Bericht zu Glory 62 - Saddik setzt sich beim Schwergewichts-Turnier durch

Bericht zu Glory 62

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Glory 62 stellte die letzte Glory-Veranstaltung für 2018 dar. Zu diesem Anlass bot Glory noch einmal alles auf. Zum einen Vorkämpfe, die andernfalls durchaus auch auf einer Main Card hätten unterkommen können. Vor allem aber ein Turnier unter Schwergewichten, das an diesem Abend gänzlich ausgetragen wurde, so wie man es aus seligen K-1 Zeiten kennt und liebt. Zu gewinnen gab es einen 100.000 Dollar Geldpreis sowie die Anerkennung als nächster Herausforderer von Glorys Langzeit Weltmeister im Schwergewicht, Rico Verhoeven.

Ausgetragen wurde das Ganze in der Ahoy Arena in Rotterdam. Eine große und würdige Kulisse für einen so ambitionierten Jahresabschluss 2018. Das Scoring der fünf Punktrichter geschah, so wie von Glory gewohnt, offen. Ring frei!

Bayrak mit geglücktem Debüt im Vorkampf, Mannaart wird Reservist

Im einzigen frühen Vorkampf des Nachmittags (zu bestaunen auf YouTube) trafen im Mittelgewicht Etugrul Bayrak (16-6/Türkei) in seinem Glory Debüt und Donovan Wisse (11-0/Surinam) aufeinander. Eine enge erste Runde, die viel Output von beiden sah. Wisse möglicherweise mit den etwas klareren Treffern, da von Bayrak vieles auf die Deckung ging. Beide gingen ein hohes Tempo. Die schnelleren Hände bei Wisse. Auch die fünf Punktrichter sahen die knappe Führung für ihn. In der Zweiten investierten beide noch mehr und landeten klare Treffer. Bayrak aber nun mehr im Vorwärtsgang. Zum Ende der Runde erste Abnutzungserscheinungen bei beiden, die hier ein enormes Tempo gingen. Unterhaltsamer Kampf für die Fans! In der Dritten wurden die Arme und Beine bei beiden sichtbar schwerer. Jedoch offenbarte Bayrak den größeren Reserve Gastank und behauptete die dritte Runde hinten raus doch recht klar für sich. Die ersten beiden Runden sahen die Punktrichter bei Wisse, jedoch nur verflucht knapp (ein Punkt Unterschied insgesamt). Doch wie sich zeigte, hatte Bayrak genug getan! Die starke dritte Runde brachte ihm die Split-Decision ein. Sehr gute Entscheidung, die dem Kampfverlauf absolut angemessen war!

Die Super Fight Series startete mit einem Reserve-Match für das spätere Heavyweight Turnier: Roel Mannaart (24-2/Niederlande) gegen Kirill Kornilov (14-2/Russland). Der Sieger wäre teilnahmeberechtigt, falls im späteren Turnierverlauf ein Kämpfer verletzungsbedingt ausfallen würde und nicht weiter am Turnier teilnehmen könnte. Entsprechend kämpften beide recht ökonomisch. Immerhin konnten später am selben Abend noch weitere Kämpfe folgen, falls die Pflicht rufen sollte. Mannaart überließ dem Russen die Mitte, kombinierte aber besser und landete insbesondere in der ersten Hälfte der ersten Runde mehr. Das sahen auch die fünf Punktrichter überwiegend so. In der Zweiten war Kornilov (wie schon in der Ersten) überwiegend als reiner Puncher unterwegs. Nahezu keine Kicks von ihm. Dadurch konnte Mannaart auch im Rückwärtsgang meist mehr Erfolge für sich verbuchen, weil er wesentlich variantenreicher in seiner Attacke war. Insbesondere Treffer zum Körper und Leg Kicks konnte er immer wieder unterbringen. Auch diese zweite Runde musste man dem Holländer geben. So sahen es auch alle fünf Punktrichter. In der Dritten zeigte Kornilov zwar zunächst mehr Dringlichkeit, doch nach wie vor nahezu allein im Faustkampf. Überdies verstand er es überhaupt nicht, seinem Gegner den Weg abzuschneiden, sodass er Mannaart im Ring einfach nur folgte. Die zusammengetretenen Beine von Kornilov dürften es nicht besser gemacht haben. Im Laufe der Runde baute er sichtbar ab. Klarer Sieg über die Distanz für Mannaart!

Hamicha und Menshikov unterstreichen Status als Newcomer im Weltergewicht

Es folgte ein Kampf im Weltergewicht, der versprach gut zu werden: Surinams Miles Simson (65-13) gegen ein Riesentalent aus Marokko, den 22-jährigen Hamicha (36-2). Ein echter Test für Hamicha zu dessen Glory-Debüt! Und er bestand ihn mit wehenden Fahnen! Beide ließen früh die Fäuste fliegen, doch Hamicha mit den klareren Treffern. Simson überdauerte jedoch eine ganze Lawine an Schlägen, obwohl er sichtbar angeklingelt war. Doch gerade, als man dachte, dass Simson diesen Sturm irgendwie überstanden hatte, schlug dann doch der Blitz in Form eines linken Head Kicks ein. Diesen hatte Hamicha schön von langer Hand vorbereitet, da er bis dahin mit dem linken Haken viel den Körper bearbeitet hatte und so die Hände seines Gegners schön nach unten dirigierte. Kaum schlug der Head Kick ein, war es ein klarer KO! Willkommen bei Glory, Hamicha!

Auch der nächste Kampf wurde im Weltergewicht ausgefochten. Russland gegen die Niederlande die Zweite: Dmitry Menshikov (20-2) gegen Robbie Hageman (53-9-1). Menshikov ein junger Fighter mit hoher KO Rate (80%). Wenig überraschend nahm der Power Puncher Menshikov die Ringmitte. Hageman zunächst gut unterwegs. Er schmiss mehr Volumen und landete dementsprechend mehr. Doch Menshikov lauerte nur auf eine Gelegenheit, seine Hände aus Stein einschlagen zu lassen. Und die sollte nicht lange auf sich warten lassen. Als er Hageman in der Ringmitte mit einer Kombination erwischte, war dieser sofort sichtbar auf Rollschuhen. Er taumelte in die Seile, wo Menshikov ihm ausgefuchst die linke Hand aus der Deckung schälte, um einen rechten Haken widerstandslos unterzubringen, der Hageman zu Boden schickte. Hageman stand zwar knapp vor dem Count wieder auf, doch ein einziger Blick des Ringrichters in dessen glasige Augen sorgte dafür, dass dieser den Kampf beendete. Sehr gute Entscheidung! Hier hätte es nur noch mehr Backpfeifen für Hageman gesetzt. Er war sichtbar angeschlagen. Menshikov offenbarte sich abermals als Furcht einflößendes Weltergewicht! Wie wäre es mit einem Fight gegen Hamicha? Das könnte wild werden!

Beztati und Grigorian empfehlen sich für Titelkampf

Es folgte ein Kampf zweier hochrangiger Leichtgewichte: Bulgariens Stoyan Koprivlenski (10-2) gegen Marokkos Tyjani Beztati (17-3). Ein spannender Rückkampf! Im ersten Aufeinandertreffen lag Beztati nach Punkten vorne, ehe Koprivlenski einen Knockout landete! Bei einem klaren Sieg konnten sich hier jeweils beide Chancen auf einen Titelkampf ausrechnen. Recht enge erste Runde mit leichten Vorteilen für Beztati. Der Kampf war sehr technisch geführt, was Beztati ein wenig eher entgegenkam, da er auf Distanz kämpfen und seine Kicks implementieren konnte. Beztati dadurch der effektivere in Runde eins. Das sahen auch alle Kampfrichter so. Die Zweite verlief ähnlich. Der Kampf weiterhin auf Distanz geführt, womit Beztati einfach besser bedient war. Auch die Zweite ging durchweg an Beztati. Koprivlenski nun gefordert. Mindestens ein Niederschlag musste her. Doch in der Dritten war Beztati weiterhin der wesentlich akkuratere Striker. Klasse vor allem, wie er im Nahbereich mit großartigen Kopfbewegungen vielen Attacken entging. Koprivlenski investierte zwar noch einmal viel. Es wollte aber nichts Zählbares dabei herumkommen. Beztati mit einer klasse Vorstellung! Ob dies jedoch zum Titelkampf gegen Sitthichai reichen würde, sollte aber auch vom folgenden Kampf abhängen. Denn auch im letzten Kampf der Super Series Vorkämpfe sollten zwei hochrangige Leichtgewichte aufeinandertreffen.

Und zwar Angolas Christian Baya (60-8-1) gegen Armeniens Marat Grigorian (59-11-1). Beides Kämpfer mit Power, die jeweils 35 KO Siege erzielen konnten. Sehr enge erste Runde, in der beide nicht unbedingt das höchste Tempo gingen, aber mit klaren Treffern schlagfertige Argumente brachten. Baya insbesondere mit guten Händen, die er häufig landete, nachdem er zur Seite auswich. Insbesondere Aufwärtshaken funktionierten gut für ihn. Grigorian ging nicht so ganz das Tempo, was man von ihm kannte. Vier Kampfrichter sahen Baya nach der Ersten vorne. In der Zweiten drehte Grigorian dann auf und brachte viel Volumen an Baya an. Auch die Vorwärtsbewegung ging komplett von ihm aus. Baya zeigte etwas zu viel Bereitschaft, die Position an den Seilen hinzunehmen, landete aber durchaus auch. Vier Kampfrichter sahen Runde zwei bei Grigorian. Der Kampf nun vollkommen ausgeglichen vor der alles entscheidenden Runde drei. Doch in der Dritten zeigte Grigorian seine überragende Kondition und ertränkte Baya in einem Volumen an Schlägen. Zum Ende des Kampfes hatte er ihn im Verhältnis von knapp 2,5:1 übertroffen, was die Treffer anbelangte. Wieder einmal wurde Grigorian seinem Ruf als kraftvoller Volumen Striker gerecht. Die Kampfrichter gaben ihm die Entscheidung!

Keine Überraschungen im Viertelfinale

Das Viertelfinale startete mit Arkadiusz Wrzosek (11-4) aus Polen gegen Benjamin Adegbuyi (31-5) aus Rumänien. Adegbuyi der klare Favorit. Er konnte bereits drei Glory-Turniere gewinnen, war mit dem Format also bestens vertraut. Adegbuyi machte direkt Druck und nahm die Mitte. Wrzosek feuerte viele Body Kicks ab und war bestrebt, den Kampf eher auf Abstand auszufechten. Er wirkte stets etwas bedrängt, wann immer Adegbuyi ihm auf die Pelle rückte. Der Rumäne diktierte hier folglich, wo dieser Kampf stattfand. Die erste Runde ging einhellig an den Favoriten. In der Zweiten baute der Pole dann ab. In ärgste Bedrängnis kam er, nachdem er nach einem Körpertreffer in die Knie ging. Adegbuyi suchte danach dem Knockout. Jedoch nicht so vehement, wie er es ohne zwei weitere Kämpfe vor der Brust getan hätte. Dadurch konnte Wrzosek noch eine dritte Runde sehen. In der Dritten setzte es einen abermaligen Niederschlag nach einem Körpertreffer. Doch Wrzosek kam erneut hoch. Die Hände nun unten, was umgehend von Adegbuyi bestraft wurde. Doch Wrzosek hielt bis zum Ende durch und bewies Kämpferherz. Dem Ergebnis tat dies freilich keinen Abbruch. Adegbuyi zog ins Halbfinale ein.

Im nächsten Turnierkampf traf Junior Tafa (20-3) aus Australien auf den Hünen aus Marokko, Jamal Ben Saddik (32-7). 20 cm Reichweitenvorteil für Saddik, doch Tafa ein echter Power Puncher (80% KO Rate). Allerdings die KO-Rate von Saddik auf Augenhöhe. Tafa sollte in diesem Kampf die eigene Ausrüstung zum Verhängnis werden. Genauer gesagt sein Lendenschutz. Dieser löste sich nämlich zweimal in Runde eins, sodass der Ringrichter die Ecke ermahnen musste, da so etwas nicht sein sollte. Beim dritten Mal würde das TKO resultieren! Danach Tafa total gehemmt. Vor allem weil er im Vorfeld selber die Backen ziemlich aufgerissen hatte. Er versuchte, den Kampf wild zu machen. Doch Ben Saddik ließ sich nicht darauf ein und verwaltete seinen klaren Reichweitenvorteil, um sich nicht die Initiative nehmen zu lassen. Nach Körper Kicks von Ben Saddik resultierten jeweils zwei Niederschläge und der Ringrichter schritt ein, da im Turnierformat zwei Niederschläge in der Runde den TKO bedeuteten (andernfalls wären es drei).

Es folgte das nächste Turniermatch zwischen Tomas Mozny (20-7-1) aus der Slowakei und Hollands Jahfarr Wilnis (31-10). Mozny, der hier der nominelle Außenseiter war, hatte den wesentlich besseren Start in Runde eins. Wilnis nahm zwar die Mitte, doch Mozny brachte wesentlich mehr Treffer unter, da Wilnis kein probates Mittel gegen dessen Reichweitenvorteil fand. Auch vermied Mozny es größtenteils gut, sich an den Seilen oder in der Ecke stellen zu lassen. In der Zweiten kam Wilnis besser in den Kampf rein. Mozny agierte etwas fahriger und fing nun an genau das schlecht zu machen, was er in Runde eins noch gut zu verhindern wusste. Er endete mehrmals in der Ecke, weil er sich zu geradlinig zurückzog, und musste dort kassieren. Entsprechend sahen vier Kampfrichter Wilnis in der Zweiten vorne. Zu Recht, da Wilnis die deutlicheren Treffer landete und sein Vorwärtsdruck nun Konsequenzen nach sich zog. Der Kampf nun sehr knapp, doch Mozny war klar konditionell am Abbauen. Dieser Eindruck erhärtete sich in der Dritten. Wieder nahm er zu bereitwillig die Position in der Ecke hin. Er feuerte zwar noch tapfer dagegen, landete auch hier und da gut. Doch Wilnis machte den Druck und bestimmte den Kampf. Mozny zudem ein paar Mal auf Spaghetti-Beinen unterwegs, wobei das wohl eher der Müdigkeit geschuldet war. Wilnis zog ins Halbfinale ein, hatte allerdings den wohl schwersten Kampf soweit, was ihm wirklich zum Nachteil gereichen konnte. Zumal Mozny das hier durchaus hätte gewinnen können, wenn er ab Runde zwei nicht so abgebaut hätte.

Im letzten Viertelfinalkampf gab es deutsche Beteiligung! Und zwar in Form von Mohamed Abdallah (18-2). Er traf auf Brasiliens Guto Inocente (35-9). Abdallah möglicherweise mit dem taktischen Vorteil, da er das erste Los zog und aus dem Vollen schöpfen konnte, als er seinen Viertelfinal-Gegner aussuchte. Gemessen an Runde eins schien Abdallah seine Hausaufgaben gemacht zu haben! Er nahm die Fühler hoch und marschierte nach vorne. Dadurch nahm er die unorthodoxen und wilden Kicks von Inocente größtenteils vom Tisch, da er konsequent die Distanz schloss. Insbesondere die Linke von Abdallah fand immer wieder ihr Ziel. Er versuchte einen Boxkampf daraus zu machen und das gelang ihm! Vier Kampfrichter sahen ihn nach Runde eins vorne! In der Zweiten verfolgte Abdallah diesen Plan weiter, doch Inocente konnte die Runde stark beenden und einige klare Treffer unterbringen. Rächte sich der intensive Einsatz von Abdallah etwa? Er wirkte am Ende der Runde unkonzentriert. Drei Kampfrichter sahen Inocente in der Tat vorne! Auch hier galt dann das Unvermeidliche: Wenn die Puste erst mal flöten geht, dann kommt sie selten wieder. Abdallah wirkte nur noch kraftlos, konnte seine Linie nicht mehr so stringent verfolgen, wie man es noch in Runde eins gesehen hatte. Immer wieder flüchtete er sich in inkonsequente Clinchs um zu klammern. Inocente konnte stellenweise kreativ werden und seine wilden Kicks schmeißen. In Runde drei landete er dann wesentlich mehr. Inocente zog via Split-Decision ins Halbfinale ein. Abdallah hatte zwar einen guten Matchplan mitgebracht, jedoch fast nur gegen den Kopf gearbeitet. Und mit seiner enorm hohen Deckung musste er auch viele Körpertreffer hinnehmen, was seiner Kondition sicher nicht zuträglich war.

Adegbuyi und Ben Saddik marschieren ins Finale

Es stand das erste Halbfinale an! Jahfarr Wilnis (32-10/Niederlande) gegen Benjamin Adegbuyi (32-5/Rumänien). Beide mussten in ihrem ersten Kampf des Abends die Distanz gehen, wobei Wilnis mehr arbeiten musste. Es war das dritte Aufeinandertreffen der beiden, wobei Adegbuyi nach zwei knappen Kämpfen jeweils das bessere Ende für sich behalten konnte. Die erste Runde verlief denkbar eng. Wilnis marschierte nach vorne und machte den Druck. Adegbuyi schafft es nicht so ganz, seine Führhand zu etablieren. Beide arbeiteten viel, doch Wilnis Vorwärtsdruck war das Zünglein an der Waage, sodass Wilnis in den Augen von vier Kampfrichtern in Front ging. Doch in der Zweiten kam Adegbuyi mit Gewalt zurück. Mit seiner Rechten landete er schwere Treffer. Wilnis taumelte bereits an den Seilen, vermied es jedoch, einen Niederschlag zu kassieren. Doch Adegbuyi nahm diese Runde glasklar. Dem schlossen sich auch alle fünf Kampfrichter an. In Runde drei bot Wilnis zunächst noch einmal alles auf, marschierte nah ran zu Adegbuyi und deckte ihn ein! Fast sah es nach einem Riesen-Comeback aus, nachdem Wilnis in Runde zwei doch klar kassieren musste. Doch er konnte den Druck nicht kontinuierlich hochhalten. Dazu war er selber zu angeschlagen. Kaum war die Distanz wieder höher, landete Adegbuyi selber vermehrt mit Kicks und langen Händen. Schließlich war es ein Kick an den Kopf, der Wilnis (Gesicht voran) zwischen die Seile schickte. KO-Sieg für Adegbuyi! Doch dazu musste er durch ein intensives Halbfinale, was sich noch als schwere Hypothek erweisen sollte! Der Kampf des Abends!

Im zweiten Halbfinale traf Guto Inocente (36-9/Brasilien) auf Jamal Ben Saddik (33-7/Marokko). Ben Saddik mit dem Vorteil, sein Viertelfinale vorzeitig beendet zu haben. Runde eins startete so verhalten, wie man es stilistisch erwarten konnte, da beide gerne Platz haben. Ben Saddik witterte dann jedoch Blut im Wasser, als er klar traf. Inocente im Überlebensmodus! Er hatte sich einen Cut am Nasenbein zugezogen und war nach der ersten Runde klar hinten, auch wenn kein Niederschlag dabei rumkam. In der Zweiten verlagerte sich Ben Saddik darauf zu kontern, was ihm auch gut gelang. Inocente konnte seine Kicks, gleichwohl er den gewünschten Platz hatte, gegen einen so langen Gegner nicht durchziehen. Ben Saddik konnte das hier gut verwalten und seine Kraft für das näher rückende Finale aufsparen. In diesem Sinne gestaltete er auch die dritte Runde. In dieser bekam Inocente sogar noch einen Punkt abgezogen, weil er immer wieder mit dem Kopf voran reinging. Ben Saddik konnte nach drei nicht übermäßig aufwendigen Runden ins Finale einziehen. Somit möglicherweise ein Fitness Vorteil für ihn.

Tavares mit Zitter-Sieg, Ben Saddik gewinnt Finale dominant

Der Co-Main Event verschaffte den beiden Finalisten noch etwas Verschnaufpause. Es stand ein Kampf im Halbschwergewicht an. Glory-Debütant Artur Gorlov (23-6) aus Lettland gegen Luis Tavares (59-7) aus den Niederlanden. Beide trafen immer wieder mit gezielten Schlägen und keiner konnte sich dauerhaft als Aggressor offenbaren. Überraschend starker Auftritt von Gorlov, der hier als Debütant eine solide Vorstellung zeigte. Tatsächlich sahen ihn gar vier Punktrichter vorne, weil Gorlov einfach effizienter war und eine klasse Deckung zeigte. Die zweite Runde war enger. Mehr Output bei Tavares. Allerdings die Deckung von Gorlov weiterhin sehr gut. Insbesondere die Kicks konnte er größtenteils entschärfen. Drei Kampfrichter sahen Tavares in Runde zwei vorne. Alles noch drin! In Runde drei konterte Tavares zunächst gut und hatte das Timing von Gorlov scheinbar entschlüsselt. Doch Gorlov reagierte genau richtig und marschierte unerbittlich nach vorne. Er zeigte mehr, dass er diese dritte Runde wollte. Und wenn eine Runde eng ist, ist Vorwärtsbewegung oft ein ausschlaggebendes Element. Tavares bekam jedoch eine hauchdünne Split Decision zugestanden (gerade mal ein Punkt Unterschied insgesamt)! Vertretbar – hätte man aber auch andersherum mühelos rechtfertigen können.

Finale! Jamal Ben Saddik (34-7/Marokko) gegen Benjamin Adegbuyi (33-5/Rumänien). Ein Finale, das so vorher einige prognostiziert hatten. Dennoch eine frische Ansetzung: Noch nie trafen diese beiden zuoberst gelisteten Glory-Schwergewichte aufeinander! Allerdings war es ein Kampf unter ungleichen Vorzeichen. Ben Saddik musste auf dem Weg ins Finale wesentlich weniger Federn lassen. Er verbrachte weniger Zeit im Ring und nahm auch deutlich weniger Schaden. Seine schnellen Hände sollten den Unterschied machen. Er wirkte frischer und für einen Mann von über zwei Metern Größe war und ist er ohnehin täuschend schnell. Kaum brachte er die Linke wiederholt durch die Deckung von Adegbuyi, war dieser sichtbar angeschlagen. Diese Gelegenheit sich Ben Saddik nicht entgehen. Er hetzte seinen Mann an die Seile, wo er ihn mit einer furchterregenden Kombination niederschlug, wodurch das TKO resultierte. Ben Saddik wird nun zum dritten Mal auf Rico Verhoeven treffen. Ein sehr interessanter Kampf, da es zwischen den beiden 1:1 steht und Ben Saddik in seinen letzten Kämpfen sehr gut aussah.


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