Bericht zu Dwars door Vlaanderen 2019 - Mathieu van der Poel macht den Sieg perfekt

Bericht zu Dwars door Vlaanderen 2019

Bildquelle: Jérémy-Günther-Heinz Jähnick [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Aktuelle Radsport News: Gestern stand mit Dwars door Vlaanderen 2019 ein weiterer und letzter Härtetest an, ehe es an diesem Wochenende zum Main Event der belgischen Frühjahrsklassiker geht: zur Flandern-Rundfahrt! Die diesjährige Auflage von Dwars door Vlaanderen war mit rund 183 Kilometern zwar kürzer als vergangene Editionen. Dafür jedoch kaum minder anspruchsvoll.

Insbesondere die zweite Hälfte des Streckenprofils hatte es in sich. Nachdem die erste Hälfte überwiegend flach verlaufen war, setzte es in der Zweiten den Großteil der insgesamt elf im Streckenverlauf vorkommenden Steigungen. Dazu mehrere der berüchtigten Kopfsteinpflaster Passagen, die auf dem Weg zum Ziel ebenfalls eher häufiger wurden als weniger. Da sich einige der Top-Fahrer im Vorfeld dazu entschieden hatten, ihre Kräfte für die Flandern-Rundfahrt zu schonen, traten unter anderem Fahrer wie Peter Sagan, Greg van Avermaet oder Wout van Aert nicht an.

Allerdings fehlte es nicht an aussichtsreichen Aspiranten für diesen Radwettkampf. Der Belgier Yves Lampaert trat als amtierender und zweifacher Sieger dieses Rennens für QuickStep an. Und auch Alexander Kristoff, der erst kurz zuvor Gent-Wevelgem 2019 gewinnen konnte, war mit von der Partie. Ebenso war der amtierende Weltmeister, Alejandro Valverde, am Start.

Ordnung und Chaos zu Rennbeginn

Während der ersten Stunde des Rennens hielt Team Deceunick QuickStep konsequent den Deckel drauf und ließ keine erfolgreichen Ausreißversuche zu. Wohl vor allem um eine Gruppe zu verhindern, die eventuell mit gutem Vorsprung in die hügelige, zweite Rennhälfte gehen konnte. Erst nach knapp einem Drittel der Strecke formte sich eine achtköpfige Ausreißergruppe, die sich absetzen konnten. Darunter mit Lukas Pöstlberger (Bora Hansgrohe) und Jonas Koch (CCC) ein Österreicher und ein Deutscher. Der Rest der Gruppe bestand aus Nelson Oliveira, Ramon Sinkeldam, Zhandos Bizjigitov, Michael Hepburn, Kris Boeckmans und Mihkel Räim. Das Feld ließ den Abstand jedoch niemals um mehr als drei Minuten ansteigen.

Allerdings wurde es dann chaotisch. Aufgrund eines großen Crashs kam es im Rennen der Frauen zu Verzögerungen. Dieses fuhr jenem der Männer voraus. Um den Rennverlauf beider Veranstaltungen nicht zu stören, mussten die Männer nun anhalten, um den nötigen Abstand zu wahren. Vor allem aber ging es um die Sicherheit. Nach dem Unfall bei den Frauen war eine Ambulanz in die falsche Richtung des Kurses gefahren – und somit den Männern entgegen. Alles kam nun zum Stehen. Doch die Organisatoren hatten Mühe, das Fahrerfeld rasch zum Stillstand zu bringen, sodass die Ausreißergruppe diskret geschluckt wurde. Danach mussten die Organisatoren die Fahrer ausfindig machen, die in der Ausreißergruppe gewesen waren, um ihnen wieder ihren Abstand von 2:30 Minuten zuzugestehen. Dann konnte es weiter gehen.

Weitere Attacken im Feld

Die Wirren dieser chaotischen Situation nutzten alsbald einige weitere Fahrer, um zu attackieren. Dries De Bondt (Corendon-Circus), Anthony Turgis (Direct Energie), Ivan Garcia Cortina (Bahrain-Merida), Kasper Asgreen (Deceuninck-QuickStep) und Mathieu van der Poel (Corendon-Circus) formten eine Gruppe von Verfolgern zwischen dem Hauptfeld und der führenden Ausreißergruppe um Koch und Pöstlberger. Vor allem van der Poel machte hier richtig Betrieb und bestätigte wieder seine Formstärke während dieser belgischen Frühjahrsklassiker. Doch das Feld war nun alarmiert. Mehrere Teams arbeiteten intensiv daran, hier nicht viel zuzulassen. Kaum zwei Minuten trennten das gesamte Rennen (Ausreißer, Verfolger und Fahrerfeld) voneinander. Das Renngeschehen war nun inmitten der dicht an dicht folgende Aufstiege und Kopfsteinpflaster Abschnitte angekommen.

Vorne entschied sich Nelson Oliveira dazu, alleine abzuhauen. Er ließ den Rest der Ausreißer hinter sich. Hinter ihm flogen an den Aufstiegen nun etliche Konstellationen auseinander. Im Feld griff Tiesj Benoot an und konnte eine Lücke schlagen. Ein paar Fahrer folgten ihm. Darunter auch Titelverteidiger Lampaert. Derweil formten die ehemaligen Ausreißer um Koch und Pöstlberger und deren Verfolger um den holländischen Meister Mathieu van der Poel nun eine Gruppe hinter Oliveira, der immer noch alleine vorneweg fuhr. In dieser Phase ordnete sich das Rennen wieder, da es für den Moment bergab bzw. flach war. Das Feld machte rasant an Boden gut. Österreichs Lukas Pöstlberger schien dies nicht gefallen und er setzte sich ebenfalls ab, um sich an der Spitze mit Oliveira zusammenzutun. Die Verfolgergruppe dahinter dünnte indes immer weiter aus und ging ins Feld über. Nur Bob Jungels (Deceunick QuickStep), Tiesj Benoot (Lotto Soudal), Mathieu van der Poel (Corendon-Circus) und Anthony Turgis (Direct Energie) harrten noch dazwischen aus. Das Geschehen jedoch nach wie vor extrem dicht beieinander.

 

 

Pech für Oliveira und ein nachlässiges Peloton

Für Nelson Oliveira wurde es dann bitter. Sein eigenes Rennrad machte ihm einen Strich durch die Rechnung und ein mechanischer Defekt beendete seine Ambitionen! Pöstlberger wurde alsbald von den vier Verfolgern eingeholt, sodass diese nun eine führende Fünfergruppe bildeten. Dies war 25 Kilometer vor dem Ziel die Situation. Das Feld atmete den Ausreißern schon quasi ins Genick. Allerdings arbeitete das Peloton in der folgenden Phase nicht gut zusammen. Ganz im Gegensatz zur Ausreißergruppe, in der mit Jungels (Luxemburg), Pöstlberger (Österreich) und van der Poel (Niederlande) gleich drei Landesmeister unterwegs waren. Die Ausreißer konnten folglich ihren Vorsprung auf 35 Sekunden ausbauen. Dadurch sahen sich weitere Fahrer zu Attacken ermutigt. Es bildete sich eine Gruppe von vier Verfolgern knapp vor dem Peloton. Darunter Nelson Oliveira, der sich mit seinem Pech nicht abfinden wollte!

Zwar sollte dieser Verfolgung kein Glück beschieden sein. Doch die fünf Ausreißer in Front konnten bei noch 15 Kilometern zum Ziel eine Führung von knapp über 50 Sekunden verbuchen! Das Feld bekam sie einfach nicht gebändigt! Der hektische Streckenverlauf mit viel Auf und Ab, die schmalen Gassen sowie die Kopfsteinpflaster Passagen kamen den fünf starken Ausreißern scheinbar zupasse. Ihr Vorsprung wuchs eher weiter, als dass er kleiner wurde! Es schien nun immer wahrscheinlicher, dass der Sieger aus diesem Fünfgespann, bestehend aus Lukas Pöstlberger, Bob Jungels, Tiesj Benoot, Mathieu van der Poel und Anthony Turgis, kommen würde. Sie arbeiteten diszipliniert – wie bei einem Mannschaftszeitfahren – zusammen. Dadurch, dass mit Jungels und Benoot zwei Fahrer der lokalen Top-Teams dabei waren (QuickStep und Lotto Soudal), sahen diese sich offensichtlich nicht veranlasst, im Feld hart zu arbeiten. Alles arbeitete den Fünfen in die Hände! Jungels war der Erste, der bei zehn Kilometern mal die Beine seiner Mitstreiter testete. Doch sie blieben an ihm dran.

Ein Fünfkampf zur Ziellinie

Ab drei Kilometern vor dem Ziel ging dann das Lauern los. Wer machte hier den ersten Schritt, die so oft fruchtlose erste Attacke vor dem Ziel? Bei noch zwei verbliebenen Kilometern fand sich kein Freiwilliger. Wie würden Pöstlbergers Beine durchhalten? Er war immerhin schon in der ersten Ausreißergruppe des Tages dabei gewesen. Ein langer Tag für den Österreicher! Doch würde es auch ein erfolgreicher sein? Noch ein Kilometer! Benoot zog an, doch seine vier Konkurrenten reagierten prompt und blieben an seinem Hinterrad!

Der Gruppensprint zum Ziel wurde immer mehr zur Gewissheit. Der Franzose Turgis leitete eben diesen ein. Doch Mathieu van der Poel, der holländische Landesmeister, zeigte die besten Beine und ging an ihm vorbei. Er sicherte sich den Sieg und hatte sogar noch Gelegenheit zum Jubeln vor der Linie! Und das als Fahrer eines Wildcard Teams! Die Wetten von QuickStep und Lotto Soudal waren nicht aufgegangen!


Werbung