"Rowdy" Roddy Piper heute

Roddy Piper heute

Bildquelle: monstersforsale [CC BY-SA 1.0], via Flickr.com (Bild bearbeitet)

"Rowdy" Roddy Piper gilt vielen als einer der besten Heels aller Zeiten. Kaum jemand verkaufte den Bösewicht so überzeugend wie er. Dabei war er nie der größte Techniker im Ring, noch hatte er eine überragende Physis. Er war vor allem eins: eine echte Rampensau! Piper musste nur ein Mikro in die Hand nehmen und war unmittelbar sowie immer Herr des Geschehens. Kaum einer konnte seine Wrestling-Persona so organisch und spontan herüberbringen wie er.

Trotz dessen, dass Piper in den 80ern zu einem der bekanntesten Gesichtern im Wrestling wurde und auch bei einigen Großveranstaltungen als Headliner fungierte, konnte er nie das ganze große Gold auf der Mainstream Bühne erstreiten. Sowohl in der WWF als auch später in der WCW konnte er niemals einen Haupttitel halten. Gemessen an seiner Bedeutung, für die Wrestling-Historie ist das in der Nachbetrachtung eigentlich kaum zu glauben.

Aufstieg und Glanzzeit in der NWA

Entgegen seinem Gimmick als schottischer Hitzkopf aus Glasgow war Roddy Piper (bürgerlicher Name Roderick George Toombs) ein Kanadier. Zwar mit schottischen Wurzeln. Allerdings längst nicht so schottisch, wie es das Gimmick nahegelegt hat. Tatsächlich war Piper ein Cousin zweiten Grades von Bret Hart und seinen Brüdern. Piper zog mit 15 Jahren im Streit mit seinem Vater von zu Hause aus und verbrachte den Rest seiner Jugend in Jugendherbergen. Schon früh offenbarte er sich als kampfsportbegeistert und feierte Erfolge als Amateur-Ringer in Kanada, wurde später Golden Gloves Boxer und Schwarzgurt im Judo.

Wie damals üblich, ehe Kabelfernsehen und der beispiellose Aufstieg der WWF die Bühne auf ein ganz neues Level hievten, musste Piper sich in der Wrestling-Hierarchie hocharbeiten. Er wurde zunächst als Jobber eingesetzt. Dabei wurde er als Roddy the Piper angesagt. Ein flaches Gimmick eines Dudelsack Spielers. Erst im Laufe der Zeit formte sich daraus, durch seine starke Heel-Persona und sein gekonntes Reden am Mic, der Charakter des Rowdy Roddy Piper. Ab Ende der 70er wurde Piper prominenter eingesetzt und kam in Fehden gegen Leute wie Greg Valentine, Ric Flair und Sgt. Slaughter zum Einsatz. Dabei konnte er viele regionale NWA-Titel einheimsen. Seine größten Erfolge darunter waren drei NWA United States Heavyweight Champion-Gürtel (die heutige WWE United States Championship) und zwei NWA World Television Championships. Auch Tag Team Gold konnte er mehrfach gewinnen.

Gleichwohl seine NWA-Tage rund die Hälfte seiner aktiven Karriere umfassten, sind sie heute weit weniger bekannt als sein Run in der WWF. Einfach weil der große Wrestling-Boom zu jener Zeit noch nicht gekommen war. Dennoch lohnt sich ausdrücklich die Nachbetrachtung via YouTube und Co. Denn wer nicht nur auf Pipers Schaffen in der WWF schaut, sondern auch auf jenes zuvor in der NWA, der muss einfach erkennen, wie weit Piper seiner Zeit eigentlich voraus war. Piper avancierte zum wohl ersten echten Tweener im Wrestling. Ein Charakter, für den die stumpfe Kategorisierung als Heel oder Face keine Gültigkeit hatte. Als geborener Entertainer wuchs er den Fans ans Herz! Ganz egal, wie sehr er als Bösewicht präsentiert wurde. Er bewegte sich in einer Grauzone, die bis dahin noch gar nicht definiert und vorgesehen war.

Piper wird in der WWF endgültig zur Kultfigur

1984 heuerte Roddy Piper bei der WWF an, wo er seine größte Bekanntheit erreichen sollte. Auch hier war wieder sein Redetalent federführend. Mit dem Piper‘s Pit moderierte er ein Format, indem er andere Wrestler interviewte. Ein völliges Novum zu jener Zeit, da Wrestler immer nur die Interviewten zu sein pflegten – nicht die Moderatoren. Das Format fand seither viele Nachahmer. Auch an WrestleMania-Momenten fehlte es nicht für Rowdy Roddy Piper. Allem voran sein Boxkampf mit Mr. T bei WrestleMania 2 und sein erstklassiges Match mit Match mit Bret Hart bei WrestleMania 7. Unvergessen auch sein Einmarsch bei WrestleMania 3, wo er von dem Publikum mit einer Rezeption bedacht wurde, die eines Helden würdig war.

Es war auch bei WrestleMania 3, dass John Carpenter auf Roddy Piper traf und sogleich von seiner Ausstrahlung beeindruckt war. Später engagierte er Piper für die Hauptrolle im Film “Sie Leben“. Eine gesellschaftskritische B-Movie Parodie, die heute ebenfalls Kultstatus genießt. Bis heute gilt die Kampfszene mit Keith David als eine der am besten choreografierten Prügeleien in der Geschichte Hollywoods. Piper hatte schon zuvor schauspielerische Auftritte gehabt. Insgesamt sollte er mindestens 50 Engagements in Form von Filmrollen und Serienauftritten haben (1978-2010).

 

 

Ein nicht ganz so schönes Ende

Ende 1996 trat Piper bei der WCW auf. Allerdings ließ seine körperliche Verfassung bereits deutlich nach. Trotz eines Programms, in dem er es mit prominenten Namen (Hulk Hogan, Randy Savage, Bill Goldberg und Bret Hart) zu tun bekam, war ihm auch diesmal nicht das große Gold beschieden.

Jedoch konnte er 1999 noch einmal den United States Heavyweight Titel in der WCW gewinnen. Da dieser direkt aus der NWA United States Heavyweight Championship hervorgegangen war, machte dies Piper zum dreifachen Träger dieses Titels (nicht zum zweifachen, wie fälschlicherweise oft ausgewiesen wird).

2000 verließ er die WCW. Allerdings stieg er aus finanziellen Gründen 2003, im Alter von 49 Jahren, wieder in den Ring. In einem HBO Real Sports Interview von 2003 wurde Piper darauf angesprochen. Das Ganze vor dem Zusammenhang, dass viele seiner Weggefährten so früh zu sterben pflegten. Damals sagte er, dass es zu seiner Zeit viele gute Möglichkeiten gegeben habe, um ins Wrestling zu kommen. Aber nur wenige, um in einem Stück wieder herauszukommen. Laut seiner Aussage stieg er wieder in den Ring, weil er erst ab 65 Jahren Pension kriegen könne – und sagte dazu konkret: „Last uns ehrlich sein. Ich werde es nicht bis 65 schaffen.“ Er sollte bedauerlicherweise recht behalten. 2015 starb er im Alter von 61 Jahren im Schlaf.

Letztes Gold konnte er noch 2006 mit Ric Flair gewinnen, wo sie quasi als Rentner Tag Team überraschend die WWF World Tag Team Titel gewannen. Dann kam einer Krebserkrankung, die Piper jedoch überwinden konnte. 2008 kehrte er unangekündigt als Teilnehmer des Royal Rumble Matches zurück, was die Fans in der Halle mit großem Jubel quittierten. Das Schlusskapitel von Pipers Karriere war überschattet von dessen körperlichem Verfall, der sich schon ab Mitte der 90er abzeichnete. Er wirkte teilweise wie ein altes Schlachtross, dem keine Rückkehr in den Stall zugebilligt wurde. Doch reden konnte er immer noch!