Dänemarks Mads Pedersen ist neuer Radsport-Weltmeister 2019!

Mads Pedersen neuer Radsport-Weltmeister 2019

Bildquelle: Mogens Engelund [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Vom 22. September bis zum 29. September ging im englischen Yorkshire die UCI Radsport WM live auf Eurosport über die Bühne. Der Radwettkampf mit dem größten internationalen Renommee, was das Kräftemessen der nationalen Radsport Verbände anbelangt. In diversen Formaten traten die Fahrerklassen gegeneinander an.

Los ging es mit einem gemischten Teamzeitfahren, in dem jeweils eine Dreierstaffel der Herren startete und später durch eine Dreierstaffel der Frauen abgelöst wurde. Die kombinierte Zeit der beiden Staffeln ergab das Endresultat. In dieser Disziplin setzten sich die Niederlande durch, die das gemischte Zeitfahren bereits auf europäischer Bühne gewinnen konnten. Silber ging dabei erfreulicherweise an die deutschen Radrennfahrer und Radrennfahrerinnen. Sie starteten mit einer Dreierstaffel bestehend aus Jasha Sütterlin, Tony Martin und Nils Politt. Die deutschen Damen waren mit Lisa Brennauer, Lisa Klein und Mieke Kröger vertreten. Es waren auch die deutschen Frauen, welche die Kohlen aus dem Feuer holten und diesen zweiten Platz ermöglichten, da sie einen Rückstand der Männer wieder zufahren und so noch bis auf Rang zwei fahren, konnten! Bronze ging an Großbritannien.

1. Niederlande 38.27

2. Deutschland + 0.22

3. Großbritannien + 0.51

Deutschlands Marco Brenner holt Bronze im Junioren-Zeitfahren

Es folgten über die nächsten drei Tage die Einzelzeitfahren über alle Klassen hinweg. Bei den Junioren der Herren ergab sich dabei folgendes Podium:

1. Antonio Tiberi (Italien) 38' 28.25"

2. Enzo Leijnse (Niederlande) + 7.79"

3. Marco Brenner (Deutschland) + 12.62"

Bei den Juniorinnen stellte sich das Podium wie folgt dar:

1. Aigul Gareeva (Russland) 22' 16.23"

2. Shirin van Anrooij (Niederlande) + 3.61"

3. Elynor Bäckstedt (Großbritannien) + 10.93"

Mikkel Bjerg mit dem U23-Hattrick!

Im Zeitfahren der U23-Fahrer gewann sensationell zum dritten Mal in Folge Mikkel Bjerg (Dänemark), hinter ihm belegten mit Ian Garrison und Brandon McNulty zwei Amerikaner das Podium und werteten so den schlussendlich respektablen Medaillenspiegel der USA auf.

1. Mikkel Bjerg (Dänemark) 0:40:20.42

2. Ian Garrison (USA) +0:00:26.45

3. Brandon Mcnulty (USA) +0:00:27.69

4. Mathias Norsgaard Jørgensen (Dänemark) +0:00:36.78

5. Brent Van Moer (Belgien) +0:00:43.26

6. Morten Hulgaard (Dänemark) +0:00:56.07

7. Nils Eekhoff (Niederlande) +0:01:01.02

8. Byron Munton (Südafrika) +0:01:26.59

9. Markus Wildauer (Österreich) +0:01:38.18

10. Daan Hoole (Niederlande) +0:01:45.79

Cloé Dygert und Rohan Dennis siegen im Zeitfahren der Eliteklassen

Auf nasser Strecke konnte sich die US-Amerikanerin Cloé Dygert im Einzelzeitfahren der Frauen in Yorkshire durchsetzen. Sie verwies mit den Niederländerinnen Anna van der Breggen und Annemiek van Vleuten zwei Favoritinnen auf die Ränge zwei und drei.

1. Cloé Dygert (USA) 42.11

2. Anna van der Breggen (Niederlande) + 1.32

3. Annemiek van Vleuten (Niederlande) + 1.52

4. Amber Neben (USA) + 2.38

5. Lisa Klein (Deutschland) + 2.40

6. Marlen Reusser (Schweiz) + 3.02

7. Leah Thomas (USA) + 3.12

8. Lucinda Brand (Niederlande) + 3.15

9. Alena Amialiusik (Weißrussland) + 3.17

10. Lisa Brennauer (Deutschland) + 3.19

 

 

Bei den Herren setzte sich im Einzelzeitfahren Australiens Rohan Dennis deutlich durch, womit er seinen Erfolg aus dem Vorjahr bestätigte und das Einzelzeitfahren bei der Radsport-WM zum zweiten Mal in Folge gewinnen konnte. Er unterstrich, dass er nach wie vor einer der herausragenden Zeitfahrer im UCI Radsport ist. Der belgische Youngster Remco Evenepoel wurde Zweiter und Italiens Filippo Ganna sicherte sich Bronze.

1. Rohan Dennis (Australien)

2. Remco Evenepoel (Belgien) + 1.08

3. Filippo Ganna (Italien) + 1.55

4. Patrick Bevin (Neuseeland) + 1.57

5. Alex Dowsett (Großbritannien) + 2.01

6. Lawson Craddock (USA) 2.07

7. Tanel Kangert (Estland) dito

8. Nelson Oliveira (Portugal) + 2.09

9. Tony Martin (Deutschland) + 2.27

10. Stefan Küng (Schweiz) + 2.46

US-Junioren mit herausragenden Leistungen

Die letzten Tage standen allesamt im Zeichen der Straßenrennen. Auch hier zeigten die US-Amerikaner, dass es um ihren Nachwuchs bestens bestellt ist. Quinn Simmons setzte sich dabei solo durch, wohingegen bei den jungen Damen Megan Jastrab im Sprint triumphierte.

Endresultat Straßenrennen Junioren:

1. Quinn Simmons (USA) 3h 38' 04"

2. Alessio Martinelli (ITA) + 56"

3. Magnus Sheffield (USA) + 1' 33"

Endresultat Straßenrennen Juniorinnen:

1. Megan Jastrab (USA) 2h 08' 00"

2. Julie de Wilde (BEL) + 0"

3. Lieke Nooijen (NED) + 0"

Eekhoff wird disqualifiziert - van Vleuten mit unvergesslichem Soloritt

Kontrovers endete das U23-Rennen. Dort gewann der junge Holländer Nils Eekhoff den reduzierten Schlusssprint in Harrogate. Das Ganze wieder unter regnerischen Bedingungen. Aber rund eine Stunde nach dem Rennen wurde er nachträglich disqualifiziert, da er sich inmitten des Rennens nach einem Crash ungebührlich lange im Windschatten eines Versorgungsfahrzeugs aufgehalten hatte! Stattdessen wurde Samuele Battistella (Italien) als Sieger anerkannt. Stefan Bissegger (Schweiz) und Tom Pidcock (Großbritannien) wurden dadurch Zweiter und Dritter.

1. Samuele Battistella (Italien) 3:53:52

2. Stefan Bissegger (Schweiz) dito

3. Thomas Pidcock (Gr0ßbritannien) dito

4. Sergio Andres Higuita Garcia (Kolumbien) dito

5. Andreas Lorentz Kron (Dänemark) dito

6. Tobias Foss (Norwegen) dito

7. Pascal Eenkhoorn (Niederlande) 0:00:38

8. Mikkel Bjerg (Dänemark) dito

9. Mathieu Burgaudeau (Frankreich) dito

10. Torjus Sleen (Norwegen) dito

 

 

Im Radwettkampf der Frauen attackierte Hollands Annemiek van Vleuten extrem früh im Rennverlauf, wozu sie einen steilen Anstieg wählte. Über 100 Kilometer fuhr sie alleine zu einem glorreichen Sieg! Ihre Teamkollegin und Weltmeisterin im Straßenrennen des Vorjahrs, Anna van der Breggen, holte sich (ebenfalls mit einem solo) Silber, während Australiens Amanda Spratt, die letztes Jahr ebenfalls schon auf dem Podium gewesen war, die Bronzemedaille einsackte.

1. Annemiek van Vleuten (Niederlande)

2. Anna van der Breggen (Niederlande) + 2.15

3. Amanda Spratt (Australien) + 2.28

4. Cloé Dygert (USA) + 3.24

5. Elisa Longo Borghini (Italien) + 4.45

6. Marianne Vos (Niederlande) + 5.20

7. Marta Bastianelli (Italien) dito

8. Ashleigh Moolman-Pasio (Südafrika) dito

9. Lisa Brennauer (Deutschland) dito

10. Coryn Rivera (USA) dito

Extrem schwierige Bedingungen im Straßenrennen der Herren

Den Abschuss bildete das Straßenrennen der Herren. Und das hatte es in sich! Über 260 Kilometer waren zu fahren. Das Ganze unter regennassen, windigen und folglich sehr schwierigen Bedingungen. Diese waren teilweise so widrig, dass auch die Helikopter und in den schlimmsten Phasen gar die Motorräder keine TV-Bilder liefern konnten! Ein knallhartes Ausscheidungsrennen bestehend aus 13,8 Kilometer langen Runden, bei dem sich das Feld an der Spitze im Rennverlauf massiv ausdünnte. Dabei musste sogar der bis dahin amtierende Weltmeister, Alejandro Valverde, die Segel streichen. Auch Philippe Gilbert und Remco Evenepoel schieden vorzeitig aus, was einen herben Schlag für die belgische Mannschaft darstellte.

Besonders bitter: Da im WM-Straßenrennen aus traditionellen Erwägungen heraus kein Funkkontakt zulässig ist, wurden Philippe Gilbert und Remco Evenepoel vom eigenen Team in Grund und Boden gefahren. Denn just als Gilbert in Folge eins Crashs zurückgefallen war und Evenepoel ihm helfen wollte, machten vorne die belgischen Teamkollegen Betrieb. Wenn das Mal anschließend keinen Aufreger gibt!

Van der Poel bricht ein!

Bei noch etwas mehr als 30 zu fahrenden Kilometern war das Fahrerfeld in diesem Beine und Nerven aufzehrenden Radwettkampf stark dezimiert. In eben diesem Moment kam die zu erwartende Attacke von Mathieu van der Poel (Niederlande). Er formte mit Matteo Trentin (Italien), Stefan Küng (Schweiz), Mads Pedersen (Dänemark) und Gianni Moscon (Italien) ein Quintett an der Spitze, das sich bei 17 noch zu fahrenden Kilometern rund 50 Sekunden in Front befand. In der Folge konnte man bei jedem kleinen Anstieg zuschauen, wie in der Hauptgruppe immer wieder Fahrer abfielen. Kaum mehr als 60 Fahrer waren zu diesem Zeitpunkt noch im Rennen. Alle Anderen (darunter auch der deutsche Radrennfahrer Pascal Ackermann) mussten abklopfen. Noch 13,8 Kilometer zu fahren, letzte Runde! Die Rennfahrer mit über sechs Stunden in den Beinen!

Es kristallisierte sich heraus, dass der Sieger wohl aus dem Quintett an der Spitze kommen würde. Mathieu van der Poel dabei wohl der Favorit. Er wollte das vollbringen, was seinem Vater damals verwehrt geblieben war. Van der Poel ist Spross einer hoch dekorierten Radsport-Familie. Vater und Großvater waren beide Männer, die ihre Namen in die Radsportgeschichte schnitzen konnten. Doch just, da ich dies niederschrieb, fiel eben jener Favorit plötzlich aus der Fluchtgruppe ab! Er fuhr konditionell in eine Wand! Jetzt war das Tor weit offen für eine dicke Überraschung! Stefan Küng der beste Zeitfahrer im Gespann an der Spitze. Trentin wohl der stärkste im Sprint. Van der Poel wurde indes rasch vom verbliebenen Hauptfeld dahinter überholt. Der Tank war komplett leer!

Mads Pedersen macht die Überraschung perfekt

Die Ausreißer indes, mit etwas über zehn noch zu fahrenden Kilometern, über 70 Sekunden vorne. Das Podium würde unter diesen Vieren ausgemacht werden, sofern nicht noch einer unverhofft Federn ließ. Hatte hier noch jemand die Power für eine Attacke? Trentin und Moscon, die beiden Italiener, natürlich mit dem Vorteil, zu zweit in dieser Fluchtgruppe vertreten zu sein. Bei sechs noch zu fahrenden Kilometern haute Stefan Küng eine Tempoverschärfung an einem Anstieg raus. Gianni Moscon musste abreißen lassen! Küng investierte wahnsinnig viel in dieser späten, prüfenden Phase. Matteo Trentin blieb stoisch an seinem Hinterrad. Mads Pedersen hatte kurz zu kämpfen, blieb aber dabei. Wenn Küng hier sicherstellen wollte, auf jeden Fall eine Medaille zu gewinnen, dann machte diese Attacke Sinn, da sie nun nur noch zu dritt waren. Doch der nominelle Favorit für einen Schlussspurt war nun umso mehr Matteo Trentin.

Aus der Hauptgruppe heraus attackierte noch einmal Peter Sagan (Slowakei). Allerdings wohl viel zu spät, um hier noch nach vorne an das Trio fahren zu können. Noch drei Kilometer zu fahren! Noch ein Kilometer! Das Taktieren ging los! Alle drei würden eine Medaille einsacken. Aber welche? Dies galt es, nun auszufechten. Und das sparten sie sich bis auf die letzten 300 Meter auf. Stefan Küng konnte im Schlusssprint keine Rolle spielen, den Matteo Trentin eröffnete. Doch dann ging Mads Pedersen an ihm vorbei! Der 23-jährige Däne mit der Sensation! Als Underdog siegte er hier in diesem knallharten Radsport WM Radwettkampf, an den man sich noch lange erinnern wird!

1. Mads Pedersen (Dänemark) 6h 27' 28"

2. Matteo Trentin (Italien) + 0"

3. Stefan Küng (Schweiz) + 2"

4. Gianni Moscon (Italien) + 17"

5. Peter Sagan (Slowakei) + 43"

6. Michael Valgren (Dänemark) + 45"

7. Alexander Kristoff (Norwegen) + 1' 10"

8. Greg Van Avermaet (Belgien) + 1' 10"

9. Gorka Izagirre (Spanien) + 1' 10"

10. Rui Costa (Portugal) + 1' 10"

John Degenkolb wurde bestplatzierter deutscher Radrennfahrer auf Rang 15. Nils Politt fuhr als nächstbester deutscher Radsportler auf Rang 19. Auch ihnen gebührt großer Respekt, denn nur 46 Rennfahrer beendeten das Rennen! Unter ihnen auch der geschlagenen Mathieu van der Poel, der sich noch über die Ziellinie quälte. Doch statt ihm war es ein junger, überglücklicher Däne, Mads Pedersen, der bis zur WM im nächsten Jahr das Regenbogen-Trikot des Weltmeisters tragen wird!


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