Trotz Viertelfinale in Montreal - Die Zverev-Kritik setzt sich fort

Trotz Viertelfinale in Montreal hagelt es für Alexander Zverev Kritik

Bildquelle: Keith Allison from Hanover, MD, USA [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Einige Kritiker von Alexander Zverev haben sein Viertelfinal-Aus beim Masters 1000 in Montreal einmal mehr genutzt, um seine vermeintlich sehr schwache Form in diesem Jahr zu bemängeln. Da ist von einem „Dauertief“ die Rede (u.a. n-tv, t-online.de), nachdem er in Kanada weiter gekommen ist als jeder andere männliche und weibliche Tennisprofi aus Deutschland auf den Haupttouren von ATP und WTA in dieser Woche. Im Achtelfinale gelang dem gebürtigen Hamburger die Revanche vom Heimturnier am Rothenbaum gegen Nikolosz Basilashvili (Georgien), der Zverev dort noch im Halbfinale besiegt hatte, ehe er später das Turnier gewann.

In Quebec war nun in der Runde der letzten Acht Schluss für Zverev gegen den starken Russen Karen Khachanov, den Achten der Weltrangliste der Herren. Beim 3:6 und 3:6 konnte der Deutsche freilich nicht an die besten Zeiten seiner noch jungen Karriere anknüpfen, verursachte acht Doppelfehler – gegen Basilashvili waren es gar 14 – und gewann lediglich 32 Prozent der Punkte beim eigenen zweiten Service. Alles andere als berauschende Daten, dennoch wird die Qualität von Khachanov in der Analyse schlicht verschwiegen, stattdessen Vergleiche mit den erfolgreichsten Zeiten Zverevs gezogen. Als wäre etwa der Titel von Montreal aus dem Jahre 2017 der allgegenwärtige Maßstab für ein zwar großes, dennoch erst 22-jähriges Tennistalent.

Murray will in Cincinnati wieder angreifen

Zverev ist aktuell Sechster im ATP Live Ranking, offenbar zu wenig für einige Sportjournalisten und -redakteure. Damit ist er Dritter aller Spieler in der Kategorie „Best of the Rest“. Einen sportlichen Dauervergleich mit Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer halten bis zum heutigen Tag nur ganz wenige Spieler über einen halbwegs langen Zeitraum stand. Dazu können die großen Talente Zverev, Felix Auger-Aliassime oder auch Stefanos Tsitsipas noch nicht zählen. Ihre Zeit kommt erst mit der Routine. Am ehesten in dieser Riege stehen wohl der dreifache Grand-Slam-Turnier-Sieger Stan Wawrinka und erst recht der etwas unglücklich in dieselbe Tenniszeit wie das historische Triumvirat hineingeborene britische Ausnahmespieler Andy Murray.

Der wiederum, mittlerweile 32-jährig, will sein Comeback als Solist auf der Tour in der anstehenden Woche beim letzten großen Hartplatzturnier vor den Ende August beginnenden US Open geben. Das Masters in Cincinnati freut sich auf ihn, die Veranstalter haben ihm fast selbstredend nach seiner langen Verletzungspause eine Wildcard kredenzt. Interessant werden die Leistungen von Murray, Zverev und den anderen Herausforderern der drei Großen beobachtet werden. Zu einem vermeintlichen Favoriten für die US Open kann nach menschlichem Ermessen derzeit keiner aufsteigen als Djokovic, Nadal und Federer – auch nicht, wenn er Weltmeister ist wie Zverev.

 

 

Zverev vs. Andreescu: Warum einer 19-Jährigen ein Titel eher zuzutrauen ist

Ein ganz anderes Bild bietet seit vielen Jahren das Damentennis, in dem jederzeit so ziemlich alles möglich zu sein scheint. Gerade als man glaubte, Simona Halep befände sich in einem Formtief nach starken letzten Jahren, gewann die Rumänin die prestigeträchtigen Wimbledon Championships 2019. Im Viertelfinale vom aktuellen Hartplatzturnier in Toronto unterlag sie hingegen als haushohe Favoritin der jungen Tschechin Marie Bouzkova (91. der Weltrangliste Damen). Nach mit 4:6 verlorenem ersten Durchgang gab Halep auf, offiziell wegen einer Beinverletzung.

Anders als bei den Herren hat hier die Jugend eine durchaus realistische Chance auf den Sieg bei den US Open. Nicht zuletzt in Person von Bianca Andreescu (Kanada). Nicht weit nach ihrem großen Sieg im Finale von Indian Wells im Frühjahr gegen Angelique Kerber musste sich die heute 19-Jährige einer Verletzungspause unterziehen. Ein verfrühter Einsatz vor einigen Wochen verlängerte die Zwangspause noch einmal zusätzlich. Doch nun beim Wettkampf in der Heimat läuft anscheinend alles wieder bestens. Auf dem Weg ins Halbfinale hat sie sportliche Schwergewichte wie Kiki Bertens (Niederlande) und Karolina Pliskova (Tschechien) aus dem Weg geräumt. In dauerhafter Abwesenheit überragender Akteure bei den Damen, wie es Djokovic, Nadal und Federer bei den Herren sind, ist aufstrebenden Spielerinnen wie Andreescu auch fairerweise mehr zuzutrauen bei Majors als etwa den jungen Talenten bei den Herren – wie Zverev.


Tennis

Werbung