Andrew Cancio sichert sich WBA-Titel nach Sieg über Alberto Machado

Bericht zum Fight Abend der Golden Boy Promotions in Kalifornien

Bildquelle: DEWALT POWER TOOLS FIGHT NIGHT CLUB 2010 [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Aus dem Fantasy Springs Casino in Indio, Kalifornien bot Golden Boy Promotions einen Boxabend mit gleich zwei Weltmeistertiteln auf dem Menü. Via DAZN gab es das Boxen für Nachteulen auch hierzulande zusehen. Wer einschaltete, konnte sich über den einen oder anderen starken Box Kampf heute Nacht freuen. Starke Ansetzungen, die größtenteils auch absolut lieferten. Dabei durchaus die eine oder andere Überraschung! Zwar gilt im Boxen Schwergewicht als Maß aller Dinge, doch zeigten an diesem Abend die Leichtgewichte aus den unteren Gewichtsklassen, warum sie oft die mitreißenderen Kämpfer sind.

Der Reigen startete mit Lolito Sonsona (22-2-4/Philippinen) gegen Azat Hovhannisyan (15-3/Armenien). Ein intensiver Kampf im Super-Federgewicht, der mit enormem Output geführt wurde, insbesondere von Hovhannisyan. Er konnte Sonsona immer wieder an den Seilen stellen und dieser nahm diese Position viel zu passiv hin.

Denn immer in diesen Situationen ging Hovhannisyan mit harten Schlägen zum Körper und zum Kopf zu Werke. Hovhannisyan übrigens keiner, den es schreckte, am Rande der Verwarnung zu agieren. Zweimal schlug er tief. Beim zweiten Mal sogar mehrere Male hintereinander. Ebenso mogelte er auch beim Break durch den Ringrichter noch den einen oder anderen Schlag unter.

Sonsona hielt wacker bis zur fünften Runde durch und es blitze auch immer wieder auf, dass er hier wesentlich besser aussehen hätte aussehen können, wenn er sich nicht so oft in die Seile hätte drängen lassen. Doch in der Fünften waren es zwei Niederschläge gegen den Körper, die Sonsona aus dem Kampf beförderten. Hovhannisyan hatte quasi jede Runde gewonnen, jedoch vollkommen vertretbar zwei Punkte wegen der Tiefschläge abgeben müssen.

Dicke Überraschung durch Außenseiter

Auch der nächste Kampf im Super-Mittelgewicht (auf acht Runden angesetzt) entpuppte sich als intensive Angelegenheit. Tureano Johnson (20-2) traf auf den Mexikaner Fernando Castaneda (26-13). Dieser erwies sich als keineswegs so großer Außenseiter, wie es seine Kampfbilanz nahelegte. Zwar startete Johnson stark, doch noch in Runde eins kam der Mexikaner zurück! Er war hier nicht hergekommen, um sich abfrühstücken zu lassen. Wann immer der Kampf in den In-Fight ging, war es ein offener Schlagabtausch. Ein Szenario, das sich häufig ergab. Stirn an Stirn tauschten die beiden Schläge aus. Sehr zum Ärger des Coaches von Johnson, der in der Ecke immer wieder an seinen Schützling appellierte, sich doch nicht auf diese In-Fights mit Castaneda einzulassen. Und tatsächlich war Johnson immer dann am besten, wenn er zwar druckvoll nach vorne ging, aber gleichzeitig seine Distanz zum Mexikaner verwaltete. Doch im In-Fight war hier alles offen! Das wusste auch der Mexikaner. Johnson brachte jedoch in diesen häufigen und ruppigen Schlagabtauschen immer wieder krachende Aufwärtshaken unter. Der Mexikaner antwortete bevorzugt mit harten Linken gegen den Kopf des Amerikaners. Ein spannender Kampf!

Bis in die Fünfte war der Kampf weit offen. Man konnte dem Mexikaner durchaus ein bis zwei Runden zugestehen und wieder andere waren sehr eng. Doch dann bekam Johnson von seinem Coach zwischen Runde fünf und sechs die Wacht angesagt. Er bedrängte ihn, seine Führhand wieder zu etablieren und nicht einen Kampf zu kämpfen, den Castaneda mit Kusshand annahm. Doch alle Ansagen waren vergebens. Johnson wollte diesen Kampf. Castaneda wollte ihn, die Fans wollten ihn – also gab es ihn auch. Johnson konnte sich in den In-Fights mehr und mehr Anteile sichern, weil er akkurater wurde. Der Mexikaner jedoch immer noch in diesem Kampf. Erst in der Siebten hörte Johnson endlich auf seien Ecke und nutzte seinen Reichweitenvorteil. Sogleich veränderte sich die Textur des Kampfes komplette. Johnson nun klar im Fahrersitz. Johnson jedoch immer wieder eine Spur schlechter, wenn er in die Rechtsauslage wechselte. In der Achten feuerte Castaneda noch mal aus allen Rohren! Auch Johnson mit guten Treffern. Möglicherweise der Kampf des Abends! Und es wurde ein Split-Draw! Ein Unentschieden! Durchaus angemessen und ein toller Achtungserfolg für den Außenseiter aus Mexiko.

Auch Estrella siegt als leichter Außenseiter

Als Nächstes folgte ein Kampf im Leichtgewicht (angesetzt auf zehn Runden und eine rein mexikanische Angelegenheit). Adrian Estrella (28-3) traf auf Oscar Duarte (15-0-1). In der Ersten kamen fast alle Schläge von Estrella, der seine Distanz suchte. Duarte suchte hingegen sein Timing und lauerte in der Ringmitte. Die Erste ging folglich an Estrella, weil er einfach aktiver war. Ansonsten ein verhaltener Start, der noch nichts Zwingendes aussagte. Auch die Zweite konnte Estrella allein aufgrund von Volumen für sich verbuchen, gleichwohl das Meiste auf die Deckung ging. Duarte einfach zu inaktiv. Erst in der Dritten zeigte Duarte die gebotene Dringlichkeit, indem er versuchte, seinen Mann zu stellen und einzudecken, wodurch er Initiative übernahm und mehr landete. Doch Estrellas Jab war bereits sehr etabliert und auch in der Dritten konnte er damit punkten. Eine enge Runde, die man so oder so bewerten konnte. Duarte fing nun vermehrt an, in Körpertreffer zu investieren. Allerdings folgt er seinem Mann phasenweise zu gradlinig, anstatt den Ring effektiv kleinzumachen und Estrella mit lateralen Bewegungen den Weg abzuschneiden. Dadurch auch die Vierte wieder eng. Duarte tat mehr als in den ersten beiden Runden, doch tat er genug?

Die Fünfte dann die beste bislang für Duarte, dem es nun gelang, Estrella immer öfter an den Seilen zu stellen und klare Treffer zu landen. Estrella mit einem Cut, der ihn jedoch nicht zu sehr zu behindern schien. Die Sechste war wieder eng, doch Duarte blieb nun aktiv und versuchte immer, wieder Estrella zu stellen. Doch Estrella klar mit der akkurateren Führhand. In der Sechsten zeigte Estrella gute Meidbewegungen und pendelte immer wieder aus schlechten Situationen an den Seilen heraus. Duarte folglich wieder etwas zu begnügt damit, seinem Mann gradlinig und berechenbar nachzustellen, anstatt den Ring effektiv abzuschneiden. Dadurch Estrella wieder mit mehr Anteilen. Die restlichen Runden verliefen ähnlich. Duarte zwar mit der offensiven Entschlossenheit, doch Estrella einfach effektiver, was das Volumen anbelangte. Letztlich tat Estrella auf diesem Wege genug, sodass ihm die Split-Decision zugesprochen wurde. Völlig vertretbar. Estrella hatte hier eine defensiv solide Vorstellung gezeigt und war einfach effektiver. Er konnte als nomineller Außenseiter verdient gewinnen.

Souveräner Sieg für Diaz, Vargas getestet

Es folgte ein Kampf im Super-Federgewicht. Charles Huerta (20-5) traf auf Joseph Diaz Jr. (27-1). Zwei Amerikaner mit lateinamerikanischen Wurzeln. Dies der erste wirklich einseitige Kampf des Abends, gleichwohl auch er die Distanz ging. In Joseph Diaz setzte diesmal sich der anerkannte Favorit klar und deutlich durch. Zwar waren die ersten ein, zwei Runden eng. Doch Diaz, der als guter Body Puncher bekannt ist, erhöhte sukzessive den Druck und riss den Kampf konditionell an sich. Huerta war ab der Mitte dieses auf zehn Runden angesetzten Kampfes zunehmend abgemeldet. Diaz ertränkte ihn einfach mit Volumen! Das Punkturteil fiel am Ende entsprechend eindeutig aus und es gab nicht wirklich etwas daran zu rütteln. Diaz hatte hier ab Runde drei so ziemlich jede Runde gewonnen. Entsprechend klar sahen ihn die Punktrichter vorne.

Weiter ging es mit einem der sportlich wohl spannendsten Kämpfe des Abends (vier Sterne auf boxrec.com): Franklin Manzanilla aus Venezuela (18-4) forderte Rey Vargas aus Mexiko (32-0) um dessen WBC-Super-Bantamgewicht-Titel heraus. Der Kampf zwischen diesen beiden großen und langen Super Bantamgewichten sofort intensiv. Vargas investierte schon ab Runde eins viel in Körpertreffer, die er mit schnellen Händen auch von weit außen landen konnte. Doch war es zunächst der Herausforderer aus Venezuela, der dem Kampf seinen Stempel aufdrücken konnte. Zwar nahm Vargas mit mehr Genauigkeit die erste Runde. Doch wann immer Manzanilla ihm an den Seilen zu nahe kam, legte er los wie eine brennende Kettensäge! Dies resultierte in Runde drei in einem Niederschlag gegen den Champion, nachdem Manzanilla nach dem Break eine starke Hand zum Kopf landen konnte. Doch Vargas war bekannt für seine gute Regeneration. Denn gleichwohl er ungeschlagen war, landete er auch in der Vergangenheit schön des Öfteren auf dem Hosenboden. Dennoch musste er die dritte Runde mit Haken und Ösen operieren, um hier im Kampf zu bleiben!

Schmeichelhafte Punktentscheidung für Vargas

In Runde vier und fünf tat Vargas dann tatsächlich, was er in der Vergangenheit schon des Öfteren getan hatte. Er kam mit Entschlossenheit zurück! Und immer wieder landete er Körpertreffer. In Runde vier gelang es ihm, Manzanilla beinahe niederzuschlagen. Doch der Mann aus Venezuela mit klasse Standvermögen! Ab Runde sechs enteilte Vargas langsam aber sicher, da er mehr Volumen verbuchen konnte. Manzanilla zwar immer noch mit dem Niederschlag in der Zweiten im Rücken und mit einer guten Physis. Doch boxerisch war Vargas in diesem Kampf einfach präsenter, landete mehr und deutlicher. Der Kampf nach Punkten zu diesem Zeitpunkt jedoch fraglos eng. Manzanilla tat sich jedoch keinen Gefallen damit, als er in Runde sieben so ein wenig die Nerven verlor und schlug, während er klammerte, was ihm schon früh einen Punkt Abzug einbrachte. Überdies ein Cut bei Vargas nach einem unbeabsichtigten Kopfstoß.

Das Tempo ungebrochen hoch. In der Achten foulte Manzanilla abermals, als er Vargas den Rücken zudrehte, um die legalen Ziele zu verstecken. Schon wieder ein Punkt Abzug! Manzanilla setzte sich nun erheblich mehr unter Druck, als er es ohnehin schon war. Manzanilla folglich mit viel Hektik nach vorne, was in einem weiteren Cut für Vargas resultierte. Vargas wurde hier kämpferisch wirklich getestet! Manzanilla nahm die Achte mit seinem Druck. Die letzten Runden alle sehr eng, was es umso ärgerlicher für Manzanilla machte, dass er seinen Niederschlag quasi mit zwei Fouls auf den Punktzetteln egalisiert hatte. Am Ende gewann Vargas eine etwas schmeichelhaft eindeutige Punktentscheidung. Manzanilla hatte ihm hier alles abverlangt und das war auf den Punktzetteln nicht adäquat wiederzuerkennen.

Andrew Cancio zeigt Herz und siegt in der Vierten über Machado

Zeit für den Main Event! Ein weiterer Titelkampf. Es ging um den WBA-Titel im Super-Federgewicht. Der Amerikaner Andrew Cancio (19-4-2) traf auf Puerto Ricos Alberto Machado (21-0). Hier setzte es einen Upset und klasse Comeback-Sieg für den Herausforderer Andrew Cancio, der Alberto Machado seine erste Niederlage zufügen und dessen Titel erobern konnte! Dabei startete “El Explosivo“ aus Puerto Rico gerade so, wie es sein Spitzname vermuten ließ, als er Cancio bereits in der Ersten mit einem Haken zum Kopf traf, während dieser vornübergebeugt war. Cancio ging zu Boden und nahm nahezu den vollen Count, ehe er wieder aufstand. Auch die Zweite konnte Machado für sich entscheiden.

Doch ab der Dritten reagierte Cancio genau richtig, indem er rigoros nach vorne ging und wahnsinnigen Druck machte. Er wusste, dass Machado drohte, ihm auf den Punktzetteln zu enteilen. Mit Druck und guten Treffern im In-Fight nahm er diese dritte Runde und meldete sich zurück im Kampf. In der Vierten änderte sich die Textur des Kampfes vollends. Cancio nun sowohl im In-Fight als auch mit der Führhand erfolgreich. Machado schien beeindruckt! Plötzlich er es, der nach einem schweren Körpertreffer in die Knie musste. Kurz danach beförderte ihn ein weiterer Körpertreffer zu Boden. Nur knapp schlug Machado den Count des Offiziellen! Cancio wusste nun, was die Stunde geschlagen hatte. Ein weiterer Körpertreffer beförderte Machado fast durch die Seile! Kampfabbruch und Sieg für Cancio vor heimischer Kulisse! Er gewann hier einen Kampf, der alles Andere als gut für ihn angefangen hatte! Ein echtes Rocky-Comeback innerhalb von vier Runden!


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