Julia Görges und Angelique Kerber erreichen Viertelfinale in Doha

Bildquelle: Tatiana from Moscow, Russia [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Erst im Tiebreak des jeweils zweiten Durchgangs änderten sich die bis dahin quasi deckungsgleichen Spielverläufe der Partien von Angelique Kerber (6:1, 7:6 gegen Anett Kontaveit) und Julia Görges (6:1, 6:7, 6:4 gegen Alison Riske). Um das Achtelfinale in Katar zu überstehen, benötigte schließlich nur Görges den Entscheidungssatz – beide Deutsche zusammen indes satte 14 Matchbälle!

Entweder Doha oder der Fed Cup: Nicht nur Angelique Kerber, Sechste der Damen-Weltrangliste, und Julia Görges (16.) hatten durch die ziemlich fragwürdige Terminierung des Fed Cups durch den Tennisverband ITF in der Saisonplanung eine Entscheidung zu treffen. Starke Spielerinnen wie sie fehlten beim Fed Cup, in dem Deutschland Weißrussland klar unterlag. Starke Spielerinnen wie die Weißrussinnen fehlen aber auch bei diesem großen WTA-Premier-5-Turnier, das mit Blick auf Preisgeld und Weltrangliste schlicht zu wichtig ist, als unbeachtet links liegen gelassen zu werden.

Fed Cup Verzicht hat sich für beide bereits jetzt gelohnt

Und anhand der Reaktionen auf ihre Siege mit einigen Höhen und Tiefen innerhalb der Matches hatte man auch Kerber und Görges die Bedeutung ansehen können. Ihren Gegnerinnen Anett Kontaveit (Estland, Weltranglisten-20.) und Alison Riske (USA, 52.) ebenso. Beide Außenseiterinnen gaben sich gegen die zwei derzeit besten deutschen Tennisspielerinnen trotz jeweils aussichtslos wirkenden Zwischenständen zu keiner Zeit auf.

Schließlich mussten Kerber und Görges hart kämpfen, um sich wichtige Zähler für die Weltrangliste zu sichern. Da dies glückte, lohnte und lohnt sich die Entscheidung pro Doha für sie bereits mit Erreichen des Viertelfinales.

Synchron den Faden verloren

Zwar gewannen Kerber und Görges ihre Auftaktsätze jeweils souverän mit 6:1, doch die Parallele ihrer Auftritte stach erst in Durchgang zwei heraus. Beide hatten auch hier ein Break vorgelegt und waren vermeintlich schnurstracks auf dem Weg zum finalen Handshake.

Ein klassischer Fall von „Denkste“! Beide vergaben etliche Matchbälle, Görges fünf, Kerber zunächst sechs. Beide büßten ihren Vorsprung ein. Erst im Tiebreak war mit der Synchronizität der Ereignisse Schluss.

Kerber spielte neben Kontaveit auch gegen deren Coach

6:1 und 4:1 hatte Angelique Kerber bereits geführt, dann kniete sich in der Wechselpause Trainer Nigel Sears vor die 23-jährige Kontaveit und sagte der beinahe fast an Kerber verzweifelnden Estin, sie möge doch ab jetzt ungeachtet des Ergebnisses von allen taktischen Zwängen befreit aufspielen. Und das tat die insgesamt forsch und druckvoll auftretende Kontaveit fortan. Sie beendete die Kopfspielchen bei den langen Ballwechseln und brachte die nun ihrerseits ins Grübeln kommende Kerber auch per Ergebnis in Bedrängnis.

Der Deutschen halfen schließlich vor allem etliche Netzroller, um sich in den Tiebreak zu retten. Dort hatte sie sich dann gefangen und der nunmehr zu aggressiv spielenden Estin die Tür zu den letzten ihrer viel zu vielen „nicht erzwungenen Fehler“ geöffnet. Der insgesamt achte Matchball saß dann. Tiebreak: 7:3.

Das Görges-Match: Ein Eldorado für Sportwetter der hohen Quoten

Noch kurioser gestaltete sich das Match von Julia Görges. Auch, weil sie mit Alison Riske gegen die weniger talentierte Kontrahentin der beiden Deutschen sich das Leben selbst schwer machte. Zu keiner Zeit stand Görges komplett neben sich; verteilte jedoch phasenweise ihre Vorhandgeschosse häufiger knapp neben und hinter den Linien als im Feld zu teils sehenswerten Punkten. Folglich dominierte Görges zwar so ziemlich jede Statistik auch im zweiten Satz, verlor ihn aber letztlich wegen zu vieler Fehler. Selbst im Tiebreak hatte sie schon 3:0 geführt. Mitunter war der Sieg für die Amerikanerin derart undenkbar, dass die Wettquoten dafür in hohe zweistellige Bereiche geschossen waren.

Die Achterbahnfahrt ging weiter. Im Entscheidungsdurchgang hatte Riske den Aufschlag Görges' zum 3:2 gebrochen und gar Breakball zum 5:2 gehabt. Hier nun war die Siegquote der Deutschen im zweistelligen Bereich. Doch Görges biss zurück, holte sich nicht nur das Spiel zum 3:4, sondern die nächsten drei gleich dazu. Mit dem sechsten Matchball im Ganzen gewann sie die Partie verdient, wenn auch kurios und etwas glücklich 6:1, 6:7, 6:4. Die an Position 9 gesetzte Görges trifft im Viertelfinale auf die an Eins gesetzte Weltranglistendritte Simona Halep. Für Kerber geht es gegen Barbora Strycova (49.) weiter.

Marterer krasser Außenseiter gegen Thiem

Während sich bei den Damen alles auf das WTA-Turnier in Doha konzentriert, verteilt sich die Aufmerksamkeit bei den Herren auf drei Veranstaltungen. Eher wegen seines Gegners im Achtelfinale ergattert auch Maximilian Marterer ein bisschen davon. Der Nürnberger befindet sich auf Weltranglistenposition 85 und ist auch daher gegen den beim Sandplatzturnier in Buenos Aires an Eins gesetzten Dominic Thiem (Österreich) krasser Außenseiter. In jener Achtelfinalrunde steht gleichfalls David Ferrer, der im Jahr seines Karriereendes gern noch ein paar Ründchen überstehen möchte. Nun geht es gegen seinen spanischen Landsmann Albert Ramos Vinolas.

In der namhaftesten Partie der namhaftesten aktuellen Herrenveranstaltung in Rotterdam schlug im Achtelfinale der Schweizer Stan Wawrinka den an Vier gesetzten Aufschlagspezialisten Milos Raonic (Kanada) in zwei Sätzen trotz dessen 15 Assen. Auf Turniermitfavorit Kei Nishikori würde Wawrinka bei entsprechenden Erfolgen beider im Halbfinale treffen. Das favorisierte amerikanische Aufschlag-Wunder John Isner hat sich derweil beim ATP-250 in New York durch ein 7:6, 6:4 gegen den Australier Bernard Tomic ins Viertelfinale geballert (27 Asse).


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