Sportfreunde Lotte? SG Sonnenhof Großaspach? - "Dorfvereine" im Fokus

Sportfreunde Lotte und SG Sonnenhof Großaspach in der 3. Liga

Bildquelle: By Leon Thiel [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Ab der 3. Liga gilt die Schwelle zum deutschen Profifußball als überschritten. Mit dabei sind zwei Teams, die man dem Namen nach gefühlt eher irgendwo zwischen Kreisliga und Bezirksliga verorten würde. Die Sportfreunde Lotte und die SG Sonnenhof Großaspach spielen in der 3. Liga. Dort stellen sie zu traditionsreichen Größen der Vergangenheit, wie dem 1. FC Kaiserslautern, Hansa Rostock, Eintracht Braunschweig, 1860 München und dem Karlsruher SC einen krassen Gegenpol dar.

Die Wahrnehmung als Dorfvereine ist auch alles Andere als ungerechtfertigt, denn sowohl die Sportfreunde Lotte als auch die Sportgemeinschaft Sonnenhof Großaspach repräsentieren Gemeinden. Was die berechtigten Fragen aufwirft: Wie sind sie hier hingelangt? Und wo zum Geier liegt das überhaupt?

Sportfreunde Lotte – eine beständige Erfolgsgeschichte

Sportfreunde Lotte ist wohl mit reiner Hartnäckigkeit nach oben gekommen. Und das über Jahrzehnte! Vor dem Mauerfall hat der Verein noch in der zehnten Staffel der Bezirksliga Nordrhein Westfalen gespielt. Seither sind die Sportfreunde kontinuierlich nach oben geklettert. Nicht ein Abstieg hat diesen Weg nach oben getrübt, wenn auch die Verweildauer in einigen Ligen recht lange ausfiel. So spielte Lotte jeweils acht Spielzeiten in der Verbandsliga Westfalen (1. Staffel/1996 bis 2004) sowie in der Regionalliga West (2008 bis 2016). Zwischendrin wurden Aufstiegschancen mehrfach verpasst. Doch das Abstiegsgespenst hat in Lotte schon seit Ewigkeiten nicht zugeschlagen.

Seit 2016 ist Lotte nun Teil der 3. Liga. Der sportliche Werdegang der Fußballabteilung aus der Gemeinde Lotte (etwas über 14.000 Seelen leben dort) ist angenehm organisch und wirkt wie ein häufig vermisster Gegenentwurf zu den finanziellen Interventionen, die den sportlichen Erfolg von langer Hand in Hoffenheim oder Leipzig gesichert haben. RB Leipzig war übrigens einer der Gründe, warum die Sportfreunde Lotte nicht schon früher aufgestiegen sind. Denn in der Aufstiegsrunde scheiterte Lotte (als damaliger Meister der RL-West) an RB Leipzig. Selbst im DFB-Pokal konnte Lotte schon von sich Reden machen. 2017 ging es dort bis ins Viertelfinale gegen Dortmund! Auf dem Weg dorthin hatten die Sportfreunde Lotte zwei Bundesligisten (erst Bremen, dann Leverkusen) und anschließend noch einen damaligen Zweitligisten (1860 München) aus dem Wettbewerb schmeißen können. Der Achtungserfolg! Wohl die größte stärke der beständigen Kicker aus Lotte. Schön, dass so was auch heute noch möglich ist. Wenn auch nur gerade so.

SG Sonnenhof Großaspach – Vom Hobbyteam zum Profifußball

Historisch reichen die Wurzeln dieses Vereins bis 1920 zurück. Doch in der heutigen Form ist die SG (Sportgemeinschaft) Sonnenhof Großaspach erst 1994 entstanden. Und zwar resultierend aus der Fusion zweier lokaler Vereine. Die SG Sonnenhof Großaspach repräsentiert die Gemeinde Aspach bei Stuttgart mit ihren rund 8.200 Seelen. Ein echtes Fliegengewicht im Profifußball! Im Grunde genommen geht die Entstehungsgeschichte der heutigen SG Sonnenhof Großaspach auf zwei Linien zurück. Da wäre zum einen die Spielvereinigung Großaspach. Fußballabteilung eines ordentlichen Vereins, die 1936 ins Leben gerufen wurde. Politische Zwistigkeiten führten zur vorübergehenden Spaltung der Mannschaft in zwei separate Abteilungen, die jedoch nach dem Krieg wieder zusammenfanden. Sportlich war Großaspach das, was man von einem Dorfverein gemeinhin erwartet. Ein Kreisligaaspirant mit allen Höhen und Tiefen, sowie gelegentlichen Ausflügen in die Bezirksliga.

Die anderen Wurzeln der heutigen SG Sonnenhof Großaspach sind besonders kurios! Sie gehen auf eine Freizeitmannschaft zurück, die 1976 zusammenfand. Der FC Sonnenhof Kleinaspach. Der damalige Juniorchef des namensgebenden Hotels “Sonnenhof“ hatte um sich eine Stammtischmannschaft geformt, die den Freizeitfußball in ihrer Region derart dominierte, sodass irgendwann der Schritt erwogen und schließlich gegangen wurde, einen ordentlichen Verein zwecks regelmäßigem Spielbetrieb anzumelden. So geschah es! Das Team wurde von einem Spielertrainer (Görge Kalb) gelenkt. Einer der Spieler, der dort übrigens phasenweise als Spieler aktiv war, war ein gewisser Ralf Rangnick. Schon kurios! Der heutige “Judas“ unter den Trainern (zumindest nach dem Einvernehmen der Fußballromantiker) war selber mal Spieler bei dieser abenteuerlichen Erfolgsgeschichte: ein Treppenwitz der Fußball-Historie, mit dem Sie, lieber Leser, nun bei passender Gelegenheit triumphal aufwarten können.

Die ehemalige Hobbymannschaft wurde bald erfolgreicher als die alteingesessene Truppe aus der Gemeinde. Sie brachte es gar bis in die Landesliga, während die Spielvereinigung noch in der Kreisliga herumdümpelte. Und das überwiegend unter der Leitung von Trainer Görge Kalb! Dieser blieb auch über die Fusion der beiden Vereine hinaus Trainer (bis 1998). Von da an nahm die Geschichte einen ähnlichen Verlauf wie in Lotte. Man spielte kontinuierlich in der Landesliga oben mit, bis schließlich der Aufstieg in die Verbandsliga gelang. Nach drei Spielzeiten dort ging es bereits in die Oberliga Baden Württemberg. Und der Rest ist Erfolgsgeschichte, denn von da an ging es kontinuierlich bergauf, ohne auch nur zwischenzeitig einen Abstieg hinnehmen zu müssen. Tatsächlich ist die SG Sonnenhof Großaspach seit der Fusion noch kein einziges Mal abgestiegen! 2014 gelang der Aufstieg in die 3. Liga. Das beste Ergebnis seither: ein beachtlicher 7. Platz in der Saison 2015/16.


3. Liga, Amateurfußball