der 2. Bundesliga verweilen durften.

Satte 412 Partien (Stand 13.09.2018) absolvierten die Eisernen aus Köpenick im Unterhaus. Dabei ist die Bilanz sehr ausgeglichen. Insgesamt konnten 151 Spiele gewonnen werden, 119 Mal ging es Remis aus und 142 Niederlagen stehen auf dem Konto des Berliner Kultklubs. Zwischenzeitlich schnupperte man in der Saison 2016/2017 sogar am Aufstieg in die Bundesliga. 60 Punkte holte der Klub, so viele wie noch nie seit Teilnahme an der 2. Bundesliga. Im Normalfall hätte die Punkteausbeute ausgereicht, um aufzusteigen, aber nicht in jenem Jahr.

Tradition aus dem Osten - Union Berlin mit vereinstreuen Fans Hand in Hand

Davon lässt man sich aber in Köpenick nicht aus der Bahn werfen, denn der Klub tickt anders als viele andere Vereine. Hier bauen die Fans und Mitglieder ihr eigenes Stadion auf. Es wird Blut gespendet, um den Verein vor dem absoluten Kollaps zu bewahren, denn nachdem der Verein in der Saison 2003/2004 17. wurde und damit den Abstieg in die Regionalliga besiegelte, kamen die finanziellen Probleme erst auf sie zu.

Aus der DFB-Zentrale wurde ein Brief verschickt, der brisanter nicht sein konnte. Der Klub sollte eine Bankbürgschaft von rund 1,5 Millionen Euro hinterlegen, ansonsten würde man in der Oberliga antreten. Während bei anderen Vereinen durchaus die Lichter ausgegangen wären, stemmte man sich gegen das drohende Unheil. Und so mobilisierte man Sponsoren und den Fananhang, der es sich nicht nehmen ließ, zur Blutplasma-Spende zu gehen und die Aufwandsentschädigung dem Verein zu überlassen.

Tradition aus der ganzen ehemaligen DDR - Rückkehr in 2. Liga schwer zu stemmen

Dies ist nur eine von vielen Anekdoten, die der Verein aus Berlins Südosten vorweisen kann. Neben dem 1. FC Union Berlin blicken auch noch andere Klubs aus der ehemaligen DDR auf eine Zeit, in der sie in der 2. Bundesliga antraten oder es noch immer tun. Darunter ist zum Beispiel der FC Erzgebirge Aue zu finden, die sich immer wieder in der zweiten Liga halten konnten.

Aber auch Energie Cottbus war lange Zeit ein gern gesehener Teilnehmer in der 2. Bundesliga, genauso wie Hansa Rostock oder der FC Carl Zeiss Jena. Andere Vereine wie der Chemnitzer FC spielten auch eine Weile in der 2. Bundesliga und kämpfen dabei um die Rückkehr ins Unterhaus der Bundesliga. Hier findet der Fußballfan ganz viel Tradition vor, die nach der Wende immer stärker in die unteren Ligen durchgereicht wurde.

Eine Übersicht zu den ehemaligen Klubs der 2. Bundesliga:

 

Verein Spiele S U N
1. FC Union Berlin 412 151 119 142
FC Erzgebirge Aue 412 133 110 169
Energie Cottbus 374 134 103 137
Hansa Rostock 288 103 79 106
FC Carl Zeiss Jena 286 85 92 109
Chemnitzer FC 252 81 73 98
Dynamo Dresden 241 77 67 97
VfB Leipzig 214 78 58 78
FSV Zwickau 136 39 37 60
RB Leipzig 68 33 18 17
Rot-Weiß Erfurt 66 12 16 38
Hallescher FC 32 7 13 12
BSV Stahl Brandenburg 32 8 7 17
SV Babelsberg 03 34 4 6 24
1. FC Magdeburg 4 0 2 2

Stand 13.09.2018

Tafelsibler der Vereine nach der Wende vom Westen "ergaunert"

Besonders nach der Wende wurde das Tafelsilber der ehemaligen DDR-Vereine schnell vergoldet. Die meisten Klubfunktionäre aus der damaligen DDR kannten sich im Profigeschäft nicht aus und wurden teilweise "arglistig" getäuscht. Man kann sagen, dass viele gute Spieler, die später bei den Topvereinen der Bundesliga unter Vertrag standen und im Ausland ihr Geld verdienten, regelrecht zu den neuen Vereinen „ergaunert“ wurden.

Fußballfunktionäre wie Reiner Callmund, der zu den schillernsten Figuren der Bundesliga gehörte, unternahmen den Versuch, Top-Spieler aus der ehemaligen DDR in den „Westen“ zu holen. Im Grunde wurden viele Spieler für ´n Appel und ´n Ei zu den Klubs geholt, womit gleichzeitig auch der Niedergang vieler Klubs aus der alten DDR vorangetrieben wurde.

Brause hat mit Tradition nichts zu tun - Drängen mehr "Ostvereine" in die 2. Liga?

Und noch heute ist es vielen ehemaligen DDR-Vereinen nur sehr beschwerlich, den Weg in die Bundesliga zu meistern. Mit RB Leipzig gibt es zwar einen „Verein“, der dies geschafft hat, aber auch nur durch die tatkräftige Mithilfe eines bekannten Brauseherstellers, der den Klub eher als Investment ansieht als einen Verein mit grundsoliden Strukturen, die man von Traditionsklubs kennt.

Zahlreiche ehemalige „Ostvereine“ tummelten sich im Profifußball. Heute lassen sich nicht mehr viele Vereine aus der damaligen DDR in der Bundesliga oder in der 2. Bundesliga vorfinden. Vor allem die Fans aus den entsprechenden Regionen dürsten nach Erfolgen ihrer Vereine und so besteht allerdings gute Hoffnung, dass wir in der kommenden Saison wieder ein paar weitere Klubs aus dem ehemaligen „Osten“ in der 2. Liga begrüßen dürfen.