Die Trainerentlassung von Georg Gawliczek 1968 beim Karlsruher SC - Blick zurück

Georg Gawliczek und seine Trainerentlassung beim KSC

Bildquelle: Augenstein [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild bearbeitet)

Nach der Entlassung von Professor Paul Frantz übernahm Georg Gawliczek den Trainerposten beim Karlsruher SC. Er sollte die Mannschaft aus dem Tabellenkeller und zum Klassenerhalt führen. Doch die Mission scheiterte grandios. Zwischen Trainer und Mannschaft kam es zum Bruch und so sah sich Gawliczek gezwungen, Anfang Februar 1968 seinen Rücktritt einzureichen.

In der Saison 1967/68 ging es beim KSC leicht chaotisch zur Sache. Cheftrainer Paul Frantz, der parallel zu seinem Trainerjob noch an der Sporthochschule in Straßburg unterrichtete, wurde mit Georg Gawliczek ein zweiter Trainer zur Seite gestellt. Gawliczek war von Anfang an über das Maß eines „normalen“ Assistenztrainer in die tägliche Trainingsarbeit involviert und übernahm nach dem 10. Spieltag endgültig das Ruder, als der Karlsruher SC nach einem miserablen Saisonstart mit 6:14 Punkten auf dem 17. Tabellenplatz stand.

Nicht zuletzt auch das ständige Hin und Her zwischen Frantz und Gawliczek machten es den Spielern nicht leichter und die Moral sank in den Keller, wie folgende eine Spieleraussage untermauert: „Wir stehen zwischen zwei Feuern und wissen im Augenblick nicht, wohin wir hören sollen. Dahin ist die Begeisterung, die im vergangenen Jahr die Mannschaft beflügelte!“

KSC-Team mit Revolte gegen Trainer Gawliczek

Doch die Hoffnungen, dass nun endlich Ruhe in die Mannschaft einkehren würde und die Mission Klassenerhalt mit Erfolg beginnen konnte, sollte sich schnell zerschlagen. Zwischen dem 12. bis 24. Spieltag blieb der Karlsruher SC in der Bundesliga in 13 Spielen in Folge ohne Sieg und entsprechend lagen die Badener abgeschlagen auf dem 18. Tabellenplatz. Doch solange saß Gawliczek gar nicht mehr auf der Trainerbank.

Am 21. Spieltag verlor der KSC sein Gastspiel bei Hannover 96 mit 0:2 und das rettende Ufer war in weiter Ferne. Auf der folgenden Pressekonferenz ließ Noch-KSC-Trainer Georg Gawliczek seinen Unmut freien Lauf und beklagte nicht zu Unrecht sich, dass „16 Lizenzspieler einfach zu wenig sind“. In der Presse wurde kurz darauf berichtet, dass es zwischen Gawliczek und den Lizenzspieler zu einem „offenen Bruch gekommen“ ist.

Die Spieler revoltierten gegen ihren Trainer und sprachen sich für eine Entlassung aus. Um ihrer Forderung weiteren Ausdruck zu verleihen, boykottierten einige Spieler das Training und erklärten dem Vorstand des Vereins erneut, dass sie gegen eine weitere Zusammenarbeit mit dem Trainer sind.

Gawliczek trat nach Spieler-Revolte als KSC-Trainer zurück

Der KSC-Vorstand hielt jedoch noch weiter an Coach Gawliczek fest, bis er am 9. Februar 1967 selber seinen Rücktritt einreichte. Der Karlsruher SC hatte zu diesem Zeitpunkt 10:32 Punkte auf dem Konto und war Tabellenletzter.

 

 

Nachdem Herbert Widmayer, der beim nordbadischen Fußballverband tätig war, für ein paar Tage das Training leitete und die Badener für zwei Bundesligaspiele (beide gingen verloren) betreute, wurde am 19. Februar 1968 Bernhard Termath als neuer KSC-Trainer vorgestellt. Am Ende der Saison stieg Karlsruhe aber als Tabellenschlusslicht mit 17:51 Punkten ab.

Georg Gawliczek Trainer bei Zürich und in Deutschland

Nach seiner Zeit beim Karlsruher SC sollte es aber für den ehemaligen Co-Trainer der deutschen Nationalelf weitergehen. So übernahm er ein Jahr später den Trainerposten beim FC Zürich, wechselte später an die Seitenlinie des FC Young Fellows Zürich und kam 1972 zurück nach Deutschland, wo er Südwest Ludwigshafen als Übungsleiter übernahm.

Weitere Stationen waren: Tennis Borussia Berlin, Wacker 04 Berlin, Freiburger FC, Waldhof Mannheim und zwischen 1981 und 1983 Hertha BSC. Dies war auch seine letzte Trainerstation in seiner Karriere. Nur 16 Jahre später, also am 4. September 1999 verstarb Georg Gawliczek. Er wurde 80 Jahre alt und bleibt bis heute vielen Fußballfans in bester Erinnerung.


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