Die "stärkste 3. Liga" - Alles steht auf dem Kopf

Überblick zur Situation in der 3. Liga

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Nach dem 6. Spieltag kann man davon sprechen, dass die sportlichen Konstellationen, welche die Saison 2018/2019 prägen könnten, langsam aber sicher an Gestalt gewinnen. Und wer auch immer die wohl prägendsten Entwicklungen soweit vorhergesehen hat, dem möchte dieser Autor hier persönlich die Hand schütteln. Denn der Saisonstart dieser verrückten 3. Liga hat die Prognosen zu 80% Lügen gestraft!

Es scheint, dass die Kräfteverhältnisse in der viel beschworenen “stärksten 3. Liga aller Zeiten“ etwas anders gelagert sind, als im Vorfeld angenommen. Sehr viel anders! Ging es vor Saisonstart um die favorisierten Teams der Saison, so wurden vor allem vier Vereine immer wieder hoch gehandelt:

 

 

  • Der 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig waren als Absteiger aus der zweiten Liga in der Favoritenrolle quasi automatisch gesetzt.
  • Der Karlsruher SC scheiterte in der letzten Saison erst in der Relegation und konnte seinen Kader weitgehend halten. Naheliegend, dass da die Chancen für diese Saison als vielversprechend eingeschätzt wurden.
  • Der KFC Uerdingen mag erst in die 3. Liga aufgestiegen sein. Ein spendabler Investor aus Russland, Mikhail Ponomarev, will aber ganz nach oben. Wie ernst es ihm dabei ist, sieht man an Zugängen wie Stefan Aigner, Weltmeister Kevin Großkreutz oder dem ehemaligen Liverpooler Jungspieler und deutschen Junioren Nationalmannschaftsspieler Samed Yesil, der erst kürzlich erworben wurde.
  • Zum erweiterten Favoritenkreis konnte man die souveränen Aufsteiger von 1860 München nennen, deren Anspruch in der 3. Liga gewiss nicht erfüllt ist. Außerdem noch Hansa Rostock und Wehen Wiesbaden, die letzte Saison lange oben mitspielen und ihre Schlüsselspieler halten konnten.

KFC Uerdingen mit spektakulären Transfers

Kevin Großkreutz heuert beim KFC Uerdingen an

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Doch es kam ganz anders. Blicken wir von oben nach unten. Der KFC Uerdingen steht mit sehr effizienten 8:5 Toren auf Platz zwei und hat nur eine Niederlage gegenüber vier Siegen hinnehmen müssen. Zeigt sich der Klub wirtschaftlich ausschweifend, so herrscht auf dem Feld hingegen eher nüchterner Minimalismus mit annähernd maximaler Punkteausbeute. Auf Rang vier steht mit 1860 München einer der erweiterten Favoriten.

Der souveräne Aufsteiger der Vorsaison konnte den Schwung mitnehmen und scheint sich den Durchmarsch zuzutrauen. Aber ob der Atem dafür lang genug ist, bleibt abzuwarten. Mit 13 erzielten Toren sind die 60er, neben den Würzburger Kickers, soweit das torgefährlichste Team der Liga!

Dann muss man jedoch ungläubigen Blickes weit die Tabelle heruntergehen, um die anderen “Favoriten“ zu finden. Auf Rang 11 dümpelt Hansa Rostock herum. Keineswegs hoffnungslos! Doch mit 9:12 Toren, drei Siegen und drei Niederlagen ist Hansa Rostock weder hüben noch drüben und klar von der Form entfernt, die über weite Strecken der Vorsaison an den Tag gelegt wurde.

Karslruher SC erneut mitten in einem Drama?

Der KSC droht derweil ein Trauma zu wiederholen. Denn es wäre nicht die erste Saison, in der die Karlsruher nach einer gescheiterten Relegation heftig zu straucheln beginnen. In der 2. Liga (2015/16) erging es ihnen schon einmal so. Ebenso tut sich der KSC beim diesjährigen Versuch, die Spitze abermalig zu erklimmen, nachdem man so knapp gescheitert war, schwer. Auf Rang 14 mit vier Unentschieden und mageren 5:6 Toren ist es soweit eine höchst indifferente Vorstellung, die der Karlsruher SC bislang abgeliefert hat.

Nicht besser und möglicherweise noch schockierender ergeht es derzeit dem FCK. Den roten Teufeln hat die 3. Liga soweit gehörig die Hörner gestutzt. Daran ändert auch ein für die 3. Liga sagenhafter Zuschauerschnitt von knapp über 30.000 Fans nichts. Der FCK steht auf Rang 15. Einen Rang hinter den Derby-Rivalen aus Karlsruhe. Man trennte sich bezeichnenderweise in dieser Hinrunde mit 0:0. Drei Unentschieden und zwei Niederlagen aus sechs Spielen unterstreichen so einiges – nur keinen Favoriten-Status! Der chronisch unruhige Betzenberg droht zu beben. Und wie es so oft zuletzt der Fall war, aus sehr unerfreulichen Gründen.

Wehen Wiesbaden kassiert die meisten Gegentore

Stadion von Wehen Wiesbaden

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Noch desolater ist es um die im Vorjahr noch so soliden Wiesbadener bestellt. Der SV Wehen Wiesbaden hat zwar neunmal genetzt, ist aber mit schon 14 Gegentreffern die Schießbude der Liga – und auf Rang 18, einem Abstiegsplatz!

Aufmerksame Leser mögen sich jetzt fragen: „Was ist den mit dem anderen Absteiger aus der 2. Bundesliga, Eintracht Braunschweig?“ Die sind drauf und dran, ihren Status als Absteiger zu zementieren und jenen als Favorit einzumotten. Sieglos und mit drei Niederlagen stehen sie auf Rang 20, dem letzten Tabellenplatz! Bei ihnen läuft soweit gar nichts zusammen!

So langsam aber sicher ist es ausgerechnet die Mehrzahl der zunehmend vermeintlichen Favoriten, die sich sorgen um die Tatsache machen muss, dass es ab dieser Saison vier Abstiegsplätze in der 3.Liga gibt. Also fast Platz genug für alle!

Unterhaching überraschend an der Spitze

Wo Favoriten reihenweise straucheln und teils durch Komplettausfälle verblüffen, da ist es mit Unterhaching eher ein Überraschungskandidat, der Initiative gezeigt hat und nun an der Tabellenspitze steht. Die Spielvereinigung Unterhaching konnte letztes Jahr einen unaufgeregten Klassenerhalt hinlegen und flog dementsprechend auf dem Transfermarkt unter dem Radar. Das Ergebnis ist eine gewachsene, eingespielte Mannschaft, die vor Zuversicht strotzt und den besten Start hinlegen konnte.

Ungeschlagen stehen sie folglich auf Platz 1. “Ungeschlagen“ - ein Prädikat, das sonst nur für den VFL Osnabrück gilt. Der Fast-Absteiger aus dem Vorjahr findet sich hocherfreut auf Rang drei wieder. Tja, wenn die Favoriten es nicht machen, dann machen es eben Andere!

3. Liga