Vuelta Espana 2018: Erste Ergebnisse und ausführlicher Bericht zur Tour in Spanien

Eindrücke zur Vuelta 2018

Bildquelle: By Lord van Tasm [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Ein Drama in (bislang) neun Etappen! So präsentiert sich die Vuelta 2018! Die letzte Grand Tour des Jahres 2018 hat Radsportfans soweit glänzend unterhalten. Mit insgesamt sechs ausgewachsenen Bergankünften sowie einem traditionell sehr hügeligem bis bergigem Profil verlangt diese Spanien-Rundfahrt dem Peloton wieder alles ab. Insbesondere eingedenk der sengenden Hitze mit Temperaturen von phasenweise über 40 Grad!

Die Sprinter hatten nicht allzu viel zu melden. Die Vuelta, ohnehin eher eine Knochenmühle für reine Sprinter, hat bislang vor allem waghalsige Ausreißer und strategisch kluge Klassement Fahrer belohnt. Hier nun die Etappen jeweils in der Kurzfassung!

 

1. Etappe (Auftaktzeitfahren in Málaga/8 km)

Rekordzeitfahrer Rohan Dennis (BMC) sicherte sich den Sieg im Auftaktzeitfahren. Eingedenk des Ausnahmestatus des Australiers in puncto Zeitfahren sicherlich keine Überraschung. Sehr viel überraschender war hingegen das gute Abschneiden von Simon Geschke (Sunweb), der Achter wurde. Geschke ist einer von nur sechs Deutschen im Fahrerfeld der Vuelta. Emanuel Buchman (Bora-Hansgrohe), der im Verlauf der Rundfahrt bislang stärkste Deutsche, schloss das Zeitfahren auf Rang 25 ab.

2. Etappe (hügeliges Profil von Marbella bis Caminito del Rey/163,5 km)

Vergleichsweise ein lockerer Einstieg und doch bereits eine Etappe, auf der Puncheure sich etwas ausrechnen konnten, eingedenk des unsteten Profils. Die Gluthitze machte eine vom Profil her nicht allzu anspruchsvolle Etappe zu einer echten Tortour. Das war besonders für eine Gruppe von Ausreißern, deren letzte Reste 10 km vor dem Ziel gestellt wurden, besonders bitter. Viel investiert und nichts gewonnen! Damit waren sie jedoch in guter Gesellschaft. Denn auch an einigen namhaften Fahrern, wie Peter Sagan, Vincenzo Nibali und Rohan Dennis, ging die Hitze nicht spurlos vorbei und sie mussten federn lassen.

Während die Ziellinie selber im Flachen lag, führte ein Anstieg dorthin. Diesen nutzte der Belgier Laurens de Plus für eine Attacke. Doch der spanische Altmeister Alejandro Valverde war auf dem Posten und ging mit. Ebenso Team Skys Michal Kwiatkowski. Valverde konnte sich im folgenden Spurt um den Etappensieg durchsetzen. Doch es war Kwaitowski, der ins rote Trikot fahren sollte, war er doch am Vortag Zweitbester im Auftaktzeitfahren gewesen (nur sechs Sekunden hinter Rohan Dennis).

3. Etappe (Hoch hinaus und dann zum Sprint/Mijas – Alhaurin de la Torre/178,2 km)

Gleichwohl das Finale dieser Etappe eine der bei der Vuelta dünn gesäten Sprintankünfte barg, mussten erst einmal zwei dicke Berge bezwungen werden, ehe es nach ausgedehnter Abfahrt in Richtung ziel ging. Eine Ausreißergruppe wollte den Sprintern einen Strich durch die Rechnung machen. Und hätte es auch fast geschafft. Der letzte Ausreißer des Tages konnte erst wenige Kilometer vor dem Ziel gestellt werden. Im anschließenden Spurt des Hauptfeldes fuhr der italienische Meister Elia Viviani (Quickstep) als Erster über die Ziellinie. Unter den Ausreißern konnte Luis Ángel Maté (Cofidis) ordentlich Punkte für das von ihm behauptete Bergtrikot sammeln. Kwiatowski blieb in Rot.

4. Etappe (erste Bergankunft von Vélez-Málaga nach Alfacar/162 km)

Alejandro Valverde ist auch bei der Vuelat 2018 dabei

Bildquelle: By Madrid_-_Vuelta_a_España_2009_-_Alejandro_Valverde_-_20090920a.jpg [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Eine Etappe, bei der die ersten ernsthaften Geplänkel der Favoriten anstehen sollten, sah einen sensationellen Underdog-Sieg. Allen Scharmützeln der Schwergewichte zum Trotz, war es der Amerikaner Benjamin King (Dimension Data), der am Ende die Hände zum Himml riss und als Erster über da Ziel fuhr. Gemeinsam mit Nikita Stalnov (Astana) und Jelle Wallays (Lotto-Soudal) fuhr King aus einer Ausreißergruppe heraus, die fast den ganzen Tag vorneweg gefahren war. Das Hauptfeld zu diesem Zeitpunkt (beim finalen Anstieg) über neun Minuten dahinter.

Am Ende waren es nur noch King und Stalnov, die im Sprint Mann gegen Mann den Sieg unter sich ausmachen mussten, wobei King sich durchsetzte und seinen ersten Etappensieg bei einem World Tour Rennen feiern konnte.

Kwiatowski konnte nur mit Mühe und Not sein rotes Trikot verteidigen. Simon Yates und Emanuel Buchmann sprangen nach erfolgreichen Attacken vor dem Ziel dicht an ihn heran. Nur zehn Sekunden trennten alle drei im Gesamt-Classement nach Abschluss dieser dramatischen Etappe.

5. Etappe (rauf und runter von Granada bis Roquetas da Mar/188,7 km)

Ein abermals hügeliger Etappenverlauf mit langer Abfahrt direkt zum Ziel brachte einen Sieg von Simon Clarke (EF-Drapac), der sich mit zwei Rivalen aus einer 25-Kopf starken Ausreißergruppe lösen konnte, um den Etappensieg im Schlussspurt einzufahren. Eine vertane Chance für die Sprinter, die auf dieser Etappe durchaus eine Sprintankunft in Aussicht hatten. Doch zu angriffslustig präsentierten sich die Fahrer an diesem Tag, was in der gewaltigen Ausreißergruppe von 25 Mann resultierte. Da das Feld die Ausreißergruppe zu lange ziehen ließ, büßte Kwiatowski sein rotes Trikot ein. Rudy Molard (Groupama-FDJ), der unter den Ausreißern war, fuhr stattdessen in rot. Emanuel Buchmann blieb als klar stärkster deutscher Gesamtdritter.

6. Etappe (Flachetappe von Huércal-Overa nach San Javier/155,7 km)

Auf dieser Etappe erging es den Sprintern besser. Eine dreiköpfige Ausreißergruppe konnte 20 km vor dem Ziel gestellt werden. Darunter wiederum Luis Angel Maté, der abermals sein Ausreißer-Dasein nutzte, um fleißig Bergwertungen einzuheimsen und sein Bergtrikot zu sichern. Allerdings kam es ebenso rund 20 km vor dem Ziel zu einem Sturz, der das Hauptfeld entzweite. Die Teams Sunweb und Groupama-FDJ hatten dabei besonders das Nachsehen und fuhren dadurch erst verspätete ins Ziel ein, da sie ihre Kapitäne wieder zurückholen mussten, damit diese nicht gar zu viel Zeit verlieren würden.

Im Sprint setzte sich schließlich Frankreichs Nacer Bouhanni (Cofidis) durch. Italien-Meister Elia Viviani konnte sich zu Beginn des Sprints nicht gut genug positionieren, wurde Dritter und verpasste somit seine Chance auf einen zweiten Etappensieg bei der diesjährigen Vuelta knapp.

7. Etappe (eine Flachetappe in knapp 1.000 Metern Höhe von Puerto Lumbreras nach Pozo Alcón/185,7 km)

Ausblick auf weiteren Tourverlauf Vuelta 2018

Bildquelle: By Contando Estrelas from Vigo, España / Spain [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Es war 34 Grad heiß. Und damit bezeichnenderweise einer der kühleren Tage, den diese Vuelta bislang gesehen hat. Eine siebenköpfige Gruppe fuhr lange vorneweg. Phasenweise führte die Etappe über extrem schmale Straßen, wodurch das Feld ein recht zügiges Tempo ging, da niemand notgedrungen hintererfahren wollte. Das blieb nicht folgenlos!

20 km vor dem Ziel war die Gruppe annähernd gestellt, als der Vorsprung auf eine halbe Minute zusammengeschrumpft war. Doch 18 km vor dem Ziel ging es noch mal bergauf, was die Gruppe noch einmal veranlasste, Gas zu geben. Als es zu einem Sturz im gedrungenen Peloton kam, der glücklicherweise schnell wieder aufgelöst werden konnte.

12,8 km vor dem Ziel wurden dann doch die letzten Ausreißer eingesackt. Es begann der Kampf um die Positionierung an der Spitze des Felds. Die Straße war zu diesem Zeitpunkt wieder sehr schmal, bei rasantem Streckenprofil mit Abfahrten und überaus kurvenreich. Zu diesem Zeitpunkt wurde es schwer, dem Rennen zu folgen, aufgrund diverser Stürze und eines zerfahrenen Feldes. Keiner baute mehr auf eine Sprintankunft!

Der Franzose Tony Gallopin (AG2R) sackte schließlich den Etappensieg ein, da er sich kurz vor dem Ziel absetzen konnte, wobei er noch Jesus Herrada (Cofidis) einholte, und diesen Vorsprung nach Hause brachte. Eine Gruppe, geführt von Sagan und Valverde, war nur 5 Sekunden hinter ihm. Molard blieb in rot. Valverde aber nun hinter ihm auf rang zwei. Buchmann weiterhin Dritter.

8. Etappe (lange Flachetappe von Linares nach Almadén/195 km)

Die achte Etappe der Vuelta 2018 endete in einem seltenen Bergaufsprint, wobei der Veteran Alejando Valverde sich den Sieg sichern und somit seine zweite Etappe bei dieser Vuelta gewinnen konnte. Eine dreiköpfige Ausreißergruppe wurde noch drei km vor dem Ziel einkassiert. An der Spitze des Gesamt-Classements änderte sich nach dieser recht verhaltenen Etappe nichts.

Knapp über 200 Kilometer lang, 4.000 Höhenmeter und mit einer Sonderbergwertung an der Zielankunft. Das war das Rezept, dass den Fahrern Pein und dem geneigten Zuschauer Spannung brachte! Vor dem Ruhetag wurden die Fahrer noch einmal richtig durch den Wolf gedreht!

75 km vor dem Ziel war eine Ausreißergruppe mit über acht Minuten auf das Hauptfeld unterwegs. Eine relativ lange Leine, wohl auch, weil man die Kräfte, eingedenk des bevorstehenden Anstiegs, nicht ohne klare Not verpulvern, wollte. Die Aussichten der Ausreißergruppe besserten sich zunehmend, weil kein Team die Verantwortung übernehmen wollte, um vor dem Berg betrieb zu machen. Elf Fahrer waren in der Ausreißergruppe. Darunter Benjamin King, der bereits völlig überraschend die erste Bergankunft gewinnen konnte!

9. Etappe (der Bergkönig schlägt erneut zu! Talavera de la Reina – La Covatilla/200,8 km)

Ausblick auf weiteren Tourverlauf Vuelta 2018

Bildquelle: By Contando Estrelas from Vigo, España / Spain [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

40 km vor dem Ziel war der Vorsprung der gut zusammenarbeitenden Gruppe bereits auf 10 Minuten gewachsen. Fortan kam immer mehr Unruhe ins Hauptfeld, da die Klassement Fahrer und ihre Teams sich strategisch platzieren wollten, ehe es ans Eingemachte bei dieser überaus schweren Bergwertung ging. Steigungen von bis zu knapp 15% warteten am letzten, lang gezogenen Anstieg.

Das Tempo erhöhte sich in der Folge. Die Spitzengruppe zersplitterte während des Anstiegs und es war wieder Benjamin King, der letztlich alleine vorneweg fuhr. Bauke Mollema (Trek-Segafredo) löste sich aus der verbliebenen Gruppe und nahm die Verfolgung von King alleine auf. Ein Kampf um den Etappensieg zwischen King und Mollema zeichnete sich ab. Doch Kings Vorsprung betrug 5,6 km vor dem Ziel immer noch 45 Sekunden auf seinen Verfolger. Das Fahrerfeld, fünf Minuten dahinter, war bereits wesentlich zersplittert.

3,5 km vor dem Ziel war Mollema nur noch 20 Sekunden hinter King! Die Spitzengruppe des verbliebenen Fahrerfelds umfasste zu diesem Zeitpunkt die üblichen Verdächtigen, darunter auch Emanuel Buchmann!

Benjamin King war letztlich wieder siegreich, fuhr alleine und vollkommen abgekämpft über das Ziel. Mollema war bei seiner Aufholjagd ein wenig eingebrochen und kam 50 Sekunden später an. Der junge Brite Simon Yates (Mitchelton-Scott) fuhr in rot!

Alles ist noch offen – Buchmann mit starker Leistung

Diese neunte und überaus mitreißende Bergetappe hat das Klassement an der Spitze noch einmal gehörig durcheinandergewirbelt. Valverde bleibt allerdings Zweiter (gerade mal eine Sekunde hinter Yates). Buchmann ist auf Rang vier immer noch gut im Geschäft. Aber noch ist ohnehin nichts in Stein gemeißelt. Denn nicht einmal eine volle Minute liegt zwischen dem Erstplatzierten und Rang zehn im Gesamtklassement! Valverde trägt das grüne Trikot, Luis Ángel Maté trägt das Bergtrikot.

Sechs Etappen liegen nun zwischen diesem und dem folgenden Ruhetag. Die letzte Drei davon sind allesamt Bergankünfte (zweimal erste Wertung und dann eine Sonderwertung). Eine Phase, die sich als entscheidend für den Gesamtsieg der Vuelta erweisen könnte!

Radsport