Bericht zu Glory 61 aus New York - Ergebnisse und Infos

Bericht zu Glory 61

Bildquelle: By Ainiaini1 [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Im Hammerstein Ballroom in New York, den manch einer vielleicht noch von den ECW-Shows (einschließlich der ECW One-Night-Stands der WWE) kennt, war die Bühne bereitet für Glory 61. Eine Bühne, die zwar deutlich kleiner war als jene in Amsterdam, die dies aber durch einen gewissen Charme wieder ausglich. So war das Publikum dort teilweise, wie in einer Oper, auf den umgebenden Balkonen untergebracht. Nobel Fight Club Atmosphäre vom Feinsten! Möchten sie ihren Kampfsport blutig oder roh, Sir?

Die Fight Pass Prelims, bzw. die sogenannten Super Fight Series fingen an mit Chommanee Sor Taehiran (91-17-1) gegen Kanadas Ashley Nichols (12-5) im Super Bantamgewicht der Frauen. Die Thailänderin ihres Zeichens eine dekorierte Thaiboxerin. Es gab eine relativ schlappe erste Runde. Viel Abtasten.

 

Nichols mit mehr Vorwärtsbewegung, aber zögerlich der Thaiboxerin zu nahe zu kommen, wohl um den Clinch zu vermeiden. Die Thailänderin noch nicht ganz adaptiert und mit den schwächeren Händen, konnte aber immer wider mit Kicks landen. Runde zwei war wieder eng aber definitiv lebhafter. Chommanee immer noch in der Rückwärtsbewegung, aber selbstbewusster mit den Kicks. Folglich mit wesentlich mehr Treffern, da Nichols ihrer Boxreichweite hinterherlief. Erst in der finalen und dritten Runde machte Nichols richtig Druck und konnte ihre ganz klar besten Treffer verbuchen. Hier wurde klar, dass Chammonee, wie so viele noch nicht ans Kickboxen gewöhnte Thaiboxer, Probleme mit der Halbdistanz hatte. Viele Schläge kamen durch und trafen hart. Oftmals blieb der Thailänderin nur die Flucht in den Clinch, um Zeit zu gewinnen. Am Ende gewann Chommanee nach Punkten. Bittere Niederlage für Nichols, die am Ende des Kampfes klar besser aussah, aber die ersten beiden Runden zu leichtfertig abgegeben hatte.

Viele US-Amerikaner auf der Match Card

Anschließend kam es zu einem rein amerikanischen Duell zwischen Justin Houghton (10-6) gegen Vince McGuinness (1-1) im Leichtgewicht. Der Kampf ging gleich intensiv los. McGuinness ein sehr großes Leichtgewicht mit einem klaren Reichweitenvorteil. In diesem Sinne versuchte er, den Kampf zu gestalten. Houghton versuchte hingegen eine Prügelei daraus zu machen, hielt allerdings dabei das Kinn immer ein bisschen weit oben. Dadurch wurde er durchaus wirkungsvoll getroffen. Allerdings ging der Druck klar von Houghton aus, der vor allem am Ende der Runde noch mal Gas gab, um die Punktrichter zu überzeugen. Mit Erfolg! Runde zwei verlief deutlicher für Houghton.

Bei McGuinness fehlten teilweise die Meidbewegungen. Er hatte keinen erkennbaren Plan B, sobald sein Gegner den Reichweitenvorteil überwand. Hier zeigte sich möglicherweise die mangelnde Erfahrung. In der Dritten ließ dann wiederum Houghton McGuinness kommen, wohl wissend, dass er vorne lag und McGuinness nun unter Zugzwang war. McGuinness durchaus hier und da mit guten Treffern, doch in der Offensive zu einseitig. Insbesondere die Low Kicks, mit denen er in Runde eins noch gute Erfolge hatte, kamen seither zu wenig. Fast nur Hände. Zu durchsichtig und folgerichtig ein Punktsieg für Houghton.

Danach traf Malik Watson-Smith (59-24) auf Charles Rodriguez (8-0). Ein Kampf zwischen zwei Freunden im Weltergewicht. Charles Rodriguez kam zu den Backstreet Boys einmarschiert, "I want it that way". Großartig! Eine gute erste Runde von beiden. Aber die Vorteile wohl bei Charles Rodriguez, der etwas druckreicher agierte und durch eine Kombination aus Schlägen und Leg Kicks wohl mehr unterbringen konnte. In der zweiten Runde übernahm Rodriguez nun sichtbar das Ruder. Rodriguez wohl auch mit einem großen Gewichts-Cut, der deutlich größere der beiden Kämpfer. Vor Beginn der dritten Runde wurde der Kampf gestoppt, da ein Auge von Smith wohl beeinträchtigt war, was sich bereits in Runde zwei geäußert hatte. Dies erklärte auch sein zögerliches Agieren in Runde zwei. Dennoch wurde der Kampf nicht als TKO gewertet, sondern als Punktsieg für Rodriguez.

Glory pusht weiter amerikanische Talente

Asa Ten Pow (7-1) gegen Niko Tsigaris (21-4) im Federgewicht. Beides Kämpfer mit hoher KO-Rate. Tsigaris ein ehemaliger, zweifacher WKA Champion, Ten Pow ein Golden Gloves Boxer. Beide agierten druckreich, wobei aber sämtliche Vorwärtsbewegung von Tsigaris ausging. Doch Ten Pow, mit vielen akkuraten Kicks und Knien, landete wesentlich sehenswertere und auch mehr Aktionen. In Runde zwei baute Tsigaris ab. Er konnte Ten Pow nicht wirkungsvoll stellen, sodass dieser die Distanz auch im permanenten Rückwärtsgang bestimmen konnte und wesentlich mehr traf. Großartig auch seine Meidbewegungen an den Seilen, mit denen er haarigen Situationen nonchalant entging. In der Dritten kam dann auch mehr Vorwärtsdrang von Ten Pow. Tsigaris zwischenzeitlich vom TKO bedroht, als er einige schwere Treffer einstecke, musste. Doch Tsigaris ging die Distanz, verlor jedoch zu Recht eine eindeutige Punktentscheidung. Ten Pow definitiv ein Mann mit großem Potenzial für den amerikanischen Markt! Etwas, was Glory offenbar händeringend sucht.

Der letzte Kampf der Prelims: Massaro Glunder (32-11-4) gegen Kevin Vannostrand (17-3) im Federgewicht. Hier wieder ein verhaltener Start, bei dem sich beide in der Mitte belauerten. Doch Vannostrand kam schneller und besser in den Kampf. Insbesondere eine sehenswerte Spinning Backfist in Runde eins sorgte für Furore. Vannostrand: ein Fighter mit wahnsinnig kreativer Offensive! Allerdings dadurch auch bisweilen gefährdet. Dies äußerte sich in der zweiten Runde, als Glunder ein Niederschlag mit einer rechten Hand aus dem Konter heraus gelangte. Eine automatische 10/8 Runde. Der Kampf nun wieder ausgeglichen! Vannostrand war nun etwas unsicherer und nicht mehr so enthemmt, wie es ihm sein Kampfstil eigentlich abverlangt. Umso bedauerlicher, dass der Kampf kontrovers endete. Denn 15 Sekunden vor Schluss griff der Ringrichter ein und zog Glunder einen Punkt ab, weil er im Clinch gehalten haben soll, ohne Offensive zu forcieren. Dies stimmte zwar, war aber kaum signifikant genug, um eine so drakonische Strafe so spät im Match nach sich zu ziehen. Hätte es diesen Punktabzug nicht gegeben, dann wäre der Kampf in eine vierte Entscheidungsrunde übergegangenen! So wurde Glunder, der nicht seine erste kontroverse Niederlage hinnehmen musste, klar benachteiligt. Schade! Bei so etwas argwöhnt man als routinierter Kampfsport Fan natürlich automatisch, ob hier nicht der “Haus“ Referee einer unausgesprochenen Verpflichtung nachkam.

Main Card – Aufbauprogramm für Amerikaner setzt sich fort

Los ging es im Weltergewicht: Omari Boyd (12-1) gegen den Argentinier Alan Scheinson (51-7). Dieser erste Kampf der Main Card ging recht einseitig über die Bühne. Boyd blieb im Glory-Ring ungeschlagen und setzte sich in drei Runden gegen den zähen aber offensiv zu wirkungslosen Scheinson durch. Offizielle Ergebnisse waren 30-27 (zweimal) und 29-28. Boyd verbessert sich auf 13-1 und 5-0 in Glory. Scheinson war die Nummer sechs im Weltergewicht von Glory, als er in den Kampf ging. Daher dürfte Boyd in den Ratings steigen. Er ist derzeit (noch) auf Platz 14 eingestuft.

Noch deutlicher siegte anschließend der ehemalige UFC-Kämpfer Chris Camozzi (2-1). Er traf im Halbschwergewicht Myron Dennis (21-7). Camozzi erzielte den größten Gewinn seiner noch sehr jungen Karriere im Kickboxen. Er schlug den erfahrenen Dennis souverän über drei Runden hinweg. Camozzi, ein Rechtsausleger, verstand es fabelhaft, den Kampf auf Distanz halten. Hier und da wagte er kalkulierte Ausfälle, zum mit gelegentlichen Knien zu punkten. Er landete einige scharfe Schläge und konnte den Schlägen von Dennis oftmals mit guten Meidbewegungen entgehen. Camozzi landete auch ein paar gute Low Kicks. Alle drei Richter bewerteten den Kampf mit 30 zu 27 für Camozzi.

Rache im Rückkampf für Meksen!

Im Co-Main Event des Abends ging es im Super Bantamgewicht der Damen um den Titel. Die Französin Anissa Meksen gegen Brasiliens Jady Menezes. Ein Kampf mit einem Stück Hintergrundgeschichte! Denn Meksen hatte den ersten Kampf und somit den besagten Titel nach einem äußerst fragwürdigen Punkturteil verloren. Meksen schwor vor dem Kampf, dass sie ihre umstrittene Niederlage gegen Menezes im August rächen würde, indem sie die Brasilianerin im Rückkampf vorzeitig stoppen würde. Sie hielt ihr Wort! Runde eins sah dabei aus wie eine Wiederholung des ersten Kampfes. Meksen erwischte Menezes mit Jabs und rechten Geraden, wann immer Menezes zu ihr aufschließen wollte. Die französische Kämpferin punktete überdies mit Knien und Kicks. In Runde zwei markierte Meksen Menezes mit einem großen linken Haken, der Menezes aus dem Gleichgewicht brachte. Sie setzte erbarmungslos nach, als sie Menezes durch den Ring folgte und Ringrichter Chris Wagner hatte genug gesehen, um den Kampf zu stoppen.

Keine Überraschung gab es im Hauptkampf. Der hoch favorisierte Sitthichai Sitsongpeenong aus Thailand verteidigte seinen Glory Leichtgewichtstitel gegen Josh Jauncey aus Kanada. Der Kampf ging über die vollen fünf Runden. Sitsongpeenong verteidigte seinen Titel zum sechsten Mal und gewann einstimmig eine Entscheidung über Jauncey. Und zwar mit überdeutlichem Ergebnis: 49-45 (zweimal) und 50-44. Sitthichai kontrollierte den Kampf nahezu über die gesamte Distanz und zeigte weiterhin, wie sehr sich seine Hände mittlerweile verbessert haben. Ihm ist die Transition vom Muay Thai Fighter zum Kickboxer weitgehend gelungen! Einzig und allein in Runde drei konnte Jauncey Druck ausüben und so diese Runde zumindest auf einem Punktzettel für sich verbuchen. Doch ansonsten war Sitthichai zu dominant und konnte überdies einen Niederschlag landen, sodass an dem Ergebnis als auch an dessen Deutlichkeit nichts zu rütteln war.


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