Jakob Fuglsang sichert sich zweiten Sieg bei Critérium du Dauphiné - Bericht zum Rennen

Jakob Fuglsang gewinnt Critérium du Dauphine 2019

Bildquelle: Chaps the idol [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Aktuelle Radsport Ergebnisse: Bereits die erste Etappe des überwiegend verregneten Critérium du Dauphiné 2019 präsentierte einige interessante Herausforderungen in Form mehrerer Bergwertungen. Die Allererste eine der ersten Kategorie, auch wenn die Etappe noch nicht als Bergetappe galt. Die Etappe endete jedoch flach, sodass auch die Sprinter sich etwas ausrechnen konnten. Doch es sollte anders kommen. Oliver Naesen, Magnus Cort, Niklas Eg, Fabien Doubey, Casper Pedersen und Julien Vermote konnten bei Kilometer 10 entfliehen und eine Lücke eröffnen.

Im Laufe der Etappe dünnte sich diese Ausreißergruppe aus. Das Feld jedoch mit allen Händen voll zu tun, diese Ausreißer zu stellen. Entsprechend dünnte sich auch das Feld aus, wobei alle großen Sprinter das Nachsehen hatten. Ihr Tag sollte es nicht werden!

Das reduzierte Feld schloss erst im Bereich der Ziellinie zu drei verbliebenen Ausreißern auf. Diese kämpften bis zuletzt! Doch letztlich war es der Norweger Edvald Boasson Hagen, der sich überraschend im reduzierten Massensprint durchsetzte und dem bislang glücklosen Team Dimension Data einen lang ersehnten Etappenerfolg bescherte. Hagen mit einem starken Sprint vor namhafter Konkurrenz in Form von Julian Alaphilippe, Wout van Aert und dem deutschen Radrennfahrer Nils Politt.

Etappe Nummero zwei war weiterhin verregnet. Das Etappenprofil dabei fast das eines Frühjahrsklassikers. Acht Bergwertungen ergaben ein unstetes, hügeliges Etappenprofil, das Eintagesspezialisten entgegenkam. Das dachten sich auch etliche Angreifer! Nach dem ersten Anstieg, dem Côte de Moussages, formierte sich eine bärenstarke Ausreißergruppe, die gar einige potenzielle Klassement-Fahrer enthielt: Tom Dumoulin, Julian Alaphilippe, Michal Kwiatkowski, David Gaudu, Jack Haig, Gorka Izagirre, Benoit Cosnefroy, Rémi Cavagna, Emanuel Buchmann, Gregor Mühlberger, Ruben Fernandez, Sepp Kuss, Carl Fredrik Hagen and Alessandro De Marchi versetzten das Feld in Angst und Schrecken! Wieder wurde es eine wilde Jagd wie am Tag zuvor.

Sam Bennett stiehlt wieder eine Etappe für Bora Hansgrohe

Und wieder hieß das für die bulligen Sprinter, dass ihnen nichts blieb, als sich hinterher zu quälen. Abermals reduzierte sich das Feld. Allerdings glückte die Jagd und die Ausreißergruppe selbst zersplitterte eingedenk des hohen Tempos in mehrere Gruppierungen. Emanuel Buchmann blieb vorne mit dabei. Doch 35 Kilometer vor dem Ziel wurden sie gestellt, was abermalige Attacken provozierte. Es formte sich abermals eine zehnköpfige Ausreißergruppe. Den letzten Anstieg nutzten mit Dylan Teuns und Guillaume Martin die zwei stärksten Bergfahrer, um sich abzusetzen. Ihre Attacke glückte! Im Zweikampf an der Ziellinie setzte sich dann der Belgier Dylan Teuns durch und schlüpfte ins Trikot des Gesamtführenden. Nach ihnen kamen, in dicht gestaffelten Abständen, viele der Klassement-Fahrer ins Ziel.

 

 

Etappe Nummer drei, flach im Verlauf, kam dann endlich den Sprintern zugute. Zwar setzte es vier Bergwertungen. Diese gingen jedoch nie über die vierte Kategorie hinaus. Entsprechend fanden sich nur zwei Freiwillige, um erfolgreich ein Ausreißer-Duo zu formen (Ausreißer haben bei klaren Flachetappen generell schlechte Karten). Zwei Procontinental Fahrer, Natnael Berhane and Quentin Pacher, zeigten dennoch Flagge. Sie wurden zwölf Kilometer vor dem Ziel wieder gestellt. Im Massensprint war es erfreulicherweise Bora Hansgrohes irische Wunderwaffe, Sam Bennett, der sich wieder einmal im Sprint unwiderstehlich durchsetzen konnte.

Chris Froome stürzt schwer

Am vierten Aktionstag folgte das Einzelzeitfahren über 26 Kilometer. Dieses sogleich überschattet von einer echten Hiobsbotschaft für Team INEOS und englische Radsportfans: Der vierfache Tour de France Sieger und INEOS Team Kapitän Chris Froome stürzte schwer in der Vorbereitung und schied nicht nur aus dem Critérium du Dauphiné 2019 aus. Auch die Tour de France 2019 wird Froome verpassen, wie sich im Laufe des Tages bestätigte. Als er die Strecke zwecks Vorbereitung abfuhr und sich während einer Abfahrt kurz an der Nase rieb, erfasste eine Böe sein Vorderrad, woraufhin Fromme bei rund 60 km/h in eine Hauswand donnerte. Mehrere Knochenbrüche resultierten und nach einer achtstündige OP in St. Etienne beteuerte Fromme froh zu sein, diesen Unfall überlebt zu haben! Ihm bleibt nur eine rasche und vollständige Genesung zu wünschen.

Im Zeitfahren konnte sich der aussichtsreiche Jumbo-Visma Jungfahrer Wout van Aert durchsetzen, was ihm nach mehreren zweiten und dritten Podiumsplätzen den ersten Etappensieg bei einem World Tour Rennen einbrachte. Dahinter der Amerikaner Teejay Van Garderen (31 Sekunden langsamer). Bis auf Nairo Quintana, der einige Federn ließ, kamen die meisten Klassement-Fahrer zeitlich gut durch dieses Zeitfahren. Mit Emanuel Buchmann und Nils Politt waren auch zwei deutsche Radrennfahrer unter den schnellsten zehn Absolventen. Adam Yates übernahm, mit nur jeweils wenigen Sekunden vor seinen direkten Verfolgern, die Führung im Gesamt-Klassement.

Yates bleibt zunächst in Front

Etappe Nummer fünf kam wieder den Sprintern zugute. Drei Ausreißer – Yoann Bagot, Stéphane Rossetto und Alessandro De Marchi – versuchten dennoch ihr Glück. Tatsächlich wurden sie erst kurz vor dem Ziel gestellt, wobei De Marchi es noch einmal alleine versuchte, jedoch innerhalb des letzten Kilometers eingesackt wurde. Im Sprint setzte sich dann überraschend der Sieger des Vortags, Wout van Aert vor Sam Bennett und Julian Alaphilippe durch! So machte er gleich am Folgetag seinen Zweiten World Tour Sieg fest! Im Gesamt-Klassement änderte sich nichts Wesentliches.

Etappe Nummer sechs war abermals eine sehr hügelige und vor allem ausgedehnte Angelegenheit. Mit 229 Kilometern war es die längste Etappe beim Critérium du Dauphiné 2019. Weiterhin war es verregnet. Trotz des von Anfang an hohen Tempos sprangen Gregor Mühlberger, Alessandro De Marchi und Julian Alaphilippe bei Kilometer zwölf davon und schafften eine Lücke von mehr als zwölf Minuten. Alaphilippe war kam dabei jeweils als Erster über die zahlreichen Bergwertungen und katapultiert sich in das Trikot für die Bergwertung. De Marchi, der schon am Vortag bis zuletzt in der Ausreißergruppe gewesen war, brach kurz vor dem Gipfel des letzten Anstiegs, dem Col de Beaune, ein. Es kam zum Showdown zwischen Alaphilippe und Mühlberger, die gemeinsam die Abfahrt nahmen. Der Franzose schlug den deutschen Radrennfahrer denkbar knapp in einem Sprint, in dem nur wenige Zentimeter den Ausschlag gaben! Ein Foto-Finish musste her! Adam Yates behielt seinen Vorsprung von vier Sekunden vor Teuns und Van Garderen, der wiederum nur zwei Sekunden dahinter auf Rang drei des Gesamt-Klassements lag.

Antizipierte Königsetappe bringt noch nicht die Entscheidung

Die vorletzte und siebte Etappe setzte massive Bergwertungen. Drei Bergwertungen der ersten Kategorie standen an, ehe es zu einer Bergankunft der Sonderkategorie kam. Hier würden die Karten auf den Tisch kommen! Und die geringen Zeitabstände, welche die Klassement-Fahrer trennten, würden nun unweigerlich entscheidend wachsen. Soweit die Theorie. In einer 20-köpfigen Ausreißergruppe fand sich auch Julian Alaphilippe wieder. Zweifelsohne um die drei Bergwertungen der ersten Kategorie für sich klarzumachen und so seinen Anspruch auf das Bergtrikot zu festigen. Am ersten Berg gelang ihm das auch noch. Danach ging er davon (gemeinsam mit Lennard Hofstede). Allerdings übernahmen in den folgenden Geplänkeln andere Fahrer der zersplitterten Ausreißer die Führung.

Nairo Quintana war bei zehn verbleibenden Kilometern der erste Klassement-Fahrer, der am letzten Aufstieg attackierte. Kwiatkowski ging sofort mit. Die anderen Klassement-Fahrer schnappten sie sich jedoch wieder zwei Kilometer später. Der Niederländer Wout Poels griff als Nächstes an und konnte zu den letzten beiden verbliebenen Ausreißern, Alexey Lutsenko und Michael Woods, aufschließen. Auf den letzten vier Kilometern lief alles zusammen, bevor Bardet einen Angriff wagte. Poels schloss jedoch die Lücke, während Porte, Kruijswijk und Quintana Probleme bekamen und abreißen ließen. Emanuel Buchmann und Jakob Fuglsang gingen davon! Auf dem letzten Kilometer beschleunigte der unermüdliche Poels, um zu ihnen aufzuschließen. Der Niederländer überholte Fuglsang und Buchmann auf den letzten 300 Metern und holte seinen ersten Sieg in diesem Jahr! Fuglsang wurde Zweiter und führte die Gesamtwertung mit 8 Sekunden Vorsprung vor Adam Yates und 20 Sekunden vor Teejay Van Garderen an. Buchmann mit 21 Sekunden auf Rang vier des Gesamt-Klassements! Überhaupt waren die Top-7 Fahrer maximal nur 33 Sekunden voneinander entfernt! Hier war noch alles möglich!

Julian Alaphilippe macht die Bergwertung klar

Die achte und finale Etappe war vielleicht nur 112,5 Kilometer lang. Doch dafür reihte sich Berg an Berg! Ein Dutzend Fahrer ging davon: Dylan van Baarle (INEOS), Jack Haig (Mitchelton-Scott), Julian Alaphilippe (Deceuninck-Quick Step), Felix Grossschartner (Bora-Hansgrohe), Carlos Verona (Movistar), Sébastien Reichenbach (Groupama-FDJ), Sepp Kuss (Jumbo-Visma), Julien Bernard (Trek-Segafredo), Carl Fredrik Hagen (Lotto-Soudal), Hermann Pernsteiner (Bahrain-Merida), Alessandro De Marchi (CCC) und Warren Barguil (Arkea-Samsic). Darunter jedoch niemand, der den Klassement-Fahrer unmittelbar gefährlich werden konnte. Alaphilippe nutze seine Präsenz in der Ausreißergruppe, um wieder möglichst viele Gipfel als Erster zu überfahren.

Rechnerisch war ihm das Bergtrikot daraufhin nicht mehr zu nehmen. Julian Alaphilippe sah auch stark genug aus, hier den Etappensieg festzumachen. Auch im fortgeschrittenen Rennverlauf behielt die mittlerweile 13-köpfige Ausreißergruppe (Deutschlands Nils Politt war noch dazugekommen) eine Führung von rund vier Minuten. In der Gruppe der Klassement-Fahrer machte der Führende, Jakob Fuglsang, gemeinsam mit seinem Team Astana das Tempo. Hier galt die Konzentration weniger den Ausreißern und mehr der entscheidenden Schlussphase des Rennens.

 

 

Völlig überraschend schied dann Adam Yates bei noch 48 zu fahrenden Kilometern aus dem Rennen aus, obwohl er (acht Sekunden hinter Fuglsang) ein aussichtsreicher Kandidat auf den Gesamtsieg gewesen war! Kurz darauf teilte Team Mitchelton-Scott mit, dass Yates schon am Morgen mit Fieber zu kämpfen gehabt hatte. Er zog sich nun im eigenen Ermessen aus dem Rennen zurück. Bitter für den Briten! 30 Kilometer vor dem Ziel war der Abstand zwischen dem verbliebenen Feld und den Ausreißern bereits kleiner (um die 2 Minuten und 30 Sekunden). Team INEOS machte nun Betrieb, wohl um Wout Poels für das Finale zu positionieren.

Dylan van Baarle und Jack Haig mit dem langen Atem

Am letzten großen Anstieg des Tages (erste Kategorie) griff Carlos Verona in der Ausreißergruppe an. Politt musste abreißen lassen. Verona wurde kurz darauf wieder gestellt. Doch schien der Zerfall der Ausreißergruppe (20 Kilometer vor dem Ziel) nun besiegelt. Sowohl in der Ausreißergruppe als auch im sehr lang gezogenen Feld dahinter wurde nun gnadenlos ausgesiebt! Und dabei war das hier noch nicht einmal der letzte Anstieg! Das Feld knapp 18 Kilometer vor dem Ziel mit 92 Sekunden Abstand zu den Ausreißern.

Bei den Ausreißern setzten sich van Baarle, Haig, Kuss und Hagen erfolgreich ab. Alaphilippe in einer fünfköpfigen Verfolgergruppe dahinter. Team Astana und INEOS mit der Führungsarbeit im Feld dahinter. Der Abstand, eingedenk der Geplänkel an der Spitze, nun aber wieder auf knapp zwei Minuten angewachsen. Es wurde nun eine reine Abnutzungsschlacht! Das Quartett an der Spitze war bald auf ein Duo, Hollands Dylan van Baarle und Australiens Jack Haig, reduziert. Hagen und Alaphilippe jedoch nicht weit dahinter. Van Baarle und Haig gingen zuerst über die Kuppe, hinein in die letzte Abfahrt, ehe es noch einmal über mehrere kleine Kuppen nahezu kontinuierlich nach oben in Richtung Ziel gehen sollte.

Niemand fordert Fuglsang ernsthaft heraus

Die letzten zehn Kilometer! Auch die Gruppe um die verbliebenen Klassement-Fahrer war nun bis auf etwa 20 Fahrer ausgedünnt. Van Baarle und Haig setzten sich zunehmend ab. Es schien auf einen Zweikampf zwischen diesen beiden hinauszulaufen. In der Gruppe der Klassement-Fahrer übernahm nun wieder Team Astana das Zepter. Auch Bora Hansgrohe war mit Buchmann und einem Helfer noch aussichtsreich in dieser entscheidenden Gruppe vertreten. Weiter vorne musste Alaphilippe seine Jagd aufgeben. Van Baarle und Haig zu solide unterwegs. Lediglich Hagen wollte noch nicht aufgeben, war aber mit 44 Sekunden dahinter und noch drei Kilometern kaum mehr in der Lage, hier die Lücke zu schließen. In der Gruppe um die relevanten Klassement-Fahrer blieb alles so knapp vor dem Ziel erstaunlich ruhig. Würde denn niemand Jakob Fuglsang um den Gesamtsieg herausfordern? Immerhin waren in der Gruppe einige Kontrahenten (einschließlich Buchmann), die keine halbe Minute hinter dem Führenden aus Dänemark standen! Dabei war das Tempo noch nicht so wahnsinnig hoch, eingedenk dessen dass van Baarle und Haig an der Spitze ihren Abstand vergrößern konnten.

An der Zielgeraden eröffnete Dylan van Baarle den Sprint und nahm den Etappensieg! Haig kam nicht an ihm vorbei. Hagen fuhr alleine als Dritter über die Linie. Anschließend noch einige versprengte Ausreißer (unter ihnen Alaphilippe). Thibaut Pinot attackierte noch einmal in der Gruppe der Klassement-Fahrer. Doch Fuglsang ließ ihn nicht gewähren. Zwei Minuten nach van Baarle kam die Klassement-Gruppe an. Fuglsang kam somit zu einem nicht wirklich angefochtenen Gesamtsieg!

Etwas enttäuschend. Eingedenk der knappen Abstände hätte man doch etwas mehr Kampf erwartet. Aber scheinbar hatte keiner der Kontrahenten die Körner für eine entscheidende, späte Attacke. Für Fuglsang war es bereits der zweite Gesamtsieg beim Critérium du Dauphiné 2019. Wout van Aert sicherte sich die Punktewertung. Team Astana, die Teamwertung.


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