Juan Francisco Estrada siegt durch KO über Dewayne Beamon und verteidigt Titel

Estrada verteidigt seinen Titel gegen Beamon

Bildquelle: Mayito1005 [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Dank einer DAZN Boxen Übertragung aus dem Centro de Usos Multiples in Hermosillo, Sonora, Mexico gab es in einem boxerisch eher dürftigen Monat einen netten Kampfabend zu sehen. Dabei ging es quer durch viele unterschiedliche Boxen Gewichtsklassen. Dank einer Co-Promotion, die auch Kämpfer aus dem Hause Sauerland und Hearn umfasste, wurden Kämpfer von nah und fern eingeflogen.

Hauptkampf war eine Titelverteidigung von Boxweltmeister Juan Francisco Estrada, der zum ersten Mal seit Jahren vor heimischem Publikum auftrat und seinen WBC-Titel im Superfliegengewicht aufs Spiel setzte. Das Ganze gegen den US-Amerikaner Dewayne Beamon, der spät mit 26 Jahren zum Sport gefunden hatte und erst mit 30 Jahren Profi geworden war!

Schwacher Start im Federgewicht

Los ging es mit Irvin Turrubiartes (20-0) gegen Neil John Tabanao (17-6) im Boxen Federgewicht über zehn Runden. Ein etwas zäher Kampf, der letztlich über die Distanz ging. Und scheinbar auch ein Kampf, der sich erst spät ergab. So war er selbst zum Zeitpunkt seiner Austragung noch nicht auf Boxrec gelistet. Neil John Tabanao aus den Philippinen zeigte hier eigentlich die bessere Kondition, konnte diese aber nicht wirklich in die Waagschale schmeißen, da er offensiv fast über den gesamten Kampf hinweg zu wenig tat.

Oftmals schmiss der offensiv biedere Tabanao nur einzelne Hände und ließ seinen Gegner die Reichweite verwalten. Und das, obwohl dieser noch nicht mal wirklich über einen nennenswerten Jab verfügte und sichtbar lieber konterte, anstatt selber zu führen. Doch Tabanao verstand es nicht, aus den durchaus vorhandenen Limitationen seines Gegners, Kapital zu schlagen. Stattdessen ließ er zu, dass dieser nahezu den gesamten Kampf im eigenen Sinne pacen konnte und dadurch die absolute Mehrzahl der Runden immer nur mit wenigen Treffern stehlen konnte. Turrubiartes wirkte zum Ende hin müde und gewann eine verdiente aber irgendwie auch wenig schmeichelhafte Punktentscheidung. Ein etwas frustrierender Kampf!

Jono Carroll stellt sich stilistisch um

Es folgte Jono Carroll (16-1-1) gegen Eleazar Valenzuela (20-11-4) im Boxen Superfedergewicht. Für den Iren war es der erste Kampf in Mexiko. Dies natürlich eine Ansetzung gegen einen Journeyman, damit Carroll sich nach seiner Niederlage gegen Tevin Farmer wieder gesundstoßen konnte. Allerdings beides Boxer in diesem Kampf, die routiniert über die Distanz gehen konnten. Eine Abnutzungsschlacht stand in Aussicht. Und tatsächlich sah der mexikanische Außenseiter zunächst etwas besser aus, da er die Mehrzahl der klaren Treffer verbuchen konnte. Kein guter Start für Carroll! In Runde zwei landete Carroll dann deutlicher, der stilistisch hier mit Ankündigung etwas dosierter und taktischer auftrat, wie man es ehedem von ihm gekannt hatte.

Doch Valenzuela übte kontinuierlich Druck aus und aß gerne zwei Fäuste, wenn er selber eine landen konnte. Er landete durchaus mit Power und nutzte seine Reichweite, um von der Mitte aus kontinuierlichen Druck zu machen. Kein leichter Test für Carroll. Doch in Runde drei fand er besser in den Kampf, da er geschickter abdrehte, den Seilen schneller entging und viel über das Handspeed kam. Beste Runde soweit für Carroll! Ab Mitte des Kampfes wurde es eine Konstellation, in der Carroll Volumen und Schnelligkeit aufbot. Valenzuela dafür Toughness, Vorwärtsdrang und die größere Power. Letzteres stellte Carroll insbesondere in der Fünften vor Probleme, als er ein paar Mal klar getroffen wurde, da er nach eigenen Kombinationen erhobenen Hauptes dastand und die Reichweite des langarmigen Mexikaners unterschätzte. Ein paar Mal wirkte der nominelle Favorit aus Irland hier wirklich angefasst!

 

 

Valenzuela entpuppte sich als stilistisch undankbare Angelegenheit für Jono Carroll, der selber inmitten einer stilistischen Umstellung war und ganz bewusst aus der Defensive heraus agierte. In Runde sieben besann sich der Ire jedoch und investierte viel in Körpertreffer. Dies zeigte Wirkung! Die Arme von Valenzuela zum Ende der Runde hin deutlich weiter unten. Die Dividende dieses Vorgehens wurde in Runde acht offenbar. Die Power beim Mexikaner weg! Und auch die Körpersprache favorisierte den erfahrungsgemäß konditionell starken Jono Carroll. Der Kampf ging letztlich über die Distanz. Doch Valenzuela hatte nicht mehr die Power, Carroll hier noch zu gefährden. Gerechtfertigte Punktentscheidung zugunsten von Jono Carroll.

Giyasov mit einem Statement!

Und es ging die Leiter der Boxen Gewichtsklassen weiter nach oben. Shakhram Giyasov (8-0) aus Usbekistan gegen Kolumbiens Darleys Perez (34-4-2) im Boxen Superleichtgewicht. Giyasov mit einem immensen und exzellenten Amateurrekord von 300 Siegen! Perez demgegenüber ein Veteran des Profigeschäfts, der schon mit etlichen großen Namen im Ring stand und selber ein ehemaliger Champion war. Hier landete Shakhram Giyasov den wohl bislang besten Sieg seiner jungen Profikarriere. Früh in Runde eins, beide Männer tasteten einander ab, landete der Usbeke eine linke Führhand, die Perez direkt auf den Hosenboden schickte. Der Kolumbianer vollkommen verwirrt! Er hatte kein Interesse daran, rechtzeitig aufzustehen! Ein überdeutlicher Sieg gegen einen Gegner von Rang und Namen! Auch wenn Perez zweifelsohne im Zwielicht seiner Karriere ist – dies war ein beeindruckender Sieg!

Dieser unverhofft schnelle Sieg brachte den Zuschauern im DAZN Boxen Livestream einen Swing Bout ein! Das Ganze eine Angelegenheit im Boxen Supermittelgewicht zwischen zwei Kämpfern am Anfang ihrer Profikarriere: Alexis Espino (3-0) gegen Oscar Soto (1-1). Der Kampf angesetzt auf vier Runden. Beides natürlich Kämpfer, die noch recht ungeschliffen waren. Was den Kampf aber im Umkehrschluss auch interessant machte, da solche kurz und knapp gehaltenen Fights oft wild werden! Das war hier nicht anders. Beide körperlich in guter Verfassung. Runde eins ging an Espino, der anfangs etwas Probleme mit Sotos Reichweite hatte, dann aber die deutlicheren Treffer landete. Runde zwei ging dann an Soto. Espino machte es ihm etwas zu einfach, Führhände durch die Deckung hindurch zu feuern. Durchaus gute Wirkungstreffer für Soto!

Doch Espino sah zu Beginn von Runde drei körperlich beständiger und fitter aus. Zwar war er immer noch viel zu treffbar, was die bloßen Führhände des langen Soto anbelangte. Jedoch war nun deutlich mehr hinter den Händen von Espino. Dies rächte sich, als ein linker Haken von Espino einschlug, während Soto von den Seilen abdrehen wollte und die Hände unten hatte. Der Haken schlug voll ein und es war sofort ersichtlich, dass Soto hier nicht weitermachen konnte. KO in Runde drei für den weiterhin ungeschlagenen Alexis Espino!

Klasse Boxkampf zwischen Liam Smith und Mario Alberto Lonzano

Weiter ging es im Boxen Superweltergewicht, Englands Liam Smith (27-2-1) gegen Mario Alberto Lozano (33-9). Runde eins zwischen diesen beiden erfahrenen Kämpfern startete sogleich unterhaltsam. Liam Smith mit den akkurateren und klar erfolgreicheren Führhänden. Sein Jab war da für ihn. Doch Lozano erfahren genug, sich demgemäß nicht zu sehr auf einen taktischen Kampf auf Distanz einzulassen. Er fand immer wieder Gelegenheit, Smith nahezukommen und arbeitete früh zum Körper. Aber auch Smith mit guten Kombinationen im Nahbereich. Beide schenkten sich hier nicht viel! Lozano immer wider bestrebt, selber zu punkten (und oft auch damit erfolgreich) nachdem er getroffen worden war. Liam Smith war der Mann im Vorwärtsgang. Enge erste Runde, mit leichten Vorteilen für Smith, der hier allerdings in der Fremde kämpfte.

 

 

Rund zwei wieder eng. Dennoch dürfte die Führhand von Smith der entscheidende Punch geblieben sein. Lozano allerdings weiter mit Aufwärtshaken zum Körper aktiv, wenn sich die Gelegenheit ergab. In Runde drei wurde es dann ein grimmiger Inside-Fight. Beide nah aneinander, wobei Lozano meist mit den Seilen im Rücken war. Er suchte nach wie vor den Körper und fand ihn auch nicht selten. Doch Smith mit guten, augenscheinlichen Treffern zum Kopf. Aber der zähe Lozano, der noch nie ausgeknockt worden war, steckte die Schläge gut weg. Ein Kampf, in dem sich jetzt schon abzeichnete, dass hier der bessere Gastank entscheidend sein könnte. Auch wenn Smith nach Punkten soweit immer knapp vorne zu liegen schien.

Smith und Hrgovic gewinnen vorzeitig

In Runde vier wiederholte sich diese Konstellation. Lozano nahm aber nun die Position an den Seilen etwas zu bereitwillig hin, wodurch Liam Smith die Mehrzahl der Wirkungstreffer abermals für sich verbuchen konnte. Runde fünf musste man ebenfalls Liam Smith zugestehen, der zum Kopf einfach die klare Mehrzahl der Wirkungstreffer landete und mehr nach vorne ging. Dennoch blieb der Kampf spannend, denn Lozano steckte selbst deutliche, harte Treffer einfach weg und feuerte direkt zurück. Ferner besann er sich wieder und arbeitete abermals mehr zum Körper, was schon in den früheren Runden recht gut geklappt hatte.

In Runde sechs arbeitete Lozano dann entschlossen nach vorne. Auch wieder mit den Körpertreffern als Türöffner. Doch just, als man sich dazu durchringen konnte, ihm diese Runde zu geben, landete Smith einen Niederschlag! Ironischerweise, indem er seinerseits Körpertreffer landete und so eine Kombination einleitete, sodass Lozano runter aufs Knie musste! Die Uhr rettet ihn noch. Doch in Runde sieben musste der Ringrichter dazwischen gehen. Lozano zwar immer noch mit viel Herz gerade so im Kampf. Doch wurde er immer wieder deutlich getroffen und protestierte letztlich auch nicht, als der Ringrichter auf stehendes TKO entschied. Klasse Sieg für Liam Smith, der Lozano die erste Niederlage via KO zufügen konnte!

Weiter ging es mit dem Co-Main Event im Boxen Schwergewicht: Kroatiens Filip Hrgovic (8-0) gegen Mexikos Mario Heredia (16-6-1). Stilistisch war dies eine recht dankbare Ansetzung für den größeren, längeren Hrgovic. Heredia erfahrungsgemäß jemand, der gegen Gegner mit Reichweitenvorteil immer Probleme gehabt hatte. Und eben diese Konstellation war hier gegeben. Heredia fand einfach keinen Weg vorbei am Jab und den Geraden von Hrgovic. Runde eins klar beim Kroaten. In Runde zwei fand der Mexikaner wenigstens sporadisch Erfolg, als er einige Male überbrücken und zum Körper treffen konnte. Dennoch die klare Mehrzahl der Wirkungstreffer bei Hrgovic. In Runde drei zeigte sich, dass eine solche Konstellation im Boxen Schwergewicht nicht lange bestand behalten konnte. Heredia brach gegen die Seile ein. Nach einem Niederschlag befand ihn der Ringrichter nicht mehr als fähig, hier noch weiterzukämpfen.

Beamon erholt sich von schlechtem Start

Zeit für den Hauptkampf im Boxen Superfliegengewicht. Der WBC-Boxweltmeister in dieser Gewichtsklasse, Juan Francisco Estrada (39-3) musste gegen den Herausforderer aus den USA, Dewayne Beamon (16-1-1), ran. Beamon der augenscheinlich Athletischere der Beiden. Estrada natürlich erfahrener und technisch versierter. Der mexikanische Champion verlegte sich aufs Kontern. Enge erste Runde, die noch sehr von gegenseitigem Abtasten geprägt war. Beamon konnte sie jedoch mit einem Ansturm recht gut beenden. In Runde zwei startete Beamon nach frühen Erfolgen etwas übereifrig und wurde zweimal niedergeschlagen! Allerdings war die Schlagwirkung bei beiden Niederschlägen nicht wahnsinnig hoch gewesen, sodass er nicht wirklich viel Schaden nahm und umgehend protestierte. Jedoch konnte man dem Ringrichter hier nicht viel ankreiden, denn beide Male war Beamon unmittelbar nach Schlägen zu Boden gegangen. Dies natürlich eine schwere Hypothek auf den Punktzetteln.

In Runde drei verbesserte sich seine Situation nicht gerade. Im Gegenteil! Zwar beanspruchte Beamon zunächst die Ringmitte und machte Druck. Doch Estrada wich fast allem recht einfach aus, nahm dann selber die Mitte und forcierte den In-Fight. Beamon wirkte plötzlich angeklingelt und war phasenweise auf Gummibeinen. Das Ende lag in der Luft! Doch zu Beamons Ehrenrettung erholte er sich zwischen den Runden erstaunlich gut und konnte die vierte Runde gar eng gestalten. Wobei schwer zu sagen war, ob das nicht auch ein Stück weit daran lag, dass Estrada sich hier etwas zurückhielt und den Fuß vom Gas nahm. Doch in Runde fünf zeigte sich Beamon abermals wild entschlossen und landete durchaus einige gute Treffer. Dennoch blieb auch hier klar, dass Estrada technisch einfach versierter war. Auch wenn man diese Runde möglicherweise Beamon zugestehen musste. Estrada war extrem schwer zu lesen, was die Mimik anbelangte. Sein Ausdruck war in allen Situationen derselbe!

Estrada zunächst arrogant, dann eiskalt

In den Runden fünf und sechs zog Estrada dann etwas unangebracht eine Show ab. Denn Beamon fand auch in Runde sechs zurück in diesen Kampf! Beamon selber sprach kontinuierlich mit Estrada, zeigte sich von dessen Allüren wenig beeindruckt. Estrada musste aufpassen, dass er hier nicht zu nachlässig wurde. Noch führte er wohl und er war der technisch wesentlich schärfere Kämpfer. Aber er ließ hier leichtfertig zu, dass Beamon wieder munter wurde und an Zuversicht gewann. Und Beamon hatte die Schnelligkeit und Athletik, dass man ihn dennoch ernst nehmen musste. Runde sechs musste man ihm geben! Insbesondere weil Estrada Positionen an den Seilen einfach hinnahm. In Runde sieben stand dann alles, als Beamon aggressiv nach vorne ging, jedoch von Estrada wirkungsvoll mit der Rechten gekontert wurde. Doch gleichwohl Beamon sichtbar auf Schlittschuhen war, ging er nicht runter! Er schlug sogar weiter mit!

In Runde acht zeigte Beamon sich abermals bemerkenswert schnell erholt. Der Amerikaner scheinbar mit einer guten Konstitution gesegnet, schwierige Phasen, in denen er am Rande des KOs schien, einfach zu verschmerzen. Jedoch kam er in Runde acht dann wieder unter Feuer, als Estrada ihn traf und die Beine von Beamon einfach nicht mehr da waren. Dadurch war auch nicht mehr viel hinter seiner Gegenwehr, die er nach wie vor beherzt aufbot. Es wurde immer klarer, dass Estrada ihm einfach zu überlegen war. Der Kampf wirkt oberflächlich knapper, als er es eigentlich war. Das Herz konnte Beamon keiner absprechen. Jedoch entglitt ihm der Kampf in dieser Phase vollends. In Runde neun traf Estrada dann nach Belieben und der Ringrichter musste den Kampf abbrechen.


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