Gorilla Monsoon – Ein Mann für alle Fälle

Infos zur Wrestling-Legende Gorilla Monsoon

Bildquelle: Public domain [CC BY-SA 0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Mit Blick auf die Dauer und Vielseitigkeit seines Wirkens, war Gorilla Monsoon wohl eine der prägendsten Figuren der WWE-Geschichte. Zunächst wurde er als Heel-Wrestler und später als umjubeltes Babyface, das gar mit Muhammad Ali im Ring stand, zu einem Eckpfeiler des WWWF bzw. später WWF Main Events unter Vince McMahon Sr.

Als dann Vince McMahon Jr. das Ruder übernahm und die WWF in den Mainstream katapultierte, trat Gorilla Monsoon als kongenialer Partner von Jesse Ventura (später von Bobby Heenan) im Kommentatoren-Gespann in Erscheinung, indem er für die ersten Jahre der unter Vince McMahon revolutionierten WWF (und somit für den Großteil der „Goldenen Ära“) zur Stimme der WWF wurde.

 

Nicht weniger als die ersten Acht WrestleManias wurden allesamt von Gorilla Monsoon als Play-by-Play Kommentator kommentiert. Später diente Gorilla Monsoon als On-Air Autoritätsfigur in Form des sogenannten „WWF Präsidenten“, vergleichbar mit dem späteren Posten des Comissioners bzw. General Managers, wie er noch heute in den Storylines bei RAW und SmackDown zum Einsatz kommt. Respektiert und geachtet von seinen Vorgesetzten wie Weggefährten, wurde der große Mann mit italienischen Wurzeln zu einer echten Institution in der WWF.

Der Gigant aus der Mandschurei

Robert James Marella, wie Gorilla Monsoon mit bürgerlichem Namen hieß, war bereits in der Schule sowie später im College ein hochgewachsener Athlet, der sowohl Leichtathletik als auch Ringen betrieb. Ferner spielte er Football. Insbesondere im Ringen und der Leichtathletik tat er sich hervor. So stellte er einen schulischen Rekord auf, indem er seinen Gegner für 18 kontinuierliche Sekunden am Boden pinnte. Auch in der Leichtathletik tat er sich durch mehrere Bestleistungen hervor. Kaum, dass Marella das College abgeschlossen hatte, wurde er von einem hiesigen New Yorker Promoter vom Fleck weg rekrutiert.

So begann Marellas Wrestling-Karriere 1958. Zunächst trat er als Gino Marella auf. Ein italienisch singendes, patriotisches Babyface. Allerdings merkte Marella bald, dass die Fans nur sehr bedingt auf diese Figur ansprachen. Er wandelte seinen Charakter radikal und ersann höchstselbst das Gimmick des Gorilla Monsoon. Fortan trat er als wilder Hüne aus der Mandschurei auf, dem vom Blut saufen über das Essen von rohem Fleisch nur Übles nachgesagt wurde. Als derart exotischer Monster-Heel schlug Monsoon ein wie eine Bombe und einige der Zuschauer vor Ort waren sichtbar eingeschüchtert vom wilden Killer aus der Mandschurei. Dies ging sogar soweit, dass bei einem Match gegen Bruno Sammartino (später in der WWWF) ein Zuschauer in das Match eingriff und Monsoon mit einem Holzstuhl attackierte, wobei der Stuhl zu Bruch ging.

Teilweise Eigner der WWWF

Unter dem Banner der WWWF (die WWF hieß früher World Wide Wrestling Federation ehe sie kosmetisch ein „W“ ablegte) wurde Gorilla Monsoon zum absoluten Top-Heel. Insbesondere als Rivale von Bruno Sammartino trat er wieder und wieder in Erscheinung. Oft auch im Rahmen von Tag Team Matches. So tat sich Gorilla Monsoon mit anderen Top-Heels, wie Killer Kowalski und Toru Tanaka, zusammen. Durch seine Prominenz auf den Matchcards und eine Freundschaft zu Vince McMahon Sr. wurde Monsoon gar zum Anteilseigner der WWWF und kontrollierte in einigen ihrer Territorien die Bookings.

Später wandelte Gorilla Monsoon sich zum gefeierten Publikumsliebling, nachdem er seinem ehemaligen Feind und Dauer-Babyface Bruno Sammartino unerwartet zur Hilfe kam. Fortan blieb Gorilla Monsoon (wohl auch aufgrund seiner immensen Popularität in New York) bis auf wenige Unterbrechungen Babyface und wrestelte gegen namhafte Heels, wie Superstar Billy Graham, Ernie Ladd oder seinen ehemaligen Kumpanen Killer Kowalski. Bei einer Gelegenheit drückte er gar Muhammad Ali im Rahmen eines PR-Stunts auf die Matte, nachdem er ihn im Airplane Spin umhergewirbelt hatte.

 

 

Wie populär Gorilla Monsoon in New York war, ließ sich daran erkennen, als er im Herbst seiner Karriere von einem gewissen Hulk Hogan in unter einer Minute besiegt wurde. Hogan, der damals noch als Heel unterwegs war, sollte sogleich stark dargestellt werden. Die Fans waren außer sich und Hogan floh notgedrungen aus der Arena, woraufhin sein Wagen von einem aufgebrachten Mob aufs Dach gedreht wurde. Erst nach Eingreifen der Polizei beruhigte sich die Situation.

Stimme der „Goldenen Ära“

Als Vincent Kennedy McMahon das Zepter von seinem Vater bei der WWF übernahm, wollte er volle kommerzielle Kontrolle über das Produkt und kaufte auch Gorilla Monsoon seine Anteile ab. Im Gegenzug gewährt McMahon ihm eine Anstellung auf Lebenszeit, womit er den Willen seines Vaters respektierte, der Gorilla Monsoon als langfristigen und loyalen Weggefährten versorgt wissen wollte.

Nach seiner Laufbahn als Wrestler wurde Monsoon zum Kommentator der WWF. Gemeinsam mit einem anderen ehemaligen Wrestler, Jesse „The Body“ Ventura, revolutionierte er, wie Wrestling in den USA kommentiert wurde. Waren die Kommentatoren (die zumeist allein kommentierten) ehedem stets auf der Seite der Babyface-Wrestler gewesen, war Ventura derjenige, der mit den Heels sympathisierte. Monsoon war dagegen die Stimme der Vernunft. Beide offenbarten eine großartige Chemie miteinander, sodass das Kommentatoren-Gespann Monsoon und Ventura heute noch als wegweisend betrachtet wird. Auch mit seinem späteren Broadcasting-Partner, Bobby Heenan (der zu einem guten Freund Monsoons werden sollte), hatte Monsoon eine klasse Chemie.

Da wirkt es schon fast befremdlich, dass Gorilla Monsoon damals vom Wrestling Observer Newsletter rekordmäßige sechsmal zum schlechtesten Kommentator gewählt wurde. Eine Einschätzung, die extrem schlecht gealtert ist, weil sie heute so gut wie niemand mehr teilt.

Gorilla Position

Ab den 90ern zog sich Monsoon zunehmend vom Kommentatorenpult zurück und hatte Mitte des Jahrzehnts noch einmal einen Run als On-Air WWF-Präsident. Eine vermeintliche, der Storyline dienliche Autoritätsfigur. Im Sommer 1997 legte Monsoon diese Rolle ab. Auch weil sein Gesundheitszustand rapide schwand. Leider sollte Gorilla Monsoon kein wirklich hohes Alter beschieden sein. Er starb mit 62 Jahren an den Komplikationen von Diabetes.

Die Backstage-Position unmittelbar vor der Einmarschrampe der Wrestler wird heute noch „Gorilla Position“ genannt. Eine Anerkennung des Umstands, dass Gorilla Monsoon später dort, als er im Backstagebereich mitwirkte, die meiste Zeit anzutreffen war (wohl um die Matches gut beobachten zu können). Der Begriff „Gorilla Position“ ist tatsächlich in den Fachjargon der Promoter übergegangen – auch abseits der WWE!

Insbesondere als Heel-Wrestler hat Gorilla Monsoon das Wrestling weitergebracht. Denn in einer Zeit, in der selbst die Top-Heels in aller Regel spätestens dann verloren, wenn es gegen den großen Helden ging, rang Monsoon selbst Ikonen wie Bruno Sammartino bisweilen ein Unentschieden ab. Nicht selten im Rahmen von Matches, die eine ganze Stunde gingen. Daran kann man sehen, dass der Gigant aus der Mandschurei sich einen großen Teil seiner Athletik noch eine ganze Weile bewahrt hatte, ehe es im gesetzten Rahmen ans Kommentatorenpult ging, um auch dort Wegweisendes zu schaffen.


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