Bam Bam Bigelow – der wohl agilste Big Man der WWE Geschichte

Was macht Bam Bam Bigelow heute?

Bildquelle: Mandy Coombes [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Scott Charles Bigelow, besser bekannt unter seinem Wrestler-Namen Bam Bam Bigelow, war eine eindrückliche Erscheinung im Ring. Nicht nur hatte er mit seinem kahl geschorenen Kopf sowie mit der Tätowierung, die diesen zierte, einen einprägsamen Look. Bam Bam Bigelow war auch über 1,90m groß und hatte eine gewisse Leibesfülle. Er dürfte wohl deutlich über 150 Kilogramm gewogen haben. Nichtsdestotrotz war er zu agilen Manövern und High-Flying im Ring fähig, was man ihm eingedenk seiner Physis kaum zugetraut hätte.

Bam Bam Bigelow tat Dinge im Ring, zu denen er eigentlich gar nicht fähig hätte sein sollen. Enziguri Kicks, Moonsaults vom Top Rope, Sommersault Sentons, Super Kicks, Crossbodies vom Top Rope, Drop Kicks, Tornado DDTs oder Slingshot Body Splashes. Bam Bam Bigelow zeigte viele der Manöver, für die eher die kleineren, leichteren Wrestler bekannt waren, und war gleichzeitig ein Powerhouse sowie eine eindrückliche Erscheinung. Allerdings war seine harte Gangart im Ring wohl auch mit Schuld daran, dass es mit ihm ein frühes Ende nehmen sollte.

Erst mit 25 Jahren zum Wrestling

In der High School tat sich Bigelow bereits als starker Amateur-Ringer hervor. Nach der Schule schlug er sogleich eine ruppige Laufbahn ein. Er wurde Schuldeneintreiber, Kopfgeldjäger sowie Türsteher. Doch mit 25 Jahren suchte und braucht er eine Veränderung. Da er keine formale Ausbildung hatte, musste er wieder mit dem arbeiten, was er hatte. Und das waren seine Physis sowie eine ungeahnte Athletik. Bigelow ließ sich von Larry Sharpe unterweisen und wurde Wrestler. Für ein Jahr tat Bigelow nichts Anderes, außer Wrestling zu lernen.

Sowie er als für bereit empfunden wurde, kam er im Memphis Territorium zum Einsatz, wo er früh mit Leuten wie Jerry “The King“ Lawler zusammenarbeiten konnte. Bereits früh wurde Bam Bam Bigelow prominent eingesetzt. Zunächst, wie die meisten Neulinge, als Heel. Vor allem weil er den entsprechenden Look dafür hatte. Doch als die Fans über die Agilität und Gewandtheit des großen Bigelow staunten, gewann er zwangsläufig immer mehr Sympathien.

Die nächste Station für Bigelow war bei World Class Championship Wrestling (WCCW), dem Territorium der Von Erich Familie. Dort trat Bigelow als Crusher Yurkof auf. Ein typisches 80er Jahre Gimmick als „böser Russe“, das Bigelow absolut hasste. Vor allem weil er als „Bam Bam Bigelow“ bestens funktioniert hatte und bereits früh in seiner Karriere in einem Artikel der Sports Illustrated vorgestellt wurde. Dafür bekam er bei WCCW Gelegenheit, mit weiteren bekannten Wrestlern, wie den Fabolous Freebirds, zu arbeiten und sich die Hörner abzustoßen.

Erste Runs bei WWF und WCW sowie Trips nach Japan

Zum Glück blieb das Yurkof Gimmick jedoch nicht haften und Bigelow trat wieder mit seinem erprobten Alter-Ego ab 1987 bei der WWF auf. Auch dort stieg der unfassbar agile Big Man schnell in der Gunst der Fans. Im Survivor Series Main Event Match (1987) wurde Bigelow Teil des Teams von Hulk Hogan, das gegen eine Auswahl um Andre the Giant antrat. Dort wurde Bigelow erst als Letzter (und somit nach Hulk Hogan) vom Giant eliminiert. Es folgten Programme und Fehden gegen Andre the Giant sowie gegen The One Man Gang. Ein Jahr später trat Bigelow bei Jim Crockett Promotions (dem Vorläufer der WCW) auf.

 

 

Dort verblieb er jedoch nicht lang, da alsbald der Ruf der Fremde lockte. Bam Bam Bigelow ging nach Japan, um dort für Antonio Inokis New Japan Wrestling aufzutreten. Auch hier wurde der große, dickliche doch ungeahnt agile Big Man willkommen geheißen. Bam Bam Bigelow selbst, liebte es in Japan zu arbeiten. Da dort die Trennung zwischen Babyface und Heel nicht so plakativ war wie im Westen, konnte er auch im Ring seine besten Aktionen zeigen, ohne deswegen als Heel schlechter zu funktionieren. Insgesamt sollten es rund 80 Trips von jeweils mehreren Wochen nach Japan werden.

Bigelow scherte sich nicht um Titel

In Japan formte Bam Bam Bigelow ein Tag Team mit Big Van Vader (später einfach als Vader bekannt). Eine naheliegende Allianz, da auch Vader als Big Man gelegentlich Flugeinlagen zeigte. Gemeinsam holten sie sich die IWGP Tag Team Gürtel. Überhaupt waren es (zumindest auf der größeren Bühne) zumeist Tag Team Gürtel, die sich Bam Bam Bigelow sichern konnte. Gleichwohl er ein gut bezahlter Mann war, der bei den Fans stets gut ankam, war er nie der große Singles-Champion. So wurde er später in der WCW zweimaliger Tag Team Champion (mit Diamond Dallas Page und Chris Kanyon). In der WWF gewann er, auch bei einem späteren Run, hingegen nie einen Titel. Allerdings wurde er dort 1993 Finalist beim King of the Ring Turnier, wo er Bret Hart unterlag.

Die größten Singles-Erfolge für Bam Bam Bigelow waren wohl seine ECW World Heavyweight Championship sowie seine AWA Southern Heavyweight Championship, die er früh in Memphis erringen konnte. Ferner wurde er WCW Hardcore Champion sowie 1986 vom Wrestling Observer Newsletter als Newcomer des Jahres anerkannt.

Dass Bam Bam Bigelow trotz seiner eindeutigen Qualitäten und dem Wert, den einige Promoter scheinbar in ihm sahen (so verdiente Bigelow in seinen besten Zeiten zwischen 750.000 Dollar und 1,2 Millionen Dollar pro Jahr) nie der große Singles-Champion war, dürfte aber auch an ihm gelegen haben. Denn laut Bam Bam Bigelow selbst nervten ihn die Titel einfach, da diese nur unnötiger Ballast in seinem Gepäck gewesen wären, den er bei jeder Flughafen Kontrolle herausholen musste. Bigelow war es auch herzlich egal, ob er in Matches gewann oder verlor, solange man ihn gut bezahlte. In diesem Zusammenhang bezeichnete sich Bigelow einmal als der am besten bezahlte „Jobber“ der Welt.

 

 

Run in der ECW und ein bitteres Ende

Bigelows größter Erfolg bei der WWF war wohl sein Auftritt als Headliner von WrestleMania XI, wo er im Main Event gegen den Football Star Lawrence Taylor antrat. Danach war er bei der WCW aktiv, wo er die besagten Titel erreichte. Seine wohl individuell erfolgreichste Zeit (auch wenn kaum die am besten bezahlte) hatte er wohl bei der ECW, wo er Teil des Stables Triple Threat wurde (gemeinsam mit Shane Douglas und Chris Candido). Dort wurde er in Fehden gegen Spike Dudley, Tazz sowie gegen Shane Douglas eingesetzt, was in einigen sehr guten Matches mündete, an die sich die Fans heute noch gerne erinnern.

Doch abseits des Rings sollte es fortan leider nicht mehr gut für Bigelow laufen. Im Jahr 2000 trennte sich seine Frau von ihm, um ihn 2005 wegen unterlassener Unterhaltszahlungen für die vier Kinder zu verklagen. Allerdings dürfte Bam Bam Bigelow im Vorfeld einiges an Karma wieder ins rechte Lot gebracht haben, als er im Jahr 2000 drei Kinder aus einem brennenden Haus rettete. Dabei zog sich Bigelow an rund 40 % seiner Körperfläche Verbrennungen zweiten Grades zu und verbrachte zehn Tage im Krankenhaus. Im Mai 2004 wurde Bam Bam Bigelow wegen Fahrlässigkeit am Steuer vor Gericht gezerrt. Allerdings konnte er nachweisen, dass er einen Schlaganfall hinter dem Steuer erlitten hatte und es dadurch fast zu einem Unfall gekommen wäre. Tatsächlich zu einem Unfall kam es 2005, als Bigelow und seine Freundin mit einem Motorrad verunglückten, wobei sich insbesondere seine Freundin erheblich verletzte. Allerdings erholte sie sich wieder und blieb Bigelow bis zu seinem Tod treu. Ein Restaurant, das Bam Bam Bigelow eröffnete, floppte und musste rasch wieder schließen.

Bam Bam Bigelow verstarb im Alter von nur 45 Jahren an einer Überdosis Drogen. So ergab die anschließende Untersuchung, dass er Kokain und Medikamente gegen Angstzustände hoch dosiert gemischt hatte. Sein körperlicher Zustand war ebenfalls sehr alarmierend gewesen. Er hatte Herzprobleme und schwere, chronische Rückenschmerzen gehabt. Später enthüllte Shane Douglas, dass Bigelow schon während seiner aktiven Karriere an Diabetes gelitten habe. Das Ende von Bigelow war nicht nur tragisch, sondern auch recht obskur. Er war stets sehr eigenbrötlerisch gewesen und hatte zuletzt auch den Wohnort gewechselt, ohne seine alten Wrestling-Kumpanen zu informieren. Letztlich waren es wohl seine Dämonen sowie die schwere körperliche Hypothek für eine begeisternde aber auch sehr verschleißende Gangart im Ring, die ihm ein so betrübliches Ende bereitet haben.


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