Strade Bianche 2019 - Alle Ergebnisse, News und ausführlicher Bericht

Ergebnisse zu Strade Bianche 2019

Bildquelle: Michiel Jelijs from Groningen, The Netherlands [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Aus der Rubrik Radsport News: Gleichwohl es erst die 13. Auflage des Rennens war, galt und gilt das Strade Bianche 2019 schon jetzt für viele Radsport Fans als einer der bemerkenswertesten Frühjahrsklassiker. Das Rennen in der Toskana bringt nicht nur ein interessantes Streckenprofil und tolle Bilder mit sich. Durch seine namensgebenden weißen Schotterabschnitte (elf an der Zahl mit einer Gesamtlänge von 63 km) ist rund ein Drittel der Strecke von einer Beschaffenheit, wie man sie nicht oft im Radwettkampf auf der Straße sieht. Hinzu kommen die zahlreichen kurzen aber mitunter steilen Anstiege, die sich durch die hügelige Landschaft ergeben und so Steigungen von stattlichen rund 3.000 Metern diskret in den Rennverlauf einspeisen.

Im Vorjahr war Strade Bianche noch durch nasses, kaltes Wetter geprägt. Der Rennkurs war insbesondere in den besagten Schotterabschnitten entsprechend matschig und langsam. Fast schon ein anderer Sport! Doch heute war es in der Toskana knochentrocken, sodass die Fahrer in den bildhübschen, ländlichen Schotterabschnitten immer wieder in Staub gehüllt waren. Das Tempo war entsprechend hoch! Schon 40 km vor dem Ziel konnte von einem geschlossenen Feld keine Rede mehr sein.

Starkes Line-Up bei Strade Bianche 2019

Der Belgier Tiesj Benoot (Lotto Soudal) trat an, um seinen Sieg aus dem Vorjahr zu verteidigen. Dies war jedoch alles Andere als selbstverständlich. So war Benoot vor einer Woche beim Omloop Het Nieuwsblad gestürzt und musste das Knie genäht bekommen. Doch er wurde als fit erklärt, um seinen Titel zu verteidigen. Diesbezüglich würde er alle Hände voll zu tun haben, denn die Konkurrenz konnte sich sehen lassen. Benoots Landsmann Greg Van Avermaet (CCC-Team) galt als großer Kandidat. Wout van Aert war im Vorjahr Dritter geworden und kehrt dieses Jahr als Straßenfahrer für Jumbo-Visma zurück. Alexey Lutsenko für Astana. Lotto Soudal außerdem mit Tim Wellens im Aufgebot. Team Sky traten mit Tour de France 2018 Sieger Geraint Thomas und Gianni Moscon an.

Neben Moscon trat für Italien außerdem noch Vincenzo Nibali (Bahrain-Merida) in die Pedale. Diese beiden sicherlich unter den Herzenskandidaten der italienischen Fans. Denn trotz bereits zwölf absolvierten Rennen konnte bislang nur ein einziger Italiener (Moreno Moser/2013) Strade Bianche in der Eliteklasse der Herren gewinnen. Rekordsieger mit drei Erfolgen ist übrigens der Schweizer Fabian Cancellara.

Natürlich war Deceuninck-Quick Step anlässlich dieses Eintagesrennen wieder stark vertreten. Mit dem Cadel Evans Great Ocean Road Race 2019 und dem Omloop Het Nieuwsblad konnten sie bereits die beiden Eintagesrennen in der noch jungen UCI World Tour 2019 für sich entscheiden. Sie fuhren auch hier wieder ein beachtliches Line-Up auf. Der frühere Strade Bianche Gewinner und Cyclocross-Weltmeister Zdenek Stybar, der letzte Woche den Omloop gewann, der Franzose Julian Alaphillipe (Sieger von zwei Etappen und der Bergwertung der Tour de France 2018) und Pieter Serry, der sich bislang in hervorragender Form präsentiert hatte, waren unter anderem im Aufgebot des belgischen Spitzenteams.

Alaphillipe macht ersten französischen Sieg klar

Entsprechend dem hohen Tempo dauerte es bis Kilometer 34, bis sich eine vierköpfige Ausreißergruppe erfolgreich absetzen konnte. Mit dabei waren Diego Rosa (Team Sky), Leo Vincent (Groupama-FDJ), Alexandre Geniez und Nico Denz (beide AG2R La Mondiale). Phasenweise konnte das Quartett dem Feld bis zu viereinhalb Minuten Vorsprung abtrotzen. Doch nicht lange nachdem das Feld angefangen hatte, ernst zu machen, zerfiel auch die Ausreißergruppe. Geniez hatte einen defekten Reifen und Vincent musste konditionell abreißen lassen. Beide wurden in der Folge vom Feld geschluckt, auch wenn Geniez noch eine Weile versuchte, zum verbliebenen Duo an der Spitze aufzuschließen. Als im Streckenverlauf einige der ausgeprägtesten Steigungen anstanden, zeigte der Italiener Diego Rosa die besseren Beine und war nun alleine an der Spitze.

Doch sollte es auch in der Auflage von 2019 nichts mit einem italienischen Sieg bei Strade Bianche werden. Denn im Feld fand eine knallharte Auslese statt. Mit jedem Hügel dünnte sich die Gruppe der Verfolger aus und auch Rosa wurde schließlich gestellt. Eine Gruppe von rund 15 Fahrern, die Namen wie Stybar, Alaphillipe, Benoot und van Avermaet enthielt, nun an der Spitze. Auch Wout van Aert schloss zu dieser Gruppe auf. Max Schachmann war ebenso Teil dieser Gruppe, verlor aber phasenweise die Bindung.

 

 

Kein italienischer Sieger bei Strade Bianche 2019

Eine Attacke des Dänen Jakob Fuglsang (Astana) bei noch rund 23 zu absolvierenden Kilometern leitete das Finale ein. Van Aert ging mit! Und auch Alaphillipe schloss zu den beiden Ausreißern auf, als klar wurde, dass sie sich absetzen konnten. Es folgten weitere Attacken aus der Gruppe, doch keiner konnte mehr zum Trio aufschließen. Allerdings strauchelte van Aert, da insbesondere der ehemalige Mountainbiker Fuglsang immer wieder in den zahlreichen Steigungen attackierte. Van Aert rutschte zwischen die beiden Führenden und die Gruppe der Verfolger, konnte sich aber bemerkenswerterweise noch mal kurz vor dem Ziel ran kämpfen. Nicht zuletzt wie Alaphillipe und Fuglsang viel taktierten.

Keiner wollte dem jeweils Anderen hier eine schnelle Windschattenfahrt zum Ziel gestatten. Doch am letzten Aufstieg durch die engen Gassen von Siena war es dann Julian Alaphillipe, der die besten Beine hatte. Trotz zahlreicher Versuche hatte sich Fuglsang nie von ihm distanzieren können. Schließlich kam Alaphillipe mit einigen Metern Abstand als Erster über die Ziellinie. Fuglsang wurde Zweiter. Wout van Aert wurde, wie schon im Vorjahr, abermals Dritter, wofür er an diesem Tag hart kämpfen musste. So ging auch das dritte Eintagesrennen der UCI World Tour 2019 an die Jungs von Deceuninck-Quick Step, die da weitermachten, wo sie 2018 aufgehört hatten: Alles gewinnen, was nicht bei drei auf dem Baum ist!