Galatasaray gewinnt emotionales „Endspiel“ und ist türkischer Meister

Galatsaray Istanbul feiert die 22. Meisterschaft der Vereinsgeschichte

Bildquelle: Ultraslansi [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Galatasaray Istanbul hat sich dank eines 2:1-Erfolges im direkten Duell mit dem zuvor punktgleichen Erdogan-nahen Klub Basaksehir am vorletzten Spieltag der Süper Lig seine 22. Meisterschaft im türkischen Fußball gesichert. Da in der Türkei bei einer möglichen Punktgleichheit der direkte Vergleich vor der Tordifferenz über die Platzierung entscheidet, ist der Traditionsverein am finalen Spieltag nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen. Das frenetische Publikum feierte fortan den Titel ausgelassen, die Sportart Fußball jedoch hatte in diesem „Quasi-Endspiel“ vielen emotionalen Begleiterscheinungen allzu oft den Vorrang geben müssen.

Geprägt von einigen minutenlangen Unterbrechungen wegen Videobeweisen, Rudelbildungen, Becherwürfen aus dem Publikum, Rangeleien und Schindereien, von angezeigten 14 Nachspielminuten (sechs in der ersten Halbzeit) und einer tatsächlich noch längeren Nachspielzeit, konnte von einem Fußballfest im konventionellen, spieltechnischen Sinne nicht die Rede sein. Vielmehr hatte der oft zitierte Hexenkessel die Szenerie fest im Griff. Schließlich gab eine Fehlentscheidung beim 2:1-Siegtreffer den Ausschlag, wenngleich sie eine andere wenigen Minuten zuvor zu neutralisieren schien.

0:1 – Becher fliegen, Spieler keilen sich ineinander, das Spiel ruht

Aufgrund der insgesamt höheren Spielanteile, der größeren Anzahl an Torchancen und Eckbälle – ja, in diesem Fall sogar aufgrund der mehr erzielten, aber nicht gegebenen Tore – ging Galatasaray als gerechter Sieger vom Platz. Und als gerechter Meister nach einer statistisch hervorragenden Rückrunde ohne Niederlage und nur vier Unentschieden ebenso. Zudem hatte das Team den Ballast des zeitigen Rückstandes durch Riad Bajic (17.) im Gepäck, streifte ihn aber energisch ab.

Der Bosnier hatte nach einer feinen Vorarbeit Elias über links den Ball ins linke Eck geköpft, gekonnt! Weniger gekonnt war danach sein Ausflug in eine Galatasaray-Fankurve zum provozierenden Jubel. Etliche Getränke-Becher flogen folglich auf die Basaksehir-Traube, einer traf Mahmut im Nacken. Der konnte aber nach der fünfminütigen Pause weiterspielen, in der auf jeder Seite zwei Leute die gelbe Karte wegen diverser Unsportlichkeiten erhielten – inklusive der Wechselspieler Cipe und Adebayor, die sich im Getümmel zwischen den Trainerbänken am eifrigsten durch die Gegend stießen.

Feghouli: Missglückter Kopfball, fantastischer Rückzieher

Mit der knappen Führung für den Verein mit dem ältesten Kader in der im Durchschnittsalter ohnehin sehr betagten Süper Lig ging es später auch in die Halbzeitpause, wenngleich auf beiden bis dahin Chancen zu Treffern ungenutzt geblieben waren. Dafür klingelte es kurz nach Wiederbeginn beinahe unverzüglich im Gäste-Gehäuse. Das 1:1 war zweifelsfrei das Highlight im Gesamtvortrag des Algeriers Feghouli (47.). Nach einem Eckball hatte er zunächst zum Kopfball angesetzt, aber den Ball nur mit der Schulter erwischt. Die Flugkurve des darob langsamen Balles war am Lattenkreuz beendet, das Spielgerät sprang zurück und Feghouli versuchte sein Glück erneut: dieses Mal technisch deutlich besser mit einem Fallrückzieher ins lange Eck.

 

 

Der Gegentreffer hinterließ bei den Gästen Spuren. Galatasaray brach zu seiner besten Phase auf, in der es vermeintlich satte drei Mal das siegbringende 2:1 erzielte zu haben schien. Zunächst in der 55. Minute nach einem feinen Doppelpass mit den Protagonisten Belhanda und Onyekuru – Letzter hatte den Ball per Hacke auf den „einspitzelnden“ Belhanda aufgelegt. Als ob das ganze Drumherum in dieser Auseinandersetzung indes noch nicht gereicht hätte, erhob nun auch der Videobeweis seine Stimme, als einer der bedeutendsten Bestandteile eines solchen „Finals“ in der Chronologie aufzutauchen. Tatsächlich hatte der Ball weit vor dem Treffer noch an der Mittellinie Diagnes Unterarm während eines Zweikampfes zärtlich sanft berührt – eher versehentlich. Das Tor wurde dennoch nicht anerkannt.

Zwei Toraberkennungen: Beim dritten Mal zählt dann schon mal ein irregulärer Treffer

Das nächste Mal jubelte dann Onyekuru umsonst. Er war vor seinem (ersten persönlichen) Treffer eine Fußspitze im Abseits gewesen (62.). Nur zwei Minuten danach jedoch zählte sein Tor, obwohl es erneut nicht hätte zählen dürfen. Dieses Mal war seine Abseitsstellung bei einer Freistoßeingabe aus dem Halbfeld deutlicher. Doch wertete der insgesamt bemitleidenswert unter Dauerstress stehende Schiedsrichter Cakir den Rettungsversuch des Verteidigers Kudryashov als kontrollierte Ballverlängerung zu dem daher nicht mehr im strafbarem Abseits befindlichen Torschützen am langen Pfosten (64.).

Kudryashov einen kontrollierten Pass an den zwar eigenen, doch lediglich von drei Galatasaray-Spielern bedrängten langen Pfosten bei einem schweren Volleykontakt mit gestrecktem Bein zu unterstellen, ist anhand anderer zuvor getroffener Entscheidungen sicher bemerkenswert. Doch Galatasaray in diesem Spiel auch das dritte Tor binnen zehn Minuten in dieser aufgebrachten Atmosphäre abzuerkennen, wäre es umso mehr gewesen.

So entbrannte nach dem Ende der fast zehnminütigen Nachspielzeit des zweiten Durchgangs schließlich langer und ausgelassener Jubel. Basaksehir und Staatschef Erdogan müssen mindestens noch ein Jahr länger auf die erste Vereinsmeisterschaft warten.


Türk. Süper Lig

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