Frankreich bezwingt Kroatien im packenden Finale mit 4:2 & ist zum 2. Mal Weltmeister

Neuer Weltmeister: Frankreich setzt sich zum 2. Mal die Krone auf

Bildquelle: Kremlin.ru [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Vive la France! Frankreich ist zum zweiten Mal nach 1998 Weltmeister und hat zugleich Deutschland vom Thron gestoßen. Die Equipe Tricolore besiegte Kroatien, die lange Zeit die bessere Mannschaft waren, in einem packenden Finale der WM 2018 mit 4:2 (2:1) im Olympiastadion Luschniki in Moskau. Es war das zugleich torreichste WM-Endspiel seit 1958.

„Es ist zu schön, es ist wunderbar für die Spieler, eine junge Generation. Wir haben viel Qualität an den Tag gelegt, mental und oft genug getroffen“, erklärte Trainer Didier Deschamps nach den 90 furiosen Minuten. Noch vor 20 Jahre hatte der Nationaltrainer Frankreich als Kapitän zum goldenen Pokal geführt, nun ist ihm das Kunststück als Trainer geglückt. Damit ist Deschamps nach dem Brasilianer Mario Zagallo und Franz Beckenbauer erst der Dritte, der den WM-Titel sowohl als Spieler als auch als Trainer gewonnen hat.

Kroaten mit besserem Start - Mandzukic mit erstem Final-Eigentor

Dabei erwischte Kroatien, die erstmals in der Geschichte in einem WM-Finale standen, den besseren Start gegen zunächst abwartend und nervös agierende Franzosen. Doch gute Torgelegenheiten konnten sich die Feurigen nicht erspielen und in der 18. Minute kassierte der Underdog wie aus dem Nichts den Rückstand, der gleich doppelt bitter war. Denn der argentinische Schiedsrichter Nestor Pitana pfiff nach minimalen Kontakt von Brozovic an Antoine Griezmann auf Freistoß. Der Star-Stürmer schlenzte das Leder in den Strafraum, wo Mario Mandzukic die Hereingabe mit dem Kopf touchierte, unglücklich ins eigene Tor verlängerte und für das allerste Eigentor in einem WM-Finale sorgte. Die Führung für Frankreich kam aus dem Nichts, doch die Balkan-Kicker steckten nicht auf. Schließlich gerieten sie auch in allen drei K.o-Spielen der WM 2018 in Rückstand und drehten am Ende die Partie.

Zweifelhafter Elfmeter für Frankreich

Auch gegen die Franzosen schlugen die Kroaten schnell zurück. Zehn Minuten später traf Ivan Perisic mit einem wuchtigen Linksschuss zum verdienten und vielumjubelten 1:1-Ausgleich (28.). Danach entwickelte sich auf dem Rasen ein ausgeglichenes Match, bis die Karierten erneut vom Pech heimgesucht wurden. Ausgerechnet Perisic klatschte der Ball nach einer Ecke aus kurze Distanz an die Hand. Schiri Pitana studierte eigehend die TV-Bilder und entschied auf Handelfmeter für Frankreich. Griezmann ließ sich nicht zweimal bitten und verwandelte mit seinem vierten WM-Treffer eiskalt zur erneuten Führung der Grande Nation (38.). „Ich kommentiere nie Schiedsrichter-Entscheidungen. In einem WM-Finale gibst du so einen Elfmeter aber nicht“, monierte Kroatiens Nationalcoach Zlatko Dalic nach der Partie.

Doppelpack von Pogba & Mbappe bringt Frankreich auf Titelkurs

Somit waren erneut die kroatischen Aufhol-Qualitäten gefragt und kurz nach Anpfiff der 2. Halbzeit setzte Ante Rebic von Eintracht Frankfurt mit seinem wuchtigen Schuss ein Zeichen (48.), doch Keeper Hugo Lloris war zur Stelle. Das leidenschaftlich kämpfende Kroatien hielt den Druck hoch, zugleich ergaben sich aber für Frankreich Räume für Konter. In der 52. Minute scheiterte Kylian Mbappe noch aus spitzem Winkel an Danijel Subasic, aber wenige Minuten griff Kroatiens Schlussmann zum dritten Mal hinter sich. Nach filigraner Ablage von Griezmann wurde ein Rechtsschuss von Paul Pogba noch vom kroatischen Defensivverbund geblockt, den Nachschuss mit links platzierte der Mittelfeldstar von Manchester United aber in die Maschen und erwischte Subasic auf dem falschen Fuß (59.).

Für die vorläufige „endgültige“ Entscheidung sorgte sechs Minute später Shootingstar Kylian Mbappe. Der 19-Jährige zog mit einem satten Distanzschuss aus zentraler Position und der Ball schlug im linken Toreck ein. Damit ist Mbappe nach Pele 1958 der zweitjüngsten Finaltorschütze bei einer Weltmeisterschaft. 4:1 für Frankreich, der Drops schien gelutscht.

Böser Torwartfehler von Lloris lässt Kroatien hoffen

Doch der Wille der nie aufsteckenden Kroaten war längst noch nicht gebrochen und Lloris brachte die Feurigen mit einem fürchterlichen Fehler wieder zurück ins Spiel. Nach einem Rückpass von Samuel Umtiti wollte der Torwart Mandzukic lässig ausspielen, doch der 32-Jährige ließ einfach seinen rechten Fuß stehen und spitzelte das Leder über die Linie (69.). Ein kurioser Treffer, der in Moskau noch einmal für etwas Spannung sorgte. Mit dem Hoffenheimer Andrej Kramarich auf Seiten der Kroaten und Corentin Tolisso bei den Franzosen betraten in der Schlussphase noch zwei Bundesligaakteure die Showbühne im WM-Finale 2018. Auf dieser hielt Kroatien bis zum Abpfiff den Druck weiter aufrecht, doch weitere Treffer sollten nicht mehr fallen.

Am Ende triumphierte Frankreich, bei denen der Erfolg ganz klar über dem spielerischen Glanz steht, mit den Tugenden, die sie bereits die gesamte WM in Russland ausgezeichnet haben: Ruhe in Kombination mit gnadenloser Effektivität.

Auszeichnungen für Griezmann, Mbappe & Modric

„Wir haben nichts zu bedauern, wir waren für den Großteil des Spiels die bessere Mannschaft. Leider haben ein paar ungeschickte Tore es in ihre Richtung gedreht“, fasste Luka Modric, der zum besten Spieler der WM ausgezeichnet wurde, treffend zusammen. Und Griezmann, der zum „Man of the match“ gewählt wurde, betonte: „Kroatien war ein starker Gegner.“

„Der Weg zum Titel war weit, aber wir sind sehr stolz darauf, dass wir die Franzosen glücklich machen konnten, damit sie ihre Alltags-Sorgen vergessen können. Jetzt feiern wir, und wir werden den ganzen Sommer feiern“, jubelte hingegen Mbappe, der wenig überraschen zum besten Jungprofi der WM 2018 gekürt wurde.


Fußball WM