Tom Schwarz gewinnt den IBF International Titel - Peter Kadiru siegt ebenfalls

Tom Schwarz und Peter Kadiru feiern Siege

Bildquelle: Flickruser [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Aus der Stadthalle in Magdeburg gab es im MDR Livestream Boxen zu sehen. Es ging vor allem für Tom Schwarz darum, im Hauptkampf des Abends wieder in die Spur zu kommen. Nach seiner vorzeitigen Niederlage gegen den linearen Boxweltmeister Tyson Fury in Las Vegas war ihm bereits ein Aufbaugegner spendiert worden, den er auch in Runde eins verputzt hatte. Nun ging es jedoch gegen einen alten Bekannten in Form von Ilja Mezencev – ein anderer junger Schwergewichtler aus deutschen Landen.

Die Boxen Übertragung startete direkt mit eben diesem Kampf im Boxen Schwergewicht: Tom Schwarz (25-1) gegen Ilja Mezencev (20-1). Es ging um den vakanten International Boxing Federation International Titel im Schwergewicht. Wie gesagt war es ein Rückkampf zwischen den beiden Herren. Mezencev hatte 2015 seine erste und bis dato einzige Niederlage gegen Tom Schwarz erlitten.

Damals war es ein KO in der siebten Runde gewesen. Schwarz der größere, schwerere Boxer. Die beiden Kontrahenten übersprangen die Abtastphase recht schnell und versuchten beide, ihre Führhand zu etablieren. Schwarz jedoch etwas dosierter, dafür präziser. Insbesondere seine Führhand-Haken fanden sowohl offensiv als auch im Konter ihr Ziel. Taktisch war es soweit eine reifere Vorstellung von Schwarz, der nicht mehr so übereilt nachsetzte, wie er es zuvor zu tun pflegte und wie es ihm gegen Tyson Fury in Las Vegas zum Verhängnis geworden war.

In der Zweiten wirkte Mezencev ein wenig eingeschüchtert und reduzierter, mehr auf Sicherheit bedacht. Dennoch abermals die klaren Wirkungstreffer bei Schwarz, der eine starke rechte Gerade gegen seinen Mann unterbrachte, als er diesen in der Ecke stellte. Die Führhand von Schwarz war variantenreicher. In der Dritten streute Mezencev einige Nicklichkeiten in Form von Kopfstößen ein. Dadurch fiel Schwarz wieder in einige alte Gewohnheiten zurück, als er wild hinterherging und viele einzelne Hände dabei schlug. Das Ganze zwar druckreich, aber dafür auch sehr offen, was ihm eine Rechte von Mezencev einhandelte. Dennoch auch die Dritte bei Schwarz. Aber er musste hier aufpassen, seine Linie nicht ohne Not zu verlassen.

Schwarz siegt, doch einige Altlasten sind noch auszuwetzen

In der Vierten wurde es ein offenerer Schlagabtausch. Schwarz weiterhin mit den augenscheinlicheren Akzenten. Ein-, zweimal konnte er Mezencev im Vorwärtsgang unter Druck setzen. Doch es schlich sich abermals das alte Bild ein, dass der Gegner dann klammern und Schwarz teilweise an die Seile drehen konnte. Soweit gewann Tom Schwarz zweifelsohne die Runden, doch die taktisch klare Dominanz aus den ersten beiden Runden war nicht mehr ganz gegeben. Mezencev arbeitete phasenweise gegen den Körper, wenn Schwarz die Ohrenschützer anzog. Etwas, was Mezencev in der Fünften einmal wiederholen konnte. Doch davon ab besann sich Schwarz nun wieder mehr auf seine Führhand und zwang seinen Mann, ohne sofort die Brechstange auszupacken, weiterhin in den Rückwärtsgang.

In der Sechsten war Mezencev dann richtig unter Druck und konnte sich gut und gerne die letzten zwei Drittel der Runde nur noch über Klammern retten. Das Ganze allerdings auch erleichtert durch die erneut durchbrechende Angewohnheit von Schwarz, zu ungestüm hereinzugehen und dabei viel Ausdauer zu lassen. Doch es sollte reichen! In der Pause zwischen den Runden gab die Ecke von Ilja Mezencev in Rücksprache mit ihm auf. Richtige Entscheidung, da dieser zum Ende der Sechsten nur noch latent orientiert wirkte. Das Pflichtprogramm war absolviert und es gab im Ansatz auch einige gute Aspekte, die sich bei Schwarz verbessert haben. Insbesondere die Führhand. Jedoch muss Schwarz etwas dosierter und smarter auftreten. Vor allem seine Neigung in den Mann zu stürmen, als wäre dieser ein harmloser Boxsack, muss er ablegen.

Peter Kadiru macht weiter seinen Weg

Danach wurde noch die Aufzeichnung eines weiteren Kampfes im Boxen Schwergewicht gezeigt: Peter Kadiru (4-0) gegen Andrei Mazanik (13-8). Sein Gegner aus Weißrussland ein Kämpfer vom Typ Glaskanone, der in der Vergangenheit zumeist durch KO gesiegt und verloren hatte. Mazanik arbeitete aus einer sehr engen Deckung heraus, zeigte aber zu Beginn durchaus eine gute Schlagfrequenz. Doch Kadiru brauchte nicht lange, um hier das Zepter in die Hand zu nehmen und seinen Gegner am rechten Auge zu zeichnen. Mazanik fast nur im Rückwärtsgang und ohne die nötige Gefahr im Konter auszustrahlen. Peter Kadiru immer wieder mit den besseren Treffern. In der Zweiten verfestigte sich diese Konstellation und der Weißrusse wurde einige Male schwer getroffen. Peter Kadiru mit guten Kombinationen und gutem Sinn für Distanz. Mazanik war hier klar im Hintertreffen. Allerdings forderte die Ecke von Kadiru anschließend, dass er sich mehr auf seine Führhände besinnen sollte.

Ungeachtet dessen legte Peter Kadiru in Runde drei etwas übereifrig los, was wiederum Mazanik einige Trotzreaktionen abverlangte, der selber mit Aufwärtshaken die Treffer suchte, jedoch zu selten fand. Kadiru gewann die Dritte letztlich durch seine bessere Zielauswahl, da er viel variantenreicher schlug und traf. Das Ganze dann auch etwas bedachter, wie es seine Ecke gefordert hatte. In der Vierten drohte Mazanik auf die Matte zu gehen, als er gegen die Seile taumelte. Allerdings zeigte der Weißrusse eine gute Reaktion, als Kadiru zu eifrig nachsetzte, drehte er ihn und erwiderte das Feuer. Das Meiste ging allerdings auf die Deckung von Kadiru. Diesem fehlte hier so ein wenig der Killerinstinkt. Nicht in puncto Eifer, sondern Timing. Sein Gegner war in der Vergangenheit wie gesagt nicht unbedingt durch ein starkes Kinn in Erscheinung getreten.

Doch Kadiru konnte ihn auch in Runde fünf, gleichwohl Mazanik sichtbar müde war, nicht an den Rand des KOs bringen. Die letzte Runde wurde dann ein wenig fahrig, als Kadiru ebenfalls müder wirkte. Doch bis auf ein, zwei Ausnahmen ließ er sich nicht verleiten, den KO zu jagen. Er gewann letztlich klar nach Punkten. Technisch eine abermals bemerkenswert reife Vorstellung vom 22-Jährigen Peter Kadiru. Cardio und Power werden wohl weiterhin auf der To-do-List stehen. Aber Kadiru hat Zeit und Talent auf seiner Seite. Nach dem Kampf gab er auch eine realistische Einschätzung seiner Leistung im Boxring ab und befand, nicht ohne Unrecht, dass er in der Frühphase des Kampfes zu viel Gas gegeben hatte und dadurch in den letzten beiden Runden nicht mehr die nötige Power aufbringen konnte.

Deines und Fress siegen jeweils via Körpertreffer in der Zweiten

Anschließend wurde die Aufzeichnung eines Kampfes im Boxen Halbschwergewicht geboten: Adam Deines (18-1-1) gegen Tschechiens Yevgenii Makhteienko (10-12). Ein Kampf angesetzt auf acht Runden. Makhteienko war hier ein klares Opferlamm. In Runde eins wäre es auch schon fast vorbei gewesen, als Makhteienko prompt zu Boden ging. Allerdings erwies sich, dass dieser eher ausgerutscht war. Deines dadurch jedoch mit Hummeln im Hintern, da er wild nachsetzte. Jedoch konnte Makhteienko im Kampf bleiben, ohne aber selber viel auszurichten. In Runde zwei war die Nummer jedoch schnell durch. Ein linker Haken des Rechtsauslegers Deines gegen die Flanke von Makhteienko zwang diesen ein Knie zu nehmen, von dem er nicht mehr rechtzeitig hochkam.

Als Absacker gab es einen Kampf im Boxen Cruisergewicht: Roman Fress (7-0) gegen Polens Michal Czykiel (2-0). Fress der Träger des deutschen BDB-Cruisergewichts-Titels. Auch dieser Kampf war auf sechs Runden angesetzt. Czykiel erwies sich durchaus als umtriebiger Gegner und bewegte sich viel. Doch Fress übernahm die Mitte und brachte immer wieder gute Aufwärtshaken mit der linken Führhand unter, da Czykiel nach seinen vereinzelten Händen, die er oft aber ungenau schlug, immer wieder abtauchte. Etwas, was Fress gut antizipierte und so den Führhand-Aufwärtshaken als probates Mittel etablieren konnte. Ferner waren die Hände von Fress schneller und er zeigte auch einige einfache, aber effektive Kombinationen. Czykiel flüchtete sich vor allem in viel defensive Beinarbeit, fand dadurch aber offensiv nicht in diesen Kampf.

In Runde zwei entglitt dem Polen das Match mehr und mehr. Roman Fress konnte immer wieder seine rechte Gerade und den rechten Haken hinter dem Jab verstecken. Kurz vor Schluss der Zweiten wurde dem Polen sein wiederkehrendes, betontes Abtauchen zum Verhängnis. Denn es war erneut ein linker Aufwärtshaken, der diesmal zur Seite von Czykiel traf und diesen zu Boden zwang. Er konnte den Count des Ringrichters nicht rechtzeitig erwidern und unterlag klar in diesem ungleichen Boxkampf.


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