Primoz Roglic verteidigt eine gefestigte Führung bei der Vuelta a España 2019

Primoz Roglic führt bei Vuelta a España 2019

Bildquelle: Peter Edmondson from uk [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Blickte man nach dem ersten Ruhetag auf die Vuelta a España 2019 zurück, in der das rote Trikot des Gesamtführenden nahezu täglich gewechselt war, so stellt sich diese Rückschau nach dem zweiten Ruhetag etwas anders dar. Im Einzelzeitfahren über 36,2 Kilometer am zehnten Aktionstag trumpfte Primoz Roglic in seiner Paradedisziplin auf und verwies alle Kontrahenten im Kampf um das Gesamt-Klassement klar hinter sich.

Am Ende des Tages war Alejandro Valverde auf Rang zwei im knapp zwei Minuten hinter Primoz Roglic. Es scheint nun so, dass hier bereits die entscheidende Lücke geschlagen wurde. Denn im Rest der zweiten Rennwoche ließ sich der Slowene diese Führung nicht mehr nehmen, baute sie gar aus!

 

Etappe Nummer elf stellte den obligatorischen Abstecher in das hügelige Baskenland dar. Jorge Arcas, François Bidard, Gorka Izagirre, Lawson Craddock, Damien Howson, Amanuel Ghebreigzabhier, Ben O'Connor, Matteo Fabbro, Ángel Madrazo (mit der Führung in der Bergwertung), Alex Aranburu und Mikel Iturria initiierten eine erfolgreiche Attacke bei Kilometer 9, während Rémi Cavagna, Jonathan Lastra und Benjamin Thomas sich ihnen später anschlossen. Die vierzehn Fahrer schufen eine Lücke von mehr als zehn Minuten. Nach mehreren Geplänkeln und Kämpfen um Bergpunkte setzte sich Itturia ab und profitierte in dieser Phase von der Uneinigkeit der Verfolger dahinter. Der Außenseiter aus dem Baskenland fuhr so vor heimischer Kulisse solo seinen bis dato größten Sieg ein!

Pogacar gewinnt zweite Bergetappe und fährt in Weiß

Am zwölften Aktionstag sollte es bis Kilometer 100 dauern, bis sich endlich jemand erfolgreich absetzen konnte. Nach einer Attacke von Willie Smit setzten sich 18 Fahrer mit ihm erfolgreich ab und fuhren fünf Minuten Führung heraus. Aus dieser Gruppe versuchte sich zunächst der Österreicher Felix Großschartner (Bora-Hansgrohe) abzusetzen, was ihm zeitweise gemeinsam mit dem Afrikaner Tsgabu Grmay (Mitchelton-Scott) gelang. Doch sie wurden wieder von den anderen Ausreißern gestellt. Letztlich war es der Eintages-Spezialist Philippe Gilbert (Deceuninck Quick-Step), der sich erfolgreich absetzen konnte. Gegenüber zwei Verfolgern verteidigte er eine hauchdünne Führung von nur acht Sekunden bis zum Ziel. Der deutsche Radrennfahrer Nikias Arndt (Sunweb), der in der ersten Vuelta-Woche bereits eine Etappe gewonnen hatte, war ebenfalls wieder unter den Ausreißern und wurde Fünfter.

Etappe Nummer 13 führte wieder in die Berge. Eine große Ausreißergruppe von knapp 30 Mann fuhr vorneweg. Darunter viele Fahrer mit Ambitionen auf das Bergtrikot. Unter ihnen Ángel Madrazo, der es zu diesem Zeitpunkt immer noch am Leib trug. Doch als dann im reduzierten Feld dahinter die Klassementfahrer begannen, ihr Gewicht durch die Gegend zu schmeißen, war Schluss mit lustig! Letztlich war die entscheidende Attacke eine von Roglic selbst, der wohl Schwächen bei der Konkurrenz spürte. Nur sein Landsmann Tadej Pogacar (Team UAE Emirates) konnte mitgehen. Roglic überließ ihm an der Bergankunft den Etappensieg und begnügte sich, seinen Vorsprung auf die Konkurrenten auszubauen. Für den jungen Tadej Pogacar war es bereits der zweite Etappensieg bei dieser Vuelta. Beide Siege wurden in Bergetappen eingefahren. Er fuhr in das weiße Trikot des besten Jungfahrers.

Sam Bennett entrinnt Massensturz und siegt

Etappe Nummer 14 markierte die einzige Flachetappe im zweiten Vuelta-Abschnitt. Es war die antizipierte magere Kost für die Sprinter. Doch auch heute sollten etliche von ihnen leer ausgehen. Nicht etwa, weil die Ausreißer erfolgreich gewesen wären. Die Letzten von ihnen wurden fünf Kilometer vor dem Ziel gestellt. Doch just an der Grenze zum letzten Kilometer krachte es und eine Massenkarambolage erfasste fast das gesamte Peloton. Nicht darunter war jedoch Sam Bennett (Bora-Hansgrohe). Er klebte am Hinterrad von Maximiliano Richeze (Deceuninck Quick-Step) und sicherte sich im stark reduzierten Sprint seinen zweiten Etappensieg. Trotz dessen konnte er nicht wieder in Grün fahren. Die aktuelle Punktewertung wurde nämlich ebenfalls von den Klassementfahrern dominiert. Alle drei Flachetappen, die noch im Programm verbleiben, sind also enorm wichtig für Sam Bennett!

Die 15. Etappe führte wieder in die Berge. Ein lange Zeit relativ gemütlich dahinrollendes Feld gestattete der Ausreißergruppe, im Etappenverlauf immer größer zu werden. Einige der Ausreißer waren wieder auf Punkte für die Bergwertung aus, da es einige Gipfel zu überfahren galt. Im Verlauf der wechselnden Anstiege und Abfahrten sortierte sich die Ausreißergruppe mehrfach neu. Insbesondere als zum Ende hin ein möglicher Etappenerfolg in Aussicht kam, ging es dabei verschärft zur Sache. Hier bewies Sepp Kuss (Jumbo Visma) die besten Beine. Der Ausreißer, der sich bislang konsequent als Helfer für Primoz Roglic in den Dienst gestellt hatte, war wohl als Relaisstation für seinen Kapitän die Straße hinaufgeschickt worden, falls die anderen Klassementfahrer Druck ausüben sollten. Doch einer Attacke von Alejandro Valverde konnte Primoz Roglic bis zum finalen Gipfel folgen, sodass Sepp Kuss vor ihnen überglücklich einen Etappensieg einfahren konnte.

 

 

Roglic lässt sich nicht abschütteln

Etappe Nummer 16 war die letzte Etappe vor dem zweiten Ruhetag und führte abermals in die Berge. Hier dauerte es wieder eine Weile, bis sich eine funktionierende und erfolgreiche Ausreißergruppe fand. Doch schließlich formierte sie sich. Wieder mit dabei: der deutsche Radsportler Nikias Arndt, der sich mit seiner offensiven Fahrweise und bereits einem Etappenerfolg im Gepäck gut bei dieser Vuelta präsentieren konnte. Erfreulich, wenn man bedenkt, dass bei diesem Radrennen Deutschland zahlenmäßig nur knapp vertreten ist. Geprägt war die Ausreißergruppe vom Kampf um das Bergtrikot. Der Franzose Geoffrey Bouchard (Ag2r) war in direkten Sprintduellen Mann gegen Mann zu gleich zwei Gipfeln schneller als Àngel Madrazo (vom Wildcard Team Burgos-BH), übernahm die Führung in der Punktewertung und somit dessen gepunktetes Bergtrikot.

Im Feld dahinter versuchten derweil Nairo Quintana (Movistar) und Miguel Ángel López (Astana) gemeinsame Sache zu machen und attackierten zu zweit. Doch Roglic ließ sich nicht abschütteln und hatte noch drei Teamkameraden bei sich, sodass diese frühe Attacke rigoros zugefahren wurde. In der Ausreißergruppe war es Jakob Fuglsang (Astana), der die besten Beine bewies und nach all den Anstiegen letztlich ungefährdet als Etappensieger im Ziel ankam. Derweil machten im verbliebenen Feld hinter ihm seine Kollegen von Astana Betrieb und Alejandro Valverde konnte nicht mehr mitgehen. Einer späten Attacke von Astana Kapitän Miguel Ángel López konnten nur Tadej Pogacar und Primoz Roglic folgen. Valverde bekam rund 23 Sekunden eingeschenkt, blieb aber Zweiter im Gesamt-Klassement.

Primoz Roglic wird wohl siegen

Im Vorfeld der letzten fünf Etappen bei der Vuelta a España 2019 gestalten sich die Verhältnisse in diesem Radwettkampf wie folgt:

  • Der Kampf um das Gesamt-Klassement scheint praktisch vorentschieden. Primoz Roglic hat zwei Minuten und 48 Sekunden auf den Zweitplatzierten, Alejandro Valverde. Mehr noch, als er nach dem Zeitfahren hatte! Sofern Roglic nicht einbricht oder einen Unfall hat, dürfte ihm das rote Trikot nicht mehr zu nehmen sein. Insbesondere weil auch das Etappenprofil der letzten beiden Etappen kaum dazu angetan ist, ihn ernsthaft unter Druck zu setzen.
  • Die Teamwertung führt Team Movistar an. Sie sind auf einem guten Weg, diesen Erfolg aus dem Vorjahr zu verteidigen und wieder das im Schnitt schnellste Team bei der Vuelta zu werden.
  • Auch die Punktewertung führt Primoz Roglic mit 117 Punkten an. Dies ist sicherlich dem Umstand geschuldet, da die Klassementfahrer hier schon unverhofft früh die Zähne in diesem Wettbewerb zeigten. Sam Bennett hat jedoch noch drei Flachetappen, um sich nach vorne zu katapultieren. Dazu muss Team Bora-Hansgrohe jedoch laufen wie eine gute geölte Maschine und in den drei verbleibenden Flachetappen keine Ausreißer-Siege zulassen! Momentan ist Sam Bennett Fünfter in der Punktewertung (70 Punkte).
  • Spannend wird auch der Kampf um die Bergwertung. Hier stehen der ehemalige Träger des Bergtrikot Ángel Madrazo und der gegenwärtige Träger Geoffrey Bouchard klar am besten da. Es könnte einen Kopf an Kopf Kampf zwischen diesen beiden geben. Doch eingedenk dessen, dass noch einige Punkte zu holen sind (allein vier erste Kategorien in der heutigen Bergetappe), könnten durchaus Last Minute noch andere Anwärter auf den Plan treten.
  • Ebenfalls Stirn an Stirn geht es im Kampf um das weiße Trikot des besten Jungfahrers. Tadej Pogacar liegt hier nur 17 Sekunden vor Miguel Ángel López. Gleichzeitig kämpfen die beiden auch noch um einen Podiumsplatz. Derzeit liegt Pogacar im Gesamt-Klassement auf Rang drei, López knapp dahinter auf Rang vier.

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