Ergebnisse und ausführlicher Bericht vom Boxabend in Leicester - Davies vs. Catteral

Boxabend in Leicester - Promoter Frank Warren

Bildquelle: By Vintagekits [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Los ging es mit einem Kampf im Super Federgewicht. Argentiniens Horacio Alfredo Cabral (21-2) gegen Englands Sam Bowen (13-0) um den vakanten WBO Inter-Continental Super Featherweight Titel. Der Kampf war auf zehn Runden angesetzt. In der Ersten übernahm Bowen direkt die Ringmitte und landete sogleich mit einer linken Führhand. Doch Cabral war von da an gewarnt und zeigte einige sehr gute Meidbewegungen mit dem Oberkörper.

Er timte Bowen gut, der immerzu mit voller Wucht schlug, und ließ ihn oft fehlschlagen. Die zweite Runde mit mehr Clinchs, beide Kämpfer bearbeiteten einander im Nahbereich. Doch Bowen mit den augenscheinlicheren Treffen. Cabral, der ein gutes Kinn mit in den Ring brachte, zeigte sich bislang wenig beeindruckt. Definitiv kein Fallobst Gegner! In der Dritten war Cabral weiterhin der Mann mit den geschmeidigeren Bewegungen.

Es schien, als ob er Sam Bowen provozieren und zu wilde Schlagkombinationen bringen wollte, um seinen Gastank zu leeren. Doch so geschmeidig Cabral auch war, er punktete selber zu wenig! Auch war nicht viel hinter seinen eigenen Schlägen. Schwer zu diesem Zeitpunkt zu sagen, ob der Argentinier hier eine Strategie verfolgte oder ob er einfach ein Bisschen zu arrogant war. In der Vierten setzte Cabral sogar noch eins drauf, als er Bowen in Clinch Situationen auf die Backe küsste. Doch derlei Allüren vergingen ihm spätestens, als Bowen einen massiven Körpertreffer zur Leber traf, der Cabral zu Boden schickte, wo er auch erst einmal eine ganze Weile blieb. Sieg für Sam Bowen! Man konnte sich des Gefühls nicht erwehren, dass der Argentinier eine wesentlich bessere Herausforderung dargestellt hätte, wenn er nicht so eine Show abziehen würde.

Feuertaufe für Adams Obe

Mexikos Isabel Millan (22-4-1) trat anschließend gegen die zweifache Olympiasiegerin Nicola Adams Obe (4-0) im Fliegengewicht der Frauen an. Auch dieser Kampf war über 10 Runden (á zwei Minuten) angesetzt. Zwischen den beiden Kämpferinnen herrschte ein unübersehbarer technischer Klassenunterschied! Adams Obe war als hochdekorierte Amateurin die wesentlich Schnellere der beiden. Präzision und Handgeschwindigkeit waren nicht zu vergleichen! Allerdings war es der erste Kampf von Adams Obe über 10 Runden. Zu Beginn zahlten sich die technischen Vorteile von Adams Obe voll aus und sie bewegte sich nach Belieben im Ring und führte ihre Gegnerin vor.

Doch so limitiert Millan war, so wild entschlossen war sie auch! In (boxerisch) mexikanischer Reinkultur marschierte sie vorwärts wie Störtebeker und schmiss dabei nur wilde Haken. Allerdings tat sie das ohne Unterlass und über die volle Dauer des Kampfes! Nicole Adams Obe drohte zwischendrin, sich von diesem permanenten Druck überwältigen zu lassen und gab die vierte und fünfte Runde an die Mexikanerin ab. Danach wurde es wieder enger und Adams Obe akklimatisierte sich vollends, als sie wieder, wie zu Beginn des Kampfes, die weit klareren Treffer anbringen konnte. Der Kampf ging über die Distanz und Adams Obe, die laut eigener Aussage der Lomachenko der Frauen werden will, war um einen Sieg und eine gute Lernerfahrung reicher.

Dubois siegt gegen einen Golem

Es folgte ein Kampf im Schwergewicht: Kevin Johnson (32-10-1) gegen Daniel Dubois (8-0) – angesetzt für zehn Runden. Dubois, mit gutem Volumen für ein Schwergewicht, arbeitete viel und zeigte eine gute Kondition, ist aber auch noch 21 Jahre jung. Der erfahrene Journeyman Johnson verbrachte die meiste Zeit an den Seilen, machte es aber seinem jungen Gegner eminent schwer, wirkungsvolle Treffer anzubringen. Hier zeigte sich, warum Johnson trotz eines beachtlichen Resümees an technisch weit stärkeren Gegnern (Klitschko, Charr, Chisora, Pulev etc.), nur zweimal ausgeknockt wurde. Der Veteran verstand es gut, den Schlägen des Youngsters ihren Stich zu nehmen, indem er mit den Schlägen rollte und so zwar oft getroffen, aber nicht wirklich davon beeinträchtigt wurde. Johnson baute wohl darauf, dass Dubois, der vorher noch nie weiter als bis in die Fünfte gehen musste, sein Pulver verschießen würde.

Er opferte dementsprechend eine Runde nach der anderen, denn offensiv fand Johnson so gut wie überhaupt nicht statt, sondern er igelte sich effektiv an den Seilen ein. Tatsächlich gab es dann ab der Sechsten etwas mehr Output von Johnson, als Daniel Dubois tatsächlich etwas weniger Volumen brachte. Doch der Youngster teilte sich seine Kräfte gut genug ein, sodass Johnsons Rechnung nicht aufging. Der Kampf ging dergestalt über die volle Distanz, auch wenn Johnson im Kampfverlauf dann etwas mehr Offensive zeigte, was aber eingedenk seiner nahezu untätigen ersten fünf Runden auch keine große Kunst war. Ein zäher Kampf für die Zuschauer, doch eine gute Lernerfahrung für Dubois, der gegen einen wenig ambitionierten aber doch bewundernswert resilienten und defensiv geschickten Veteranen erstmalig die Distanz gehen musste.

Catteral siegt in einem ereignislosen Kampf

Dann stand Ohara Davies (18-1) gegen Jack Catteral (22-0) um den WBO Inter-Continental Super Leichtgewicht Titel auf dem Programm. Der Kampf war auf 12 Runden angesetzt. Dies war nominell der Hauptkampf des Abends, auch wenn es nicht der Letzte sein sollte. Los ging es mit einer engen ersten Runde, in der keiner wirklich seine Distanz finden konnte. Beide sehr verhalten. Davies auf seiner schweren Rechten sitzend. Nichts wirklich Eindeutiges, um diese beiden voneinander zu trennen. Auch die nächste Runde bot nicht viel Erhellendes. Davies wartete auf eine Gelegenheit, seine Rechte abzufeuern, die sich nicht ergab. Und Catteral wartete darauf, eine Rechte zu kontern, die nicht kommen wollte. Beide, insbesondere Davies, mit einem wirklich weiten Stand, wodurch das Match auf großer Distanz stattfand, so ein wenig die Textur eines zurückhaltenden aber angespannten Grabenkampfes bekam.

Der Boxkampf blieb weiterhin zögerlich. Davies allerdings mit einem klaren Reichweitenvorteil, doch beide zu weit voneinander weg und schnell genug, sodass dies keine große Rolle spielte. In der Fünften dann leichte boxerische Vorteile für Catteral - allerdings ohne dass sich die Textur des Kampfes ernsthaft änderte. Es war im Wesentlichen ein distanziertes Geplänkel zwischen zwei Führhänden und Führbeinen, wobei Davies auffallend oft auf den Fuß von Jack Catteral trat. Ein Kampf, der eher an der Konzentration als an der Kondition der beiden Kontrahenten zehrte. Erst ab Runde sieben trauten sich beide etwas mehr. Dennoch blieb der Kampf ein Albtraum für jeden Kampfrichter, da die meisten, wenn nicht gar alle Runden, sehr knapp waren. Catteral blieb der starken Rechten von Davies so fern, wie er es nur konnte, Davies hatte wiederum zu viel Achtung vor Catteral, um die rechte Hand zu forcieren.

Die Achte wiederum absolut nichtssagend. Der Kampf wurde auf so langer Distanz ausgetragen, dass die Beiden sich auch hätten, mit Pfeil und Bogen bekämpfen können. Kleine Ausfallversuche in der Neunten von Catteral. Doch der Kampf weiterhin trocken wie Knäckebrot. Die Distanz war einfach zu lang für Davies Rechte und Catteral nutzte seine starke Linke, um seinen Kiefer bedeckt zu halten. Beide weiterhin mit weitem Stand und technisch zu stark, um von Führhänden überrumpelt zu werden, die so viel Distanz überbrücken mussten. Entsprechend war es ein Match zwischen zwei einarmigen Fechtern, die am Leben hingen. Catteral etwas offensiver. Ein enttäuschender Kampf, weil klar ersichtlich war, dass beide es besser könnten. Doch stilistisch hoben sie sich einfach total auf, sodass der Kampf vorhersehbar und auf gleichbleibender Frequenz stattfand. Caterall gewann den Punktentscheid nach 12 langen Runden, da er etwas schneller und akkurater war.

Super Main Event entschädigt voll und ganz!

Im letzten Kampf des Abends zwischen Archie Sharp (13-0) und Leon Woodstock (11-0) ging es um den WBO European Super Featherweight Title. Der Kampf war auf zehn Runden angesetzt. Beide Kämpfer kamen mit lautstarkem Fan-Anhang angereist, sodass die kleine Arena zum Hexenkessel wurde! Schon die ersten zwei Runden des Hauptkampfs produzierten mehr Action als die Zwölf des vorangegangenen. Sharp präsentierte sich als guter Konterboxer und landete zu Ende der Ersten einen Niederschlag. Doch Woodstock erholte sich gut und der Niederschlag war auch nicht übermäßig hart. Sharp daraufhin mit großem Selbstbewusstsein. Durch seinen ausgiebigen Amateurhintergrund war er sehr versiert. Doch Woodstock alternierte geschickt darin, wahlweise zu lauern oder selbst Druck zu machen. Ein Kampf, der beiden Kontrahenten folglich große Alarmbereitschaft abverlangte.

Immer wieder klasse Meidbewegungen und bewegliche Beinarbeit von Sharp, der Bonusmeilen im Ring sammelte, doch immer wieder mit seinen Kontern für Gefahr sorgen konnte. Woodstock musste nun aufpassen, dass Sharp nicht in diesem Rhythmus verleiben konnte. Doch genau danach sah es nach der Vierten aus. Woodstock musste einen Weg finden, smarter Druck aufzubauen und den Ring entzwei zu schneiden. Und Woodstock ging nach vorne, fand es jedoch schwer, Sharp zu stellen, der sich keineswegs nur aufs Kontern verlegte sondern phasenweise auch nach vorne ging.

Der Kampf wurde wilder! Aber die technischen Vorteile immer noch bei Sharp. Kraftvolle Körpertreffer von Sharp, der mit harten Haken zum Körper grub! Doch Leon Woodstock, mit unnachgiebigem Vorwärtsdrang, sorgte auch nun vermehrt für Gefahr. Jedoch konnte er nicht mit letzter Konsequenz verhindern, dass Sharp anfing, Spaß an dieser Sache zu entwickeln, was dessen technische Überlegenheit umso mehr gewichtete. In der Achten war der Druck nun ganz klar auf Woodstock. Auch diese achte Runde brachte nonstop Action! Beide tauschten Schlag für Schlag! Doch die Initiative, wo der Kampf ausgetragen wurde, ging überwiegend von Sharp aus.

Auch in der Neunten traten beide aufs Gas! Sharp weiterhin mit den klareren Wirkungstreffern und der technischen Überlegenheit, doch Woodstock verkaufte seinen Skalp nur sehr teuer. Zehnte und letzte Runde! Woodsock startete, wie in den Runden zuvor, stark! Mehrfach zwang er Sharp an die Seile und konnte ihn dort mit Treffern übersäen. Doch Sharp, keineswegs passiv, hielt zu jeder Sekunde dagegen und beendete die Runde stark. Archie Sharp gewann mit drei Runden Vorsprung! Eine angemessene Entscheidung in einem super Kampf, der für viele einseitige Stinker unter den vorangegangenen Kämpfen entschädigen konnte.

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