DFB-Team quält sich nach schwacher 1. Halbzeit zum 2:0-Sieg in Nordirland

Deutschland siegt mit 2:0 in Nordirland

Bildquelle: Steffen Prößdorf [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Die deutsche Nationalmannschaft hat mit einem 2:0-Auswärtssieg gegen Nordirland in Belfast einen großen Schritt Richtung EM 2020 gemacht. Doch der vierte Dreier der DFB-Auswahl im fünften Spiel der EM-Qualifikation musste hart erkämpft werden. Vor allem in der ersten Halbzeit bereiteten die leidenschaftlichen Hausherren den Deutschen Probleme, die sich erst nach dem Wechsel dank einer Leistungssteigerung und den Toren von Marcel Halstenberg und Serge Gnabry den Sieg verdienten.

Durchatmen: Die deutsche Nationalelf hat nach der jüngsten 2:4-Heimpleite gegen die Niederlande das enorm wichtige Gastspiel beim bisherigen Tabellenführer der EM-Quali-Gruppe C mit 2:0 (0:0) gewonnen und mit 12 Punkten den Spitzenplatz erobert. Doch das der eminent wichtige Erfolg im Windsor Park zu Belfast dermaßen schwer gegen fußballerisch limitierte Nordiren erkämpft werden musste, war nicht zu erwarten.

Lebloses DFB-Team kommt schwer in Tritt

Deutschland zeigte vor allem in den ersten 45 Minuten über weite Strecken eine ganz schwache, leblose und qualvolle Vorstellung, die Erinnerungen an das desaströse Vorrunden-Aus bei der WM 2018 weckte. Nordirland, die zuvor alle vier Gruppenspiele siegreich gestalteten, starteten mit dem Messer zwischen den Zähnen und kauften der Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw mit simplen Tugenden wie Kampf, Wille, Einsatz und Leidenschaft in der Anfangsphase den Schneid ab. Die Adlerträger, bei denen im Gegensatz zum Holland-Spiel Julian Brandt und Marcel Halstenberg für Jonathan Tah und den verletzten Nico Schulz in die Startelf rückten, wirkten überrascht von der Wucht und körperlichen Präsenz der Inselkicker.

In der 7. Minute verhinderte Manuel Neuer mit einer Glanztat gegen Conor Washington den drohenden Rückstand. In der Folge präsentierte sich der Weltmeister von 2014 defensiv weiter anfällig, konnte aber nach der Anfangsviertelstunde das Geschehen auf dem Rasen durch mehr Ballbesitz und Passstafetten etwas beruhigen. Zudem gab es aus deutscher Sicht einige Offensivaktionen, wobei die beste zunächst Timo Werner verbuchte, dessen abgefälschter Drehschuss aber nur knapp am Gehäuse vorbeischrammte (28.).

Schwacher Werner vergibt Hochkaräter vor Pausenpfiff

Doch es sollte lange Zeit die gefährlichste Aktion vom DFB-Team bleiben, das in der Offensive nur schleppend ins Spiel fand. Zumal Werner, der im Nationaltrikot erneut schwer tat, und auch Marco Reus vorne in der Luft hingen. Es gab wohl einige Wetten bei bet365 deutsch, die platziert wurden. Wer aber auf Deutschland gesetzt hatte, musste zumindest in der ersten Halbzeit bangen.

Vielmehr hielten die mutigen Nordiren weiter gut mit und begegneten Deutschland auf Augenhöhe. Kurz vor dem Halbzeitpfiff hatten beide Teams eine Möglichkeit zum ersten Treffer. Für Nordirland vergab erst erneut Washington nach einem Neuer-Patzer(45.), bevor auf der anderen Seite Timo Werner (45.+2) freistehend aus sieben Metern in Torwart Bailey Peacock-Farrell seinen Meister fand.

Traumtor von Halstenberg der „Dosenöffner“

Nach der Magerkost in Durchgang eins erwischte Deutschland aber in der 2. Halbzeit einen Traumstart. Halstenberg nagelte technisch anspruchsvoll und äußerst sehenswert eine von Brandt verlängerte Klostermann-Hereingabe per Direktabnahme in die Maschen (48.) - das erste Länderspieltor für den Verteidiger von RB Leipzig. „Ich treffe ihn überragend und er fliegt rein. Das hat die Dose geöffnet“, beschrieb Halstenberg die Szene nach dem Spiel bei „RTL“.

Der Führungstreffer war der Auftakt einer Sturm-und-Drang-Phase der DFB-Auswahl, die jetzt einen entschlosseneren Eindruck hinterließ und sich Chancen im Minutentakt erarbeitete. Doch Klostermann (51.), Serge Gnabry (52.), Werner (54.) und Reus (56.) per Freistoß vergaben in aussichtsreicher Position und betrieben Chancenwucher.

Joker Havertz vergibt knapp - Gnabry mit später Erlösung

Das hätte sich um ein Haar gerecht. Denn nachdem die „Green and White Army“ das Powerplay der Deutschen bis zur 60. Minute mit nur einem Gegentor glimpflich überstand, hatte Stuart Dallas (63.) nach Vorarbeit von Joker Gavin Whyte den Ausgleich auf dem Fuß. Bei Deutschland schlich sich nun wieder mehr Nervosität ein, wenngleich der für den blassen Werner eingewechselte Kai Havertz in der 69. Minute die Vorentscheidung vergab und eine präzise Kimmich-Flanke haarscharf vom Elfmeterpunkt am Kasten vorbei köpfte.

Es sollte zunächst der letzte Aufreger einer ansonsten ereignisarmen Schlussphase sein, der es aber angesichts der knappen Führung Deutschlands nicht an Spannung fehlte. Nordirland zollte allerdings seinem laufintensiven und leidenschaftlichen Auftritt Tribut und wirkte zusehends müde, sodass ein Tor der Hausherren nicht mehr in der Luft lag. Der fiel dafür in der Nachspielzeit auf der anderen Seite, als Löw-Liebling Serge Gnabry nach Vorarbeit von Havertz gekonnt für die endgültige Erlösung sorgte und zum 2:0-Endstand traf.

Löw: „Spieler müssen noch zulegen“

Für den Bayern-Star war es bereits der neunte Treffer im zehnten Länderspiel und der Fünfte im laufenden Wettbewerb. „Serge macht es wirklich klasse. Nicht nur im Abschluss, sondern er ist auch ein wichtiger Zuspieler für uns geworden“, lobte Löw seinen Schützling, der das Spiel wie folgt analysierte:

„Wir waren heute schon auch unter Druck, wir mussten gewinnen. Wir sind nicht sehr gut ins Spiel gekommen, waren in der ersten Halbzeit von der Raumaufteilung her nicht so gut besetzt. Das war ein bisschen Durcheinander. Die Nordiren waren mutig und haben uns gut attackiert. In der Halbzeitpause haben wir ein paar Dinge angesprochen, danach war es besser. Dann hatten wir Zug und Tempo. Das Tor hat Ruhe gebracht, das war genau zum richtigen Zeitpunkt. Wir hätten das zweite Tor früher nachlegen müssen. So ein Spiel dürfen wir nicht mehr aus der Hand geben, da müssen die Spieler noch zulegen. Wir sind in einer Phase des Lernens.“

Niederlande siegt ohne Mühe in Estland

Im zweiten Spiel der Gruppe C der EM-Qualifikation hat die Niederlande ihre Pflichtaufgabe in Estland souverän gemeistert und dank der Treffer von Ryan Babel (2x), Memphis Depay und Georginio Wijnaldum einen deutlichen 4:0-Erfolg eingefahren. Damit hält die Elftal den Druck auf die DFB-Elf aufrecht und rangiert mit 9 Punkten nach vier Spielen hinter der DFB-Elf und Nordirland (beide 12 Punkte und 5 Spiele).

Da Oranje den Direktvergleich mit Deutschland allerdings gewonnen hat, dürfte sie eines der beiden zu vergebenen EM-Tickets wohl sicher haben. Das Zweite ist im Normalfall für Deutschland reserviert.


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