Saison 1967/68: Trainerentlassung von Herbert Widmayer beim Karlsruher SC

Trainerentlassung von Herbert Widmayer 1968 beim Karlsruher SC

Bildquelle: JAY-R [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Die Saison 1967/68 gehört definitiv zu den schwärzeren in der Vereinsgeschichte des Karlsruher SC. Vier Trainer wurden verschlissen, die Spieler revoltierten und am Ende stiegen die Badener sang- und klanglos ab. Nach der Trainerentlassung von „Professor“ Paul Frantz und dem Rücktritt von Georg Gawliczek wurde Herbert Widmayer als Interimstrainer des Karlsruher SC berufen. Doch dieser wurde bereits nach zehn Tagen und zwei Pleiten wieder abgelöst.

Als Herbert Widmayer am 9. Februar 1968 kurzfristig den Trainerposten beim KSC übernahm, hätte die Ausgangslage kaum schlechter sein können. Die Mannschaft hatte zuvor erfolgreich gegen Widmayer-Vorgänger Georg Gawliczek den Aufstand geprobt, sodass dieser seinen Rücktritt einreichte. Und in der Bundesliga belegten die Blau-Weißen mit 10:32 Punkten den 18. und somit letzten Platz. Der Rückstand auf das sichere Ufer betrug bereits sechs Zähler.

Beim KSC-Vorstand hegte man die Hoffnung, dass der erfahrene Widmayer den Klub wieder schnell in erfolgreichere Gewässer führen würde und sich der Abstieg noch irgendwie vermeiden ließe. Es war ein Trugschluss.

KSC-Trainer Widmayer nach zwei Pleiten abgelöst

Denn nur einen Tag nach dem Widmayer, der zuvor in seiner Trainerkarriere auch den Bundesligisten 1. FC Nürnberg (von 1960 bis Oktober 1963) trainierte und vor seinem Engagement auf der KSC-Trainerbank beim nordbadischen Fußballverband beschäftigt war, den Posten übernahm, stand das Heimspiel gegen den DFB-Pokalsieger Bayern München auf dem Programm. Der Karlsruher SC schnupperte lange Zeit an einer Überraschung und konnte bis zur Schlussphase das 0:0 halten, doch am Ende ging das Spiel vor heimischer Kulisse im Wildparkstadion durch zwei späte Bayern-Tore von Rainer Ohlhauser und Gerd Müller mit 0:2 verloren und der KSC stand mal wieder mit leeren Händen da.

Noch schlimmer lief es für KSC-Trainer Herbert Widmayer am nächsten Spieltag. In der 23. Spielrunde gastierte Karlsruhe bei Borussia Dortmund, wo man mit 0:5 unter die Räder kam. Das war gleichbedeutend mit der fünften Niederlage am Stück und der Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze war auf acht Zähler angewachsen.

Auch Widmayer-Nachfolger Termath konnte KSC nicht retten

Für Widmayer war das Kapitel als Interimstrainer des Karlsruher SC nach diesen zwei Niederlagen und insgesamt nur zehn Tagen beendet. Der damals 54-Jährige wurde von Bernhard Termath abgelöst, aber auch mit ihm auf der Trainerbank konnte der KSC den Abstieg in der Saison 1967/68 letztendlich nicht mehr verhindern.

 

 

Für Herbert Widmayer sollte der KSC die letzte Trainerstation in der Bundesliga gewesen sein, insofern man bei einem zehntätigen Interimstrainer-Dasein von einer „Station“ sprechen kann. Zwischen 1970 bis 1979 arbeitete er für den DFB und war dabei u.a. für die Jugendauswahl verantwortlich, während er 1974 bei der WM in Deutschland zum Trainerstab von Bundestrainer Helmut Schön gehörte.

Familientragödien – Wie viel Leid erträgt ein Mensch?

Privat hatte Herbert Widmayer viele Tiefen zu durchschreiten. Familiäre Tragödien mussten bewältigt werden, aber auch das Ableben seines Bruders und seiner ersten Frau machten ihm das Leben schwer. Widmayer war im 2. Weltkrieg beispielsweise Pilot der deutschen Wehrmacht und wurde gleich zweimal in seinem Kampfflieger abgeschossen.

Er überlebte den Abschuss, geriet aber in britische Kriegsgefangenschaft. Widmayer, der als erster Trainer der Bundesligageschichte entlassen wurde, kehrte nach Deutschland zurück und musste feststellen, dass eine erste Frau im Sterben lag. Aber nicht nur diese Tragödie musste er miterleben, denn auch sein Bruder Werner Widmayer war nicht mehr am Leben. Er fiel während des 2. Weltkrieges.

Sohn Widmayers Tod durch Autounfall

Und auch sein Sohn konnte Widmayer nicht überleben, denn er verstarb an den Folgen eines Autounfalles. Wie viele Schicksalsschläge kann ein Mensch nur ertragen? Dennoch fand er den Weg in den deutschen Fußball und wurde Trainer. Zwischen 1978 und 1994 war er sogar Präsident des Bund Deutscher Fußball-Lehrer und zudem gründete er die Union Europäischer Fußballtrainer mit.

Morgen jährt sich sein Todestag bereits zum 21. Mal, denn Herbert Widmayer verstarb am 31. Juli 1998 in Frechen bei Köln. In Erinnerung bleibt der ehemalige Bundesligatrainer dennoch vielen Wegbegleitern als überaus sympathischer Mensch!


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