Rico Verhoeven feiert 8. Titelverteidigung bei Glory 59

Rico Verhoeven verteidigt Titel bei Glory 59

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In der ausverkauften Johan Cruyff Arena kam es vor großer Kulisse zu einem Kickbox-Event, das eindeutig unterstrich, dass es dem Sport in Holland sehr gut geht. Nach den frühen Vorkämpfen, die auf Glorys YouTube Kanal übertragen wurden, kamen dann die Glory 59 Super Fight Series, wobei es sich eigentlich um weitere Vorkämpfe handelte, die (wie üblich) auf dem UFC Fight Pass übertragen wurden. Sport-90.de – übernehmen Sie!

Es wurden, wie bei Glory üblich, Kämpfe auf drei Runden angesetzt (á drei Minuten). Drei Niederschläge resultierten in einem automatischen TKO. Einzig und allein bei den Kampfrichtern griff Glory nicht auf die magische Zahl “3“ zurück, denn dort kamen wiederum fünf Kampfrichter zum Einsatz. Deren Punktevergabe (nach den 10-point-must System wie beim Boxen) geschah übrigens völlig offen und wurde jede Runde eingeblendet.

Klare Punktsiege für Ulianov und Mannaart

Los ging es im Federgewicht mit Russlands Aleksei Ulianov (25-5) gegen Marokkos Zakaria Zouggary (31-4-1). Ulianov verlegte sich früh aufs Kontern. Zouggary mit Problemen, den geduldigen Russen zu stellen, baute stattdessen auf mitunter unorthodoxe Attacken. Darunter Sprungkicks und Spinning Backfists (wir schreiben das übrigens auf Englisch, weil “rotierende Rückhand“ einfach dämlich klingt). Doch bei einem eben solchen exotischen Kick brachte Ulianov Zouggary zu Boden, als er ihn in der Luft abblockte und zur Matte drückte. Zwar formal kein Niederschlag, wurde es dennoch als solcher geahndet, da Zakaria Zouggary ein wenig brauchte, um nach dem harten Sturz wieder aufzustehen. Dadurch geriet er gleich mit einer 10 zu 8 Runde ins Hintertreffen. In der Zweiten dann mit mehr Druck konnte er einige der Kampfrichter überzeugen. Doch in der dritten und letzten Runde war der Druck dann voll auf ihm, denn Ulianov ließ sich nicht zweimal bitten und hielt nun seinerseits dagegen, anstatt nur zu kontern. Dabei hatte er die besseren Hände und fand auch Erfolg mit einigen Knien. Er gewann den Kampf durch einhellige Entscheidung der Kampfrichter.

Im Schwergewicht traf der Tscheche Daniel Skvor (25-8-2) auf den Niederländer Roel Mannaart (23-2). Eine recht offene erste Runde mit gleichermaßen offenem Schlagabtausch, doch Mannaart mit Vorteilen durch seine Kicks gegen den Körper. In der nächsten Runde startete Skvor stark und landete ein paar gute Hände. Insbesondere als er Mannaart zwischenzeitig an den Seilen hatte. Doch Mannaart kam im Verlauf der Runde gut zurück, als er seine Führhand wieder und wieder ins Ziel brachte und Skvor auch diese Runde mit Volumen und guten Treffern abnehmen konnte. In der Dritten wusste Skvor, dass er hinten lag, und musste agieren. Entsprechend drückte er aufs Gaspedal, sodass Mannaart zunächst einmal einen Ansturm zu überstehen hatte. Doch Skvor investierte naturgemäß viel und ermüdete zusehends, was Roel Mannaart wiederum die Möglichkeit bot, das Ruder erneut an sich zu reißen. Mannaart schickte seinen Kontrahenten schließlich mit einer Hand zum Körper auf die Bretter. Skvor berappelte sich wieder, konnte von da an aber nur noch wacker bis zum Ende des Kampfes durchhalten. Eindeutiger Sieg für Mannaart!

Zwei umkämpfte Siege

Im Halbschwergewicht traf der tunesische Veteran Mourad Bouzidi (80-23-2) auf Michael Duut (42-10). Ein intensiver Kampf, zwischen zwei Kämpfern, die einander offensichtlich nicht ausstehen konnten. Entsprechend intensiv war der Kampf, der fast nur im Nahbereich geführt wurde. Der Holländer dabei nahezu ausschließlich mit seinen Händen unterwegs. Enge erste Runde, bei der beide Kämpfer glänzen konnten, wann immer sie nach vorne gingen. Duut mit der wohl eindeutigsten Szene, als er Bouzidi offensichtlich angeschlagen hatte. Bouzidi kämpfte ohnehin die meiste Zeit außen, während Duut von der Mitte her Druck machte. Zweite Runde ähnlich eng. Das offene Scoring der Kampfrichter wies ebenfalls einen extrem knappen Kampf aus. Eine heftige dritte Runde sah einen aggressiven Michael Duut, der versuchte, es klarzumachen. Und er landete schwer gegen den Kopf, sodass Bouzidi angeschlagen in die Seile taumelte. Doch er hielt wacker durch, denn auch er brauchte diese letzte Runde in dem knappen Kampf. Doch vier Sekunden vor Schluss schlug der Blitz in Form eines linken Konter Hakens gegen die Schläfe ein, als Bouzidi voll von Michael Duut erwischt wurde und auf den letzten Metern ins Reich der Träume geschickt wurde.

Bei einem Kampf im Weltergewicht traf der Aserbaidschaner Alim Nabiyev (49-7) auf Arubas Eyevan Danenberg (23-6). Nabiyev war in der für ihn ungewohnten Situation, der kleinere Kämpfer zu sein, denn beide Kontrahenten waren sehr groß für die Gewichtsklasse. Nabiyev der Kämpfer mit mehr Vorwärtsbewegung, beide jedoch mit Anteilen und Treffern. Nabiyev aber mit etwas klareren Aktionen und wurde von drei Richtern entsprechend vorne gesehen. Die zweite Runde konnte Nabiyev wesentlich deutlicher für sich entscheiden. Weiterhin ging die Vorwärtsbewegung von ihm aus und Danenberg, der eigentlich selber leiten wollte, kam damit zusehends schlechter zurecht. Zum Ende der Runde fand Nabiyev vollends seinen Rhythmus und provozierte den Gegner mit aufreizenden Meidbewegungen, ehe er sogar eine Spinning Backfist ins Ziel brachte. Drei Kampfrichter sahen Nabiyev mit zwei Runden vorne. Danenberg nun unter Druck. Auch in der dritten Runde behielt Nabiyev seinen Rhythmus bei. Eyevan Danenberg fand kein Mittel, den Mann aus Aserbaidschan dauerhaft unter Druck zu setzen, sodass dieser sich den Sieg durch Split Decision sichern konnte.

Groenhart weist den jungen Jaraya in die Schranken

Murthel Groenhart bei Glory 59 siegreich

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Der Hauptkampf der “Super Fight Series“ war eine Angelegenheit zwischen zwei Weltergewichten. Mit 22 Jahren war und ist Mohammed Jaraya (64-6) bereits ein extrem erfahrener Kämpfer. Er hatte sich, nach nur einem Kampf in Glory, Murthel Groenhart (67-23-3) zum Ziel erkoren. Es war bereits der 18. Kampf für Groenhart unter dem Banner von Glory. Groenhart, der Mann mit dem bösesten Gesicht im Kickboxen, vor allem für seinen spektakulären und fanfreundlichen Kampfstil berüchtigt. Demgemäß agierte Groenhart in der ersten Runde mit allem dahinter, was seine Fäuste hergaben und mit fliegenden Kniestößen. Dadurch hatte er aber weniger Output, wodurch Jaraya mit mehr Volumen und guten Low Kicks punkten konnte, ehe ihm ein kontroverser Niederschlag in die Parade fuhr.

Es war eigentlich eher ein Treffer gegen die Deckung und ein gleichzeitiges Ausrutschen, dennoch wurde es vom Ringrichter irrtümlich als Niederschlag erkannt, wogegen Jaraya protestierte. In der zweiten Runde dann ein Niederschlag durch Murthel Groenhart, an dem es wiederum keine Zweifel geben konnte. Jaraya kam noch einmal denkbar knapp hoch, doch danach nahm Groenhart keine Gefangenen mehr und übersäte seinen Gegner mit Haken, sodass dieser stehend KO vom Ringrichter gerettet werden musste.

Eine knappe Entscheidung und ein eindeutiger Sieg

Der erste Kampf auf der Main Card spielte sich im Leichtgewicht ab. Marokkos Tyjani Beztati (16-2) gegen Angolas Christian Baya (60-7-1). Die erste Runde fing gut für Beztati an, doch endete stark für Baya, der die sichtbar schwereren Hände mit in den Ring brachte. Dennoch Beztati über weite Strecken von Runde eins mit der Initiative. Doch am Ende musste er ein paar Treffer einstecken, die nicht ohne Wirkung waren. In der zweiten Runde war Beztati dann wieder mit mehr Anteilen; Baya lauerte auf Gelegenheiten, seine Power anzubringen, gab dadurch jedoch die zweite Runde aus der Hand. In der dritten Runde arbeitet Baya etwas mehr zu den Beinen, aber es blieb eine Angelegenheit, in der Beztatis Volumen gegen Bayas Power stand. Christian Baya mit den augenscheinlicheren Treffern, doch Beztati konnte mit technisch besseren Kombinationen und etwas mehr Volumen die Split-Decision zu seinen Gunsten erstreiten.

Anschließend traf im Schwergewicht der 2,05 Meter große Marokkaner "Goliath" Jamal Ben Saddik (31-7) auf D'Angelo Marshall (18-3) aus Curacao. Auch der Mann von der Insel war 1,95 groß. Beide Giganten verloren wenig Zeit und ließen die Fäuste fliegen. Doch der Goliath hatte das bessere Ende für sich und landete drei Niederschläge in der ersten Runde, was bei Glory den automatischen TKO nach sich zieht. Der Marokkaner war geduldiger, ließ sich nicht in Mitleidenschaft ziehen und landete die ersten beiden Niederschläge mit Kontern, ehe er den Deckel drauf machen konnte. Danach forderte Ben Saddik öffentlichkeitswirksam Badr Hari heraus, der annahm.

Kiatmookao wird jüngster Glory Champion!

Als Co-Main Event folgte ein Titelkampf im Federgewicht. Der junge und bereits dekorierte Muay Thai Champion Petchpanomrung Kiatmookao (160-36-2) trat gegen Robin van Roosmalen (40-7) an. Hierbei ging es um eine Titelvereinigung, da Kiatmookao der interimsmäßige Champion war, während Hollands van Roosmalen den regulären Titel hielt. Roosmalen war Glorys bislang einziger Champion zweier Gewichtsklassen! Als Titelkampf war der Kampf über fünf Runden angesetzt. Die erste Runde ging klar an den Thai, der immer wieder mit seinem (dem Muay Thai Stil entsprungenen) Front Push Kick punkten konnte und van Roosmalen damit auch bereits einmal früh zu Boden schicken konnte, was allerdings nicht als Niederschlag galt. Wesentlich mehr Volumen vom Thai, aber van Roosmalen war bekannt dafür, langsam zu starten. Doch langsam zu starten, heißt natürlich auch, dass man dann irgendwann mal schneller werden muss – und genau das sollte sich nicht wirklich einstellen.

Robin van Roosmalen bei Glory 59

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Kiatmookao machte auch in der Zweiten einen guten Job, die Distanz zu kontrollieren. Er kämpfte entweder lang und feuerte von dort aus mit Kicks oder er ging direkt nah ran in den Infight. So konnte er die Hände von Robin van Roosmalen gut vermeiden. Als Thaiboxer war dies für ihn die logische Vorgehensweise gegen einen Gegner mit den wahrscheinlich besseren Händen. In der dritten Runde gab es mehr vom Selben. Robin van Roosmalen schaffte es nicht, Kiatmookao wirklich unter Druck zu setzen. Auch dann nicht, als er Kiatmookao an den Seilen hatte. Sehr disziplinierte Vorstellung vom jungen Thai, der seinen Matchplan (auf Kicks und Clinchs gestützt) konsequent durchzog und mehr Volumen unterbrachte. Dasselbe Bild auch in der Vierten. Robin van Roosmalen einfach zu einseitig und nicht aktiv genug, um Kiatmookao von seinem Plan abzubringen, der bis hier hin perfekt aufging. Auch die Fünfte änderte daran nichts. Alle fünf Runden wurden von allen fünf Kampfrichtern dem Thai Boxer zugestanden. Beeindruckende Vorstellung von Kiatmookao, der damit zum bislang jüngsten Glory Champion wurde (22 Jahre alt). Die Zukunft sieht hervorragend aus für Petchpanomrung Kiatmookao!

Verhoeven mit ungefährdeter Titelverteidigung

Dann schließlich stand er an – der Hauptkampf! Es ging um den Glory Titel im Schwergewicht. Brasiliens Guto Inocente (35-8) gegen den Champion, Rico Verhoeven (54-10). Verhoeven war mit bereits sieben erfolgreichen Titelverteidigungen längster amtierender Champion in Glory! Auch dieser Kampf war als Titelkampf auf fünf Runden angesetzt.

Der Champ mit einer guten ersten Runde, konnte schon früh mit seinen berüchtigten Leg Kicks Eindruck schinden. Verhoeven behauptete weitestgehend die Mitte und verstand es, seinen Herausforderer aus Brasilien nicht zu munter werden zu lassen, da dieser für unorthodoxe Offensive bekannt war. Auch in der zweiten Runde gab es Leg Kicks en masse, die Inocente jedes Mal auf wackeligen Beinen ließen. Auch mit den Händen war Verhoeven erfolgreicher als der Herausforderer. Verhoeven kontrollierte diesen Kampf souverän! Auch die meisten seiner Kombinationen konnte er immer mit Treffern beenden. Inocente schien, ohne ein Mittel zu sein. Sämtlicher Druck ging von Verhoeven aus.

Rico Verhoeven mit einer gleichermaßen dominanten Dritten. Die Basics von Verhoeven, sowohl was seine Deckung, seine Hände und seine Leg Kicks angingen, absolut kugelsicher! Er nahm seinen Herausforderer mit ins tiefe Wasser und erwies sich bislang als der weit bessere Schwimmer. In der Vierten versuchte sich Inocente dann mit ein paar Psycho-Spielchen zu behelfen, als er Verhoeven mit einem illegalen Fußfeger im Clinch von den Beinen holte. Doch Verhoeven revanchierte sich, indem er seinen Herausforderer ein wenig durch den Ring prügelte. Inocentes Hände waren nun weit unten. In der Fünften war wieder Verhoeven der Taktgeber. Effektiv zwang er den Brasilianer in einen Boxkampf, wo er seine Kicks nicht wirkungsvoll und ohne großes Risiko aus dem Hut ziehen konnte. Inocente zu diesem Zeitpunkt abgekämpft, wirkte kraftlos. Allein seinem eisernen Willen war es wohl zu verdanken, dass er bis zum Ende durchhielt und die Distanz ging. Ein Kantersieg für Verhoeven, der mitten auf seinem Zenit scheint und wieder unterstrich, warum er DAS Gesicht von Glory und dem niederländischen Kickboxsport ist.


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