Neue Hoffnungsträger der Nation - die besten deutschen Radfahrer

Deutsche Hoffnungsträger im Radsport

Bildquelle: Nicola [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Der Radsport hat in den letzten Jahren wieder einiges an Kredit zurückerobern können. Nach der umfassenden Doping-Affäre um Lance Armstrong und etliche seiner Rivalen war der Sport, insbesondere hierzulande, schwer in Verruf geraten. Dass auch zentrale Figuren des Radsport-Hypes hierzulande, wie Jan Ullrich und Erik Zabel, dabei des Dopings überführt wurden, hatte daran großen Anteil.

Doch die Deutschland-Tour ist dieses Jahr, wenn auch im kleinen Format, zurückgekehrt. Einschließlich TV Übertragung. Die Medien, die den Sport in Deutschland phasenweise regelrecht boykottiert haben (zumindest mit Blick auf die Tour de France), scheinen versöhnlich gestimmt. So weit, so gut. Doch ist Radsport-Deutschland noch ein ganzes Stück vom Renommee entfernt, das dem Sport früher zugutekam. Was es jetzt braucht, sind deutsche Fahrer, die vorneweg fahren und ihre Landleute mit sich mitreißen können.

Da sieht es dem Einvernehmen nach bislang recht mau aus. Doch welche Lichter zeichnen sich am Horizont ab?

Die schlechte Nachricht zuerst

Eines lässt sich nicht beschönigen: Nach jetzigem Stand findet Deutschland an der Leistungsspitze des Radsports so gut wie überhaupt nicht statt. Unter den 25 bestplatzierten Fahrern der UCI World Tour 2018 war nicht ein Deutscher dabei. Und das einzige Mal, dass während dieser Saison ein Deutscher überhaupt nach einem World Tour Rennen oder Etappen-Wettbewerb auf dem Siegertreppchen stand, war Pascal Ackermanns Sieg beim Eintagesrennen von London nach Surrey. Das ist doch mal eine klare Standortbestimmung! Und leider auch irgendwo konsequent. Denn mit dem öffentlich-medialen Liebesentzug gingen natürlich auch Gelder flöten. Und Geld schafft im Profisport bekanntermaßen Tatsachen. Dass die Briten derzeit alles in Grund und Boden fahren, hat auch mit saftigen Investitionen angefangen.

Doch noch ist nicht aller Tage Abend! Denn es gibt durchaus einige hoffnungsvolle Jungfahrer mit Perspektive, die wir hier nicht unterschlagen wollen. Und da fangen wir gleich mit dem bereits genannten Kandidaten an: Pascal Ackermann! Ackermann wird zwar kaum ein großer Klassement-Fahrer für Grand Tours werden. Dafür ist er zu sehr Sprinter. Doch dafür ein sehr hoffnungsvoller! Ackermann fuhr 2018 seine bislang beste Saison. Nach frühen Achtungserfolgen im U-23 Bereich (unter anderem eine Silbermedaille bei der WM) konnte Ackermann in diesem Jahr mehrere Etappensiege bei World Tour Rennen für sich verbuchen. Hinzu kam natürlich der Gewinn der deutschen Meisterschaft. Bei Bora Hansgrohe steht er in der Hackordnung der Sprinter zwar hinter dem mehrfachen Weltmeister Peter Sagan. Doch mit 24 Jahren ist er ein Sprinter mit guter Perspektive, den man im Auge behalten muss. Das kann man auch daran ablesen, dass er bei Bora Hansgrohe der einzige deutsche Fahrer ist, in dessen Dienst sich das Team stellt. Die anderen deutschen Fahrer haben eher zuarbeitende Rollen. Mit Ausnahme von Emanuel Buchmann, der als Bergfahrer ebenfalls ein Mann für größere Aufgaben werden könnte. Sein erfreulicher zwölfter Rang bei der diesjährigen Vuelta stellte seine bislang beste Platzierung bei einer Grand Tour dar. Selbst wenn er nie wirklich um die Etappensiege mitgefahren ist. Auch Buchmann war bereits deutscher Meister.

Hämna und Schachmann

Das andere deutsche World Tour Team neben Bora Hansgrohe ist bekanntermaßen Team Sunweb. Auch in ihren Reihen haben sie einen hoffnungsvollen Perpektiv-Fahrer. Lennard Kämna ist erst 22 Jahre jung und konnte schon für Furore sorgen. So gewann er 2014 die Goldmedaille im Zeitfahren der Junioren bei der UCI WM. Im Folgejahr wurde er im Straßenrennen der U-23 Fahrer Zweiter. Das lässt schon mal aufhorchen. Zumal Zeitfahren eine der wichtigen Qualitäten ist, die ein Klassement-Fahrer mitbringen muss. Die Saison 2018 wurde es recht still um ihn, weil er aufgrund einer Erkrankung über weite Strecken der Saison ausfiel. Nun muss das Augenmerk darauf liegen, 2019 wieder (hoffentlich bei bester Gesundheit) anzugreifen!

Und zu guter Letzt wollen wir noch ein Jung-Talent besprechen, dass diese Saison durchaus in Erscheinung getreten ist. Quick Steps Maximilian Schachmann, der ab 2019 bei Bora Hansgrohe unterwegs sein wird! Er fuhr 2018 ebenfalls seine wohl beste Saison. Ein Etappensieg beim Giro d’Italia und fünf Tage im weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrers, außerdem ein Etappensieg bei der Katalonien-Rundfahrt sowie ein dritter Platz bei der Deutschland-Tour, der (gemessen am Rennverlauf) eher bitter war. Es gibt also durchaus Hoffnung! Jedoch eher mit Perspektive. Denn auch im nächsten Jahr muss man im Radsport aller Voraussicht nach noch nicht mit der teutonischen Invasion rechnen.


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