Egan Bernal siegt bei der Tour de Suisse 2019 - Radsport News zum Etappenrennen

Egan Bernal gewinnt Tour de Suisse 2019

Bildquelle: Fred Schaerli [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Die erste Etappe stellte sogleich ein kurzes Einzelzeitfahren von 9,5 Kilometern Länge dar. Hier ergaben sich an der Spitze keine nennenswerten Lücken. Platz eins (Rohan Dennis) und Platz zwei (Maciej Bodnar) waren gar nur durch Bruchteile einer Sekunde getrennt. Auch die Ränge dahinter waren jeweils nur wenige Sekunden entfernt.

Etappe Nummer zwei führte über ein hügeliges Streckenprofil. Die Ausreißergruppe des Tages formte sich am ersten Anstieg nach Schallenberg, wo sich letztlich ein Quartett bestehend aus Guillaume van Keirsbulck, Gavin Mannion, Claudio Imhof und Fabien Grellier formierte. Imhof war jedoch scheinbar nicht zufrieden mit dem Tempo in dieser Gruppe und attackierte erfolgreich, sodass er alleine in Front ging.

 

Die anderen drei Ausreißer wurden inmitten der Etappe gestellt, während Imhof noch bis 37 Kilometer vor dem Ziel alleine ausharren konnte. Zwölf Kilometer vor dem Ziel ging dann Luis León Sanchez auf und davon. Das reduzierte Feld war nicht mehr in der Lage ihn zu stellen. Er eroberte den Etappensieg und Peter Sagan setzte sich im Sprint hinter ihm durch. Die nach wie vor sehr knappe Gesamtführung übernahm kasper Asgreen.

Peter Sagan übernimmt die Punktwertung und Gesamtführung

Bert-Jan Lindeman, Willie Smit, Ryan Anderson und Simon Pellaud verloren keine Zeit und attackierten direkt in Etappe drei. Sie bildeten somit die Ausreißergruppe des Tages, wurden im finalen Rennabschnitt jedoch gestellt. Pellaud versuchte sein Glück noch einmal auf eigene Faust, wurde jedoch sechs Kilometer vor dem Ziel eingesackt. Im Sprint, der eine kurze, steile Rampe hoch führte, setzte sich Bora Hansgrohes Peter Sagan durch, als er sich ans Hinterrad von Jasper Stuyven stahl, das eigentlich dessen Team-Kapitän John Degenkolb galt. Sagan kam so bestens positioniert aus der letzten Kurve vor der Ziellinie und konnte nicht mehr gestellt werden. Hinter ihm wurde Elia Viviani noch Zweiter. Sagan übernahm ferner die Gesamtführung.

Die vierte Etappe sah eine Ausreißergruppe bestehend aus dem deutschen Radrennfahrer Simon Geschke, Robin Carpenter, Gian Friesecke und Taco van der Hoorn davonziehen. Als in der zweiten Hälfte dieser abermals hügeligen Etappe jedoch die Anstiege zunahmen, schmolz der Vorsprung beständig dahin. Bora Hansgrohe mit der Führungsarbeit im Feld. Und dann schlug der Verletzungsteufel wieder bei Team INEOS zu! Deren Team Kapitän und Tour de France Sieger von 2018, Geraint Thomas, wurde in einen Unfall verwickelt, der für ihn das Ende des Rennens bedeutete. Ein Schockmoment für Team INOES, die erst beim Critérium du Dauphiné Chris Froome im Zuge eines schweren Sturzes verloren hatten. Doch anders als dieser wird Geraint Thomas wohl dennoch bei der kommenden Tour de France antreten können. Seine Verletzung erwies sich glücklicherweise als nicht so ernst. Bei den Ausreißern hielt Friesecke am längsten durch, wurde aber gestellt. Im Sprint-Finale setzte sich Italiens Ausnahmesprinter Elia Viviani durch, der seinen ersten Tour de Suisse Etappensieg feiern konnte. Peter Sagan wurde Dritter, behielt aber in der Gesamtwertung die Nase vorn.

Viviani gewinnt letzten Sprint, ehe es in die Berge geht

Etappe Nummer fünf sah ein Ausreißer Trio bestehend aus Stefan Küng, Matej Mohoric and Fabien Grellier lange an der Spitze. Im Feld dahinter war vor allem Bora Hansgrohe bestrebt, dieses Trio nicht an der langen Leine zu lassen. Denn der Schweizer Stefan Küng war im Gesamt-Klassement nur 25 Sekunden hinter dem Führenden, Peter Sagan, und somit eine Bedrohung. Doch er wurde beizeiten wieder gestellt. Einzig und allein Matej Mohoric hielt vorne die Stellung, wurde aber letztlich auch einkassiert. Es wurde also doch wieder ein Gruppensprint. Und wie schon am Vortag verstand es Team Deceunick QuickStep besser, seinen Mann zu positionieren. Abermals siegte Elia Viviani. Diesmal direkt gefolgt von Peter Sagan, der dadurch seine Gesamtwertung verteidigte, aber in der Punktewertung gegen seinen offenkundig ärgsten Rivalen etwas an Boden verlor.

 

 

Etappe sechs markierte die erste echte Bergetappe bei dieser Tour de Suisse. War das Radrennen bislang von den Sprintern geprägt und die Abstände an der Spitze klein, so sollte sich dies ab hier ändern. Nach 25 Kilometern formte sich eine schlagfertige, über 20 Mann zählende Ausreißergruppe. Diese konnten bis zu vier Minuten Abstand schaffen. Die geschwollene Spitzengruppe stürmte den Flumserberg zwei Minuten vor dem Hauptfeld. Antwan Tolhoek machte sich schließlich alleine auf den Weg, bevor allein Luis Mas und Patrick Bevin mit ihm mitgehen konnten. Der Niederländer ließ jedoch auch diese beiden Mit-Ausreißer auf den letzten drei Kilometern fallen, während Egan Bernal für Team INEOS in der Gruppe der Klassement-Fahrer attackierte. Er verschlang die Reste der Ausreißergruppe und machte sich auf den Weg nach oben. Allein Tolhoek bleib außer Reichweite und gewann die Etappe 17 Sekunden vor dem entfesselten Kolumbianer, der sich in die Gesamtführung katapultierte.

Egan Bernal festigt seine Führung

Die siebte Etappe der Tour de Suisse 2019 führte nicht nur durch die Berge, sondern war mit 216 Kilometern auch die längste Etappe der Rundfahrt. Die Reise ging zum Gotthard Pass. Über eine Stunde sollte es dauern, ehe sich die erste Ausreißergruppe formieren konnte. Sie bestand aus Koen Bouwman, Winner Anacona, Steve Morabito, Mathias Frank, Michael Albasini, Lukasz Wisniowski, Tsgabu Grmay und Gino Mäder. Die ersten beiden von drei großen Anstiegen konnte diese Gruppe vor der Hauptgruppe absolvieren, wobei Koen Bouwman jeweils zuerst über die Kuppen ging und sich die Führung in der Bergwertung sichern konnte. Bouwman ging am Gotthard Pass solo, wurde aber schließlich von Mathias Frank überholt. Jedoch wurden beiden von der Gruppe um die Klassement-Fahrer gestellt, wo zunächst Enric Mas wegging. Doch drei Kilometer vor dem Ziel ging dann Egan Bernal im gelben Trikot auf und davon. Er überholte den Spanier und sicherte sich seinen ersten Etappensieg bei einer Tour de Suisse. Der Kolumbianer baute seinen Vorsprung als Gesamtführender um 41 Sekunden aus. Hinter ihm in der Gesamtwertung war Rohan Dennis, gefolgt von dem Österreicher Patrick Konrad für Bora Hansgrohe.

Am vorletzten Aktionstag folgte noch mal ein Zeitfahren über 19 Kilometer. Hier würde jede Sekunde Vorsprung für Egan Bernal zählen, da der hinter ihm im Gesamt-Klassement lauernde Rohan Dennis als der bessere Zeitfahrer galt. Bernal wurde letztlich Elfter im Zeitfahren, 38 Sekunden hinter dem schnellsten Mann des Tages, Yves Lampaert (Deceunick Quickstep). Rohan Dennis, der Sechster wurde, konnte seinen Rückstand zwar auf 22 Sekunden reduzieren. Doch vor der finalen Bergetappe hielt Egan Bernal nun die Trümpfe in der Hand, da er klar der bessere Kletterer der beiden war und ab Rang drei alles wohl zu weit weg war, um den Kolumbianer hier noch ernsthaft zu gefährden.

Planänderungen am letzten Aktionstag

Die finale und neunte Etappe musste aufgrund unverhoffter winterlicher Verhältnisse komplett neu angesetzt werden! Der Sustenpass war immer noch gesperrt. Daher musste die Organisation eine neue Route finden. Das Furkahorn war der einzige Pass, der noch aus dem ursprünglich angedachten Etappenprofil enthalten war. Nufenen und Gotthard kamen stattdessen hinzu. Die Schlussetappe war nun kompakte 101,5 Kilometer lang sein und es galt, 3.063 Höhenmeter zu überwinden. Dadurch jedoch Rohan Dennis vielleicht mit Chancen, da die Etappe nach dem letzten Gipfel in eine Abfahrt ging und dann für zehn Kilometer geradeaus verlief, ehe es zur Ziellinie ging. Dennis konnte also vielleicht noch einmal seine Zeitfahrer-Qualitäten geltend machen – vorausgesetzt er kam gut über die Berge.

Direkt von Anfang an, begann die Route zu steigen. Hugh Carthy öffnete eine Lücke, bevor elf Männer zu ihm aufschlossen. Der Brite hielt jedoch nicht viel von Gesellschaft und ging später wieder alleine davon. Hinter ihm dünnte sich die Verfolgergruppe seinen zeitweiligen Mitstreiter immer mehr aus. Am letzten Aufstieg waren nur noch Simon Spilak und Mathias Frank in der Gruppe hinter ihm. Dahinter die Gruppe um die Klassement Fahrer. Doch Carthy hielt souverän einen Abstand von über zwei Minuten auf das Duo hinter ihm. Was für ein Ritt!

Hugh Carthy mit sensationellem Schuss aus der Hüfte

Hugh Carthy war hier kurz davor, nicht nur den Etappensieg, sondern auch noch das Bergtrikot zu klauen! Derweil dünnte sich die Gruppe um die Klassement-Fahrer aus, bis nur noch der harte Kern und wenige Helfer verblieben. Egan Bernal war auf sich alleine gestellt! Wenige Kilometer vor dem finalen Gipfel wurden Mathias Frank und Simon Spilak von der kleinen Gruppe um die Klassement-Fahrer gestellt. Hugh Carthy aber immer noch mit knapp drei Minuten Vorsprung.

Hugh Carthy kam als Erster über den Furkapass, nahm somit drei Sonderkategorien an einem Tag und sicherte sich in dieser Sekunde das Bergtrikot! Sein Überfall an diesem letzten Tag war geglückt! Nun galt es noch, über 20 Kilometer zu bewältigen. Und wie zu erwarten war, attackierte Rohan Dennis kurz vor dem Gipfel, um in der Abfahrt sowie im flachen Bereich dahinter seine Stärken auszuspielen. Bernal ging mit. Der Rest der Gruppe konnte nicht folgen. Die Abfahrt stellenweise nicht ungefährlich, da Schmelzwasser über die Straßen floss. Dadurch konnte Dennis in diesem Abschnitt nicht so aggressiv fahren, wie er es möglicherweise geplant hatte. Bernal blieb folglich bei ihm. Und die beiden sollten nach Hugh Carthy, der seinen ersten World Tour Sieg in sensationeller Manier feierte, gemeinsam übers Ziel kommen. Der Gesamtsieg ging also an den gerade einmal 22 Jahre alten Egan Bernal, der somit auch bester Jungfahrer wurde. Die Bergwertung ging an Hugh Carthy und die Punktewertung wieder mal an Peter Sagan.


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