Die deutschen Tennisprofis fliegen in Massen heim, bevor es richtig losgeht

Aussichten der Deutschen in Miami

Bildquelle: si.robi [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Schließlich musste sich auch Laura Siegemund in der ersten Runde der Tennis Masters in Miami beugen. Im Vergleich zu etlichen anderen Deutschen hatte sie sich aber lange tapfer gewehrt, ist wieder und wieder aufgestanden in einem Match, das viel früher verloren schien. Andere ihrer Landsleute unterlagen deutlicher in einer Runde, in der die jeweils 32 gesetzten Spieler und Spielerinnen überhaupt noch nicht ins Turnier eingegriffen haben – also bevor es so richtig losgegangen ist.

Zu den ganz vorn Gesetzten gehören auch Deutschlands Vorzeigespieler Alexander Zverev und Angelique Kerber. Während es für Zverev zuletzt beim Masters in Indian Wells nicht optimal lief und er früher als erwartet die Segel streichen musste, hatte sich Kerber mit ihrer Finalteilnahme eine Messlatte gelegt, die sie in Florida anhand der ungleich härteren Auslosung aus ihrer Sicht nur mit einer weiteren Leistungssteigerung wird erreichen oder gar übertreffen können.

Tatjana Maria, Maximilian Marterer und Mischa Zverev ziehen in Runde 2 ein

Beim ATP Masters 1000 und dem WTA Premier Mandatory in Miami haben die Deutschen zwar keinen rabenschwarzen, jedoch einen ziemlich dunklen Auftakt erwischt. Gleich fünf unter der DTB-Flagge startende Profis konnten die Heimreise nach der ersten Runde antreten, bevor all die Turnierfavoriten überhaupt eingestiegen sind.

Zunächst zum Positiven: Drei der nicht gesetzten Deutschen haben sich für die zweite Runde qualifiziert: Tatjana Maria setzte sich gestern nach Startschwierigkeiten doch noch sicher mit 6:4, 6:1 gegen die Slowakin Anna Karolína Schmiedlová durch. Bei den Herren schlug Maximilian Marterer Kontrahent Taylor Fritz (USA) in drei Sätzen. Ein in dieser Form unschöner Einzug in Runde 2 ereilte Mischa Zverev, der bei Gleichstand im Entscheidungssatz von einem Sturz seines von Krämpfen geplagten Gegners profitierte. Besonders dramatisch: Zverevs Gegner, der Deutsch-Spanier Nicola Kuhn, der sich 2016 entschieden hatte, für die Iberer zu starten, wurde ausgerechnet an diesem Tag (Mittwoch) 19 Jahre jung.

Andrea Petkovic weiter im Formtief

Dramaturgie in rein sportlicher Sache erwischte andere deutsche Spieler und Spielerinnen: Andrea Petkovic zum Beispiel, die beim 4:6 und 3:6 gegen die Amerikanerin Amanda Anisimova einmal mehr in der ersten Runde hängen blieb und weiterhin auf den zweiten Sieg in einem Match eines Hauptturnieres in diesem Jahr wartet. Für die lange verletzte Anna-Lena Friedsam kam am Mittwoch hingegen der Regen ungelegen.

Gegen die 40. der Tennis Weltrangliste Damen, die Australierin Ajla Tomljanović, hatte Friedsam den ersten Satz gerade 6:4 gewonnen, als es in Miami nicht mehr weiterging. Bei der Fortsetzung am Donnerstag gelangen der Deutschen gerade noch drei Spielgewinne (3:6, 0:6).

Jan-Lennard Struff überlistet die Mathematik, aber nicht Opelka

Bei den Herren hatte zunächst Peter Gojowczyk gegen den Argentinier Federico Delbonis glatt verloren, ehe Jan-Lennard Struff dem 2,11-m-Riesen Reilly Opelka (USA) ein Match auf Augenhöhe lieferte. Bei der Dreisatzniederlage (6:4, 3:6, 4:6) drehte Struff die Mathematik auf den Kopf. Nachdem der enorm Aufschlag-lastige Opelka seine ersten vier Aufschlagspiele zu null gewonnen hatte, gelangen Struff seine einzigen vier Punkte des Satzes bei Opelkas Aufschlag allesamt im neunten Spiel – zum einzigen Break im Durchgang und für Struff im gesamten Match.

Diese Effizienz konnte sich Struff jedoch nicht bewahren. Obwohl er im zweiten Durchgang acht und im Dritten zehn Punkte gegen Opelkas „Vorschlaghammer“ zuwege brachte, gelang ihm kein weiteres Break mehr. Dem Amerikaner dafür in den Sätzen zwei und drei jeweils das eine notwendige zum Einzug in Runde zwei.

„Stehaufmännchen“ Laura Siegemund

Von einer derartigen Aufschlaggewalt kann eine Laura Siegemund nur träumen. Während andere Spieler von diesem speziellen Schlag als Waffe Gebrauch machen, kann Siegemund mit ihrem Aufschlag so gut wie gar nichts anfangen. Kein Druckmittel, keine Durchschlagskraft, vermeintlich manchmal gar eher ein Hindernis fürs eigene Spiel. Neun ihrer fünfzehn Aufschlagspiele musste sie letztlich gegen Rebecca Peterson (Schweden) abgeben. Zu viel, wenngleich Siegemund sich nach 1:6 und 3:5 tapfer gegen die Niederlage stemmte. Im zweiten Durchgang wehrte sie einen Matchball ab, gewann den Satz 7:5. Auch im dritten Abschnitt hielt sie in den langen Ballwechseln mit, bestimmte sie gar oft.

Schließlich war es beim finalen 5:7 der etwas bessere Aufschlag der Schwedin, der den Ausschlag über den Matchausgang zuungunsten Siegemunds brachte. Dabei jedoch hatte die Filderstädterin Kämpferqualitäten bis zum letzten Ballwechsel unter Beweis gestellt. Bei gegnerischem Aufschlag hatte sie drei weitere Matchbälle abgewehrt, insgesamt dreimal in Folge das Re-Break geschafft. Nachdem Siegemund bereits in der Qualifikation zum Hauptturnier bei ihren beiden Dreisatzsiegen je einen Satzrückstand aufgeholt hatte, kann sie nach ihrer Performance zumindest als ein „Stehaufmännchen“ von Miami betrachtet werden.

Das Re-Match des Finals von Indian Wells ist für Kerber und Andreescu nur eine Runde entfernt

Nicht jedoch als das Einzige: Bianca Andreescu, die 18-jährige Kanadierin rumänischer Abstammung, hatte gegen ihre Quasi-Landsfrau Irina-Camelia Begu in der ersten Runde gar ein 4:6 und 1:5 noch zum Dreisatzsieg drehen können. Die frischgebackene Siegerin des Premier Mandatory von Indian Wells hatte dabei nicht nur einen Matchball abgewehrt, die Revanche Begus für deren jüngste Dreisatzniederlage gegen Andreescu in der ersten Runde von Indian Wells gekonnt vereitelt, sondern der deutschen Nummer 1 Angelique Kerber zugleich gezeigt, dass sie für eine mögliche Revanche des Finals von Indian Wells noch zur Verfügung steht.

 

 

Angelique Kerbers Turnierweg ist in Miami besonders steinig

Ein solches Match winkt der Deutschen nämlich womöglich in der Runde der letzten 32, wenn Kerber ihre Auftaktpartie gegen die tschechische Qualifikantin Karolína Muchová überstehen und auch Andreescu gegen die Amerikanerin Sofia Kenin gewinnen sollte. Ohnehin wird ein Marsch für Kerber in Miami bis hinein in ein Finale wie in Indian Wells vermutlich ungleich härter. Nicht nur, weil die Weltranglisten-Vierte eben das lange Turnier in Indian Wells noch in den Knochen hat, sondern weil die Auslosung einen äußerst steinigen Weg vorgibt: Sollte Kerber die nächsten Runden auch gegen Andreescu überstehen, wartet im Viertelfinale mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein ganz dicker Brocken.

In den vielleicht etwas günstigeren Fällen „nur“ die ehemalige Nummer 1 der Welt, Caroline Wozniacki (Dänemark), oder die zweifache Grand-Slam-Turnier-Siegerin Garbiñe Muguruza (Spanien). Doch lauern ebenso Su-Wei Hsieh (Taiwan), gegen die Kerber kürzlich in Dubai verloren hat, sowie in der Japanerin Naomi Ōsaka nicht weniger als die aktuelle Weltranglisten-Erste.

Julia Görges als erste Deutsche in Runde 3

Dagegen wirkt der Turnierbaum des an Zwei gesetzten Alexander Zverev bei den Herren noch erträglich. Doch muss Zverev wieder zur Konstanz finden, will er seine Punkte aus dem Vorjahr verteidigen. Schwierig genug: Dafür müsste er ins Finale einziehen.

Ein Einzug bereits in die dritte Runde ist hingegen der Weltranglisten-15. Julia Görges bei ihrem Miami-Auftakt in Runde zwei gelungen. Zwar kassierte Görges zeitig im ersten Satz ein Break, doch drehte sie die Partie schnell gegen die Slowakin Magdaléna Rybáriková und siegte 6:4, 7:5.


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