Giro d´Italia 2019 - Zwischenbericht mit einigen Infos, News und Fakten

Erster Zwischenbericht zum Giro d´Italia 2019

Bildquelle: Stefano Costa [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Aus der Rubrik Radsport News: Der Giro d'Italia 2019 hat heute seinen ersten Ruhetag. Nach einem Prolog und acht Etappen haben sich die Fahrer eine Pause verdient, nachdem gestern das große Zeitfahren im verregneten San Marino zu Ende gegangen war. Vor allem war dieser erste Abschnitt der italienischen Rundfahrt von mehreren flachen Etappen geprägt, sodass vor allem die Teams der Sprinter taktisch den Ton angaben. In den folgenden zwei Dritteln der Grand Tour aus Italien, wird es deutlich bergiger zugehen.

Wenig überraschend konnte vor allem Primoz Roglic dem Giro soweit seinen Stempel aufdrücken. Er gilt als großer Favorit und konnte neben dem gestrigen Zeitfahren auch den Prolog gewinnen. Auch am allerletzten Aktionstag wird es ein Zeitfahren geben. Somit kommt das Etappenprofil dem wohl besten Zeitfahrer unserer Tage, Primoz Roglic, definitiv entgegen. Platz eins hat, aufgrund eines geglückten Ausreißversuchs, derzeit jedoch ein Anderer inne. Würdig wurde indes bei diesem Radrennen Deutschland vertreten. Der amtierende deutsche Meister Pascal Ackermann macht in seiner ersten Grand Tour soweit Nägel mit Köpfen und konnte bereits zwei Sprint-Ankünfte gewinnen und führt die Punktewertung an!

Die Rennergebnisse im Überblick – Roglic schießt aus der Hüfte

Den Prolog, ein kurzes Zeitfahren über acht Kilometer, konnte wie gesagt Primoz Roglic gewinnen. Dort schenkte er dem Zweitplatzierten, Simon Yates, sogleich 19 Sekunden ein. Und das über gerade einmal acht Kilometer. Im Zeitfahren ist der ehemalige Skispringer aus Slowenien derweil ohnegleichen! Die erste reguläre Etappe konnte dann sogleich Pascal Ackermann für sich entscheiden. Die Ausreißer des Tages wurden sieben Kilometer vor dem Ziel endgültig eingeholt und es kam der zu erwartende Massensprint, in dem Ackermann sich beeindruckend gegen Viviani und Caleb Ewan durchsetzte!

Ein toller Sieg für den deutschen Radrennfahrer nach seinem Sieg bei Eschborn-Frankfurt 2019. Die nächste Etappe endete ebenfalls in einem Massensprint, dem einige technische Kurven vorausgingen. Diesmal heftete sich Elia Viviani an das Hinterrad von Pascal Ackermann und kam zum genau richtigen Zeitpunkt aus dessen Windschatten. Er kam als Erster über die Linie. Allerdings wurde Viviani wenig später der Sieg aberkannt, da er im Sprint wohl einen anderen Fahrer geschnitten hatte, sodass der Etappensieg an Fernando Gaviria ging. Eine umstrittene Entscheidung, da nicht einmal der geschnittene Fahrer selbst protestiert hatte. Roglic hatte nach wie vor das rosa Trikot des Gesamtführenden inne, das er sich im Prolog erobert hatte.

In Etappe vier konnte sich ein Trio an Ausreißern gar über zwölf Minuten absetzen. Doch wurden auch sie wieder zehn Kilometer vor dem Ziel endgültig gestellt. Diesmal hatte Richard Carapaz aus Ecuador die Nase vorne. Ackermann wurde Vierter und verpasste das Treppchen nur knapp. Dafür war Ackermann am nächsten Tag zum zweiten Mal siegreich, als auch zwei zeitweise geglückte Ausreißversuche den Massensprint nicht verhindern konnten. Im Finale war Ackermann geduldiger als Gaviria, der etwas zu früh loslegte, sodass Ackermann ihn aus dem Windschatten heraus noch an der Linie stellen konnte! Zweiter Etappensieg für Ackermann, der sich hier in eine Favoritenrolle für die Punktewertung fuhr! Bravo!

Valerio Conti mit der großen Räuberpistole

Die große Überraschung setzte es dann in der sechsten Etappe. Nach viel Bewegung in der Anfangsphase des Rennens war das Peloton bei Kilometer 32 wieder dicht beieinander. Wenig später waren die Spitzenreiter Primoz Roglic, Mikel Landa, Ilnur Zakarin und Rafal Majka in einen Sturz verwickelt. Die folgende Ruhephase begünstigte den nächsten Angriff bei Kilometer 49. Rojas, Peters, Serry, Plaza, Bagioli, Wyss und Conti öffneten eine Lücke, während Oomen, Carboni, Conci, Madouas, Antunes, Amador und Masnada überbrückten.

Später fuhren Fausto Masnada und Valerio Conti alleine weiter. Die beiden Italiener beendeten das rennen diplomatisch: Fausto Masnada bekam den Etappensieg, Valerio Conti übernahm das rosa Trikot des Gesamtführenden! Das Peloton um Roglic bekam satte 7,19 Minuten Rückstand auf den Etappensieger eingeschenkt. Die Top 10 des Rennens durch den Coup dieser großen Ausreißergruppe nun vollkommen verändert! Hier hatte das Feld ganz kräftig gepennt!

Conti hält das rosa Trikot fest

In Etappe Nummer sieben brauchte es 60 Kilometer, ehe sich eine erfolgreiche Ausreißergruppe formte. Die war quantitativ dafür dann aber auch gut besetzt. Tony Gallopin, Pello Bilbao, Jon Izaguirre, Mikel Nieve, Valentin Madous, Hugh Carthy, Jasper De Buyst, Ruben Plaza, José Joaquin Rojas, Tosh van der Sande, Alexis Vuillermoz, Mikkel Frölich Honoré, Michael Schwarzmann, Valerio Agnoli, Cesare Benedetti, Jay Hindley, Kristian Sbaragli, Paul Martens und Michael Gogl konnten sich einen Vorsprung von einer Minute sichern. Doch nach den Erfahrungen des Vortags war das Feld nicht gewillt, hier eine solche Gruppe wegzulassen, sodass diese nach 20 Kilometern hektischer Verfolgung wieder gestellt wurden.

 

 

Beim Aufstieg nach Chieti war es dann Davide Formolo für Bora Hansgrohe, der eine Lücke öffnete. Bilbao, Gallopin, De Gendt, Henao, McCarthy, Pedrero, Cattaneo, Plaza, Hamilton und Zeits schlossen sich ihm an. De Gendt und Plaza kamen jedoch nicht ganz mit, während die Spitzengruppe fast zwei Minuten vor dem Hauptfeld den Gipfel erreichte. Formolo, Bilbao, Gallopin, Cattaneo und Hamilton waren die letzten Männer im Finale. Rojas kam auf den letzten vier Kilometern wieder in Kontakt und griff sogleich an, doch Formolo holte ihn zurück. Bilbao geriet nicht ins Wanken und ging zum Gegenangriff über. Er packte den letzten Anstieg mit einem kleinen Vorsprung an und hielt die Verfolger lange genug auf Distanz, um den Etappensieg bei dieser Mini-Bergankunft zu feiern. Gallopin schlug Formolo um den zweiten Platz, während Valerio Conti eine Minute hinter dem Sieger lag, um die Gesamtführung zu behalten.

Die achte Etappe endete, nach dem die Vortage von den Ausreißern geprägt worden waren, dann wieder im Massensprint. Australiens Caleb Ewan setzte sich vor Viviani und Ackermann durch. Schön zu sehen, dass Ackermann stets vorne mit dabei war, wenn es in die großen Sprints ging! Er hat hier nun wirklich gute Aussichten auf die Punktewertung, die er mit 150 Punkten derzeit deutlich anführt. Hinter ihm liegt Arnaud Demare mit 98 Punkten. Sollte Ackermann in den weiteren Massensprints, die es hier und da sicherlich noch geben wird, weiterhin unter die ersten drei bis fünf Fahrer fahren oder gar noch eine Etappe gewinnen, wird ihm das Trikot kaum zu nehmen sein! Vorausgesetzt er kommt über die Berge.

Roglic meldet sich zurück, Dumoulin ist raus

Das Zeitfahren am letzten Tag war eine verregnete Angelegenheit. Mit 34,8 Kilometern konnten die starken Zeitfahrer hier richtige Schellen verteilen. Und genau das tat Primoz Roglic, der dieses sehr hügelige Zeitfahren mit 51 Minuten und 52 Sekunden schneller zu Ende fuhr als irgendwer sonst. Velerio Conti büßte einen Großteil seines Vorsprungs auf Roglic ein, konnte das Trikot aber in den Ruhetag retten. Ähnlich schnell wie Roglic war allein der ebenfalls starke Zeitfahrer Victor Campenaerts, der nur elf Sekunden langsamer war. Aller anderen bekam aber mindestens eine Minute aufwärts eingeschenkt!

Es gab bislang 13 Ausfälle zu beklagen. Der Prominenteste darunter war zweifelsohne Tom Dumoulin, der für Sunweb ausfiel. Er wurde in der vierten Etappe in einen Sturz verwickelt und hatte dadurch mehrere Minuten verloren. Einen Tag später brach er in der laufenden Etappe ab, da er sich nicht mehr imstande fühlte, weiterzufahren und seine Aussichten auf eine gute Platzierung zunichte waren. Bitter! Denn ein gut aufgelegter Tom Dumoulin kann im Klassement durchaus Akzente setzen, wie er mit seinem zweiten Rang bei der Tour de France 2018 unter Beweis gestellt hatte.

Weiter geht es ab morgen mit zwei Flachetappen, die für die Sprinter noch mal enorm wichtig werden, da diese danach nur noch dünn gesät sind. Denn dann geht es steil bergauf. Ackermann Fans sollten also unbedingt einschalten!


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