Vorschau auf die Tour of Britain 2019 - Nils Politt mit Erfolgschancen

Vorschau auf die Tour of Britain 2019

Bildquelle: Robin Hoeks from Nijmegen, Netherlands [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Die Radsportsaison ist inmitten ihrer Schlussphase angelangt. Die Tour de France 2019 ist gefahren, vier der fünf Monumente des Radsports sind abgehakt und die Frühjahrsklassiker sind schon jetzt in leicht entfernter Erinnerung. Da heißt es: Den Radsport genießen, solange er noch in vollem Gange ist! Beispielsweise mit der Tour of Britain 2019, der Großbritannien-Rundfahrt.

Das Radrennen ist ein Bestandteil der UCI Europe Tour und existiert seit 2004, wobei es diverse Vorläufer gab, die bis 1945 zurückreichen. Doch da die Briten innerhalb der letzten Jahre enorm im Radsport zugelegt haben, ist diese Tour natürlich indirekt aufgewertet worden. Mit Julian Alaphilippe, Lars Boom, Dylan van Baarle, Bradley Wiggins, Edvald Boasson Hagen und Steve Cummings haben sich auch schon einige bekannte UCI World Tour Fahrer als Sieger des Rennens verewigt. Zwei davon, nämlich Steve Cummings (Dimension Data) und Dylan van Baarle (INEOS) werden auch dieses Jahr wider am Start sein. Los geht es am 07.09. in Glasgow.

Das Streckenprofil der Tour of Britain 2019

Erstmalig in seiner noch jungen Geschichte wird dieser britische Radwettkampf auf schottischem Boden seinen Anfang nehmen. Die Erste von acht Etappen (von Glasgow nach Kirkcudbright) wird dabei sogleich die längste sein und bringt es als Einzige auf knapp über 200 Kilometer. Dieser Tag dürfte den Ausreißern entgegenkommen, die hier naturgemäß nicht nur um den Etappensieg, sondern um die frühe Gesamtwertung fahren können. Denn nicht nur inmitten der Etappe lauern zwei Anstiege der zweiten Kategorie. Auch innerhalb der letzten 15 Kilometer geht es noch mal zu einer dritten Kategorie hinauf, ehe es in Abfahrt zum Ziel geht. Hier dürften den Sprintern wohl die Felle davon schwimmen.

Anders wird es in den Etappen Numero zwei und drei aussehen. Die zweite Etappe startet und endet in Kelso. Sie hat zwar ein recht hügeliges Profil, läuft aber über die letzten rund 26 Kilometer flach aus, sodass die Teams der Sprinter wieder zu gebührender Zeit die Kontrolle über das Rennen übernehmen dürften. Noch eindeutiger stellt sich dies am dritten Aktionstag von Berwick nach Newcastle dar. Eine absolute Flachetappe, die sich die schnellen Herren kaum nehmen lassen werden.

Auch auf der Insel gibt es Berge

Etappe Nummer vier führt über 173 Kilometer von Gateshead nach Kendal und ist eine der bergigen Angelegenheiten, die sich durchaus auch auf der Insel realisieren lassen. Der buchstäbliche Höhepunkt ist eine erste Kategorie nach 63,5 Kilometern. Aber auch danach bleibt die Etappe hügelig, was insbesondere zum Ziel hin zunimmt. Hier können Ausreißer glänzen und Lücken im Klassement geschlagen werden!

Die fünfte Etappe startet und endet in Birkenhead. Eigentlich eine flache Angelegenheit für die Sprinter möchte man meinen. Wäre da nicht eine kleine, gemeine dritte Kategorie nur vier Kilometer vor dem Ziel. Der Aufstieg ist zwar insgesamt noch nicht einmal einen Kilometer lang. Doch strategisch ist er ganz fies platziert, sodass starke Puncheure hier den reinen Sprintern zum Ende hin durchaus noch die Butter vom Brot klauen könnten.

Entscheidung im Einzelzeitfahren?

Etappe Nummer sechs ist ein individuelles Zeitfahren, das in Pershore ausgetragen wird. Mit 14,4 Kilometern ist es lang genug, sodass hier durchaus entscheidende Zeitabstände entstehen könnten. Durchaus möglich, wenn nicht gar wahrscheinlich, dass hier die Tour of Britain entschieden werden wird, wenn es heißt: ein Mann und sein Rennfahrrad gegen die Uhr!

 

 

Die siebte und vorletzte Etappe von Warwick zum Burton Dassett Country Park sieht dann wieder eher nach Dienst nach Vorschrift für die Sprinter aus. Doch sollten die Abstände im Gesamt-Klassement auch nach dem Zeitfahren noch überschaubar sein, könnte es sich begeben, dass hier sehr offensiv gefahren wird und die Sprinter in die Röhre schauen. Insbesondere weil einige kurze aber steile Anstiege im letzten Sektor durchaus Raum für späte Attacken bieten.

Die achte und letzte Etappe wird ganz sicher kein entspannter Ausflug zum Schampus schlürfen, wie man es von der Tour de France kennt. Es geht von Altrincham nach Manchester. Und es wird hügelig bis bergig. Etliche Hügel, zwei zweite Kategorien sowie mit dem Ramsbottom Rake eine erste Kategorie der kurzen, jedoch besonders steilen Art (Durchschnittsgradient: 8,8 %) stehen auf dem Programm. Zwar läuft die Etappe flach aus. Doch bis dahin werden etliche Lücken entstehen. Ausreißer auf der Jagd nach dem späten Etappenerfolg sowie Klassement-Fahrer unter Zugzwang könnten hier einen finalen Schlagabtausch forcieren!

Teilnehmerfeld und Favoriten der Tour of Britain 2019

20 Teams mit je sechs Fahrern sind mit dabei. Die Hälfte davon sind World Tour Teams. Bora Hansgrohe ist leider nicht mit dabei. Schade eigentlich. Denn für Sprinter gibt es hier Einiges zu holen. Das hat sich scheinbar auch bei den anderen Teams herumgesprochen, die einige bekannte Sprinter aufbieten. Darunter der Altmeister und notorische Tour de France Etappensieger Mark Cavendish (Dimension Data), Dylan Groenwegen (Jumbo-Visma), Englands Ben Swift (INEOS) sowie Tony Gallopin (AG2R) und Matteo Trentin (Mitchelton-Scott).

Favoriten auf den Gesamtsieg könnten die besten Zeitfahrer im Feld sein. Das Einzelzeitfahren am sechsten Aktionstag dürfte wie gesagt vorentscheidend sein. Da ist vor allem Jos van Emden (Team Jumbo-Visma) zu nennen. Er wurde dieses Jahr holländischer Landesmeister im Einzelzeitfahren. Ob er aber mit 34 Jahren auch noch stark genug ist, abseits des Zeitfahrens das Radrennen für sich zu entscheiden, ist fraglich. Das gilt allerdings nicht für seinen Landsmann Mathieu van der Poel (Corendon–Circus), der mit 25 Jahren schon beachtliche Siege auf dem Kerbholz hat. Darunter die diesjährigen Auflagen von Dwaars Door Vlanderen und dem Amstel Gold Race.

Auch der Ecuadorianer Richard Carapaz (Movistar), der die Vuelta 2019 verletzungsbedingt verpasste, ist hier mit dabei. Allerdings dürfte es wohl an den nötigen Bergankünften fehlen, damit dieser starke Kletterer hier seine Stärken voll ausspielen kann. Leider nehmen nur vier deutsche Radrennfahrer an diesem Wettbewerb teil. Doch der Bekannteste unter ihnen ist der deutsche Radsportler Nils Politt (Katusha Alpecin). Er ist selber durchaus kein schlechter Zeitfahrer und zu der offensiven Fahrweise fähig, die bei dieser Tour of Britain belohnt werden könnte. Er könnte durchaus den einen oder anderen Etappenerfolg ins Auge fassen! Die anderen deutschen Radrennfahrer sind Juri Hollmann (Katusha Alpecin), Philipp Walsleben (Corendon–Circus) und Florian Stork (Sunweb).


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